Ein Mausklick ersetzt keine Umarmung

Die Dame am Empfang in der Lufthansa-Lounge von Atlanta war vielleicht Mitte vierzig, natürlich sehr freundlich, das ist ja auch ein Teil ihres Jobs, aber auch ein bisschen distanziert, das bringt der Beruf und der dauernde Umgang mit vielen wildfremden Menschen wahrscheinlich auch mit sich. Ich zeigte ihr meine Bordkarte, wir wechselten ein paar Worte, da klingelte das Telefon. „Moment“, meinte sie noch, dann hob sie ab, sprach ein paar Worte, dann hörte sie nur noch zu. Ihre Augen weiteten sich, ihr Lächeln verwandelte sich in eine Grimasse des Schmerzes und der Bestürzung. Dann schaute sie hoch, mir direkt in die Augen, und stammelte: „Mein Vater ist tot!“

Ich bin um den Schreibtisch herum gegangen und habe sie etwas hilflos in den Arm genommen, während sie weiterhin wortlos und versteinert in den Apparat lauschte. Ob sie meine Nähe gespürt hat, weiß ich nicht. Nach ein paar Minuten legte sie auf, nahm das Taschentuch, das ich ihr reichte, putzte die Nase, stand dann auf und verschwand durch die Tür in den hinteren Bereich der Lounge. Ihre Kollegin kam vorbei, fragte was los sei. Ich erzählte es ihr. Sie ging ihrer Kollegin hinterher, kam später heraus und übernahm den Empfangsjob. Von der Dame, deren Vater gestorben war, habe ich nichts mehr gesehen.

Später dachte ich mir: Diese Szene hätte sich in ähnlicher Weise genauso gut mitten in einem Telefonkonferenz oder einem Online-Chat abspielen können. Wie hätte ich in diesem Fall mein Mitgefühl ausgedrückt? Womöglich mit einem eingetippten „Sorry“ oder einem Smily-Gesicht mit herabhängenden Mundwinkeln?

Es heißt, im Internet-Zeitalter sei jeder Mensch höchstens vier Mausklicks von jedem anderen entfernt. In Augenblicken wie diese ist das ganz schön weit.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Raucherpolizei geht um

10 Streifenwagen, 30 Beamte – der Versuch, vor dem Bayerischen Landtag Lebensart zu demonstrieren, löste Grossalarm aus!

Montag, 12 Uhr vor dem Maximilianeum in München: 40 Damen und Herren, die meisten gesetzeren Alters, auffallend viele Krawattenträger darunter, treffen sich unter freiem Himmel, um gemeinsam Cigarren zu rauchen und Lebensart zu Demonstrieren. Nach 10 Minuten erscheint eine junge Polizistin, die offenbar im Landtag Wache schiebt, und bittet uns, den Bereich vor dem Landtag zu verlassen. Wohin wir denn gehen könnten, um unser Recht als freie Bügrer auszuüben. „gehen Sie auf die andere Strassenseite“, meint sie lapidar.

Weitere zehn Minuten später: Der erste Streifenwagen taucht auf. Ein Uniformierter will wissen, was hier vorgeht. Ob wir nicht wüssten, dass Demos vor dem Landtag verboten seien. Keine Demo, sagen einige Teilnehmer, nur ein friedliches Treffen. Dassdiese Woche das schärfste Antiraucher-Gesetz Deutschlands verabschiedet werden soll, der auch keine Ausnahmeregelung mehr für abgeschlossene Raucherräume in Gaststätten und Bars enthält, mag Zufall sein. Der BEamte geht kopfschüttelnd zurück zu seinem Einsatzfahrzeug und fordert Verstärkung an.

Nach  einer halben Stunde haben sich insgesamt 10 Polizeiwagen und etwa 30 Beamte eingefunden. Das Bayerische Fernsehen filmt. „Keine Bilder“, meint ein beamter barsch. Das Team filmt weiter.

Plötzlich schwärmen die Polizisten anch allen Seiten aus, statt der Dienstpistole zücken sie Kugelschreiber. „Alle Anwesenden werden aufgenommen, es erfolgt Anzeige  wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.“ Auf den Einwand, wir seien keine Versammlung, werden wir belehrt: „Mehr als drei Personen sind eine Versammlung. Und außerdem befinden Sie sich innerhalb der Bannmeile.“

Frage: Wo beginnt eigentlich die Bannmeile. Die Beamtenwerden unsicher. „Auf der Isarbrücke“, meint einer. „Nee, am anderen Ufer“, sagt der andere. Er hat am Ende recht – doch dazu muss erst der Einsatzleiter befragt werden.

Nach einer Stunde ziehen die Raucher ins nahegelegene Hofbräukeller. Dort dürfen sie wenigsten rauchen – vorerst noch. Wenn nicht in letzter Minute noch ein Wunder geschieht und die Landtagsabgeordneten ein Einsehen haben. Fortsetzung folgt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Aufruf zum „Smoke-In“ der Zigarrenfreunde

Das beinharte Toral-Rauchverbot, wie ihn jetzt auch die CSU-Landtagsfraktion fordert, bedeutet das Aus für ein Stück jahrhundertealter Kulturgeschichte.

Leider werden Zigarren und Zigaretten dabei in einen Topf geworfen, was nachweislich falsch ist, Wir Zigarrenraucher müssen also etwas tun, sonst können wir unsere Humidore begraben, denn Zigarren sind kein Sucht-, sondern ein Genussmittel.

Zigarren sind auch in punkto Gesundheit nicht mit Zigaretten zu vergleichen. Wissenschaftliche Studien sagen, dass die Gesundheitsgefahr bei Zigaretten vor allem vom verwendeten Papier ausgeht! Zigarren bestehen zu 100% aus edelstem, unbehandelten Tabak, einem reinen Naturprodukt.

Ich finde, wir Zigarrenraucher müssen uns jetzt wehren – bevor es zu spät ist!

