Vor 20 Jahren: Handy-Rüpel in der Loge

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Die Werbeagentur der Deutschen Bundespost Telekom hat zwar manchmal witzige Ideen, aber leider keine Ahnung, wie man sich im Mobilfunk-Alltag benimmt. In einer Anzeige für Cityruf sitzt ein elegantes Paar beim Opernabend in der Loge. Sie hält einen offenbar piepsenden Pager in der Hand, schaut besorgt auf die Anzeige und meint zum Gatten: „Unser Sohn meint, du sollst kommen, er hat Gespenster unterm Bett“.

Wo doch jeder hoffentlich inzwischen weiß, dass dies ein krasser Verstoß gegen die D-Netikette ist: Wer ein eingeschaltetes Mobilfunkgerät in der Oper, im Kino, in der Bücherei oder sonst wo mitnimmt, wo sich andere konzentrieren wollen, ist das kommunikative Gegenstück zu jenen Zeitgenossen, die im Sommer mit heruntergelassenen Autofenstern und dröhnendem Autoradio an der Ampel stehen. Früher sagte man da ganz einfach „Rüpel“ dazu.

 


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 12. März 1995 im Cole-Blog

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Vor 20 Jahren im Cole-Blog: Erstbesteigung per Handy

20 years of bloggingPeter Waldleitner, dem geneigten Leser als Chefredakteur von connect. bekannt, nahm kürzlich in der Redaktionskonferenz eine Erstbesteigung für sich in Anspruch. Er sei am Wochenende in den bayerischen Alpen durch die Benediktinerwand gegangen und habe von dort aus zu Hause angerufen um zu sehen, ob mittlerweile auch in Deutschland Telefonieren vom Gipfel aus möglich sei. „Mit Handy ist bestimmt noch keiner vor mir da hoch“, glaubt Waldleitner. Sein Pech: Der Freund seiner Schwester, der daheim in Stuttgart das Telefon abhob, glaubte ihm kein Wort davon: die Sprachqualität sei doch viel zu gut. In Wirklichkeit säße er doch sicher wieder mal am Wochenende im Büro…

 


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 10. März 1995 im Cole-Blog

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Die Cloud-Begeisterung hält sich nach wie vor in Grenzen

Je größer, desto Cloud!

Je größer, desto Cloud!

Sind die deutschen Cloud-Muffel? Der Ruf eilt ihnen ja voraus. Aber stimmt das denn auch? Dieser Frage wollte der IT-Branchenverband BITKOM am Vorabend der CeBIT auf den Grund gehen und gab gemeinsam mit den Analysten von KPMG eine Umfrage in Auftrag, zu der über 400 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern befragt wurden. Und es sieht, so viel vorab, nach einer Trendwende aus.

Überwog in den drei Vorjahren, wo es eine ähnliche Befragung gab, noch die Skepsis, sind heuer erstmals mehr Befürworter als Ablehner zu verzeichnen. 40 Prozent geben an, dem Thema „generell positiv“ gegenüber zu stehen. Skeptisch bleibt nur noch ein Drittel. Vor zwei Jahren war es umgekehrt. Allerdings nutzen nur 44 Prozent tatsächlich schon Cloud-Dienste – 58 Prozent lehnen das Thema weiterhin ab oder befinden sich noch in der Planungsphase. Wobei es vor allem die kleineren Unternehmen sind, die die Statistik nach unten drücken: 70 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind schon in der Cloud unterwegs; bei Firmen bis 100 Mitarbeitern sind es nur 41 Prozent.

