Kunden-Dialog hilft aus der Krise

Die deutsche Werbewirtschaft leidet bekanntlich ganz besonders unter der Wirtschaftsflaute Budgets in den klassischen Medien werden zusammengestrichen, und im Internet sind die Zuwachsraten auch nicht mehr das, was sie waren. So weit die schlechten Nachrichten. Die gute: Werbepartner sind durchaus auch heute noch bereit zu investieren. Sie wollen nur ganz sicher sein, dass ihre Botschaften ankommen.

Der Begriff „Performance-Marketing“ geistert schon lange durch die Branche, aber leider versteht offenbar jeder etwas anderes darunter. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) zum Beispiel sieht das Thema nur durch die digitale Brille, versteht darunter also in erster Linie die gezielte Kundenansprache im Internet. Der einschlägige Eintrag in der Online-Enzyklopädie Wikipedia räumt immerhin ein, dass sie auch „als Interaktionselement in eine klassische Kampagne integriert“ werden kann, bezieht sich ansonsten in seiner Definition aber nur aufs Onlinemarketing.

Das Internet in allen Ehren, aber der Wunsch, die Reaktion einer Zielgruppe messbar zu machen, ist viel älter als das quintessentiell „neue“ Medium: Es ist so alt wie die Werbung selbst. In Zeiten wie diesen, in denen der Werbetreibende jedes Euro zweimal herumdreht, sind leistungs- und erfolgsbasierte Marketingmodelle auch in den klassischen Werbeformen wichtiger denn je.

Ein alter Werber-Witz besagt, dass es eigentlich ganz leicht wäre, die Hälfte seiner Werbeausgaben zu sparen – wenn man nur wüsste, welche Hälfte. Doch die Zeiten des Blindflugs in dieser Branche sind in Wahrheit schon lange vorbei. Das ist der Grund, weshalb immer mehr Auftraggeber auf Kundendialog setzen. Nur, wer den Adressaten einer Werbebotschaft wirklich kennt und die Message gezielt abliefern kann, wird als Werber noch eine Zukunft haben. Der Trend zum Dialogmarketing ist über fast alle Kundensegmente hinweg zu beobachten. Dialogmaßnahmen gehören heute zum Standard-Mix für eine zeitgemäße Unternehmenskommunikation.

Der Grund ist klar: Dialogsysteme liefern Messbarkeit, unabhängig davon, über welches Medium sie transportiert werden. Die Ansprache des Kunden muss allerdings gezielt erfolgen, um die größtmögliche Interaktion zu erreichen, und damit sich der Absender auf die Handlungsweisen und Verbrauchsgewohnheiten des Endkunden einstellen und seine Strategie darauf abstellen kann.

Das Beispiel des Kundenbindungsprogramm „Payback“ zeigt ganz klar, wohin die Reise im Dialogmarketing von morgen geht. Mit einer Verbreitung in mehr als 60 Prozent der Haushalte und einem Umsatz von über 15 Milliarden Euro im Jahr ist das System seit dem Start im Jahr 2000 zum Markführer bei Kundenkarten in Deutschland und zur drittwichtigsten Karte im Geldbeutel der Bürger (nach EC- und Krankenversicherungskarte) aufgestiegen.  Payback erreicht 48,7% der Gesamtbevölkerung mit einer ausgeklügelten Mischung von Online- und Offline-Werbeformen, die gemeinsam eine  zumindest in Deutschland beispiellose Medienplattform bilden:

  • Viermal im Jahr erhalten die rund elf Millionen aktive Payback-Haushalte ihre Punkteübersicht per Post, die von den Partnerunternehmen als Träger für zusätzliche individualisierte Werbeformen wie beispielsweise Coupons verwendet werden können. Dazu gehen noch dreimal im Jahr etwa vier Millionen Mailings an Topkunden heraus, also diejenigen mit der höchsten Kaufaktivität in den vergangenen drei Monaten. Mit nachgewiesenen 31 Millionen Bruttokontakten, einer Öffnungsrate von sage und schreibe 97% sowie bis zu 60% Rücklaufquoten erlaubt diese Form des Direktmarketing den Partnerunternehmen von Payback eine punktgenaue Kampagnenbewertung durch Verknüpfung von Kunden.- und PoS-Daten.
  • Monatlich nutzen über drei Millionen Kunden zusätzlich die Shopping- und Service-Plattform www.payback.de. Partner können ihren Brand prominent positionieren, saisonale Themen integrieren und mit Hilfe von gezielter Contant-Platzierung wirksames Cross- und Upselling betreiben. Der Online-Newsletter von Payback erreicht jeden Monat mehr als 3,4 Millionen Kontakte, die durch Opt-in ihr eindeutiges Interesse an diesem Informationsmedium signalisiert haben. Das schlägt sich in weit überdurchschnittlichen Öffnungsquoten nieder. Das Medium erreicht die richtigen Kunden im richtigen Augenblick, nämlich im kritischen Moment der Kaufvorbereitung.

Ein solches dialoggestützte System bietet Partnern und Agenturen natürlich viele Vorteile. Durch die genaue Analyse von Kunden- und Transaktionsdaten erhalten die Payback-Partner tiefe Einblicke in die tatsächlichen Bedürfnisse und in das Kaufverhalten ihrer Kunden. Daraus lassen sich Erkenntnissen ableiten, die sie unmittelbar in ihrer Kampagnenplanung  umsetzen können, vom Kreativprozess über die Response-Steuerung bis hin zu Auswertung und Folgeaktionen.

In Krisenzeiten hat kein Auftraggeber etwas zu verschenken. Performance-Marketing, das Hype-Thema der letzten Jahre, gewinnt deshalb gerade jetzt an Aktualität und Dringlichkeit. Es wird interessant sein zu sehen, wie insbesondere die Branche der Medienagenturen auf diese Herausforderung reagiert. Noch immer ist eine unheilvolle Zersplitterung zwischen Online und Offline in der Agenturszene zu beobachten. Diese behindert jedoch den durchgehenden Dialog mit dem Kunden, der zunehmend in beiden Welten gleichermaßen zu Hause ist und dessen Kaufentscheidungen im wahrsten Sinne des Wortes multimedial ablaufen. Werber werden sich in Zukunft unter anderem auch an ihrer Bereitschaft und Fähigkeit messen lassen müssen, auf allen Tasten des Kommunikations-Klaviers zu spielen und ihren Auftraggeber echten Full-Service anzubieten – und das nicht nur in Krisenzeiten.

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Hut ab, Herr Richter!

Nicht die Justiz, sondern die Münchner Stadtverwaltung ist schuld daran, dass sich Bayern mit der Justizposse gegen die Landtags-Raucher bis auf die Knochen blamiert hat. Das muss Folgen haben!

Ich muss mich förmlich bei der Münchner Amtsrichterschaft entschuldigen. Ich habe sie an dieser Stelle (siehe „Stunde der Wahrheit für die Raucher“) Ludwig Thomas und das Königlich Bayerische Amtsgericht bemüht und damit die Damen und Herren in den schwarzen Roben kollektiv verunglimpft.

