Paradoxon der Technik

Lügt er oder lügt er nicht? Fliegt er oder fliegt er nicht?

Freitagabend, Flughafen Berln Tegel. Langer, harter Tag mit Vortragsrunde auf dem Deutschen Personalmanagement-Kongress. Freue mich auf den Feierabend daheim in München. Komme zum Schalter. lege die Bordkarte vor. Der nette Lufthansa-Mitarbeiter schüttelt den Kopf, die Maschine sei annulliert. Leider ein ganz alltäglicher Vorgang. Ungewöhnlich nur seine Begründung: „Die Maschine hat Technik.“

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Pulchinellas Geheimnis

Ach wie gut, dass niemand (angeblich) weiß…

Enrico Mordelli ist ein witziger Mann. Ein sehr gescheiter noch dazu: Als in Italien lebender Psycholanalyst und Informatiker kennt er das Seelenleben der Menschen genau wie das der Computer. Neulich hielt er in München einen Vortrag mit dem schönen Titel: „Geheimnisse und ihre Bedeutung im Zeitalter von Wikileaks“, in dem er über die neue Transparenz des Internet und die Folgen für unsere Gesellschaft sprach, was angesichts der vielen Schlagzeilen über Datenschwund und Identitätsdiebstahl gerade in letzter Zeit (Sony, Facebook, und so weiter) besonders aktuell ist. Mir hat in diesen Tagen die Russenmafia meine komplette Homepage gekapert und umgeleitet, was mir ziemlich viel Ärger und Aufwand eingehandelt hat, also habe ich aufmerksam zugehört.

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Ein Sieg für die Neutralität

Während die Telekom in Deutschland nach wie vor darüber nachdenkt, wie sie ein Zweiklassen-System im Internet realisieren kann, hat das Parlament in Holland die so genannte „Netzneutralität“ per Gesetz beschlossen: Ab sofort ist es den Netzwerkbetreibern im Oranjestaat bei Strafe verboten, Dienstebetreiber wie Skype auszuschließen oder zusätzliche Gebühren zu verlangen, wie es die Deutsche Telekom zum Beispiel für den Videodienst YouTube plant.

Damit ist Holland übrigens erst das zweite Land der Erde, in dem die Netzneutralität  Gesetzesrang besitzt. Das erste war – Sie haben es erraten: Chile! Und das schon 2010. Auch Frankreich arbeitet an einer entsprechenden Bestimmung. In Deutschland dümpeln dagegen Gesetzesvorlagen der Linken und der Grünen in den Ausschüssen, wo sie von der Regierungsmehrheit aus CDU/CSU und FDP blockiert werden. Und in den USA ist letztes Jahr ein Vorstoß des demokratischen Abgeordneten Henry Waxman am Widerstand der Republikaner gescheitert.

Zumindest in Europa dürfte die Sache allerdings bald klar sein: Dem Vernehmen nach will die zuständige EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes die Netzneutralität per Ordre de Mufti zum Prinzip erklären und die Telcos mit saftigen Strafen zwingen, alle Anbieter von Internetdiensten gleich zu behandeln.

Was Netzneutralität angeht, bin ich absolut parteiisch: Wir brauchen sie! Und auch wenn es wie ein Widerspruch klingt: Ich halte den Vorstoß der Holländer für einen Sieg für die Neutralen.

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Twitter als Unterrichtsfach?

Wie lang ist lang genug? Goethes „Faust“ kommt in der Dünndruckausgabe auf 646 Seiten. Der dickste (9cm) Einzelband in meinem Regal, „Das neue Naturheilverfahren“ von F.E. Bilz aus dem Jahr 1894, bringt 1916 Seiten. Wer bietet mehr?

Am anderen Ende der Skala steht heute Twitter, das dem nach Verbreitung Gierenden nur 140 Zeichen Platz lässt. Irgendwo dazwischen liegt Facebook, wo die Länge eines „personal status message“ neulich von 160 auf 420 Zeichen herausgesetzt wurde.

Junge Menschen wachsen in dieser Welt der Kurznachrichten auf, aber in der Schule ist offenbar eher Masse als Klasse gefragt. Über Google kam ich auf ein Diskussionsforum namens „Freundeskreis netter Leute mit schlauen Kids – Anlaufstelle für Leute mit Hochbegabten Ableger“, wo unter anderem die Frage gestellt wurde: „Wie lang muss ein Schulaufsatz sein?“ Ein bis zwei Seiten, so der Tenor der meisten Antworten, es dürfen aber auch drei oder mehr sein. DIN-A4-Seiten, versteht sich.

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Gilt das Presserecht auch für Blogger?

Die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum ist, ist eigentlich noch nicht abschließend beantwortet. Für Straf- und Zivilrecht lautet die Antwort: ja, aber nur, wenn beide Pqrteien ihren gewöhnmlichen Aufenthalt im gleichen Rechtsraum haben, also beispielsweise beide in Deutschland oder zumindest in Europa sitzen. Im Prinzip gelten sie weltweit, aber zwische Recht haben und Recht bekommen klafft bekanntlich ein tiefer Spalt. Wenn der Server auf den Camayan Islands steht, hat der Kaiser sein recht verloren. Und die US-Regierung tut sich augenscheinlich schwer, den WikiLeaks-Gründer Julian Assange zur Rechenschaft zu ziehen, so lange der sich in Großbritannien oder Schweden befindet.