Wir treffen uns deshalb am Montag, 5. November um 12:30 Uhr zum großen Smoke-In der Münchner Zigarrenfreunde im Park vor dem Bayerischen Landtag (Maximilianeum). Keine Demo – nur eine friedliche Versammlung von Zigarrenrauchern unter freiem Himmel. um die Freuden des blauen Dunstes gemeinsam zu feiern.

Wenn der eine oder andere Landtagsabgeordnete vorbeikommen sollte (was um diese Tageszeit sehr wahrscheinlich ist), dann bieten wir ihm oder ihr eine gute Zigarre und bringen dabei unsere Argumente und unsere Forderung vor: Ausnahmeregelung für Zigarren-Lounges, also abgeschlossene Nebenräume von Gaststätten, in denen wir die Rauch-Kultur auch weiterhin pflegen dürfen.

Kommt so zahlreich wie möglich. Das Bayerische Fernsehen wird filmen! Abends ist das Ergebnis dann in der Landesschau zu sehen.

Anmeldung erbeten: smoke-in@cole.de

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Marathon-Betrug

Ich gestehe: Ich habe beim Marathon abgekürzt. Und ich bin damit offenbar in bester Gesellschaft.

42 Kilometer sind lang, sehr lang sogar. Das spürst du jeden Meter in den Oberschenkeln und wünscht dir sehnlich, es wären ein paar weniger. Und so ertappe ich mich dabei, wie ich in langen Kurven auf die Innenseite wechsele oder bei scharfen Abbiegungen ganz dicht an die Zuschauerreihe entlang renne. Es sind vielleicht nur Zentimeter, die ich dabei spare, aber die summieren sich im Laufe von vier und ein paar zerquetschte Stunden ja vielleicht doch. Hoffe ich, jedenfalls.

Ich gebe sogar zu, dass ich mich unterwegs ab und zu frage, wie man es am besten anstellen könnte, mal so richtig abzukürzen: Zum Beispiel so zu tun, als ob ich pinkeln müsste, mir irgendwas überstreifen oder die Startnummer abnehmen und dann in einer U-Bahn-Haltestelle verschwinden, um mich an der nächsten Station wieder in den Pulk zu schmuggeln. Oder irgendwo im Englischen Garten, wo ich täglich trainiere und mich deshalb besonders gut auskenne, ein Fahrrad abstellen und damit ans andere Ende des Parks zu radeln.

Dass ich nicht alleine bin mit meinen heimlichen Abkürzungsphantasien bin, weiß ich auch. In der Zeitung stehen immer wieder Stories eine Geschichte über Marathon-Mogler, die disqualifiziert worden sind, weil sie beim Schummeln erwischt wurden. Neben der U-Bahn-Nummer gibt es noch den Trick mit dem Chip-Tausch: Bei den großen Stadtläufen trägt jeder eine kleine Funk-Erkennungsmarke am Schuh, die die Zeit festgehalten, wenn man damit über eine mit Elektrodendrähten bespickte Matte läuft. Es gibt solche Matten an Start und Ziel sowie alle zehn Kilometer, um die Zwischenzeiten aufzuzeichnen.

Und weil man inzwischen weiß, dass manchmal auch Betrüger mitlaufen, gibt es meistens neben den offiziellen Zeiterfassungsstellen ein paar nicht angekündigte Kontrollstellen irgendwo entlang der Strecke. Wer da nicht drüber läuft, fliegt aus der Wertung raus. Sonst könnte einer ja einem Komplizen seinen Chip zustecken, der damit zum nächsten Kontrollpunkt radelt und ihn über die Matte trägt, während der Läufer eine Abkürzung nimmt und den Chip später wieder in Empfang nimmt.

Ich gebe zu, da gehört eine ganze Menge krimineller Phantasie dazu, sich solche Mogel-Szenarien auszumalen, und wie sonst im Leben auch sind die Bösewichte in der Regel den Ordnungshütern einen Schritt voraus (in diesem Fall sogar mehrere Schritte…). Manchmal aber ist der Betrüger der Dumme. So zum Beispiel der Mexikaner Roberto Madrazo, der beim Berlin-Marathon soeben disqualifiziert worden ist, weil er auf besonders dreiste Art und Weise betrogen hat. Der Schnauzbartträger kam am Brandenburger Tor mit einem strahlenden Lächeln und einer Fabelzeit von 2:41:12 an, womit er seine Alterklasse (55+) überlegen gewonnen hätte. Wenn den Offiziellen nicht aufgefallen wäre, dass er zwei Kontrollpunkte ausgelassen hatte und deshalb rein rechnerisch eine Teilstrecke von etwas mehr als 14 Kilometern Länge in 21 Minuten zurückgelegt hatte, was vor ihm noch kein Mensch geschafft hat: Der Weltrekord über 15.000 Meter liegt derzeit bei 41 Minuten.

Madrazo ist übrigens Politiker, hat sogar mal erfolglos für das mexikanische Präsidentenamt kandidiert, weshalb sich in seiner Heimat keiner darüber gewundert hat, dass er gemogelt hat. Schließlich gehört er der ehemaligen Regierungspartei PRI an, die in Mexiko geradezu als ein Sinnbild für Korruption und Gaunereien gilt. Und man kann sogar ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen für sein Tatmotiv: Madrazo wirbt seit Jahren in seinen Wahlkämpfen mit Plakaten, auf denen er als verschwitzter Ausdauertyp zu sehen ist. So was bringt Stimmen.

Madrazo ist überhaupt ein ziemlich schräger Vogel. Er wurde mal wegen illegaler Wahlkampfspenden im Millionenhöhe verklagt. Mitten in dem Verfahren wurde er angeblich gekidnappt und von seinen Entführern gefoltert. Allerdings wurden die Ermittlungen später eingestellt, weil die Polizei keine Spuren fand.