Das war bevor ich Thomas Jung kennengelernt habe. Er hatte am vergangenen Mittwoch über die beiden Landtags-Raucher Joachim Schwoch und Elke Korte zu urteilen, die Widerspruch eingelegt hatten gegen den Bußgeldbescheid, den ihnen das Kreisverwaltungsreferat München Anfang 2008 wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz auferlegt hatte.

Ich selbst durfte zwar nicht erleben, wie Richter Jung die Sitzung eröffnete und die Angeklagten vernahm, denn als Zeuge musste ich inzwischen draußen im Gang warten. Aber Raucherkollegen, die als Zuschauer im Saal saßen und gelegentlich, dem Ruf der Natur gehorchend, den Saal Richtung Gerichtstoilette verließen, hielten mich auf dem Laufenden. Streng sei er, der Herr Richter, und ein bisschen kurz angebunden. Was das Ganze den sollte, und ob die Angeklagten ihm etwas vormachen wollten als sie behaupteten, sie hätten gar nicht demonstriert – natürlich hätten sie das. Auch wenn sie es anders nannten. Es sah so aus, als ob es den befürchteten kurzen Prozess geben würde, an dessen Ende der Zorn Justitias mit voller Wucht auf die armen, fehlgeleiteten Raucher herab blitzen würde.

Und dann trat der Staat in Form von Polizeiobermeisterin Yvonne Saller vor den Richtertisch. Sie hatte die grüne Uniformjacke, die sie am 7. Oktober als Wachhabende am Tor des Landtags getragen hatte, gegen ein modisches Modell mit schwarzer Spitze ausgetauscht und sah wie eine sympathische junge Frau, was sie auch ist. Ich kann das bestätigen, denn auch sie war ja als Zeugin geladen und musste draußen warten. Wir haben uns sehr freundlich unterhalten, und es war klar, dass sie die Sache genauso absurd fand wie ich. Sie hatte das Pech, an diesem Tag für die erkrankten oder im Urlaub weilenden Kollegen von der Landtagswache einspringen zu müssen. Sie selbst ist im Hauptberuf ganz normale Streifenbeamtin im Bogenhausener Revier, und von Dingen wie Bannkreise und Schutzbereiche hatte man ihr nur ganz am Rande was erzählt. Und so hat sie, als sie auf einmal von 40 bis an die Zähne mit Zigarren bewaffneten Herren mittleren Alters konfrontiert sah, zunächst auch nur wie eine Verkehrspolizistin gedacht und uns auf die andere Straßenseite geschickt, um die Zufahrt zum Landtag wieder frei zu bekommen. Dass sie uns damit zu einer Straftat aufforderte, nämlich innerhalb des Bannkreises zu bleiben, war ihr nicht klar. Woher denn auch?

Aber der Zorn von Richter Thomas Jung, so wurde mir berichtet, wendete sich schon nach den ersten Sätzen ihrer Aussage von den Angeklagten ab und zuerst auf die schmale Gestalt der armen Frau Saller, dann auf die Beamtenschaft als Ganzes. Dass auch von den danach in Mannschaftsstärke herbeigeeilten Polizisten keiner gewusst habe, wo sich die Grenzen der Bannmeile befinden, das strapazierte die Geduld des Mannes in Schwarz doch zusehends. Ein anwesender Reporter der „Abendzeitung“ notierte denn auch den genervten Nebensatz „Beschäftigungstherapie für Amtsrichter“, mit dem Jung seinen zunehmenden Unmut über das Schauspiel offenbarte, das sich ihm geboten wurde.

Es folgte der inzwischen legendäre Satz, mit dem Richter Jung dem Theater ein Ende machte: „Wenn nicht einmal die Polizei weiß, wo die Bannmeile verläuft, wie soll es dann der Bürger wissen“. Sprach‘s, stand auf uns verließ mit sichtbar saurer Miene den Saal, während sich die Angeklagten und die zur moralischen Unterstützung angereisten Mitraucher strahlend die Hand schüttelten oder sich auf die Schulter klopften.

Ich durfte im Gerichtssaal keinen Hut tragen, aber hätte ich einen auf gehabt, ich hätte ihn vor Richter Jung abgenommen. Er hat mit ein paar knappen Fragen und der Präzision eines Chirurgen den Kern des ganzen unsinnigen Verfahren bloßgelegt und einen von juristischem Sach- sowie gesundem Menschenverstand geprägtes Urteil gefällt, knapp und schnörkellos, wie es offenbar seine Art ist. Und er ist dann zur Tagesordnung übergangen, denn auf einen Richter am Amtsgericht München warten wichtigere Aufgaben, als den Vorsitz einem juristischen Kasperltheater zu führen.

Ich muss mich also entschuldigen, aber nicht nur bei Richter Jung, sondern auch bei seinen Kollegen. Denn einen Tag nach seinem Urteilsspruch meldeten sich vier weitere Raucher, denen in den nächsten Tagen der Prozess gemacht werden sollten, mit der frohen Botschaft, dass auch ihr Verfahren ohne Auflagen – sprich: auf Staatskosten – eingestellt worden seien. Sie müssen also nicht extra in die Nymphenburger Straße fahren, stundenlang herumsitzen, Fragen beantworten und mit sorgenvoller Spannung auf den Spruch des Richters warten. Denn auch wenn einer von uns freigekommen ist, hätte das ja nicht automatisch bedeutet, dass ein anderer Richter nicht anders urteilen kann.

So ganz vorbei ist die Sache nicht. Ich habe zum Beispiel noch keinen befreienden Brief vom Gericht bekommen, wo ich am 2. Juni vorgeladen bin, um mich gegen den erweiterten Vorwurf zu verteidigen, ich hätte aktiv im Internet zu einer verbotenen Demonstration aufgerufen – eine schwere Anschuldigung, die als Straftat mit hohen Geldbußen oder sogar Gefängnis bestraft werden kann. Zum Glück sitzen in der Münchner Staatsanwaltschaft genauso vernünftige Menschen wie Richter Jung, denn das entsprechende Strafverfahren gegen mich war ja schon im letzten Sommer mit der knappen Begründung eingestellt worden: „Ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung ist nicht gegeben.“

Das heißt, eigentlich doch. Nur lag das Interesse nicht bei der Justiz, sondern bei den Verwaltungsbeamten des Kreisverwaltungsreferats München. Warum das so ist, erschließt sich dem Außenstehenden nicht sofort. Immerhin ging es ja um eine Angelegenheit des Freistaats, sprich der Landtagsverwaltung, die als Hausherr und damit als Betroffene doch nach Laienverständnis für das Ahnden von Verletzungen ihrer durch Landesgesetz geregelte Schutzzone zuständig sein müsste. Dass diese aber ebenso wenig Interesse wie die Justiz an einer Fortsetzung der peinlichen Darbietung hatten, war spätestens seit dem Brief bekannt, den Landtagsvizepräsident Prof Gantzer am 12.12.2007 an Justizministerin Dr. Beate Merk schrieb und in dem es heißt: „Ich rege an, darüber nachzudenken, ob es wirklich notwendig ist, friedliche Zigarren-Raucher, die ohne jegliches Unrechtsbewusstsein vor dem Landtag eine halbe Zigarre geraucht haben, strafrechtlich zu verfolgen.“

Damit bleibt der Schwarze Peter klar und eindeutig in der Ruppertstrasse, nämlich in der Hauptabteilung I („Sicherheit und Ordnung“) des KVR München. Ob es wirklich in Zimmer C227 abzugeben ist, nämlich beim Sachbearbeiter Herr Dietrich, der mir am 8. Juli 2008 den Bußgeldbescheid über 528,50 Euro ausstellte, oder ob nicht lieber gleich im Büro des Behördenleiters, des berufsmäßigen Stadtrats Wilfried Blume-Beyerle, der seit 1999 dort zuständig ist.

