#6: Die nette Frau Friedrich und der Pranger

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 10, erstmals am 23. April 2012 veröffentlicht und seitdem mehr als 7000x abgerufen. Morgen: „Information wants to be free (but not necessarily on the house)“

Frau Richterin im Höhenflug (Foto: A. Friedrich/T. Cole )

Ariane Friedrich ist eine hübsche junge Frau. Sie hat blondes, modisch kurzgeschnittenes Haar und eine reizvolle schlanke Figur. Die braucht man als Hochspringerin, was Ariane Friedrich recht erfolgreich tut. Schließlich gewann sie unter anderem auch mal die Bronzemedaille bei der WM 2009 in Berlin.

Im Hauptberuf ist Ariane Friedrich Polizeikommissarin mit abgeschlossenem Studium an der Verwaltungsfachhochschule Hessen. Sie ist also offenbar ebenso klug wie schön. Für den einen oder anderen jungen Mann mag sie sogar die Traumfrau sein. Jedenfalls bekommt sie viel Fanpost auf ihre Facebookseite. Und in einer dieser Nachrichten stand neulich dieser Satz:

„Willst du mal einen schönen Schwanz sehen, gerade geduscht und frisch rasiert?“

Das ist offenbar nicht das erste Mal, dass die schöne Ariane solchen Schweinkram bekommt, aber dieses Mal ist ihr der Geduldsfaden gerissen. Sie setzte sich hin und tippte eine Nachricht auf Facebook, die neben dem anzüglichen Satz auch Namen und Wohnort des Absenders enthielt.

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#7: Evolution in Echtzeit

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 8, erstmals am 12. Januar 2015 veröffentlicht und seitdem mehr als 6500x abgerufen.

...so what's next?

…und was kommt als Nächstes?

Dieser Text entstammt meinem Buch „Digitale Aufklärung„, das ich gemeinsam mit meinem Freund Ossi Urchs geschrieben habe.

Der Mensch lebte schon immer in Symbiose mit seinen Werkzeugen. Indem er immer intelligentere Werkzeuge ersann und einsetzte, veränderte er sich. Das ist ein natürlicher Vorgang, und er ist nicht zu bewerten. Der Fehler, den die Propheten der digitalen Apokalypse begehen, besteht darin, über diesen Vorgang zu urteilen. Ein typisches Beispiel ist die Vorstellung von “Fortschritt” (als ob der Mensch seit Anbeginn seiner Geschichte auf dem Weg zu einem klar definierten Endziel voran schreitet, was Unsinn ist). Ein anderes ist die durch Technik induzierte Degeneration, Frank Schirrmachers eigenes „vermanschtes Gehirn“, von dem er in einem Interview der BILD Zeitung[1] sprach.

Der Amerikaner Ray Kurzweil gehört zu den Vordenkern der digitalen Zukunft. Er ist erfolgreicher Serien-Firmengründer und hat deshalb genug Geld, um es sich leisten zu können, hauptberuflich darüber nachzudenken, wohin die Reise geht. Kurzweil gehört zu den Begründern der so genannten Singularity-Bewegung. Die will nicht mehr und nicht weniger als den uralten Menschheitstraum vom Jungbrunnen Wirklichkeit werden lassen. Singularity beschreibt eine Welt, in der die Verschmelzung des Menschen mit digitaler Technologie eine überlegene Form von Intelligenz schafft, die unser Leben dominieren wird.

Kurzweil spielt seit etwa 1980 mit dem Gedanken an Singularität, seitdem er erstmals mit dem Moore‘schen Gesetz konfrontiert wurde. Moore geht bekanntlich von einer Verdopplung der Leistungsfähigkeit digitaler Schaltkreise alle 16 bis 18 Monate aus. Verdopplung, wie jeder Roulettespieler weiß, führt aber unweigerlich zu einer ungeheuren Beschleunigung. Diese nennt man auch „exponentielles Wachstum.“ Weiterlesen

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Wer baut das Auto von Morgen?