Erfindungsreich ist er also, der gute Roberto. Und vielleicht brauchte er wirklich ein neues Foto für sein nächstes Wahlkampfplakat. Aber was für eine Ausrede haben die anderen Marathonis? „Das ist ja schlimmer als beim Golfen“, sagte meine Frau, als sie das hörte. Ja, dass beim Kampf mit der kleinen weißen Kugel gelogen wird, bis sich die Balken biegen, ist bekannt. Aber offenbar liegt es in der Natur des Menschen, die eigene Leistung anderen gegenüber schönen zu wollen, nach dem Motto: mehr sein als scheinen. „Heute wieder das Handicap um drei unterspielt“ klingt am Stammtisch gut, da erheben die anderen ehrfurchtsvoll das Glas und denken insgeheim: „der alte Lügenbold…“

Offenbar gehen Marathonläufer auch zum Stammtisch. Oder sie stellen sich zur Wahl. Und da helfen Abkürzungen vielleicht weiter.

Ich selbst laufe gegen einen Gegner, den ich sehr, sehr ernst nehme und der mich und vor allem jeden Meter kennt, den ich zurücklege oder auch nicht. Deshalb nehme ich keine Abkürzungen – oder wenn, dann nur ganz, ganz kleine…

Ich gestehe: Ich habe beim Marathon abgekürzt. Und ich bin damit offenbar in bester Gesellschaft.

 

42 Kilometer sind lang, sehr lang sogar. Das spürst du jeden Meter in den Oberschenkeln und wünscht dir sehnlich, es wären ein paar weniger. Und so ertappe ich mich dabei, wie ich in langen Kurven auf die Innenseite wechsele oder bei scharfen Abbiegungen ganz dicht an die Zuschauerreihe entlang renne. Es sind vielleicht nur Zentimeter, die ich dabei spare, aber die summieren sich im Laufe von vier und ein paar zerquetschte Stunden ja vielleicht doch. Hoffe ich, jedenfalls.

 

Ich gebe sogar zu, dass ich mich unterwegs ab und zu frage, wie man es am besten anstellen könnte, mal so richtig abzukürzen: Zum Beispiel so zu tun, als ob ich pinkeln müsste, mir irgendwas überstreifen oder die Startnummer abnehmen und dann in einer U-Bahn-Haltestelle verschwinden, um mich an der nächsten Station wieder in den Pulk zu schmuggeln. Oder irgendwo im Englischen Garten, wo ich täglich trainiere und mich deshalb besonders gut auskenne, ein Fahrrad abstellen und damit ans andere Ende des Parks zu radeln.

 

Dass ich nicht alleine bin mit meinen heimlichen Abkürzungsphantasien bin, weiß ich auch. In der Zeitung stehen immer wieder Stories eine Geschichte über Marathon-Mogler, die disqualifiziert worden sind, weil sie beim Schummeln erwischt wurden. Neben der U-Bahn-Nummer gibt es noch den Trick mit dem Chip-Tausch: Bei den großen Stadtläufen trägt jeder eine kleine Funk-Erkennungsmarke am Schuh, die die Zeit festgehalten, wenn man damit über eine mit Elektrodendrähten bespickte Matte läuft. Es gibt solche Matten an Start und Ziel sowie alle zehn Kilometer, um die Zwischenzeiten aufzuzeichnen.

 

Und weil man inzwischen weiß, dass manchmal auch Betrüger mitlaufen, gibt es meistens neben den offiziellen Zeiterfassungsstellen ein paar nicht angekündigte Kontrollstellen irgendwo entlang der Strecke. Wer da nicht drüber läuft, fliegt aus der Wertung raus. Sonst könnte einer ja einem Komplizen seinen Chip zustecken, der damit zum nächsten Kontrollpunkt radelt und ihn über die Matte trägt, während der Läufer eine Abkürzung nimmt und den Chip später wieder in Empfang nimmt.

 

Ich gebe zu, da gehört eine ganze Menge krimineller Phantasie dazu, sich solche Mogel-Szenarien auszumalen, und wie sonst im Leben auch sind die Bösewichte in der Regel den Ordnungshütern einen Schritt voraus (in diesem Fall sogar mehrere Schritte…). Manchmal aber ist der Betrüger der Dumme. So zum Beispiel der Mexikaner Roberto Madrazo, der beim Berlin-Marathon soeben disqualifiziert worden ist, weil er auf besonders dreiste Art und Weise betrogen hat. Der Schnauzbartträger kam am Brandenburger Tor mit einem strahlenden Lächeln und einer Fabelzeit von 2:41:12 an, womit er seine Alterklasse (55+) überlegen gewonnen hätte. Wenn den Offiziellen nicht aufgefallen wäre, dass er zwei Kontrollpunkte ausgelassen hatte und deshalb rein rechnerisch eine Teilstrecke von etwas mehr als 14 Kilometern Länge in 21 Minuten zurückgelegt hatte, was vor ihm noch kein Mensch geschafft hat: Der Weltrekord über 15.000 Meter liegt derzeit bei 41 Minuten.

 

Madrazo ist übrigens Politiker, hat sogar mal erfolglos für das mexikanische Präsidentenamt kandidiert, weshalb sich in seiner Heimat keiner darüber gewundert hat, dass er gemogelt hat. Schließlich gehört er der ehemaligen Regierungspartei PRI an, die in Mexiko geradezu als ein Sinnbild für Korruption und Gaunereien gilt. Und man kann sogar ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen für sein Tatmotiv: Madrazo wirbt seit Jahren in seinen Wahlkämpfen mit Plakaten, auf denen er als verschwitzter Ausdauertyp zu sehen ist. So was bringt Stimmen.

 

Madrazo ist überhaupt ein ziemlich schräger Vogel. Er wurde mal wegen illegaler Wahlkampfspenden im Millionenhöhe verklagt. Mitten in dem Verfahren wurde er angeblich gekidnappt und von seinen Entführern gefoltert. Allerdings wurden die Ermittlungen später eingestellt, weil die Polizei keine Spuren fand.

 

Erfindungsreich ist er also, der gute Roberto. Und vielleicht brauchte er wirklich ein neues Foto für sein nächstes Wahlkampfplakat. Aber was für eine Ausrede haben die anderen Marathonis? „Das ist ja schlimmer als beim Golfen“, sagte meine Frau, als sie das hörte. Ja, dass beim Kampf mit der kleinen weißen Kugel gelogen wird, bis sich die Balken biegen, ist bekannt. Aber offenbar liegt es in der Natur des Menschen, die eigene Leistung anderen gegenüber schönen zu wollen, nach dem Motto: mehr sein als scheinen. „Heute wieder das Handicap um drei unterspielt“ klingt am Stammtisch gut, da erheben die anderen ehrfurchtsvoll das Glas und denken insgeheim: „der alte Lügenbold…“

 

Offenbar gehen Marathonläufer auch zum Stammtisch. Oder sie stellen sich zur Wahl. Und da helfen Abkürzungen vielleicht weiter.