Es spricht einiges für die letztere Variante, denn bei der Justizposse um die Landtagsraucher handelt es sich meines Erachtens durchaus um ein Politikum. Hier hat ein von jeglichem Empfinden für Verhältnismäßigkeit losgelöster Beamtenapparat sich in stupider Selbstbeschäftigung zwischen die Interessen von Staat und Bürger gestellt. Sie hat als Exekutive den beiden anderen Armen der Staatsgewalt, nämlich Justiz und Parlament, vermeidbaren Kosten, Arbeit und Ärger bereitet und sich damit verantwortungslos gehandelt. Das muss Folgen haben!

Man könnte den Schwarzen Peter nämlich auch woanders abladen: Im Münchner Rathaus, und dort im Amtszimmer von Oberbürgermeister Christian Ude, dessen Jobbeschreibung auch die Aufsichtspflicht über die städtische Beamtenschaft und insbesondere über das KVR umfasst.

Der Fall „Landtags-Raucher“ ist, so gesehen, kein Justiz-Skandal, sondern ein Verwaltungs-Skandal. In Ersterem hat Richter Jung das letzte Wort gesprochen. Im Letzteren wird noch manches auszusprechen sein.

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Wir haben das Menschenmaß verloren

Sagen Sie’s nicht weiter, aber die „Göwikaz“ (größte Weltwirtschaftskrise aller Zeiten) ist vorbei. Zwei Drittel der 42 größten Aktienbörsen der Welt haben in den letzten sechs Wochen zugelegt, und zwar um mehr als 20 Prozent. Mein Freund Fritz strahlt wieder, wenn er mir von seinen jüngsten Wertpapierkäufen erzählt. In China zeigen die Indikatoren wieder nach oben, sogar der amerikanische Immobilienmarkt – dort, wo alles anfing – weist deutliche Anzeichen einer Wiederbelebung auf. Und laut Ifo-Index hat sich  die Stimmung in den Chefetagen im April überraschend kräftig aufgehellt: Es ist wieder Optimismus angesagt.

Das hat sich natürlich noch nicht bis zu den meisten deutschen Wirtschaftsjournalisten herumgesprochen, die ihren Lesern immer noch tägliche Horrorszenarien zum Frühstück auftischen. Nun, ich habe die Ahnungslosigkeit, mit der die Kollegen das Internet zunächst nach Leibeskräften aufgeblasen und kurz darauf als Quell allen Übels verteufelt haben, hautnah miterlebt und ich weiß: Wenn ein Wirtschaftsjournalist etwas von Wirtschaft verstünde, dann wäre er kein Wirtschaftsjournalist, sondern ein reicher Mann auf Mallorca. Womit sie übrigens große Ähnlichkeit aufweisen mit den Anlagenberatern. Und lassen Sie mich gar nicht erst über Wirtschaftspolitiker anfangen…

Das Geschäft von Wirtschaftsjournalisten besteht darin, die Erwartungen ihrer Leser zu befriedigen, also schreiben sie das, was die lesen wollen. Alle sind gut drauf? Die Börse kracht? Dann schreiben sie darüber, wie kinderleicht es ist, sich eine goldene Nase zu verdienen. Einfach blind mit dem Finger auf die letzte Kursliste tippen und das getroffene Papier als Geheimtipp in den Himmel loben. Kann ja nix schiefgehen. Und wenn alle plötzlich verunsichert und ängstlich sind, dann her mit den Hiobsbotschaften. Die sind ohnehin leichter zu formulieren als positive Nachrichten, wie jeder Theaterrezensent und Musikkritiker weiß.

Echte Profis wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman (der das Platzen der Immobilienblase schon vor fünf Jahren korrekt vorausgesagt und beschrieben hat) geben schon wieder Entwarnung, ebenso wie der IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard, den FTD heute mit den Worten zitiert: „Ich bin ziemlich überzeugt, dass wir eine Depression verhindert haben.“ Ja, er hat das gleich wieder eingeschränkt („…wir dürfen uns selbst nichts vormachen: Wir stecken immer noch in Schwierigkeiten“).

In seiner Titelgeschichte zeichnet der „Economist“ diese Woche ein hintersinniges Bild: Eine Schar von heringartigen Kleinfischen schwimmt auf eine hell strahlende Lichtquelle in der Tiefsee zu, das mittels einer Art Antenne verbunden ist mit dem Kopf eines riesigen Raubfisches mit klaffendem Maul, aus dem eine nadelscharfe Zahnreihe ragt. Headline: „Die Weltwirtschaft und die Gefahren des Optimismus“. Im Editorial gewarnt die nicht nur meiner Meinung nach beste Wirtschaftszeitung der Welt, vorzeitig das Ende der Krise auszurufen. Denn erstens kann man dadurch extreme Enttäuschung bei den Menschen auslösen, was aber nicht so schlimm wäre wie die andere Gefahr, nämlich dass wir nichts daraus lernen.

Das System ist krank, das ist im vergangenen Krisenwinter sonnenklar geworden. Das Finanzsystem ist aus dem Ruder gelaufen, die Reichen haben das Prinzip „Gier ist geil!“ zum Handlungsmaßstab erklärt, die Aufsichtsinstrumente haben sich – im Gegensatz zum Titelhelden des „Economist“ – als zahnlos erwiesen, die politische Führung hat versagt. Es wäre an der Zeit, aufzuräumen, und die Gelegenheit wäre günstig, denn der Machtelite ist der Hahnenkamm gestutzt worden, ihre Widerstandskraft gegen Reformen und gesellschaftliche Neuorientierung und Rückbesinnung vorübergehen geschwächt.

Aber nicht mehr lange. Laut „New York Times“ von heute haben die sechs größten Banken Amerikas im ersten Quartal dieses Jahres  zusammen 36 Milliarden Dollar an Rücklagen gebildet, um ihren Angestellten die ihnen angeblich wegen der plötzlichen Frühjahrsgewinne zustehenden Gehälter und Boni bezahlen zu können. Aufs Jahr hochgerechnet würden die Banker 2009 fast so viel verdienen wie im Rekordjahr 2007. Sie hat so tätige Reue und stille Einkehr aus?

Das Problem ist: Wir wissen eigentlich gar nicht, was wir wollen. Es fehlt eine Blaupause, ein Modell dafür, wie diese Gesellschaft nach der Krise aussehen soll, ein konsensfähiger Kompromiss zwischen Raubrittermentalität und Ehrbarem Kaufmann, ein ethisch-moralischer Kompass, an dem sich Bosse und kleine Gehaltsempfänger gleichermaßen orientieren können und das die ins Rutschen gekommene soziale Stabilität – ja, Gesine Schwann warnt mit Recht! – noch rechtzeitig so weit verfestigt, dass die sozialistischen Utop- und Populisten nicht die nächste Bundestagswahl gewinnt. Sie wollen eine Krise erleben? Dann lassen Sie mal den Oskar ran!

