Das Internet ist kein Börsenspiel

„Bis vor kurzem waren sie die Lieblinge der Börse. Jetzt haben sich die Dot.coms in den Winterschlaf zurückgezogen – aber sie werden wiederkommen“, beruhigte OECD-Chef Donald J. Johnston eine Gruppe von Managern auf einem Symposium in der Schweiz. Die eigentliche Leistung des Internet liege darin, dass sie Märkte und Menschen zusammenführe und die Zusammenarbeit zwischen Firmen und Volkswirtschaften in den entwickelten und unterentwickelten Ländern ankurbele. Mit kurzfristigem Kursgewinn habe das nichts zu tun.

Recht hat er: Auch wenn sich der eine oder andere an der Börse die Finger verbrannt hat – das Internet ist nun mal kein Börsenspiel, sondern ein Stück langfristiger Strukturveränderung.

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Wirgefühl im Internet

Deutschland und die Globalisierung: Auch so ein Thema, das die Welt entzweit. Für die einen sind die Deutschen ein Volk von Technokraten, die es nicht verstehen, die seelenlose Perfektion produzieren. Für die anderen sind sie  hoffnungslose Kleindenker, denen im Zeitalter weltweiter Vernetzung ganz einfach der Weitblick fehlt.

Der frühere Hamburger Oberbürgermeister Dr. Klaus von Dohnanyi, den ich kürzlich auf der Jahrestagung des Marketingsverbands „Musterhaus-Küchen“ traf, glaubt auch, dass die Deutschen anders sind, und er sieht die Wurzeln dieser Andersartigkeit schon in grauer Vorzeit bei den Germanenstämmen, von denen die Deutschen einen weltweit einzigartigen Gemeinschaftssinn abbekommen haben sollen.

Das bereitet zwar gelegentlich Probleme, sei aber im Grunde eine Chance, wenn es gelingt, dieses Wirgefühl ins Internet-Zeitalter zu übertragen – denn dort werde es dringend gebraucht. „Nicht rücksichtsloser Individualismus, sondern vernetztes Denken ist heute gefragt“, sagte er. Womöglich haben die Deutschen da den anderen sogar etwas voraus.

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Die Möbler von Musterhausküchen haben mich total überrascht. Während meiner Erfahrung nach die meisten Verbände eher zögernd auf die Herausforderungen des Internet reagieren und mühsam um Konsens ringen, ist diese Gemeinschaft von über 1.000 mittelständigen Küchenfachgeschäften mit einer beneidenswerten Konsequenz ans Werk gegangen.

Jeder Geschäftsführer bekam einen eigenen PC verpasst, mit dem er selbst per Internet seine aktuellen Geschäftsdaten – Umsatzzahlen, Bestellstatus, offene Posten – online abrufen kann. Er kann sich per Mausklick von der Hausbank eine Absatzfinanzierung zusammenstellen lassen und natürlich kann er das komplette Sortiment online bestellen. Er kann seinen Laden mit Hilfe von Quicktime-3D-Technik gegenüber dem Kunden ins rechte Licht rücken, und in Zukunft wird es sogar eine Online-Küchenplanung geben.

Ganz ohne Reibungsverluste ging das alles nicht, wie mir der Geschäftsführende Gesellschafter, Hans Strothoff, erzählte: Eine Handvoll langjähriger Mitglieder, die sich trotz aller Überzeugungsversuche hartnäckig gegen den  Fortschritt stemmten, wurden schließlich aus dem Verband ausgeschlossen. „Konsens ist gut“, meinte Strothoff, „aber irgendwann ist Schluss. Dann nämlich, wenn nichts mehr vorwärtsgeht.“

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Billiger mit der Bahn reisen dank Internet

Kunden der Deutschen Bahn AG können jetzt Fahrkarten online kaufen – und sie auch gleich daheim oder im Büro ausdrucken! Die „Surf&Rail“-Karte gilt in Verbindung mit dem Personalausweis und einer per Internet erteilten Registrierungsnummer als Fahrschein. Der neue Service wird zunächst aber nur auf 111 ausgewählten Strecken getestet und ist auch nur für Fahrten in der zweiten Klasse erhältlich. Dafür ist es aber billig: Die Strecke Berlin-Köln kostet nur 140 Mark, regulär mit BahnCard dagegen 190 Mark. Anschauen unter: www.bahn.de.

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Online-Rabatt

Als sich die Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1933 mit der Abfassung des auch heute noch gültigen Rabattgesetzes machten, ahnten sie natürlich nicht, dass eines Tages das Internet dem Verbraucher die Möglichkeit geben würde, sich per Mausklick zu Online-Einkaufsgenossenschaften zusammenzuschließen, um  auf diese Weise die Anbieter zu günstigen Großabnehmerkonditionen auch für Endverbraucher zu zwingen.

Dass aber das Hamburger Oberlandesgericht noch im Frühjahr des Jahres die Bestimmungen dieses antiquierten Gesetzeswerks heranzieht, um „Powershopping“ im Internet für illegal zu erklären, ist ein echter Skandal, denn die Herren Richter hätten es besser wissen können und müssen.