Car 2020.jpg

Deutschland steht und fällt mit seinen Autobauern. Aber was ist, wenn sie die Ausfahrt Richtung Zukunft verpassen und gegen die Wand fahren? Wo bleibt dann Deutschland?

Wer sich Sorgen um den Wirtschaftsstandort macht, dem müssen heute Morgen die Haare zu Berge gestanden sein, als er die Nachricht las, dass Tesla gerade Ford und General Motors in der Börsenbewertung abgehängt hat. Die Aktie des Branchenneulings von Quereinsteiger Elon Musk überstieg kurzzeitig die Marke von $312, was eine Kapitalisierung von $50,9 Mrd. bedeutete. Ford lag zur gleichen Zeit nur bei $45,6 Mrd., GM bei knapp $50 Mrd.

Noch haben die deutschen Autobauer einen komfortablen Vorsprung. Daimler liegt bei ca.€71 Mrd., VW trotz der Verluste aus Dieselgate noch bei €68 Mrd. Aber wie lange noch? Denn die deutsche Autowirtschaft ist gerade dabei, die Zukunft zu verschlafen. Weiterlesen

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#8: Warum Inflation gut ist für Deutschland – und Europa

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 8, erstmals am 12. Dezember 2011 veröffentlicht und seitdem mehr als 6000x abgerufen. Morgen: „Evolution in Echtzeit“.

 

Ham Sie mal 500 Milliarden Mark für mich?

Für alle, die nicht das Glück haben, Abonnent des Economist und dsamit des besten Wirtschaftsmagazins der Welt zu sein und die sich immer noch Sorgen machen, wie man das Problem der stagnierenden Volkswirtschaften vor allem in Südeuropa auf die Sprünge helfen könnte, sei dieses Sakrileg ins Ohr geflüstert: „Wir brauchen Inflation in Deutschland!

Ich weiß, jetzt zucken alle zusammen in kollektiver Erinnerung an die Geschichten, die uns unsere Großeltern erzählt haben über Geldscheine in Milliardenhöhe, mit denen man ein Brötchen kaufen konnte (oder die man lieber und profitabler als Heizmaterial verwendete). Aber es ist wirklich etwas dran: Die teutonische Urangst vor Inflation ist gerade dabei, die Europäische Union und die Eurozone auseinander zu reißen. Inflation ist nötig, damit sich die Europäische Einigung nicht nachträglich als Chimäre entpuppt.

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#9: Anpöbeln im Internet

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 9, erstmals am 14. Februar 2012  veröffentlicht und seitdem mehr als 5000x abgerufen. Morgen: „Warum Inflation gut ist für Deutschland – und Europa“.

Dümmer geht’s nümmer…

Die Angst geht um im Internet, die Angst davor, als „gläserner Verbraucher“ ausspioniert zu werden. Und da ist was dran. Natürlich weiß ich, dass ich eine digitale Spur hinterlasse, jedes Mal wenn ich einen Webshop besuche oder auf eine Online-Anzeige klicke. Ich erzähle auch oft und gerne die Geschichte von Amazon, die mich mittlerweile so gut kennen, dass ich meine eigene Homepage bei denen habe, in dem es nur um mich geht und das, was ich mag oder was Amazon denkt, das mir gefallen könnte – und sie haben fast immer Recht damit!

Ich fühle mich von Amazon nicht belästigt, sondern gut bedient. Service nennt man so was – leider in Deutschland häufig immer noch ein Fremdwort, auch 15 Jahre nachdem Minoru Tominaga mit einem Bestseller den Begriff „Servicewüste“ geprägt hat. Und in all den Jahren, in denen ich bei Amazon einkaufe, habe ich nicht ein einziges Mal das Gefühl gehabt, dass die irgendwelchen Schindluder mit meinen persönlichen Daten betreiben. Sie zum Beispiel an andere Unternehmen verkaufen, damit die versuchen können, mir etwas zu verkaufen, das ich gar nicht will. „Kluge Unternehmen sind die besten Datenschützer“, sage ich manchmal in meinen Vorträgen, und meine Zuschauer nicken dazu.