Beim Blättern in der „Süddeutschen“ bin ich heute morgen an völlig unvermuteter Stelle über die mögliche Lösung gestolpert, nämlich in der Beilage „Mobiles Leben.“ Dort, wo es sonst um flotte Flitzer und schnittige Rennjachten geht. Dort hat der Kölner Designprofessor Paolo Tumminelli das hohe Lied des Fiat Panda gesungen und beklagt, dass diejenigen, die heute Automobile entwerfen, sich in einem schleichenden Abstraktionsprozess immer mehr von dem zeitlosen Richtschnur der Menschenmaßlehre entfernt haben. Nein, Leonardo hat keine Autos gezeichnet, aber er hatte ein Gefühl für Proportionen, frei nach Andrea Palladio: „Das Auge misst, die Sinne erfahren, der Intellekt freut sich.“

„Das rechte Maß verloren“, lautete die Headline, und sie bezog sich eigentlich auf die Autoindustrie. In Wirklichkeit hat der Schreiber die augenblickliche Situation unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft auf den Punkt gebracht. Wir alle haben das rechte Maß verloren, sei es in der Frage der Managergehälter, sei es in dem ausufernden Anspruchsdenken des Normalbürgers, sei es in unserer „Nach mir die Sintflut“-Einstellung zur Umwelt. Wir müssen alle möglichen Messlatten kritisch in Augenschein zu nehmen und notfalls wieder auf das natürliche Menschenmaß zurück zu stutzen. Die Krise mag schon wieder vorbei sein, die sich aus ihr sich ergebende Chance nicht – noch nicht.

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Eine Reise mit dem Mini

Wenn man als Journalist über ein Thema schreiben soll ist es stets hilfreich, etwas davon zu verstehen. Als ich also von den Kollegen von „ProFirma“ den Auftrag erhielt, ein Stück über die neuen Kleinst-Laptops, den so genannten Netbooks, zu schreiben, habe ich mich gleich an die Pressestelle von HP gewandt und darum gebeten, ein solches Teil für ein paar Tage ausliehen zu dürfen, um mich damit vertraut zu machen.

Das Testgerät, ein nagelneuer HP Mini, steht vor mir auf dem Klapptisch der Lufthansa-Maschine von Bilbao nach München, und es macht dort eine sehr gute Figur. Zum einen, weil es dort reichlich Platz hat, im Gegensatz zu meinem sonstigen Reisebegleiter, ein Standard-Laptop, der links und rechts über die Tischplatte hinauszuragen pflegt. Vor allem aber macht sich der kleine Bildschirm bezahlt, denn der Herr im Sitz vor mir hat die Lehne nach hinten geklappt, um ein Nickerchen zu machen, was normalerweise das Aufklappen eines Laptops unmöglich macht. Der Bildschirm des Mini ist nur etwa halb so hoch wie der eines normalen Laptops und passt sogar unter die Klapplehne.

Womit wir allerdings bei dem größten Manko des Mini wären, nämlich der kleine Bildschirm mit einer Diagonale von 10,1 Zoll. Das ist guter Mittelmaß unter den „Sub-Notebooks“, die bei anderen Herstellern zwischen 7 und 12 Zoll groß sind. De facto zeigt der HP, wie die meisten solcher Geräte, nur den halben Bildschirminhalt auf einmal an, so dass man sehr oft rauf- und runterscrollen muss, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Und manchmal ist es sogar richtig ärgerlich, zum Beispiel als ich die Einstellungen meines Browsers verändern wollte und es nicht konnte, weil der alles entscheidende „OK“-Knopf unterhalb des Bildschirmrands und damit für mich unerreichbar war. (Der Vollständigkeit halber: Ich habe das Problem dadurch gelöst, dass ich den Mini vorübergehend an einen richtigen PC-Monitor angeschlossen habe, um die Einstellungen zu ändern. Leider hat man aber unterwegs meistens keinen Monitor zur Hand…).

Der Mini ist klein und silbern und ungeheuer elegant, was zu bewundernden, respektive neidvollen Blicken der Umstehenden führt und mir mehrere Kommentare von wildfremden Menschen einbrachte. Sie reichten von „ist der aber schön“ bis zu einem etwas spöttischen „so klein und schon ein Computer!“ Ein Kollege verstieg sich sogar zur Frage: „Na, ist das dein neuer Taschenrechner“, was unsinnig ist, denn der Mini passt nicht in die Jackentasche: Er ist etwa so groß und wiegt auch etwa so viel wie ein Autoatlas, also deutlich weniger als ein Laptop. Die Tastatur empfang ich dagegen als gewöhnungsbedürftig: Sie besteht aus lauter glatten, silbernen Tasten, auf den die Finger leicht ausrutschen können, so dass ich mich ziemlich vertippe und korrigieren muss. Und das Touchpad-Feld mit den links und rechts daneben liegenden Mausknöpfen. Irgendwie komme ich immer mit dem Handballen auf das Berührungsfeld, wenn ich klicken will, so dass sich der Mauszeiger blitzschnell von dem Punkt wegbewegt, den ich eigentlich anvisiert hatte, und ich muss nochmal von vorne zielen.

HP ist nach meinen Informationen so ziemlich der einzige Hersteller, der sich traut, einen Netbook mit Windows Vista anzubieten. Alle anderen rüsten ihre Kleinchen mit XP aus oder mit Linux. Ich kann verstehen, warum: Auf meinem Bürorechner habe ich Vista nach kurzen, leidvollen Erfahrungen gleich wieder runtergeschmissen, weil er das Arbeiten langsam und ärgerlich macht. Das gilt auf einem Mini-Notebook gleich doppelt. Fachleute, mit denen ich gesprochen habe, sagen allerdings, dass Netbooks wunderbar mit dem neuen Windows 7-Betriebssystem laufen, das bislang nur als Beta verfügbar ist, aber vielleicht sollte gleich daran denken, wenn man dieses Gerät von HP kauft.

Richtig unglücklich war ich eigentlich nur mit der Batterielaufzeit des HP Mini. Kollegen von mir, die mit ähnlichen Geräten anderer Hersteller arbeiten wie zum Beispiel Asus, Acer oder Dell berichten von vier, fünf oder sogar sechs Stunden, die sie ohne Steckdose ausgekommen sein sollen. Ich habe es mit dem HP höchstens auf zwei gebracht – nämlich genau auf die Dauer des Flugs von Bilbao zurück nach München. Kurz bevor die Stewardess uns über Bordlautsprecher aufforderte, unsere elektronischen Geräte zur Landung auszuschalten, tat es der HP von alleine. Nun, vielleicht hat HP ja heimlich eine ganz neuentwickelte Art von Sprachsteuerung erfunden und in sein Mini eingebaut. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Batterie einfach ein bisschen schwach ist auf der Brust.

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Tödlicher Bärlauch

Gestern habe ich zum zweiten Mal in diesem Jahr Geburtstag gefeiert, Und Schuld daran ist Allium ursinum.

