Italien vor 20 Jahren: Urlaub im Handy-Paradies

20 years of blogging.pngOb Italien wirklich das Land ist, in dem die Zitronen blühen, kann ich nach einem Kurzurlaub im Spätherbst nicht mit Bestimmtheit sagen. Da§ es aber das Gelobte Land des Mobiltelefonierens ist, das stand spätestens in dem Augenblick fest, als wir in die Hotelbar des noblen Grandhotel Excelsior in Rom kamen und an allen – wirklich allen! – Tischen vornehm gekleidete Italiener saßen und mit Hochdruck telefonierten. Miteinander, vielleicht? So eine Art High-Tech-Ausgabe des Balls der einsamen Herzen? Dagegen sprach, dass sie alle gleichzeitig redeten (andererseits: Das tun die Italiener eigentlich immer) und zu unterschiedlichen Zeiten auflegten. Dazwischen flitzten die Kellner in weissen Jacken umher, servierten Drinks, brachten kleine Teller mit Knabberzeugs und gingen zwischendurch auch mal ans Telefon (ein ganz gewöhnliches schnurloses Gerät), um Tischbestellungen entgegenzunehmen. Es war ein grandioses Schauspiel, ein Blick in die Zukunft des totalen Mobiltelefon-Zeitalters; eines, das je nach Temperament und Einstellung schön oder schrecklich erscheint.

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Rom ist voller Impressionen für den Handy-Freund. Zum Beispiel der junge Mann am Brunnen vor der Kirche Santa Maria in Trastevere, der offenbar auf jemanden wartete und dabei die ganze Zeit über das Mobiltelefon krampfhaft ans Ohr hielt, obwohl er gar nicht telefonierte. Vielleicht ist sein Arm bereits in dieser Stellung eingerostet, wie der Blechmann im Zauberer von Oz? Weiterlesen

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Handel im Wandel

Und wer soll hier einziehen?

Und wer soll hier einziehen?

Keine Frage: Der Online-Handel verändert vieles, einschließlich unserer Städte. „In fünf Jahren werden 30 Prozent der heutigen Verkaufsflächen überflüssig sein“, sagt Wolfgang Richter, Chef von Regio-Plan Consulting, ein auf standortrelevante Themen rund um den Einzelhandel spezialisierter Strategieberater. Rund die Hälfte der Konsumenten kauft nach einer Studie seines Unternehmens noch heute vorwiegend stationär ein, während zehn Prozent eine starke Onlineaffinität aufweisen. 40 Prozent seien eher als „hybride Konsumenten“ einzustufen, und gerade diese letzte Gruppe werde in Zukunft stark wachsen.

Die Angst vor dem Absterben der Innenstädte scheint also verfrüht. In einer Umfrage des Instituts für Handelsforschung Köln wurden Konsumenten gefragt, ob sie weniger oft als früher in die Stadt fahren, weil sie jetzt die Möglichkeit haben, online einzukaufen. Zwar bestätigte eine Mehrheit (46,3 Prozent) diesen Trend. 22,8 Prozent gaben allerdings an, genauso oft zum Einkaufen ins Zentrum zu fahren – obwohl sie regelmäßig online einkaufen. Anders ausgedrückt: Der Online-Handel sorgte unterm Strich für einen Umsatzplus! Weiterlesen

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Ein Knaller aus Cividale

IMG_1472Im Rahmen unserer Aktion „Italienurlaub zu Hause“ (man fährt morgens vom Lungau aus nach Friaul, ißt in Cividale del Friuli zu Mittag, fährt wieder heim und schläft im eigenen Bett…) waren wir jetzt ein paarmal im Al Monastero. Man muss den etwas düsteren Saal, der mich immer irgendwie an eine Szene aus dem Film „Name der Rose“ erinnert, rechts liegen lassen und schnurstracks auf den wunderschönen Innenhof zusteuern – und dann hoffen, dass noch Platz frei ist. Das Essen ist typisch Friaul, etwas herzhafter als weiter südlich im Stiefel, aber man grenzt ja hier auch an Kärnten und an Slowenien, und das schmeckt man auch.

Für mich war aber die Entdeckung einer – jedenfalls für mich – ganz neuen Weinsorte ein Grund, immer wieder hierher zurück zu kehren. Es geht um den Schioppettino, ein Verwandter des Ribolla, der hier in Friaul heimisch ist und dessen Name sich auch mit „Knaller“ übersetzen lässt. Weiterlesen

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Der Einkauf treibt Industrie 4.0

Die Zeiten sind vorbei!

Die Zeiten sind vorbei!

Die Angst vor der Digitalen Transformation ist in vielen Unternehmensabteilungen weit verbreitet, und das durchaus zu recht. Nur eine Berufsgruppe sollte sich eigentlich darauf freuen: die Einkäufer!