 

Ich selbst laufe gegen einen Gegner, den ich sehr, sehr ernst nehme und der mich und vor allem jeden Meter kennt, den ich zurücklege oder auch nicht. Deshalb nehme ich keine Abkürzungen – oder wenn, dann nur ganz, ganz kleine…

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Netzwerk aus Papier

Wie schreibt man am besten ein Buch mit 850 Seiten? Nun, man lässt andere schreiben. Und damit es nicht so auffällt, bittet man einfach ganz viele Leute zu schreiben.

Wenn man die richtigen Leute bittet, kommt dabei etwas Seltsames und Schönes heraus: Eine Art Online-Community in Buchform. Das war jedenfalls mein Eindruck, als ich das erste Exemplar von „Leitfaden Online-Marketing“ in die Hände bekam. Ich blieb nämlich beim Durchblättern gleich im Inhaltsverzeichnis hängen. Nicht so sehr bei den Themen, die hier in 15 Kapiteln abgehandelt werden und die von Multichannel-Marketing über Suchmaschinenmarketing, Affiliate-Marketing, E-Mail- und Mobile Marketing, Webanalytics, bis Web 2.0 und Crossmedia Publishing reichen. Nein, es waren die Namen hinter den einzelnen Einträgen, die mich so faszinierten.

Thorsten Schwartz hat es nämlich geschafft, sozusagen jeden, der etwas zum Thema Online-Marketing etwas zu sagen hat, dazu zu überreden, seinen Beitrag abzuliefern. Das ist schon logistisch eine Meisterleistung. Ich weiß es, weil ich selbst auch gebeten worden bin, einen Abschnitt beizusteuern zu Kapitel 10 („eCRM“) unter der Überschrift „Digitale Identität macht alle zu Gewinnern“. Ich erinnere mich mit Grausen an die vielen Erinnerung- und Abstimmungs-Mails, die mich Anfang des Jahres erreichten und in denen Thorstens Stab von Leuten mich mit einer Politik der Nadelstiche dazu brachten, andere Dinge liegen zu lassen und endlich diesen blöden, aber fest versprochenen Text endlich zu schreiben. Wenn alle Co-Autoren so träge waren wie ich, dann haben die Jungs und Mädels eine echte Sisyphosarbeit abgeliefert.

Jetzt freue ich mich aber, dabei zu sein, denn das Autorenverzeichnis wimmelt nur so von alten Freunden und Bekannten, Weggefährten auf der langen Reise von den ersten zarten Anfängen des World Wide Web zu Beginn der 90er bis heute: Ossi Urchs, der meine allerersten tapsenden Schritte ins Internet geführt hat, Martin Aschoff, den ich aus alten 1&1-Zeiten kenne, Rainer Wiedemann von den alten „Argonauten“, Klaus Eck, der unermüdliche Rackerer im Dienste des Förderkreises IT- und Medienwirtschaft München (FIWM), Frank Puscher, alias „Spielfigur“, der mir in der Zeit des guten alten „NetInvestor“ manchen sauber recherchierten und geschriebenen Artikel geliefert hat, Thomas Bindl, der Suchmaschinen-Spezialist und langjähriger Mitkämpfer bei der SES-Konferenz in München, Susanne Fittkau, die Internet-Marktforscherin aus Hamburg, Christian Bachem, der in Berlin den Lehrstuhl für Wirtschaftskommunikation aufbaute.

Ob Thorsten meine Kontaktliste bei XING geklaut hat?

Aber da sind noch ganz viele, die ich nicht kenne. Noch nicht, denn was die schreiben klingt stellenweise so interessant, dass man das nachholen sollte. Vielleicht kann Thorsen ja mal ein Alumni-Treffen bei sich daheim in Waghäusl arrangieren. Es wäre eine tolle Runde und sicher auch ein rauschendes Fest. Vor allem wäre es ein soziales Netzwerk der ganz anderen Art, F2F, sozusagen. Denn bei aller Online-Kommunikation ist eines doch klar: Am interessantesten ist nicht das, was sie schreiben, sondern immer noch die Menschen selbst.

Ein Netzwerk aus Papier

Wie schreibt man am besten ein Buch mit 850 Seiten? Nun, man lässt andere schreiben. Und damit es nicht so auffällt, bittet man einfach ganz viele Leute zu schreiben.

Wenn man die richtigen Leute bittet, kommt dabei etwas Seltsames und Schönes heraus: Eine Art Online-Community in Buchform. Das war jedenfalls mein Eindruck, als ich das erste Exemplar von „Leitfaden Online-Marketing“ (http://www.amazon.de/Leitfaden-Online-Marketing-Torsten-Schwarz/dp/3000209042/ref=pd_bbs_sr_1/028-9596112-9533336?ie=UTF8&s=books&qid=1191402774&sr=8-1) in die Hände bekam. Ich blieb nämlich beim Durchblättern gleich im Inhaltsverzeichnis hängen. Nicht so sehr bei den Themen, die hier in 15 Kapiteln abgehandelt werden und die von Multichannel-Marketing über Suchmaschinenmarketing, Affiliate-Marketing, E-Mail- und Mobile Marketing, Webanalytics, bis Web 2.0 und Crossmedia Publishing reichen. Nein, es waren die Namen hinter den einzelnen Einträgen, die mich so faszinierten.