Anfang April hat nun Wirtschaftsminister Müller überraschend schnell reagiert und angekündigt, das völlig antiquierte und wettbewerbsfeindliche Rabattgesetz ersatzlos kippen zu wollen. Offenbar denken und arbeiten inzwischen zumindest einzelne Politiker schon mit Internet-Tempo vorzulegen. Hut ab!

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Wohlstand dank Internet

Die Amerikaner sind die Erfinder des Internet, und es gibt ernstzunehmende Wirtschaftsexperten, die eine Verbindung sehen zwischen der anhaltenden Wohlstandsperiode in den USA seit Anfang der 90er Jahre und dem Siegeszug von E-Commerce. Jetzt wissen wir auch, dass nicht nur die Vereinigten Staaten vom Internet-Boom profitiert haben: Laut einer Studie der American Electronics Association haben US-Technologiefirmen alleine 1998 mehr als 95 Milliarden Dollar im Ausland investiert und auf diese Weise den neugewonnenen Cyber-Reichtum  über den ganzen Globus verteilt.

Die schlechte Nachricht: Die Investitionsströme fließen nicht mehr primär in traditionelle Partnerländer wie Deutschland, Japan oder Grossbritannien, sondern in Schwellenländer wie Costa Rica oder nach Singapur, weil dort, so die Autoren der Studie, „ein freundlicheres Koima für Entrepreneure“ herrscht.

Und was kann der Freistaat Bayern tun, um den Erfolg von E-Commerce zu fördern? Ich durfte als Sachverständiger bei einer Anhörung der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag diese Frage mit Politikern und Wirtschaftsführern diskutieren. Ergebnis: Regierungen sollten mit gutem Beispiel voran gehen. Laut Hans-Joachim Heusler, Ministerialrat in der Staatskanzlei, macht man in den Amtsstuben schon Ernst mit dem elektronischen Einkauf von Verbrauchsmaterialien. Jeder Beamte oder seine Sekretärin kann Tonerkartuschen für den Drucker oder Kopier online per Web-Browser ordern. Da der Freistaat dadurch seinen Bedarf bündeln kann, bekommt er von den Lieferanten Grossabnehmerrabatte. Potenziell lassen sich allein mit Toner bis zu fünf Millionen Mark an Steuergeldern einsparen.

Für diese fünf Millionen könnte der Freistaat ungefähr 3.000 PCs kaufen und sie in die Schulen stellen. Denn das Rennen um den Erfolg im Cyberspace wird dort gewonnen werden – oder verloren. 200.000 Internet-Profis werden 2002 alleine in Deutschland fehlen, wenn nichts passiert, sagen die Marktforscher von IDC. Da klang die stolze Bilanz der Bayernregierung – 95 Prozent aller Schulen verfügen über einen PC – relativ dünn. „Ein PC gehört in jedes Klassenzimmer“, lautete denn auch die Forderung der Experten in der Anhörungsrunde. Sonst droht die Aufspaltung in eine Zweiklassengesellschaft: Menschen mit PC-Kenntnissen auf der einen Seite und Computer-Analphabeten auf der anderen. Die Politiker klagen über leere Kassen. Dann setzen Sie falsche Prioritäten, meine Herren!

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Keine Garantie fürs Internet

Im Internet können Kulturen manchmal schmerzhaft aufeinander prallen. Daran mußte ich denken, als ich auf der Direktmarketing-Messe DIMA in Wiesbaden Frank P. Kriegl traf, den Marketingdirektor der deutschen Filiale von Lands End, einem großen amerikanischen Textilversand und eines der erfolgreichsten Anbieter von Freizeitbekleidung im Internet.

In Amerika wirbt die Firma seit Jahren mit einer unbefristeten Garantie: Lands End nimmt jedes gekaufte Produkt ohne wenn und aber zeitlich unbegrenzt zurück. Doch die deutschen Konkurrenten zerrten Kringl vors Oberlandesgericht, die ihm die Werbung mit der lebenslangen Garantie verbot.

Doch Kringl kümmert das nicht: „Erstens gehen wir in die nächste Instanz und zweitens bekommt der Kunde auf jeden Fall die Garantie. Und wenn wir in Deutschland nicht damit werben dürfen – dann machen wir es eben übers Internet von unserem amerikanischen Server aus.“

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Boom bei Internet-Aktien

Internet-Aktien sind der absolute Renner an den amerikanischen Börsen. Asienkrise? Schlechte Stimmung bei den Anlegern? Davon ist in diesem Segment nichts zu spüren. Jeder wartet auf die nächste Chance, über Nacht mit einem Internet-Wert reich zu werden.

Eine Menge Leute haben Mitte November die Chance genutzt, als das Papier von Theglobe.com am Tag der Emission um sage und schreibe 606 Prozent nach oben schoß – absoluter Rekord an der NASDAQ. Eine Woche zuvor hatte es EarthWeb „nur“ auf 379 Prozent gebracht. Solche Raketenstarts machen Lust auf mehr – aber Vorsicht! Die meisten Neuemissionen machen nur die Emittenten glücklich. Chefredakteur John Fitzgibbon vom „IPO Reporter“ hat nachgerechnet: Von den 343 Internet-Firmen, die bis November an die Börse gingen, fielen 63 Prozent unter den Emissionskurs.