Wohl niemand sonst in einem typischen Unternehmen leidet nämlich unter solchen Minderwertigkeitsgefühlen wie derjenige, der in der Einkaufsabteilung seinem Tagwerk nachgehen muss. Jens Hollmann, Chefredakteur der Fachmagazins Einkaufsmanager, nennt sie deshalb mitleidig die „ungeliebten Beschaffungsmäuschen“ – glaubt aber, dass sie das Potenzial dazu haben, zur „Steuerzentrale eines Unternehmens“ aufzusteigen.

Tatsächlich denken die meisten beim Stichwort „Beschaffung“ an Menschen mit dicken Brillen und Ärmelschonern, die tagaus, tagein dicke Kataloge wälzen und mühsam lange Bestellnummern notieren, die sie in komplizierte Formulare übertragen müssen. Ein Knochenjob, so die Vorstellung der meisten Kollegen, und im Grunde keine wirklich menschenwürdige Beschäftigung. Der Einkäufer als moderner Bürosklave? Die Klischees sind fest verwurzelt.

Blickt man in die unternehmerische Zukunft, wird aber klar, dass dem Einkauf eine echte Schlüsselrolle zufallen wird, wenn nämlich die wachsende Vernetzung von Prozessen und Maschinen zu dem führen werden, was  die Bundeskanzlerin Merkel gerne als „Industrie 4.0“ bezeichnet. Weiterlesen

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„Common sense is the collection of prejudices acquired by age eighteen.“ (Albert Einstein)

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Gedanken beim Betrachten von Kinderbildern

Kinderbilder

Ein kleiner Junge liegt am Strand. Er trägt ein rotes T-Shirt und eine schwarze Hose. Er scheint zu schlafen. Nur, dass sein Kopf von den Wellen überspült wird. Aylan Kurdi ist tot, ertrunken beim Versuch seiner Familie, übers Meer vor Gewalt und Verzweiflung in der syrischen Heimat zu fliehen.

Bilder können eine merkwürdige Wirkung entfalten. Das nackte, weinende „Napalm-Mädchen“, das der US-Fotograf Nick Ut 1972 nach einem amerikanischen Bombenangriff auf ihr Dorf festhielt, hat wie kein anderes dazu beigetragen, meine Generation junger Amerikaner von der Sinnlosigkeit des Vietnamkriegs zu überzeugen. Selbst heute, nach mehr als 40 Jahren, ballt sich bei mir der Magen, wenn ich es anschaue.

Das Bild des scheinbar friedlich schlafenden Aylan Kurdi könnte eine ähnliche Wirkung haben. Es ist Dank der viralen Kraft des Internet blitzartig um den Globus gegangen. Dabei ist eine seltsame Diskussion entbrannt, nämlich darüber, ob man diese Bilder überhaupt zeigen darf. Die „Berliner Morgenpost“ titelte heute: „Ein Foto geht um die Welt“, zeigte es aber nicht. Offenbar haben die Redakteure Angst, ihren Lesern könnte der Morgenkaffee hochkommen. Weiterlesen

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Treppenwitz: Geht ein Start-up zur Bank

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Wenn ein junger Deutscher eine Idee hat, werden ihm bei der Realisierung regelmäßig Knüppel zwischen die Beine geworfen. „Geht ein Start-up-Gründer zur Bank“, lautete in den letzten Jahren der kürzeste Witz in der Finanzbranche. Nur zehn Prozent aller Gründer von Hightech-Unternehmen, die im Rahmen des Startup Monitors 2014 des Bundesverbands Deutscher Startups (DSM) und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin befragt wurden, nannten Bankkredite als eine ihrer Finanzierungsquellen. Unter denjenigen Hi-Tech Start-ups, die seit weniger als zwölf Monaten bestanden, waren es sogar nur fünf Prozent. Zum Vergleich: Im herkömmlichen Gründungsmarkt greift mehr als ein Viertel aller Gründer auf ein Bankdarlehen zurück.

Deutsche Gründer bezeichnen neben dem schwierigen Zugang zu Kapital vor allem die in Deutschland verbreitete geringe Toleranz gegenüber dem Scheitern als kritisches Hemmnis für die Gründung von Unternehmen. Berlin gilt nicht nur wegen des ewigen Dauerbrenners Flughafen als Hauptstadt des Scheiterns: Hier gehen auch die mit Abstand meisten Start-ups wieder baden. Das liegt aber auch daran, dass es in der Hauptstadt einfach die meisten Gründer gibt. Das Thema „Scheitern“ sei deshalb in Berlin nicht so stark tabuisiert, wie in anderen deutschen Städten, meint Anna Theil, Geschäftsführerin der Crowdfunding-Plattform Startnext. Weiterlesen

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Datenschutz zum Selbermachen

Wie uncool!

Wie uncool!