Thorsten hat es nämlich geschafft, sozusagen jeden, der etwas zum Thema Online-Marketing etwas zu sagen hat, dazu zu überreden, seinen Beitrag abzuliefern. Das ist schon logistisch eine Meisterleistung. Ich weiß es, weil ich selbst auch gebeten worden bin, einen Abschnitt beizusteuern zu Kapitel 10 („eCRM“) unter der Überschrift „Digitale Identität macht alle zu Gewinnern“. Ich erinnere mich mit Grausen an die vielen Erinnerung- und Abstimmungs-Mails, die mich Anfang des Jahres erreichten und in denen Thorstens Stab von Leuten mich mit einer Politik der Nadelstiche dazu brachten, andere Dinge liegen zu lassen und endlich diesen blöden, aber fest versprochenen Text endlich zu schreiben. Wenn alle Co-Autoren so träge waren wie ich, dann haben die Jungs und Mädels eine echte Sisyphosarbeit abgeliefert.

Jetzt freue ich mich aber, dabei zu sein, denn das Autorenverzeichnis wimmelt nur so von alten Freunden und Bekannten, Weggefährten auf der langen Reise von den ersten zarten Anfängen des World Wide Web zu Beginn der 90er bis heute: Ossi Urchs, der meine allerersten tapsenden Schritte ins Internet geführt hat, Martin Aschoff, den ich aus alten 1&1-Zeiten kenne, Rainer Wiedemann von den alten „Argonauten“, Klaus Eck, der unermüdliche Rackerer im Dienste des Förderkreises IT- und Medienwirtschaft München (FIWM), Frank Puscher, alias „Spielfigur“, der mir in der Zeit des guten alten „NetInvestor“ manchen sauber recherchierten und geschriebenen Artikel geliefert hat, Thomas Bindl, der Suchmaschinen-Spezialist und langjähriger Mitkämpfer bei der SES-Konferenz in München, Susanne Fittkau, die Internet-Marktforscherin aus Hamburg, Christian Bachem, der in Berlin den Lehrstuhl für Wirtschaftskommunikation aufbaute.

Ob Thorsten meine Kontaktliste bei XING geklaut hat?

Aber da sind noch ganz viele, die ich nicht kenne. Noch nicht, denn was die schreiben klingt stellenweise so interessant, dass man das nachholen sollte. Vielleicht kann Thorsen ja mal ein Alumni-Treffen bei sich daheim in Waghäusl arrangieren. Es wäre eine tolle Runde und sicher auch ein rauschendes Fest. Vor allem wäre es ein soziales Netzwerk der ganz anderen Art, F2F, sozusagen. Denn bei aller Online-Kommunikation ist eines doch klar: Am interessantesten ist nicht das, was sie schreiben, sondern immer noch die Menschen selbst.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Internet lieben heisst die Bombe lieben

Was hat eine Anleitung zum Bombenbau nichts mit Meinungsfreiheit oder dem Recht auf Information zu tun? Nichts, meint EU-Kommissar Franco Frattini. Ich meine: eine ganze Menge!

So, Sie wollen also eine Bombe bauen? Ganz einfach: fragen Sie Google. Die größte Suchmaschine der Welt ist dabei sogar außerordentlich, ja geradezu vorauseilend behilflich: Als ich gerade den Begriff „Bombe“ eingab, schlug mir Google neben einem entsprechenden Eintrag bei Wikipedia sowie einem Beitrag in FOCUS („“Kann man tatsächlich wie Fernseh-Held MacGyver aus Klebeband, Armeemesser und einem Kaugummi eine Bombe bauen?“) gleich noch vor, stattdessen nach „bombe bauen“ zu suchen. Und da wimmelt es vor nützlichen Tipps  für Terroristen und solche, die es werden wollen. Der „kleine Hobbyforscher“ erteilt Anfängerunterricht („Wir bauen eine Atombombe“), im „Chemikalien Onlineshop“ bekommt man den Rat, Zucker und Salpeter im Verhältnis 1:1 zu mischen („hihi, schöner Rauch“).

Ein gewisser „dertester“ schreibt auf „versuchschemie.de“: „Man muss nur AN-Dünger mit irgendeinem Öl mischen, schon hat man einen Sprengstoff, der mehr als ausreichend billig ist, um sich Mengen zu machen, mit denen man Gebäude sprengen kann.“ Vielleicht sollte man den Behörden sagen, dass jeder Landwirt in Deutschland zentnerweise Rohstoff für die Sprengstoffherstellung in der Scheune hat, so ein Leserkommentar.

Überhaupt herrscht bei den Versuchschemikern eine Bombenstimmung. „Von dem ganzen Sprengstoffgerede werde ich noch zum Bombenbastler“, meint ein gewisser „SirJohe“, und fragt ab, ob es möglich sei, mit Hilfe eines Elektrolytkondensatoren als Initialzünder zum Beispiel TNT oder ähnliches zur Explosion zu bringen. „Für TNT sicher nicht“, meint daraufhin ein gewisser „CD-ROM-LAUFWERK“ aus Magdeburg, übrigens ein schmucker Jüngling mit kragenlangem Haar – er hat freundlicherweise gleich sein Foto mitgeschickt. Auskennen tut er sich offenbar auch ganz gut, denn er weiß, dass man natürlich mit einem einfachen Kondensator höchstens „so empfindliche Sachen wie Nitroglyzerin oder Nitroglykol“ zünden kann. SirJohe solle es doch mit einem glühenden Draht versuchen, „der tut’s auch.“

„Shadow“ rät seinen Mit-Versuchschemikern, es doch im Modellbauladen zu versuchen. Dort könne man „auch 5l Kanister reines Nitromethan kaufen, wenn man möchte.“ Auch Amoniumnitrat gilt offenbar als heißer Tipp, denn es „fällt erst unters Sprengstoffgesetz, wenn man es mit 0,2% brennbaren Stoffen mischt“. Klingt wie eine lösbare Aufgabe.

Auf die Gefahr hin, mich der Rasterfandung auszusetzen, muss auch ich zugeben, schon Bomben gebastelt zu haben. Ich war damals ungefähr 14, und wir haben im Chemieunterricht gerade Kaliumpermanganat durchgenommen. Zur Erinnerung: Es handelt sich dabei um ein rot-violetter, metallisch glänzender, kristalliner Feststoff, der frei erhältlich ist und beim Kontakt mit Glyzerin nach einigen Sekunden entzündet. Wir haben das Zeugs in alte Bierflaschen (die mit dem Schnappverschluss) gefüllt und diese auf dem Feld neben dem Haus eines Freundes als Handgranaten benützt. Wahrscheinlich würde man heute das mobile Einsatzkommando rufen. Damals galt so was als Lausbubenstreich.