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Und es geht doch: Bücher im Internet verkaufen!

Es gehört eine gewisse Größe dazu, öffentlich hinzustehen und einen Fehler zuzugeben. Frank Wössner, Chef der Bertelsmann Buch AG, ist so einer: „Vor vier Jahren habe ich nicht geglaubt, daß man in absehbarer Zeit Bücher über das Internet würde verkaufen können“, sagte er auf einem Wirtschaftstag in Ingolstadt vor 2000 mittelständischen Unternehmern, „aber ich habe mich geirrt“. Der rotzfreche Senkrechtstarter Amazon.com habe dem großen Bertelsmann-Konzern (und dem Rest der Buchbranche) vorgemacht wie es geht. Nun müssen sich die Etablierten mächtig anstrengen, um im Internet-Buchgeschäft wenigstens dranzubleiben. Aber wer die Entschlossenheit in Wössners Stimme gehört hat, der ahnte: Hat sich das Schlachtschiff Bertelsmann erst mal auf den neuen Kurs bringen lassen, wird es schwer zu stoppen sein.

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Gipfel gegen Schmutz im Web

Schmutz und Schund sind für viele ein Problem im Internet. Dagegen muss etwas getan werden, sagte sich die Gütersloher Bertelsmann-Stiftung und rief zum „Internet-Gipfel“ in die Münchner Residenz. Computerexperten, Internet-Fachleute und jede Menge Juristen aus 25 Ländern ereiferten sich drei Tage lang über die Verrohung der Sitten und die Gefahren, die unseren Kindern beim Surfen drohen.

Einer von ihnen, Jean-Francois Abramatic, Chef des einflussreichen Industrie-Konsortiums W3C, erzählte mir beim Frühstück im Hotel „Vier Jahreszeiten“, er habe am Abend vorher versucht, auf seinem Zimmer den Nachrichtensender CNN im Fernsehen zu finden. Dazu musste er sich zunächst durch sage und schreibe sieben eindeutige Pornosendungen durchklicken. Im öffentlichen Fernsehen, wohlgemerkt, nicht auf den „Pay-TV“-Kanälen.

Vielleicht sollten wir uns mal ein paar Gedanken über das machen, was unsere Kinder jeden Tag auf dem Bildschirm im Wohnzimmer vorgesetzt bekommen, bevor wir uns über das Internet aufregen.

Auf den ersten Blick sieht es ohnehin aus, als ob Kinder- und Jugendschutz im Internet viel leichter durchzusetzen sind als anderswo im Leben. Es ist offenbar nur einer Frage der richtigen Software. In München war viel von Filter-Systemen die Rede, die den Zugang zu bestimmten Webseiten blockieren sollen. Eltern sollen also selbst wählen dürfen, was ihre Zöglinge zu sehen bekommen und was nicht.

Da sie natürlich nicht eigenhändig das ganze Internet absuchen, bieten ihnen entsprechende Dienstleister ihre Hilfe an, indem sie fertige Software-Listen mit anstößigen Angeboten erstellen. Doch wer legt die Auswahl-Kriterien fest? Mark Wössner, der Chef der Bertelsmann-Stiftung, forderte deshalb Lösungen, die sich mit unseren demokratischen Prinzipien in Einklang bringen lassen. Ich hoffe, die anwesenden Experten haben ihm genau zugehört.

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Volle Warenkörbe im Cyberspace

Fast 90 Prozent aller Konzerne weltweit sind bereits im Internet vertreten. Das hat jetzt eine Studie ergeben, die von Booz Allen & Hamilton und der Londoner Economist Intelligence Unit (EIU) vorgestellt wurde. Fast noch wichtiger: Die Manager beginnen, die Bedeutung des Internet für Strategien und Geschäftsmodelle zu erkennen.

“92 Prozent der befragten Führungskräfte sind überzeugt, daß Electronic Commerce den globalen Marktplatz und seine Spielregeln grundlegend verändern wird”, sagte Louis Celi von EIU. Beruhigend auch, daß die nötigen Investitionen in diesem Bereich offenbar langfristig gesehen werden: 68 Prozent der Befragten erwarten ein Return on Investment frühestens im Jahr 2001.

Ein bißchen schneller geht es offenbar in Karlsruhe. Armin Gellweiler, Chefredakteur des deutschsprachigen Suchdiensts “Web.de” (www.web.de) , den ich bei Aufnahmen für eine Internet-Show des Bayerischen Rundfunks traf, behauptet jedenfalls: “Wir verdienen schon seit über einem Jahr Geld.” Zusammen mit seinem Redaktionsteam durchforstet Gellweiler das Datendickicht in Deutschland und stellt eine Liste der besten Websites zusammen. Die Kriterien sind streng: Als Home Shopping-Anbieter hat nur eine Chance auf Aufnahme, wer mindestens ein elektronisches Warenkorbsystem sowie eine klare Aussage zum Thema Rückgaberecht zur Verfügung stellt.

Merke: Nur wer richtig sucht, der findet.

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