Alle Jahre wieder, wie Weihnachten und Geburtstag, kommt die Zeit, da die ersten Sonennstrahlen vom Nahen des Sommers künden und die Herzen der Jünglinge ebenso wie die von bösen alten Männern wir mir sich mit einem schmerzenden Sehnen füllen nach Allioideae. Genauer nach einer Unterart dieser zur Unterklasse der Lilien-, der Familie der Lauch- und der Ordnung der Spargelgewächse gehörenden Pflanze namens Bärlauch (Allium ursinum), der ähnlich penetrant stinkt wie sein Vetter Allium sativum, der Knoblauch, aber ungleich feiner schmeckt.

Dieses Jahr habe ich den unverwechselbaren Duft zum ersten Mal auf dem Wiener Naschmarkt verspürt, wo ein findige Händler sich frühzeitig mit den in der Regel zwei bis fünf Zentimeter langen langgestielte Laubblättern, offenbar aus südländischer Produktion, eingedeckt hatte und diese zu echten Apothekerpreisen an Suchtkranke wie mich verkaufte. Wieder daheim in München habe ich mich gleich zum Viktualienmarkt aufgemacht, aber da war der Frühling noch nicht ausgebrochen. Aber ein paar Tage später juckte die Nase plötzlich beim morgendlichen Dauerlauf durch den Englischen Garten. Und siehe da: An einem abseits gelegenen, ziemlich dunklen und offenbar auch feuchten Hang lugten kleine, lanzettenförmige Blattspitzen zwischen dürrem Herbstlaub hervor. Keine Frage: Ich hatte eine ganze Bärlauch-Plantage entdeckt! Die meisten Blätter waren zwar noch winzig, aber einige reckten schon kühn die Köpfe in die Höhe, und diese begann ich zu sammeln.

Nun hat der gemeine Jogger aber in der Regel keine Tragetasche bei sich, was anfangs ein gewisses Problem darstellte. Aber zum Glück hatte ein achtloser Hundebesitzer just an dieser Stelle eine dieser markanten roten Plastiktüten fallen lassen, die das fürsorgliche Gartenbauamt der Stadt an den Parkeingängen in Spendern bereitstellt, auf dass Waldis Besitzer darin die Verdauungsprodukte seines Haustiers einsammeln und entsorgen möge, da ihn widrigenfalls Bannstrahl und Geldbuße der Ordnungsbehörde trifft. Die Tüte war unbenutzt, die Gelegenheit günstig, also habe ich rasch einige Handvoll junger Bärlauchblätter eingesammelt, dann machte mich auf den Heimweg.

Unterwegs kam ich an einem sonnigen Waldstück vorbei, und siehe da: Noch mehr Bärlauch! Nur war dieser deutlich größer als die schmalbrüstigen Blättchen in meiner dunklen Kuhle. Und da ich ja noch etwas Platz in meiner Tüte hatte, habe ich rasch eine Menge davon gepflückt.

Daheim präsentierte ich die Ausbaute stolz meiner Frau, die sich sofort aufmachte, Pinienkerne zu kaufen, während ich den Küchenmixer rausholte, Olivenöl, Meersalz und Pfeffermühle in Griffnähe aufstellte und leere Marmeladengläser aus dem Schrank klaubte. Der Massenfertigung von Bärlauch-Pesto, die Antwort der Teutonen auf welsche Baslikum/Knoblauch-Mixturen, konnte beginnen.

Als ich gerade den Berg frischer Bärlauchblätter in der Salatscheulder wässerte, klingelte die Nachbarin und brachte uns unseren „Stadt-Enkel“. Er ist nicht unser wirkliche Enkel (unsere Tochter denkt noch längst nicht daran, uns den Gefallen zu tun), aber da wir mit Patrizia und Markus gut befreundet sind, kennen wir Finn, wie der Bengel heißt, sozusagen von der Stunde seiner Geburt an. Er ist gerade anderthalb und macht seine ersten Gehversuche, Die führen ihn häufig zu uns rüber, weil er hier Sachen machen kann, die es zu Hause nicht gibt: Klavierspielen, unsere Stereoanlage verstellen, stundenlang das Licht aus- und einschalten, solche Dinge eben.

Natürlich habe ich Patrizia stolz meine Bärlauch-Beute gezeigt. Sie war gebührend beeindruckt, und ich habe ihr auch gleich mehrere Gläschen Pesto versprochen. Da fragt sie auf einmal:

„Du weißt schon, dass bist auch sicher, dass das keine Maiglöckchen sind?“

Ich war geradezu entrüstet:

„Maiglöckchen gibt’s im Mai. Deswegen heißen sie so. Jetzt haben wir April. Und überhaupt, für wie dämlich hältst du mich denn, dass ich Bärlauch nicht erkennen kann?“

Aber sie insistierte. Sie habe im Fernsehen eine Sendung gesehen in dem es hieß, junge Maiglöckchen sehen fast genauso aus wie Bärlauch. Und im Übrigen seien Maiglöckchen hochgiftig, sogar tödlich!

So ein Blödsinn, dachte ich. Aber ich habe mich trotzdem später an den Computer gesetzt und – wen wohl? Google gefragt. Und siehe da: Auf der Wikipedia-Seite, auf die mich die Suchmaschine verwies, hieß es laut und deutlich: „Bärlauch wird beim Sammeln immer wieder mit dem Maiglöckchen, den im Frühjahr austreibenden Blättern der Herbstzeitlosen oder den meist ungefleckten Blättern jüngerer Pflanzen des Gefleckten Aronstab verwechselt. Alle diese drei Pflanzen sind äußerst giftig, die Vergiftungen können tödlich sein.“. Und es waren ein paar Bilder zu sehen. Die Maiglöckchen sahen tatsächlich genauso aus wie Bärlauch, nur waren sie größer und kräftiger. Genau wie die Dinger, die ich in dem Sonnenwäldchen gepflückt hatte…

Zum Glück hatte Wikipedia ein Patentrezept parat: „Am sichersten erkennt man den Bärlauch am charakteristischen Geruch beim Zerreiben der Blätter.“ Fazit: „Eine Pflanze, deren Blätter nicht nach Knoblauch riechen, ist kein Bärlauch.“

Ich habe daraufhin ein paar Blätter aus meinem großen Haufen geholt und daran gerieben. Und entweder war meine Nase inzwischen vor lauter Bärlauch taub geworden – oder es roch tatsächlich nach – eigentlich gar nichts.

Mir blieb am Ende also nichts anderes übrig, als den ganzen schönen Armvoll Blätter in den Mülleimer zu befördern und nochmal loszuziehen. Zum Glück hatte immer noch niemand meine dunkle Bärlauch-Wiese an der Isar entdeckt. Und es war wirklich Bärlauch: Der Knoblauchgeruch war schon von weitem nicht zu verwechseln.

Vor drei Tagen habe ich meinen 59sten Geburtstag begangen. Gestern habe ich ihn nochmal gefeiert. Mit einem schönen Stück gerösteten Weißbrots, dick mit selbstgemachtem Bärlauch-Pesto bestrichen. Danke, Patrizia. Dein Sohn darf meine Stereoanlage so oft verstellen, wie er will…

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Das Ende der Unschuld

Das jüngste Opfer des Internet könnte das alte angelsächsische Rechtssystem werden. Und schuld ist unter anderen Twitter, der Blackberry und vor allem Google.