Es gibt aber nicht nur kluge Unternehmen. Es gibt zum Beispiel die Firma booking.com in Amsterdam, die ausweislich ihres deutschen Impressums von einem Geschäftsführer namens Darren R. Huston geleitet wird – und der hat überhaupt nichts kapiert!

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#10: Bluetooth and the Great Disconnect

Ab heute: Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 10, erstmals am 12. Dezember 2011 veröffentlicht und seitdem mehr als 5000x abgerufen. Morgen: „Anpöbeln im Internet.“

 


…and then there were three

The thing I loved about Bluetooth is that it worked. I mean: really worked. On any device, under any operating system, anywhere in the world.

Not anymore.

The Bluetooth Special Interest Group which owns and maintains the system has given up on full interoperability. Version 4, which was  announced last year, is not compatible with those millions of gadgets, computers, laptops and smartphones people use today, or at least not fully compatible. Instead, there are now three different flavors of Bluetooth: “Classic”, “Smart” and “Smart Ready”.

Sound confusing? That’s because it is.

Bluetooth, we elderly nerds remember, was developed back in the 90ies in Scandinavia by phone makers Ericsson and Nokia as an answer to the infrared solutions for getting rid of cables favored by the PC industry (HP, IBM, etc.). The name, by the way, harks back to king Harald Blåtand (literally: “blue tooth”) who conquered and Christianized Denmark.

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Vor 10 Jahren: Hat die CeBIT Zukunft?

22.-Geburtstag-Happy-Birthday-Geburtstagskarte-mit-bunten-BuchstabenAngesichts der aktuellen Diskusion um eine Verlegung der CeBIT in den Sommer und die Umwandlung in eine Spaß-Messe als letzte verzweifelte Rettungsaktion für die kränkelnde IT-Messe möchte ich an dieser Stelle einen Beitrag wiederholen, der vor fast genau 10 Jahren, nämlich am 23. März 2007, schon einmal hier erschien.


Wo sind die Zeiten dahin, als wir uns noch unter mehr als 800.000 Besuchern versuchen mussten, einen Weg durch die CeBIT zu bahnen? Als ich am ersten Messetag wie seit 25 Jahren gegen 19 Uhr das Gelände verließ, standen da 20 Wagen am Taxistand. Ich kann mich noch an Jahre erinnern, da standen um diese Zeit 200 frierende Menschen in der Schlange und warteten.

Keine Frage, die weltgrößte Computermesse hat ihre besten Zeiten hinter sich. Gestritten wurde in Hannover eigentlich nur noch darum, ob sie sich gesund geschrumpft hat, oder ob sie langsam vor sich hinstirbt.

Die Frage muss deshalb erlaubt sein: Wie relevant ist eine solche Jahreshauptversammlung der ITK-Branche noch im Zeitalter des Internet? Vielleicht sollten wir sie nächstes Jahr nach „Second Life“ verlegen, wie Herbert Kircher, Chef der IBM Entwicklungsgesellschaft, nur halb scherzhaft meinte, als wir uns über digitale Identitäten und Web 2.0 unterhielten. Weiterlesen

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Der alte Mann und die Allliebe

Was habe ich den Kerl beneidet, damals in den späten 60ern. Um seine Freundin nämlich, Uschi Obermaier, die mit den hübschen kleinen Brüsten, die sie stolz in jede Kamera reckte, drunter die hautengen Jeans, die einen makellosen Po umhüllten und dieses kecke, In-your-face Lächeln.

Angeblich schlief sie je mit jedem in der Kommune I, aber das kann auch Fake News gewesen sein. Wichtig war nur, dass sie nicht mit mir schlief, obwohl ich wild davon träumte in meiner spätpubertären Studentenzeit. Aber sie saß ja in Berlin mit diesem Langhans in einer besetzten Wohnung, und ich saß in Heidelberg und blockierte Straßenbahnen, organisierte Rote-Punkt-Aktionen und diskutierte bei der SDS, der Sozialistischen Deutschen Studentenschaft, wo wir bis tief in die Nacht die kommende Revolution planten.