Cloud ist aber nicht gleich Cloud. Fachleute unterscheiden bekanntlich mindestens drei Arten von Wolken-IT: Private, Public und Hybrid, also eine Mischung von beiden. Deutsche Unternehmen trauen sich noch nicht hinaus in die offene Cloud-Welt: 39 Prozent ziehen es vor, hinter der häuslichen Firewall zu bleiben und behaupten, Cloud-Anwendungen nur im firmeninternen Netzwerk zu nutzen. Weiterlesen

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20 Jahre Cole-Blog: Das grüne Netz

nokia 2110Seit über zwei Jahren schreibe ich an dieser Stelle über meine kleinen und großen Erlebnisse als Besitzer eines Mobiltelefons. Die Überschrift „Mein Alltag im D-Netz“ war damals sinnig – weil es nur die beiden D-Netze gab. Doch inzwischen ist ja ein weiteres Mobilfunknetz nach dem GSM-Standard hinzugekommen. Vor ein paar Wochen habe ich deshalb mit Manuela Grottke von der E-plus-Pressestelle in Düsseldorf telefoniert, die mir ein kleines, knallgrünes Telefon samt Karte schickte und mich bat, es mal bei der „Konkurrenz“ zu probieren.

Aller Anfang soll schwer sein. Stimmt nicht: Spätestens als ich in dem grünen Winzling meinen altvertrauten Nokia 2110 wiedererkannte war alles klar. Der Einschaltknopf ist zwar auf die linke Seite gewandert, die Knöpfe wirken irgendwie eckiger und flacher, aber sonst ist es genau das selbe Gerät – klein, handlich, praktisch, mit sehr guter Sprachqualität und einem Akku, der mich ein Tag lang ohne Aufladen begleitet – wenn ich nicht allzu oft telefoniere. Ja, ich konnte sogar die Reserveakkus meines D-Netz-Nokias weiterbenützen. Weiterlesen

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Leistungsschutzrecht: Chronik eines angekündigten Todes

Die Geister, die sie riefen

Die Geister, die sie riefen

Ich finde Kommentare schrecklich, die mit den Worten beginnen: „Ich hab’s ja gleich gesagt!“ Deshalb fange ich diesen Kommentar mit den Worten an: „Sebastian hat’s ja gleich gesagt!“

Sebastian, das ist mein Czyslansky-Freund Sebastian von Bomhard. Auch „SvB“ genannt“, Chef des Internet-Providers Spacenet in München und wie ich ein echtes Internet-Urgestein. Er hat das alles von Anfang an erlebt, hat das Auf und Ab der Dotcom-Blase heil überstanden, weil er das hat, was man hier in Österreich den „Hausverstand“ nennt, und seine Firma nicht auf Pump finanzierte. Er kennt sich also sowohl in der Technik wie im Wirtschaftsleben aus, und er hat schon im Juni 2012 in einer Mini-Serie über die „Mythen des Urheberrechts“ geschrieben: „Dass das Leistungsschutzrecht in der vorliegenden Form weder gerechtfertigt noch unschädlich ist, wissen wir inzwischen. Nicht nur Bürgerrechtler, Piraten, Juristen und andere Internetaktivisten warnen vor den äußerst unschönen Nebenwirkungen eines solchen Gesetzes, das, sollte es denn kommen, das Internet verändern würde.“

Seine Worte verhallten damals (fast) ungehört.

Aber wie klingen diese: „In Deutschland hat die Einführung des Leistungsschutzrechtes dazu geführt, dass den Nutzern von Suchmaschinen die Suchergebnisse nicht mehr im gewohnten Umfang zur Verfügung gestellt werden. Das Leistungsschutzrecht führt zu einer Reduzierung der Meinungs- und Informationsvielfalt.“

Oder diese: „Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger hat erwartungsgemäß zu einem ganz erheblichen Maß an Rechtsunsicherheit geführt.“

Diese Worte stammen von der BITKOM, dem Bundesverband der deutschen IT-Wirtschaft. Sie stehen in einer kleinen Broschüre mit dem Titel Leistungsschutzrecht für Presseverleger – eine Bestandsaufnahme, die dieser Tage veröffentlicht wurde und in der an die Kritik erinnert wird, die seinerzeit bei der Verabschiedung des Leistungsschutzrechts durch den Deutschen Bundestag geäußert wurde – nicht nur von SvB. „Unter anderem wurde im damaligen Gesetzgebungsprozess und auch nach der Verabschiedung kritisiert, dass das Leistungsschutzrecht in dieser Form weder rechtlich noch ökonomisch zu rechtfertigen sei und zu erheblichen Kollateralschäden führen werde.“ Weiterlesen

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English Enlightenment

BoD DEN

During the phase we now call „The Enlightenment“ societies in Europe managed to throw off oppressive regimes, free cities from the bondage of the medieval estate-based society, and define a set of basic human rights that helped define their sense of self. The subsequent upswing not only transformed economies, but continues to influence throught processes and societal discussions all across the Western world.