Vergangene Woche platzte in Florida ein großer Drogenprozess, weil ein Geschworener zugegeben hatte, Einzelheiten zu dem Fall im Internet recherchiert zu haben. Als der Bundesrichter, ein gewisser William J. Zloch, nachbohrte, stellte sich heraus, dass acht weitere Juroren ebenfalls die Beweislage online überprüft hatten. Da aber seit 1000 Jahren ehernes Gesetz ist, dass die Juroren nichts außer den ihnen im Gerichtssaal präsentierten Fakten und Beweisanträgen bei ihrer Urteilsbildung heranziehen dürfen, blieb Richter Zloch nichts anderes übrig, als die Geschworenen nach Hause zu schicken und einen neuen Prozesstermin anzuberaumen.

Wie John Schwartz von den „New York Times“ berichtet ist das beileibe kein Einzelfall. Auch in der Heimat des „trial by jury“ muss man sich inzwischen mit dem Problem herumschlage. Einer der Geschworenen in einem Vergewaltigungsprozess wurde überführt, seinen Blackberry für Internet-Recherchen verwendet zu haben, was zu einem Freispruch führte. Der oberste britische Strafrichter, Lord Igor Judge of Draycote , warnte kürzlich in einer Rede vor dem Oberhaus, dass Geschworenen zunehmend dazu neigen, „private Erkundigungen“ übers Internet zu unternehmen, obwohl ihnen das vom Gericht explizit verboten werde.

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Mein allererster Tweet

Ich habe in den letzten Tagen die Geschichte schon so oft erzählen müssen, dass ich sie jetzt aufschreiben sollte. Denn ich muss mich an dieser Stelle – in aller Bescheidenheit – endlich mal als den eigentlichen Erfinder von Twitter outen. Das heißt, nicht von Twitter, wohl aber des „Tweets“, jener angeblich neuen Ausdrucksform, die in ihrer Verkürzung einen ganz eigenen poetischen Charme und für viele Millionen Menschen offenbar unwiderstehlichen Charme versprüht. Ja, ich war derjenige, der diese schnell aus der Hüfte geschossene Art der Kurzkommunikation mittels eines eigentlich dafür nicht vorgesehenen Mediums. Nur dass meine Erfindung nie zu einer solchen Beliebtheit gelangte, sondern sozusagen in der Familie blieb. Und das kam so:

1984 hatte ich mein Redaktionsbüro noch in Fellbach, einem verschlafenen Vorort der etwas weniger verschlafenen Großstadt Stuttgart. Dort arbeitete im Büro der Österreichwerbung eine gewisse junge Dame mit langen roten Haaren, die für die Journalistenbetreuung zuständig war. Und mit der Zeit gewöhnte ich mich so sehr daran, dass in mir der Wunsch entstand, doch bitteschön den Rest meines Lebens so betreut zu werden. Ich machte ihr also einen Heiratsantrag, sie nahm an, wir verlebten wunderbar verliebte Wochen und Monate, bis es endlich so weit war.

Im Büro meiner Angebeteten stand damals ein Telexgerät, ein unförmiges Gerät in der Größe eines kleinen Kühlschranks, das wie ein brütendes Monster in der Ecke hockte, nur um sporadisch zu klappernder Geschäftigkeit zu erwachen, wenn wieder mal eine Nachricht aus der Hauptstelle in Wien oder von sonstwoher herein kam. Dieses Gerät hatte die Kennung „721432 oefws d“ die man wählen musste, um eine Verbindung herzustellen. Zufällig traf es sich, dass auch ich kurz zuvor eine solche Maschine gekauft hatte, weil ich die Geschäftsstelle der so genannten „MSX Arbeitsgemeinschaft Deutschland“ übernommen hatte, ein Herstellerzusammenschluss der Spielcomputerbauer, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls hatte mein Gerät die Kennung „7254738 msx d“, und sie stand direkt neben meinem Schreibtisch, was sehr störte, wenn man gerade telefonierte und es kam ein Telex herein, aber ich konnte mir damals nur ein sehr kleines Büro leisten, also lebte ich damit.

Wie das nun mal so bei Jungverliebten ist, haben sich meine Angebetete und ich tagsüber öfter mal angerufen, um uns zu verabreden, irgendetwas Erlebtes zu berichten oder auch nur, um uns gegenseitig süße Nichtigkeiten ins Ohr zu flüstern. Aber da wir beide ziemlich viel zu tun hatten, war die Leitung auch mal besetzt. Aber in diesem Lebensabschnitt spürt man bekanntlich ein stetes Drängen nach Nähe und Austausch mit dem geliebten Gegenüber, und so passierte es eines Tages, dass mein Telex ansprang und irgend jemand begann, auf der anderen Seite langsam und zögernd eine Nachricht einzutippen. Sonst kamen die Texte ja wie aus dem Maschinengewehr geschossen, denn das Gerät besaß einen Lochstreifenleser, und für gewöhnlich speicherte man seine Mitteilung auf diesem Medium und ließ sie später durch rattern, um teure Verbindungszeit zu sparen. Hier war aber offenbar ein Mensch am Werk, der zu mir wollte. Ich riss das Blatt heraus und las: „Telefonierst aber lang! Was ist nun mit Abendessen beim Italiener? Bussi!“ I
ch schaute auf den Absender: 721432 oefws d. Und wusste: Das war die junge Dame mit den roten Haaren. Ich setzte mich also gleich hin und tippte eine mehr oder weniger passende Antwort ein. Am Abend beim Italiener haben wir herzlich gelacht darüber, wie wir ein hochprofessionelles Kommunikationssystem, sozusagen die damalige Krone der technischen Schöpfung, zu etwas so Profanem missbraucht hatten wie eine klandistine Verabredung.

In den Wochen, die folgten, war die Telefonleitung immer wieder mal besetzt, und wir bedienten uns deshalb immer häufiger des Telexes, um zu kommunizieren. Das meiste davon war herrlicher Unsinn. Sachen wie „du bist eine quasselstrippe“ oder „du lugenbeutel wolltest doch schon längst zu Hause sein“ oder auch nur „ich liebe dich (arz)“. Das Telex kannte leider damals keinen Ausrufezeichen, also behalf man sich eben, so wie man heute kleine Smilies in seine Mails einfließen lässt…

Wir hielten uns per Telex auf dem Laufenden, etwa als ich tippte „unterhalte mich gerade mit hartmut [mein leider viel zu früh verstorbener Freund Hartmut Dirks aus Emden – „ostfriesische  Stadt mit zwei Buchstaben“] er laesst gruessen. ohne nen korn sei ein bier ja so trocken.“ Oder wir teilten unsere Entdeckungen miteinander, etwa „weisst du eigentlich, dass es in heidelberg eine plunschlistrasse gibt?“. Es entspannten sich auch herrlich surreale Dialoge wie dieser:

721432 oefws d: bist du am platze?

7254738 msx d: wie bitte?

721432 oefws d: warum?