Aus der Revolution ist nun ja leider nix geworden, und ihr Typ von damals, der mit der Mähne, schwärmte letztes Jahr zu ihrem 70er von dem tollen Sex, den er damals mit ihr gehabt habe. Und ich habe ihn wieder beneiden müssen. Weiterlesen

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Ich könnte weinen über die Wahrheit von Wein

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, egal wie es im Sprichwort heißt. Ein anderes lautet ja immerhin: “Wat den een sin Uhl is den annern sin Nachtigall”. Und wer Plürre trinken will, den soll man lassen, oder?

Nein, scheibt Biance Bosker in der heutigen Ausgabe der New York Times. Niemand muss mehr Industrieabfall aus der Flasche trinken, nur weil er sich den Preis eines ordentlichen Weins nicht leisten kann (oder weil er den Unterschied nicht kennt.) Die Ironie sei, dass der Preisabstand zwischen billigen Weinen und einem Bordeaux Premier Grand Cru Classé zwar noch nie so groß gewesen ist wie heute, gleichzeitig sind aber beide qualitätsmäßig noch nie so nahe beieinander gewesen. Und Schuld daran ist das, was Weinkenner schaudernd als „Frankenwein“ bezeichnen.

Nein, das ist nicht der Sylvaner, der in und um Würzburg wächst, sondern chemisch manipulierter, „hochgepäppelter“ Wein, der vor allem in Amerika mit seinen vergleichsweise laxen Weingesetzen immer häufiger im Labor und immer seltener im Weinkeller kreiert wird.

Nun ist Frau Bosker kein Barbar. Sie ist sogar studierte Sommelière und schreibt regelmäßig sehr kluge und fachkundige Geschichten über Spitzenweine. Aber was sie da unter der Headline „Ignore the Snobs, Drink the Cheap, Delicious Wine“ abgelassen hat, zwingt mich als Weinkenner doch, tief zu schlucken.

Die gute Biance war neulich zu Besuch in der Weinfabrik von Treasury Wine Estates im Nappa Valley und hat dort die Zukunft gesehen, die für sie zunächst wie ein Alptraum klang. Treasury Wine produziert einige Spitzenmarken wie Penfolds Grange in Australien oder Stag’s Leap in Kalifornien. Aber sie machen eben auch Massenwein, und dort vollzieht sich, wie Frau Bosker berichtet, gerade eine Geschmacksrevolution, die man am besten beschreiben könnte als: „Volk kriegt, was Volk will.“ Weiterlesen

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Das Buch zum Bier

Die neuste Enzyklika seiner Heiligkeit Bierpapst Conrad I ist da. Nach dem „Bierguide Österreich“ ist jetzt „Bierbusiness“ erschienen, dass er zusammen mit Prof. Dr. Werner Beutelmeyer vom Market Institut in Linz geschrieben hat. Sie haben mehr als 3.000 Leute aus der Bierbranche befragt und kommen zu so wunderbaren Erkenntnissen wie „Guter Geschmack ist gutes Geschäft“ und beantworten die Frage: „Was gutes Bier kosten darf“.

Sie haben außerdem herausgefunden, was Gästen an manchen Bierlokalen missfällt („man muss zu lange auf die Bedienung warten“ und herausgefunden, dass eine freundliche Bedienung sogar wichtiger ist (99%) als ein gut gezapftes Bier (93%). Und 72% der Befragten sagen, dass sie Biere bevorzugen, die „von einer Brauerei aus meiner nächsten Umgebung“ stammt. Sie räumen auch mit Vorurteilen auf, zum Beispiel, dass Dosenbier schlechter schmeckt als Flaschenbier: Die Mehrheit der 30- bis 40jährigen finden, dass beide gleich schmecken. „Daran werden sich die Bierverkäufer in den kommenden Jahren halten müssen“, schreiben sie – das Beispiel Aldi und Lidl werde in Deutschland Schule machen, so schon längst Dosenbier der große Renner ist. Weiterlesen

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