Today, we as citizens of an increasingly digitized and networked world face similar circumstances as the fathers for the (bourgeois) Enlightenment of the 18th century. We need the audacity to rethink rules, values and categories that define societies and our own roles within them. In the words of Immanuel Kant, the “father” of the first Enlightenment, we need to “dare to think for ourselves” (”Sapere aude!”).

Invoking pink images of a perfect past won’t help us, nor will holding on to obsolete legal and cultural frameworks which continue to defy digital reality. Trusted old concepts such as “privacy” or “copyright” have no place in a world of digital transparency, and the sooner we wake up to this and start adapting as individuals and as a society the better. However, we need to establish alternatives to replace these old categories, and for this we need informed discussion. That is what this book hopes to stimulate. All we know for sure is that neither old-style critical reasoning nor traditional political economy, much less fuzzy notions of psychoanalysis or media theory will suffice to point us towards the digital future. We need to reexamine reality, looking through the lens of digital transformation – and at times through the lens of a pair of Google Glasses – in order so see where we are going and how to influence the outcome. We must, in short, survey the digital world anew.

My friend Ossi Urchs and I wrote this book in the summer of 2013, and it was published in German under the title „Digitale Aufklärung“ in fall of that year. This summer, I spent three months translating and updating the text, and this week it came out in English as Digital Enlightenment Now! at BoD. It is also available in the Kindle format at Amazon.

I am very proud of this book, and my only sorrow is that Ossi didn’t live to see it published in English – a language that he loved and spoke almost as well as I do myself. But of course I’m a native American, and he hailed from Cologne, so his achievement is all the greater.


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Digital transformation and the future of intelligence

digital transformationVinton Cerf, one of the inventors of TCP/IP, is fond of talking about what he calls “network intelligence”. By that he means the makeover of IT landscapes triggered by digital networks and leading to rapid and fundamental changes in technology.

Computer experts often refer to this process as “Digital Transformation”, and there is no reason to believe that it will only have an effect in technology. In fact, digital transformation is going on as we speak in humans who are the users and beneficiaries of this digital technology. We ourselves are changing the way we communicate, enjoy ourselves, do business and organize society. How’s that for “digital transformation”?

Digitalization and networking may actually spawn the development of a new, superior form of human intelligence, which we will henceforth call communicative intelligence. The collective IQ of a network community, we believe, is greater than the total sum of the IQs of each of its members. In fact it is entirely possible that this collective IQ will behave according to the network effect first postulated by John Metcalf n 1993 which states that the benefit of networks will grow exponentially to the number of users.

Communicative intelligence will shape the way markets behave, according to the Cluetrain Manifesto, the unofficial bible of online marketers published in 1991 by Rick Levine and his colleagues Doc Searls and David Weinberger. The book consists of a collection of 95 theses that describe how the relationship between vendors and customers will evolve as the Internet and the “New Economy” cause tectonic shifts in the balance between the two. Weiterlesen

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Deutschland digital? Nicht mit uns!

Und um neun seid Ihr im Büro - sonst knallt's!

Und um neun seid Ihr alle am Schreibtisch – sonst knallt’s!