7254738 msx d: stelle bitte praezise fragen

7254738 msx d: kann ich nicht

7254738 msx d: dann stelle eben oesterreichische fragen

Aber irgendwann musste ja der Enrst des Lebens weitergehen, und ich verabschiedete mich mit einem flotten „also lieber schatz, genug des witzes. i.l.d.“ Und damit war eigentlich alles gesagt.

Da ging eine Weile so, bis schließlich im Oktober 1985 der große Tag kam und wir miteinander vor den Standesbeamten traten. Und als wir herauskamen, hatten unsere Freunde den Brunnenplatz vor dem Standesamt in Stuttgart-Wangen in ein Freiluft-Buffet verwandelt mit Champagnerkellnern und einem großen Gabentisch, auf sich die Hochzeitsgeschenke türmten. Eines davon war so groß wie ein Plakat, und als ich das Papier wegriss, kam ein Bilderrahmen zum Vorschein, in dem eine Kollage aus Telexnachrichten steckte. Meine Sekretärin hatte unbemerkt dir Durchschläge unserer heimlichen Korrespondenz gesammelt und zusammen mit unserem Grafiker ein Kunstwerk geschaffen, das eigentlich ein Denkmal der menschlichen Fähigkeit darstellt, unter allen Umständen und mit jeden zur Verfügung stehenden Werkzeug zu kommunizieren. Es hängt noch heute bei uns an der Wand, und auch wenn die roten Haare blasser geworden sind (und bei mir inzwischen weitgehend verloren gegangen sind), so stehen wir immer noch ab und zu zusammen vor dem Bil
d und lachen über die jungen Kindsköpfe von damals und ihre völlig durchgeknallte Art, sich zu unterhalten.

Ich habe meine Frau noch nicht zum Twittern überreden können. Sie scheut sich, diese zutiefst intime Form der Kommunikation über ein Netzwerk zu betreiben, dem sie im Grunde immer noch ein wenig misstraut. „Was ist, wenn das plötzlich öffentlich sichtbar wird“, fragt sie mich. Ich versuche sie zu beruhigen, das System sei doch sicher, und dann fragt sie mich, wie sicher E-Mail sei, und ich muss an den alten Spruch denken: „schreibe niemals etwas in eine Mail, die du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest.“  Vielleicht hat sie ja recht. Im Grunde habe ich keine Ahnung, wie sicher Twitter ist. Ich nehme an, Sie auch nicht, geneigter Leser, aber das stört uns ja nicht, weil wir nur fröhlich drauflos twittern wollen und uns einen Teufel drum scheren, was damit passiert. Aber das ist nicht jedem gegeben, leider.

Noch wehmütiger wurde mir übrigens als ich las, der Telexdienst in Deutschland werde zum 31. Dezember 2007 eingestellt. Österreich hatte schon ein Jahr früher die Leitung gekappt. Auch wenn ich seit 20 Jahren nicht mehr davor gesessen bin, finde ich die Vorstellung traurig, dass es die alten Klapperkisten nicht mehr gibt. Was bleibt, ist die Erinnerung – und Twitter.

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Online-Verkäufer hilft weiter

Beim Online-Shopping ist der Mensch alleine, und das stört manchmal. Wie schön wäre es doch, wenn ich auch beim Surfen durch die virtuellen Regale eines Internet-Anbieters einen Verkäufer zu Rate ziehen könnte?

Genau das macht Tim Demann möglich. Der Diplom-Informatiker aus Fürth ist Chef der kleinen Firma Capalogic, und sein „GuidedShop“ kombiniert Online-Shops und E-Commerce-Anwendungen mit telefonischer Beratung.

„GuidedShop macht aus einem klassischen Online-Laden einen persönlichen Berater-Shop“, sagt er. Das Geheimnis heisst „Co-Browsing“: Käufer und Verkäufer sitzen zwar räumlich getrennt am PC, sehen aber das Gleiche auf dem Bildschirm. Der Verkäufer kann beispielsweise mit einem „Laserpointer“ die Aufmerksamkeit des Kunden gezielt auf etwas ganz Bestimmtes lenken oder ihm einen virtuellen Notizzettel mit Zusatzinformationen an die besuchten Seiten kleben. Außerdem können sich beide direkt unterhalten, entweder per Chat-Funktion oder ganz normal am Telefon.

„Der fehlende persönliche Kontakt im Internet erweist sich oft als echtes Verkaufshindernis“, sagt Demann. Recht hat er!

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Das neue Rauchergesetz ist unpraktikabel – und das ist gut so!

Das neue bayerische Rauchergesetz ist viel zu kompliziert – und das ist gut so!

Es war ein langer Kampf, aber wir haben es geschafft: Der von CSU-Fraktionschef Georg („Schüttel-Schorsch“) Schmid“ durchgepeitschte Brutalo-Rauchverbot in Bayern wird zum 1. August durch ein liberales Nichtraucher-Schutzgesetz nach dem spanischen Modell abgelöst: Erlaubnis für Nebenraumlösungen, Wirte von Einraumkneipen entscheiden selbst, ob geraucht werden darf oder nicht. Und weil wir nun mal in Nayern sind, enthält die neue Gesetzesfassung eine Ausnahmeregelung für Bierzelte, in denen künftig wieder nicht nur gesoffen und gegrölt, sondern nauch nach Herzenslust geuqalmt werden darf.

Es hat sich also in München eine Koalition der Vernunft durchgesetzt. Die alte Lösung mit dem von Ministerpräsident Günther Beckstein, dem schlauen Fuchs aus Franken, eingeschobenen Vorbehalt (Rauchverbot nur in „öffentlich zugängliche Gaststätten“, was den Begriff der „geschlossenen Gesellschaft“ und damit die vielen Tausend Raucherclubs in Bayern gebar) war selbst nach Ansicht der Ordnungsbehörden einfach nicht durchsetzbar und wurde deshalb nun kassiert.

Die neue Lösung ist allerdings nur zum Teil spanisch, ansonsten aber wieder typiswch deutsch. Ja, in Einraum-Kneipen darf wieder legaliter geraucht werden – aber nur, wenn diese größer als 75 Quadratmeter sind. Ich sehe schon Polizisten mit Meßbändern durch die Lokale kriechen und mühsam Flächenrechnungen auf Bierdeckel kritzeln.

Erlaubt soll das Rauchen auch nur dann sein, wenn in der Kneipe nur „kalte oder einfach zubereitete warme Speisen“ serviert werden. Wenigstens bleibt die Küche nicht ganz kalt, wie das in einem ersten Vorschlag der Landesregierung einmal heießen hatte. Laut Gesundheitsminister Markus Söder gelten die Ausnahmen für „Fritteuse, Mikrowelle oder Kleinkochtopf“. Spannende Frage: Wird am Ende der maximal mögliche Durchmesser des Kochgeräts vorgeschrieben? 22 Zentimeter oder 28? Vielleicht auch dessen Höhe? Sonst könnte ich mir als Wirt ja womöglich lauter Spargeltöpfe in die Küche stellen und damit Verbotenes bruzzeln.