Und was lehrt uns das? Nun, dass es in Deutschland entweder eine ganze Menge Amateur-Terroristen in spe gibt, oder dass es Menschen gibt, die es faszinierend finden, sich mit Dingen zu befassen, die mit einem lauten Knall in die Luft sprengen lassen. Das tun übrigens eine ganze Menge Menschen. Alle, die an Silvester einen Knallfrosch werfen oder eine Feuerwerksrakete aufsteigen lassen, gehören dazu. Und das ist ihr auch gutes Recht!

EU-Kommissar Franco Frattini möchte innerhalb der EU die Internetsuche nach Bombenbauanleitungen und den Zugang zu entsprechenden Seiten von den Internetprovidern blockieren lassen. Frattini will laut „heise-online“ mit den Providern zunächst klären, „wie es möglich ist, mit technischen Mitteln die Menschen daran zu hindern, gefährliche Wörter wie Bombe, Töten, Genozid oder Terrorismus zu verwenden oder nach ihnen zu suchen“. Auf die Frage, ob damit nicht die Meinungsfreiheit und das Recht auf Information eingeschränkt würden, antwortete Frattini, dass eine Anleitung zum Bombenbau nichts mit Meinungsfreiheit oder dem Recht auf Information zu tun habe. Außerdem sollen nicht Meinungen, Analysen oder historische Informationen, sondern nur konkrete Anweisungen gesperrt werden.

Was Herrn Frattini angeht, sollte er sich lieber um die ebenfalls zu seinem Aufgaben-Portfolio gehörenden Fragen der Grundrechte kümmern. Dazu gehört die Freiheit von Ausdruck und Meinung. Zensur gehört, so weit ich weiß, nicht dazu. Jedenfalls noch nicht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der unbekannt Frosch

Als ob es nicht schon genug Spams gäbe: Derzeit macht eine als privaten Viren-Alarm getarnte Mail die Runde im deutschen Internet, in vor einer angeblichen Bedrohung durch den Bildschirmschoner „Budweiser Frogs“ gewarnt wird. Das Problem ist nur: Den Virus gibt es gar nicht!

Unter derm Betreff „Wichtige Informationen an alle User“ heißt es in der Mail: „Jemand schickt einen schönen Bildschirmschoner von „The Budweiser Frogs“ . Wer den herunter lädt, ist alles los!“ Angeblich enthalte der so genannte Screen Saver einen Virus, der die Fetplatte zerstört sowie Namen und Passwörter des Besitzers an Unbeklannte übermittelt zwecks krimineller Weiterverwendung. Der Virus sei angeblich erst seit Dienstag im Umlauf, Microsopft habe die Information offiziell herausgegeben. Der Empfänger wird gebeten, diese Mail an alle Bekannte und Kollegen weiterzuleiten, „damit dem Schaden Einhalt geboten wird.“ Falls es irgend einer noch nicht verstanden wird, legt der anonyme Mailschreiber kräftig nach: „Microsoft nennt es den am meisten schädigenden Virus, der je bekannt wurde!!!!“

Wer allerdings auf die Homepage von Microsoft in Deutschland oder in den USA geht und die Suchbegriffe „Budweiser“ oder „frog“ eintippt, läuft ins Leere. Auch ein Anruf bei der Microsoft-Pressestelle ergibt keinen Hinweis: „Noch nie gehört!“

Erst die Website des Sicherheits-Experten Sophos klärt auf: Das Ganze ist ein so genannnter „Hoax“, was man am besten als „schlechter Scherz“ ins Deutsche übersetzen kann. „Lassen Sie sich von Hoaxes nicht hochnehmen“, raten die Sophos-Fachleute. Leider sind solche Fälle gar nicht so selten. Die Verursacher hoffen wohl, dass die Empfänmger drastische Maßnahmen ergreifen, z. B. den Computer neu starten oder gleich das gesamte Netzwerk herunterfahfren. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem bayerischen Brauch des Maibaumstehlens oder andere eher infantile Vergnügen ist nicht von der Hand zu weisen.

Tatsächlich aber können „Kinderscherze“ schweren Schaden stiften. Auch wenn es keine offizielle Studie zu diesem Thema gibt, geht Sophos davon aus, dass Hoaxes mehr Kosten verursachen können als ein echter Virenvorfall. Es gäbe schließlich keine Antiviren-Software, die Hoaxes erkennt, da es ja keine Viren sind. Viele Unternehmen würden aber in Panik geraten , wenn sie eine solche falsche Virenwarnung erhalten – wodurch sie die Situation nur noch komplizierter machen. Einem Unternehmen entstehen vor allem Kosten durch die enorme Anzahl der von einem typischen Hoax erzeugten E-Mails. Wenn erst einmal einige Angestellte eine Warnung erhalten und diese an all ihre Bekannten und Kollegen weitergeleitet haben, kann es schnell zu einer E-Mail-Überlastung kommen.

Die einzige Möglichkeit, sich vor Hoaxes zu schützen, ist also: ruhig bleiben! Vor allem: Leiten Sie solche Rundmails nicht einfach ungeprüft weiter. Wenn es tatsächlich einen Massenbefall gibt, dann findet man einen Hinweis bei Google oder beim betroffenen Hersteller. Falls nicht, ist es besser, erst mal abzuwarten.

Sollte natürlich wirklich eine Mail mit einem Anhängsel „Budweiser Frog“ in der Mailbox auftauchen, dann ist das etwas ganz anderes. Aber selbst da richtet man mit einer Flut von Warnungen wahrscheinlich mehr Schaden als als Nutzen. Und wer dumm genug ist, den Datenanhang einer Mail von einem unbekannten Absender einfach so zu öffnen, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Veröffentlicht unter IT Security | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Frauenversteher

Mein Freund und Kollege Jupp Suttner gilt als Frauenliebling. Ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht ganz, denn er ist von eher kurzer Gestalt und wie ich auch nicht mehr ganz der Jüngste. Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, und überhaupt: Wer versteht schon die Frauen?