Das Internet verändert alles – nur nicht die deutsche Bürolandschaft. Arbeitgeber, aber auch viele Arbeitnehmer erweisen sich hierzulande als völlig beratungsresistent wenn es um die Neugestaltung der Arbeitsorganisation geht. Das ist jedenfalls das Fazit, das ich nach der Lektüre der neuen BITKOM-Studie zum Thema „Digitalisierung der Arbeitswelt“ ziehe. Home Office? Aber ohne mich! Flexible Beschäftigungsmodelle und Einbinden von Freien? Lieber nicht! Videokonferenz? Was iss‘n das?

Deutschland, ein einig Volk von Bürohengste. BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf, im Nebenjob Chef der Steuerberatergenossenschaft DATEV, war jedenfalls hörbar ernüchtert, als er heute die Studienergebnisse in einer Online-Pressekonferenz vorstellen musste. Wobei ihn offenbar die Tatsache besonders fuchste, dass nur 8 Prozent der befragten Firmen auf Videokonferenzen als Alternative zum Präsenztreffen setzt. Er war sich aber wenigstens der feinen Ironie bewusst , dass ihm die zugeschalteten Journalisten nur per Telefon lauschen konnten. Immerhin liefen seine Charts parallel im Internet. „Irgendwann sind wir auch soweit“, seufzte er zwischendurch.

Viel erschütternder waren die Zahlen, die er präsentieren musste. 75 Prozent der Firmen in Deutschland verlangen von ihren Mitarbeitern, dass sie während der Dienstzeit anwesend zu sein haben. Weitere 17 Prozent erlauben immerhin zwischen einem Drittel und der Hälfte ihrer Leute, zwischendurch auch mal woanders zu arbeiten. 73 Prozent sind überzeugt, dass der klassische Büroarbeitsplatz mit Präsenzpflicht auch in Zukunft das Modell der Wahl bleiben wird. Nur ein Drittel glaubt, dass das Home Office künftig an Bedeutung gewinnen wird. Bei 64 Prozent ist es schlicht „nicht vorgesehen.“ Weiterlesen

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Qualitätsjournalist – ein Hundeleben!

Ein Hundeleben ist das!

Ein Hundeleben ist das!

Ich bin eigentlich kein typischer taz-Leser, aber manchmal verirre ich mich mal auf die Website und genieße den rotzfrechen Stil und die eklektische Themenauswahl der Berliner Kollegen. So auch heute, wo mich die Headline „Bald in der ganzen Stadt: Leinenzwang“ unwiderstehlich anzog.

Ich fand dort einen pointiert geschriebenen und außerordentlich respektlosen Beitrag über die ausufernde Verbotswut Berliner Politiker, der plötzlich eine unerwartete Wende nahm und in eine schwarzhumorige Tirade gegen Hundebesitzer umschwenkte („…versuchen Sie mal, mit Leuten zu reden, die ihren kalbsgroßen Köter „Prinzessin“ nennen) und in der Forderung gipfelte: „Macht aus dem Leinenzwang ein landesweites Hundeverbot, bitte.“

Alles recht unterhaltsam und lustig, wenn auch vermutlich nicht ganz so ernst gemeint, wie es klingt. Außerdem war der Beitrag angenehm kurz – gerade mal drei Absätze lang – und flüssig geschrieben. Hut ab, lieber Kollegin Marlene Gürgen! Weiterlesen

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Why we need cognitive computers

As we enter the age of Big Data, computers as we know them are simply no longer capable of crunching the numbers fast enough. This is do to the limitations imposed by what is known as the „Von Neuman model“ or „Princton architecture“.

First described by John von Neumann in 1945, this means that the processor and the data are separated; the data are fed to the processor in sequence, namely bit by bit. This worked okay as long as we were dealing with relatively small amounts of data, but it creates what computer scientists call the „Von Neuman bottleneck“ when called upon to handle enormous loads of information.

Even more important: Von Neuman machines (viz. all computers used today) use way too much energy in the process. Already, computers around the world use more 10 percent of all energy produced, and the rate will rise, perhaps exponentially, if we try to do Big Data with conventional computers. So we desperately need to move on to a completely new generation of computers that operate like the human brain – which, incidentally, is one of the most energy-efficient computing devices imaginable. Weiterlesen

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