Gerade WIkiLeaks zeigt aber, dass zumindest im medialen Bereich sehr wohl noch ein rechtsfreier Raum existiert, oder zumindest eine rechtliche Grauzone. Es ist nämlich nicht ganz klar, ob WikiLeaks eigentlich eine journalistische Publikation ist, also eine Art Online-Magazin. Ich würde sagen ja, zumal sich die Mitarbeiter von WIkiLeaks ja spätestens mit dem „Redigieren“ der Videoclips über die Tötung unschuldiger Zivilisten in Bagdad nicht mehr behaupten können, ihre Website leite nur Dinge ungefiltert weiter. Assange arbeitet auch mit Journalisten vom „Spiegel“, von der „New York Times“ und dem britischen „Guardian“ zusammen, ist also strenggenommen ein journalistischer Mitarbeiter. Er selbst bezeichnet das, was er tut, als „wissenschaftlichen Journalismus.“

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Piloten und andere Menschen

Der Pilot von Airfrance Flug 447, der am 1 Juni 2009 über dem Atlantik abstürzte und alle 216 Passengiere und 12 Besatzungsmitglieder mit in den Tod riss ist, hat nach allem, was wir nach Auswertung des Flugschreiber wissen, so ziemlich den dämlicsten Anfängerfehler gemacht, den es gibt: Er hat, als die Geschwindigkeitsanzeige ausfiel, am Steuerknüppel gezogen und damit das Flugzeug nach oben gezogen. Am Ende ragte die Nase mit 40 Grad in die Luft. Folge: Die Strömung am Flügel ist abgerissen, die Maschine ist über einen der beiden Flügel abgeschmiert und ist in einen Zustand geraten, den Flieger „Trudeln“ nennen. Als der Flieger nach 11.000 Metern Sturzflug auf der Wasseroberfläche, die bei dieser Geschwindigkeit in etwa die Konsistenz von Beton hat, aufschlug, hatte er den Knüppel immer noch krampfhaft nach hhinten gezogen.

Ich bin kein Linienpilot, aber ich war Sichtflugpilot, durfte also kleine Sportmaschinen vom Typ Cessna oder Piper bei schönem Wetter zum Kaffeetrinken irgendwo hin steuern. Und ich erinnere mich an die Warnungen meiner Ausbilder, bitteschön niemals, aber auch wirklich niemals in eine Wolke zu geraten, weil ich nach ungefähr 45 Sekunden tot wäre. Nicht, weil die Maschine gleich abstürzen würde, sondern weil ich ohne Sichtbezug zum Horizont und ohne eine Ahnung, wie man die Angaben der Fluginstrumente richtig deuten muss, spätestens zu diesem Zeitpunkt ein für allemal die Kontrolle über das Flugzeug verlieren würde. Entsprechende Untersuchungen im Flugsimulator hätten das ein ums andere Mal bewiesen. Nur, wer im Instrumentenflug ausgebildet sei, könne sowas wagen.

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Flammenwerfer gegen Facebook

Das Internet hat eine neue Kunstform entstehen lassen, nämlich das “flaming”. Man muss sich das so vorstellen, als ob jemand einen verbalen Flammenwerfer anzünden und auf eine andere Person, eine Firma oder eine Institution richten würde, bis nur noch ein Haufen glühender Asche übrig bleibt. Es hat legendäre „flame wars“ gegeben und sogar eine “Flamer’s Bible“, bis Web 2.0 kam und auf einmal alle ganz brav und höflich wurden, weil sie Angst hatten, von anderen „de-friended“ oder sonstwie bei der Online-Gestapo angezeigt zu werden, die einen abholen und unsanft aus der Nutzerliste entfernen. Einen richtigen Flame habe ich schon lange nicht mehr gelesen, und ich dachte schon, es gibt sie vielleicht gar nicht mehr.

Jedenfalls so lange, bis mich Eve Maler (a.k.a. „@xmlgrrl“) gerade auf einen Blogpost von Jason Scott hinwies, ein ziemlich abgefahrener Typ (wer sonst würde sein Leben der Dokumentation der Entstehungsgeschichte von ASCII widmen?), der auf die eher harmlos klingende Frage „Was ist deine Meinung bezüglich der Langlebigkeit und den Herausforderungen bei der Archivierung von [Facebook]?“ zu einer seitenlangen Hetzirade ansetzte, die in Sachen Fäkalsprache ganz neue Dimensionen eröffnet („People aren’t just eating Facebook’s Shit Sherbet  […] they are shoveling it down.“). Man kann nach der Lektüre mit einiger Sicherheit sagen: Jason mag Facebook nicht. Nein, er mag es überhaupt nicht. Und er hält uns FacebookNutzer alle für geisteskrank, pure and simple.