Jedenfalls verdanke ich ihm jetzt die Erkenntnis, dass die Frauen dabei sind, eine weitere Männerbastion einzunehmen, nämlich den Marathonlauf. Jupp macht die Pressearbeit für den München-Marathon, und heute flatterte mir seine Meldung ins elektronische Postfach, wonach der Frauenanteil unter den Startern bei den großen Dauer-Läufen steigt und steigt: In Berlin und München soll sie schon um die 20 Prozent betragen, in New York 32,6%, in Honolulu sogar 47,5%.

Der gute alte Philippides (der wahrscheinlich Thersippos hieß, oder vielleicht Eukles, das sind sich die historischen Quellen nicht ganz einig; Herodot schweigt sich sogar ganz aus über die Legende von angeblichen Boten, der 490 v. Ch. die frohe Kunde vom Sieg über die Perser vom Fischerdörfchen Marathon nach Athen brachte, also wurde die ganze Geschichte vermutlich im 4. Jahrhundert einfach erdichtet) würde sich heute vermutlich im Grabe drehen bei dem Gedanken, dass die Frauen ihm und seinen Geschlechtsgenossen langsam den Rang ablaufen.

Ein bisschen abenteuerlich fand ich allerdings Jupps Ableitung. Frauen finden Marathon angeblich vor allem deshalb sexy, weil sie beim Laufen die Augen aufhalten. Als „Genußläuferinnen“, so zitiert Jupp den ehemaligen Olympiateilnehmer und heutige Marathon-Experte Manfred Steffny, würden sie weitaus mehr wert legen auf das Rahmenprogramm sowie auf „das, was die Stadt sonst noch zu bieten hat.“

Und das sind für sie nicht etwa die strammen Wadeln der männlichen Marathonis, sondern vor allem die Einkaufsmöglichkeiten vor und nach dem Lauf. „Laufen & Shoppen“ lautet jedenfalls, so Jupp, die Devise.

Nun, da die Rennen meist am Sonntag stattfinden, sind die Einkaufsmöglichkeiten eigentlich eher begrenzt. Aber ich kann bestätigen, dass meine Frau deshalb gerne mit zu den Käufen fährt, weil wir meistens ein oder zwei Tage vorher anreisen, und da wird die Kreditkarte dann schon ein wenig überstrapaziert. Aber dafür läuft sie auch nicht selber mit, sondern steht nur am Streckenrand und feuert mich an.

Mich hat es aber schon erstaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit Jupp so etwas behauptet. Ich dachte jedenfalls, solche Unterstellungen würden heute als sexistisch gelten, auf jeden Fall aber als politisch unkorrekt. Ich höre meine Damen – Mutter und Tochter sind sich da immer schnell einig – schon  „Stereotyp!“ und „Macho!“ rufen.

Aber Jupp darf das. Und sie finden es auch noch nett. Was hat er, was ich nicht habe? Ich werde meine Frau mal fragen…

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

6 Gründe, zum Schläger zu greifen

Golf ist ein ungeheuer populärer Sport. Man schätzt, dass weltweit mehr als 67 Millionen Menschen Golf spielen, vier Millionen von ihnen alleine in Europa. Aber warum tun sie das? Nun, es gibt eine Vielzahl guter Gründe. Wahrscheinlich hat jeder Golfer einen anderen. Suchen Sie sich am besten einen aus, der zu Ihnen passt:

1.    Golf lässt sich praktisch in jedem Alter spielen, vom Kleinkind bis zum Greis. In den deutschen Golfclubs nehmen mehr als 25.000 Kinder bis 14 Jahre aktiv am Jugendtraining teil. Und wer in hohem Alter nicht mehr zu Fuß über die Runden kommt, kann im Elektrokart seinem Ball hinterher fahren.

2.    Golf ist ein Sport für Männer und Frauen. Sie sollten nur am besten nicht miteinander verheiratet sein, sonst gibt es unweigerlich nach wenigen Löchern einen gewaltigen Ehekrach, weil sich beide gegenseitig ständig belehren.

3.    Golf kann jeder spielen, egal wie viel er verdient. Es gibt inzwischen auch in Oberbayern öffentliche Golfplätze, die gegen eine geringe Gebühr (das so genannte Greenfee) bespielt werden können.

4.    Golf ist gesund. Eine Runde Golf strengt an, aber nicht zu sehr. Und man kann sein Spieltempo selbst.

5.    Golf ist gesellschaftsfähig. Sogar Bundespräsident Horst Köhler spielt neuerdings Golf. Und auch wenn der Golfsport längst ein Massenphänomen geworden ist, hängt ihm noch immer ein Nimbus des Exklusiven an.

6.    Beim Golfen lernt man nette Leute kennen – manchmal allerdings auch weniger nette, denn beim Golfspielen offenbart sich der wahre Charakter eines Menschen relativ schnell. Aber mit den unangenehmen Golfern muss man beim nächsten Mal ja nicht mehr auf die Runde gehen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Deutschland allzeit E-bereit? Von wegen!

Die Deutschen und das Internet – ein Drama in vielen Akten. So richtig warm geworden sind die beiden ja nie, und jetzt sieht es sogar so aus, als ob die Deutschen gegenüber dem Rest der Welt zurückfallen in ihrer Bereitschaft, Nutzen aus der modernen ITK-Technik zu ziehen. Schade um den schönen Standort…

Seit dem Millenniumsjahr 2000 untersucht die britische Wirtschaftszeitschrift „Economist“ regelmäßig den Stand der „E-Bereitschaft“ der Länder dieser Erde und stellt sie in einem Ranking dar, dem so genannten „e-readiness index“. Deutschland hat in dieser Tabelle noch nie besonders gut abgeschnitten, rangierte immer irgendwo um Platz 12 oder 13 – doch was 2007 herauskam, gleicht geradezu einem Absturz aus großer Höhe. Platz 19 ist für ein Land, das sich gerne als Hightech-Standort  gibt, schlicht und einfach eine Katastrophe!