Söder sagte, das neue Gesetz solle Rechtssicherheit und Klarheit schaffen und außerdem praktikabel sein. Ich habe da so meine Zweifel. Aber das macht nichts: Je unpraktikabler und unüberprüfbar, desto besser. Der Chef des Münchner Kreisverwaltungsreferates, Wilfried Blume-Beyerle, hat von Anfang an eine Politik des zivilen Ungehorsams betrieben, indem er sich weigerte, seine Beamten wie eigentlich vom Gesetz vorgeschriebenen als Raucherpolizei durch die Wirtshäuser scheuchen. Und er wird ihnen jetzt ganz sicher keine Meterstäbe in den Holster stecken, damit sie Kneipen- und Topfgrößen überprüfen.

Es wird also bei der fröhlichen bayerischen Anarchie in Sachen blauer Dunst bleiben, und das ist gut so. Andererseits ist dafür gesorgt, dass Nichtraucher den ihnen zustehenden Schutz vor Fremdqualm garantiert wird.

Den Rest soll der gesunde Menschenverstand regeln: Gegen Menschen, die einem anderen gegen dessenn Willen Rauch ins Gesicht blasen, gibt es schließlich in Bayern eine traditionsreiche und erzieherisch hochwirksame Form der Unmutsäußerung: die Watschn.

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Nackt im Net

Das Internet macht Preise durchsichtig und vergleichbar. Für den Kunden ist das eine feine Sache – aber was macht der Anbieter, der trotzdem noch Gewinn machen möchte? Viele mittelständische Unternehmer tun sich schwer mit der neuen Transparenz des Internet.

Claus Dzimkowski geht gerne mit der Zeit. In seinem Leuchtenstudio „Licht & Design“ (http://www.licht-design-glienicke.de) in Glienicke südöstlich von Berlin stehen modernste Kreationen von Achille Castiglioni, Philippe Starck, Tobias Grau und Axel Meise – alles Artikel, die es er als Fachhändler in seiner Region exklusiv führt. Dass die Produkte inzwischen auch bei eBay  auftauchen, stört ihn nicht: Bei uns kaufen die Leute Beleuchtungslösungen und keine Lampen. Wir leben von der Beratung und von unserer Kompetenz“, sagt der Unternehmer selbstbewusst.

Doch Dzimkowski hat außerdem noch eine Filiale im Internet, über die er einfache Produkte – Glühbirnen und Energiesparlampen – vertreibt. Und mit seinem Online-Shop „preiswerte-leuchtmittel.de“ steht er in voller Konkurrenz zu den Billiganbietern. Bei ihm steht beispielsweise die langlebige „Osram Delux EL Longlife“ mit 9,59 Euro im Internet. „Ganz reell kalkuliert“, wie er behauptet. Doch mit einem Mausklick findet der Online-Shopper über Google auch zu Preisvergleichs-Portalen wie „preisroboter.de“. Und dort ist die gleiche Birne für 6,35 Euro zu haben. „Wie die das machen, ist mir schleierhaft“, sagt Dzimkowski. Aber er ist machtlos. Wenn trotzdem ein Kunde trotzdem bei ihm kauft, ist das „wohl eher ein Glücksfall“, gibt er zu. Die Umsätze sind entsprechend bescheiden. „Zum Glück muss ich nicht davon leben“, sagt Dzimkowski.

Willkommen in der neuen Welt des Internet, in der jeder sofort weiß, was ein Produkt oder eine Dienstleistung kostet und wo sich die Anbieter einen gnadenlosen Kampf ums Unterbieten des Gegners liefern. „Keiner kann sich mehr verstecken“, sagt der Internet-Guru Ossi Urchs. Die Zeiten, in denen Hersteller oder Händler ihre Preise mehr oder weniger nach Gutdünken festlegen konnten, sind seiner Meinung nach längst vorbei: „Früher musste der Kunde lange Fußmärsche auf sich nehmen, wenn er herausfinden wollte, wie viel das gleiche Produkt in anderen Läden kostet. Heute surft er kurz und weiß Bescheid.“

Manche Anbieter versuchen sich vor der neuen Transparenz zu schützen, indem sie auf ihrer Website einfach keine Preise mehr veröffentlichen, sondern diese nur auf telefonische Anfrage hin verraten. „Das ist kurzsichtig“, glaubt Urchs. Denn wer beim Online-Besuch eines Anbieters ins Leere laufe, der könne einfach weiterklicken und gehe dem Unternehmen als Kunde verloren. „Viele fürchten sich vor der neuen Offenheit, aber es nützt nichts“, sagt Urchs. Sein Fazit: „Irgendwann muss jeder die Hosen runterlassen.“

Der Anbieter – nackt im Netz? Für viele ein Albtraum, aber offenbar unvermeidlich, wie der Vertriebstrainer Thomas Burzler, Inhaber der Beratungsfirma Sales Motion in Dillingen an der Donau behauptet.  „Man kann die Uhr nicht zurückdrehen“, sagt er. Wohl aber ließen sich Strategien finden, mit denen ein Anbieter notfalls auch höhere Preise rechtfertigen könne, denn, so Burzler, „der Preis ist längst nicht alles!“

Der Verkaufs-Profi rät Anbietern, den Kunden durch gezielte und wahrnehmbare Mehrwertleistungen zu ködern. „Natürlich bekomme ich den Fernseher im Internet etwas billiger. Ich kann als Händler aber dem Kunden anbieten, das Gerät nach Hause zu liefern, es aufzustellen und ihm bei der Senderprogrammierung zu helfen. Das bekomme ich nicht per Internet“, ist er sicher.

Das schlagendste Argument, beim stationären Handel zu kaufen, liefert seiner Meinung nach das Internet selbst. Burzler zählt eine lange Liste von Nachteilen auf: „Ich kann im Internet nichts anfassen oder anschauen. Ich muss immer wieder meinen Namen und meine Adresse eintippen. Ich muss meine Kreditkarte angeben, was mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Und das Paket kommt meistens dann an, wenn ich nicht daheim bin, also muss ich am nächsten Tag extra zur Post laufen. Und das alles für ein paar Euro Preisdifferenz? Nein Danke!“

Doch selbst im Internet lassen sich oft höhere Preise durchsetzen. Das behauptet jedenfalls Christoph Kock der aus Oldenburg in Holstein. Sein Online-Shop, „Frank Frankens Teeladen“, gibt es schon seit 1992, womit er zu den echten Internet-Pionieren zählt. „Wir sind nicht immer die billigsten“, gibt Kock zu, „aber die meisten Leute, die bei uns einkaufen, sind echte Stammkunden. Die schauen nicht so sehr auf den Preis – die wollen Qualität. Und die setzt sich immer durch – auch im Internet…“.

Keine Angst vor Transparenz, so lautet die Botschaft. Für Thomas Burzler erübrigt sich deshalb die Frage, ob Unternehmer offensiv oder vielleicht doch lieber defensiv auf die neue Herausforderung reagieren sollen: „Offensiv, auf jeden Fall!“ Sein Rat: „Wenn einer sagt, er habe im Internet einen günstigeren Preis gefunden, dann sagen Sie ihm, was er bei Ihnen für die Differenz alles bekommt. Wenn Sie diese Frage überzeugend beantworten können, haben Sie schon gewonnen!“

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