Nun, über Geschmack und Geisteskrankheit kann man sicher streiten („Ich soll verrückt sein? Nein, die anderen sind‘s!“). Aber es ist schon etwas dran an seinen Argumenten, auch wenn man sie nur mit Asbesthandschuhen anfassen kann. Ich habe mir die Mühe gemacht, den zweiten Teil seines Ejakulats ins Deutsche zu übertragen, erstens deshalb, weil er hier meines Erachtens wirklich ernstzunehmende Dinge über Facebook zu sagen hat, und zweitens weil der in Puncto Obszönität blutarmen deutschen Sprache einfach die Wortgewalt fehlt, um den ersten Teil seines Traktats gerecht werden zu können.

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Boobs on Air

Not-quite-full frontal nudity, but at least no rear-view censorship

Americans are public prudes and private libertines. That, at least, has been one of my fondest preconceived notions. I distinctly remember a shocked attendee of KuppingerCole’s first European Identity Conference taking me aside to tell me that, while channel surfing at his posh hotel in downtown Munich, he had stumbled across what he thought was  pay-per-view porn but in fact turned out to be a public station. „Imagine – they were showing boobs and stuff right there on television!“ he wailed.

Last night one the long Lufthansa flight from MUC to NWR I watched “Love and Other Drugs“, featuring Anne Hathaway and Jake Gyllenhaal, and I can now confidently state that a) Anne has fantastic boobs, b) that Jake has a very good-looking ass, and c) Hollywood has not just come a long way – they have gone all the way. After an hour and a half, I not only heard just about every pertinent colloquial term denoting male and female genitalia and sexual preferences, but was also forced to view them in deathless Technicolor, along with the by now virtually obligatory fart from the leading actor (or possibly his bowel movement double).

Please don’t get me wrong: I could care less who chooses to expose what part of their anatomy or libido on film or stage. I live in a country where people actually enter the sauna without their bathing suits (I once almost got arrested as an exhibitionist in San Francisco because I forgot and walked into the hotel sauna “sans culotte”, only to be greeted by high-pitched screams from four elderly saunistas).

“Love and Other Drugs” did make me pause for thought, though, mainly because it appeared to me to be a rather pathetic attempt at demonstrating cultural liberalism. It was all so obviously forced and, frankly, embarrassing. Anne is an artist and social worker suffering from incipient Parkinson’s Disease (the “shaking palsy” of Victorian times), and she obviously intends to cram as much wild sex as she can into the time she has remaining. Jake is a salesman for Pfizer, the drug giant who made a mint with Viagra, and he accidentally swallows an overdose of his own medicine, causing his manhood to go into what the film euphemistically calls “overreaction”, winding up in the Emergency Room where we are treated to a close-up of the bulge in his BVDs.

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IT Security’s dirty little “Pulchinella Secret”

The European Identity Conference EIC, which recently ended here in Munich, had many highlights, but for me personally the very best was the keynote by the Italian psychologist Dr. Emilio Mordini, CEO of the Centre for Science, Society and Citizenship CSSC in Rome, which he describes as a leading independent research centre specializing in advice on political, ethical and social issues raised by emerging technologies. His topic was “Secrecy in the Post Wikileaks Era“, in itself a fascinating subject, but where it got really entertaining and thought-provoking was when he turned to the subject of the „segreto di Pulcinella“, or Pulchinella Secrets.

Pulchinella, we all learned, is a bumbling, clownish figure from the Italian “commedia dell’arte”, a traditional folksy form of theatre that began in Italy in the mid-16th century and which is characterized by masked “types” performing often improvised performances based on sketches or scenarios. According to Wikipedia, “arte” does not refer to “art” as we currently consider the word, but rather to that which is made by “artigiani” (artisans).

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You Can’t Have One Without the Other(s)

Remember the old New Yorker cartoon about the canine computer user telling his sidekick: „On the Internet nobody know’s you’re a dog“? That was back in 1993, but it still holds true. And hile many, myself included, relish the anonymity the Net gives us, the inability to prove conclusively who is on the other end of the line can be irking, and even downright dangerous, when large sums of money or the running of critical or possibly even existential systems is concerned.

Of course, the username/passwort currently used by almost everybody doesn’t prove who you or I are at all. It simply proves that there is indeed an entry in a database that uses these attributes, so anybody who knows them can get in. hat’s probaböy okay for most use cases. After all, the world as we know it won’t come to an end if somebody highjacks my Facebook account. And for thing like eBanking or PayPal I have additional ways of protecting myself: tokens, one-time passwords or Transaction Numbers (TANs), for instance. And yes, my laptop does have a fingerprint reader built in. I don’t have an Iris scanner yet, but these things are available if needed. There are lots of other methods out there, such as systems that analyze my typing behavior or listen to my voice patterns. One of my favorites is a system called “PassFaces” which makes you memorize the faces from pictures of total strangers whom you are then required to pick out from a matrix of mugshots. Presumably, if you can recognize, say, three people, then this must be the real you knocking on my digital door.

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