Kids gehen völlig sorglos mit ihren Daten um – richtig? Falsch! In Wahrheit sind sie sogar sehr empfindlich. Und strafen diejenigen ab, die wie Facebook oder Twitter mehr oder weniger nach Gutsherrenart mit den persönlichen Informationen ihrer Mitglieder umgehen.

Dass Facebook uncool ist, pfeifen die Spatzen ja schon seit einiger Zeit von den Dächern. Doch nun liegen auch belastbare Zahlen vor. Die Social Media-Studie der Firma Magid, die auf der Befragung von 1934 User im Alter von 16 bis 64 Jahren beruht, hat einen deutlichen Abfall der „klassichen“ Anbieter gezeigt. Dafür sind solche Newcomer wie Snapchat und Instagram die großen Gewinner. Weiterlesen

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Die neuen Räuberbarone

Raeuberbarone

Der österreichischer Nationalökonom Joseph Schumpeter (1883-1950) lag richtig mit seiner Idee der „schöpferischen Zerstörung“: Kapitalismus war für ihn und seine Anhänger ja Unordnung, die fortwährend durch innovative Unternehmer entsteht, die neue Ideen in den Markt tragen. Diese Unordnung war für ihn die Ursache von Fortschritt und Wachstum.

Die Technologiebranche liefert laufend Beispiele für eine derartige kreative Unordnung. IBM und Apple in den 1980ern, Microsoft und Netscape in den 1990ern Jahren, die Big 4 (Apple, Google, Facebook und Amazon) im 21. Jahrhundert: Stets geht es darum, sich einen Vorteil auf Kosten der anderen zu verschaffen. Anfangs blieb jeder noch brav bei seinen Leisten: Google machte Suche, Apple baute Computer, Amazon verkaufte Bücher und Facebook machte die Leute zu Freunden. Heute sieht die Welt der Big 4 aus wie eine Landkarte aus dem Mittelalter, wo jeder gegen jeden kämpft oder sich mit dem einen gegen den anderen verbündet, um sich strategische Vorteile zu verschaffen.

Es gibt eine deutliche Parallele zur Ära der sogenannten „Robber Barons“, der Räuberkapitalisten, die das goldene Zeitalter in Amerika um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geprägt haben. Der Wilde Weste war gezähmt, und große Männer wie John D. Rockefeller, Cornelius Vanderbilt, Andrew Carnegie und J. Pierport Morgan haben in der Folge Imperien geschaffen und sie skrupellos ausgebeutet. Weiterlesen

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Von Sinn und Unsinn Digitaler Einsiedelei

Yoda lässt grüßen!

Yoda lässt grüßen!

Unser Wiener Käsblättle (a.k.a Die Presse am Sonntag) setzt ihre Serie von hinterhältigen kulturpessimistischen Technophobie-Attacken heute mit der Überschrift „Auszeit im sozialen Exil“ fort. Es handelt sich um eine Reportage über eine Dame, die beschlossen hat, ein halbes Jahr lang die digitalen Brücken hinter sich abzubrennen und ins soziale Exil zu gehen.

Ianina Ilitcheva heißt sie und gibt als Berufsbezeichnung „Künstlerin“ an. Sie hat sogar ein Buch darüber geschrieben, das sie „183 Tage“ nannte und in dem sie auf sage und schreibe 288 Seiten von – ja wovon denn: eigentlich von nichts, also dem Fehlen von etwas, nämlich der sozialen Kommunikation – erzählt. Angeblich wollte sie herausfinden, aus welchen Quellen sie ihre Inspiration schöpfen würde, wenn sie den Kontakt zur Außenwelt abstellt. „Für mich war die wichtigste Frage: Brauche ich für meine Arbeit Einflüsse von außen, oder hab ich so viel in mir angesammelt, dass ich daraus schon etwas machen kann?“

Frau Ilitcheva hatte dazu nur 32 Jahre Zeit, denn sie ist 1983 in Usbekistan geboren. Sie studierte bis vor kurzem an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und legt gerade ein Zweitstudium über Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst nach. Sie beschreibt, wie sie ein Abschiedsfest feierte und sich dann in ihre Wohnung zurückzog. Manchmal sei sie nachts alleine durch die Wiener Straßen gegangen. Einmal im Monat meldete sie sich mit einem Blogeintrag bei Freunden und Kollegen, damit sie wüssten, dass sie noch lebt. Dann starb auch noch ihr alter Hund, und sie spürte angeblich da erst, „dass man wirklich allein in einem leeren Raum ist.“

So ganz konsequent war sie wohl nicht. „Im Sinne des wissenschaftlichen Experiments“ eröffnete sie einen anonymen Twitter-Account und postete dort Selbsterfahrungen. Und einmal nahm sie eine Auszeit von der Auszeit, um in Spanien ein Kongress zu besuchen, wo es ihr „richtig seltsam und ungewohnt“ vorkam, „wieder mit Menschen zu kommunizieren.“ Weiterlesen

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