Dass die Dänen, wie seit langem, auf Platz eins sonnen dürfen, also noch vor dem Land der Internet-Erfinder, USA, mag ja noch angehen. Und dass die frechen Österreicher nun erstmals deutlich am großen Nachbarn vorbeigezogen und auf Platz elf gelandet sind, können wenigstens diejenigen noch irgendwie zu einem deutschen Teilerfolg umdeuten, die in der Alpenrepublik ohnehin nur das 17te Bundesland oder einen abgespaltenen Teil Bayerns sehen. Aber Bermuda (Platz 15)?

Auch im direkten Vergleich mit den Hauptkonkurrenten um den Titel „Export-Weltmeister“ schneidet Deutschland ziemlich mies ab: einen Rang hinter Japan, die letztes Jahr noch irgendwo bei Platz 27 herumkrebsten, zwei hinter Taiwan (2006: Platz 23). Südkorea ist von Platz 18 auf Platz 16 vorgeprescht, Hongkong gar von Platz zehn auf vier enteilt. Nun könnte man als Berufsoptimist ja noch Trost aus der Tatsache ziehen, dass Deutschland in Wirklichkeit die europäische Mittelklasse markiert. Die Skandinavier sind ja eh als Internet-Freaks verschrieen, was sollen die auch an den langen Winterabenden sonst machen als sich Online-Pornos anschauen? Und die Schweizer (Platz 5) hocken in ihren engen Tälern und kommen nur per Computer irgendwie mal raus. Wenigstens konnten wir Frankreich (Platz 22) schlagen, ebenso wie Malta (24), Italien (25), Spanien (26), Portugal (27) und Griechenland (32). Und von den Beitrittsländern wie Estland (28), Slowenien (29) oder Polen (40) war im Grunde noch nicht viel zu erwarten.

Wem die Zukunft Deutschlands aber wirklich am Herzen liegt, der muss schon schlaflose Nächte verbringen beim Betrachten der Feinauswertung 2007. Der „Economist“ fällt sein Urteil erst nach eingehender Untersuchung von  insgesamt sechs unterschiedlichen Kriterien, die von „Geschäftsklima“ bis „Rechtsumfeld“ oder „technische Infrastruktur“ reichen. Und da wird sehr schnell klar, wo hierzulande der Schuh drückt.

Bremsfaktor Nummer eins ist die Politik. Es gibt zwar keinen Landesvater, der nicht irgendeine E-Initiative („Bayern online“) verkündet hat. Aber was ist daraus geworden? Ein föderaler Flickerlteppich aus sinnlosen und/oder schlecht gemachten Online-Auftritten selbstverliebter Landesfürsten. Ich durfte 2005 bei der hoffnungsfrohen Eröffnung von Kurt Becks „Landesportal Rheinland-Pfalz“ eine Festrede halten. Neulich war ich wieder dort – und fand neben Schwaden von Selbstweihrauch („Beck: Gerechte Löhne für gute Arbeit“) vor allem einen an zentraler Stelle platzierten Link zur „Staats-Zeitung“. Wenigstens nicht auf Papier, sondern als PDF…

An den Noten des „Economist“ lässt sich die Misere der politischen Führungskultur in Sachen Internet ziemlich genau ablesen. Während die Differenz in den Einzelnoten zwischen Deutschland und dem jeweiligen Spitzenreiter bei „Nutzung durch Verbraucher“ mit 0,95 Punkten noch erträglich schien, betrug sie bei „Regierungspolitik & Vision“ satte zwei Zähler – ein Armutszeugnis. Zumal die Politik nicht nur in den Augen der britischen Redakteure als Dreh- und Angelpunkt für die E-Bereitschaft eines Landes gilt: „Nein anderer Wachstumsfaktor für die Wirtschaft eines Landes hat eine derartige Fähigkeit, gleichzeitig an mehreren Stellen als Katalysator für digitale Transformation zu wirken“, schreiben sie. Zum Beispiel die Fähigkeit, die Bereitschaft zu fördern, in Technologie zu investieren und damit eine zeitgemäße Infrastruktur zu schaffen. Da liegt in Deutschland nämlich auch einiges im Argen: Beim Kriterium „connectivity & technical infrastructure“ klafft zwischen der Bundesrepublik und Weltmeister Schweiz eine gä
hnende Lücke von 2,4 Punkten. Selbst Belgien schneidet da besser ab!

Die britische Studie beweist eigentlich nur, was ich als langgedienter Internet-Beobachter in Deutschland seit einiger Zeit schon instinktiv spüre: Die Internet-Begeisterung in diesem Land ist vor allem dort inzwischen deutlich abgekühlt, wo sie am dringendsten benötigt würde: In den Chefetagen von Politik und Wirtschaft. Da sitzen Leute, die keine Ahnung haben (Wolfgang „Bundestrojaner“ Schäuble) oder sich immer noch verweigern (Chefs, die keine E-Mails lesen, sondern das von der Sekretärin machen lassen). Firmen, deren Internetseite seit fünf Jahren nicht mehr aktualisiert worden sind oder die gar keine haben. Schulen, in denen sich zehn und mehr Schüler einen PC teilen müssen, und der steht auch noch die meiste Zeit im abgeschlossenen Klassenzimmer der „Computer AG“.  Und da wundert sich noch einer, wenn der ITK-Branchenverband BITKOM händeringend den Mangel an Fachkräften beklagt? Mich wundert, dass es überhaupt so viele von ihnen gibt in diesem Land!

Internet und ITK sind die Lebensadern der globalisierten Wirtschaft. Mit Autos und Werkzeugmaschinen lässt sich der Export bei uns noch eine Weile künstlich am Leben halten. Irgendwann ist aber Schluss. Aber bis dahin ist Deutschland im Ranking des Economist ja vielleicht im „e-readiness index“ endgültig abgerutscht auf das Niveau von Azerbajan (Platz 68) oder Iran (Platz 69).

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar