Das schöne Gefühl, digital unsichtbar zu sein!

Ein Grundübel unserer digitalen Zeit ist, dass wir ständig das Gefühl haben, verfolgt zu werden. Unsere Smartphones, so sagt man, sind vollgestopft mit Sensoren die ständig unsere Bewegungen aufzeichnen und daraus Bewegungsprofile von uns erstellen. Was genau mit diesen Profilen passiert, weiß eigentlich niemand so recht, aber es erzeugt jedenfalls bei mir ein leichtes Gefühl des Unwohlseins. Vielleicht sind es nur Werber, die wissen wollen, wo ich gerne einkaufe. Und wenn ich ein Verbrechen begehen würde, könnte mich die Polizei über mein Smartphone ziemlich schnell dingfest machen. Da ich aber eher ein ehrlicher Mensch bin, macht mir das weniger Sorgen. Dafür wäre ich ganz froh, wenn man mich im Falle eines Unfalls dank Smartphone-Ortung schneller finden und Hilfe holen könnte. Also habe ich ein eher zweigespaltenes Verhältnis zum Thema Tracking.

Allerdings hätte ich schon gerne die Kontrolle darüber, wer mir so alles digital hinterherläuft, und so habe ich mich sehr über den Beitrag von Jennifer Valentino und Natscha Singer in den New York Times gefreut mit der Headline: „Wie Sie Apps daran hindern können, Ihren Standort zu verfolgen„. Sie geben darin nämlich Tipps, die so einfach sind, dass selbst ich sie verstehe.

Zuerst, sagen Sie, geht man in die Einstellungen und sucht nach dem Punkt „Privacy“ oder „Datenschutz“. Beim Apple iOS, das ich verwende, ist das Symbol dafür eine weiße Handfläche auf blauem Grund. Weiterlesen

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Welche Ehre!

…and the winner is!

Mein alter Freund und Mit-Pionier des deutschen Internets, Harald Summa vom eco Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., hat mich am Donnerstagabend d für mein „Lebenswerk“ ausgezeichnet. Ein bisschen früh, finde ich – ich denke, mein Lebenswerk ist noch längst nicht abgeschlossen. Aber es hat halt gerade so schön gepasst, weil ohnehin die eco awards 2018 vergeben wurden, und das in festlichem Rahmen in der Kölner Wolkenburg mit fürstlichem Menü, Tanzeinlagen und Gewinnern in insgesamt sieben Kategorien. Anschließend wurde bis in die Puppen getanzt, aber vorher hat man mich gebeten, ein paar ernste Worte zu sagen. Hier sind sie:

Uns kommt es heute manchmal vor, als würde es das World Wide Web schon ewig geben, aber das stimmt nicht. Als ich 1993 meine erste Visitenkarte drucken ließ, auf dem „Internet Journalist“ stand, hatte noch niemand etwas davon gehört. Ein Jahr später wurde am KMU in München der erste Web-Server installiert, und mein Freund Sabastian von Bomhard von Spacenet  räumte mir einen Platz darauf frei, auf dem ich meine erste Homepage baute – ich musste dazu erst einmal HTML lernen – und wo zwei Jahre später mein „Cole-Blog“ erschien. Nur hieß er nicht so, weil das Wort „Blog“ noch nicht erfunden war.

Ich habe das Web von Anfang an erlebt, und ich bin heute sehr besorgt über die Richtung, die es genommen hat. Und deshalb habe ich mein neues Buch geschrieben, „Wild Wild Web – Was uns die Geschichte des Wilden Westens über die Zukunft der Digitalen Gesellschaft lehrt“.

Es gibt, wenn man genau hinschaut, viele Parallelen zwischen zwischen dem Wilden Westen und dem World Wide Web, das heute ja zumindest historischen noch in den Kinderschuhen steckt.

George Santayana, ein Spanier, der nach Amerika auswanderte – das ging damals noch – und dort zu einem der wichtigsten Philosophen des 20sten Jahrhunderts wurde, sagte bekanntlich: „Wer nicht bereit ist, aus der Geschichte zu lernen, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

Das Hauptproblem heute lässt sich mit einem einzigen Wort beschreiben: GAFA – Google, Apple, Facebook and Amazon – die mächtigsten Monopole der Weltgeschichte, die völlig außer Kontrolle geraten sind und die es jetzt einzubremsen gilt, wenn wir noch mitreden wollen wenn es um unsere eigene digitale Zukunft geht!

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Roboter sollen Steuern bezahlen wie wir auch!

Good idea, Bill!

Roboter wollen deinen Job? Nicht wirklich, jedenfalls nicht, wenn du einen interessanten Job hast, denn Roboter sind nur gut bei Tätigkeiten, die ziemlich langweilig sind, weil es darum geht, immer nur stumpfsinnig den gleichen Handgriff zu wiederholen. Gut, es gibt Menschen, die müssen heut zutage auch solche Jobs machen, die Kassiererin im Supermarkt zum Beispiel, die den lieben langen Tag Barcodes über den Scanner ziehen muss. Solche Jobs werden verschwinden, und wir werden uns für die arme Supermarktkassiererin, die deshalb arbeitslos wird, etwas einfallen lassen müssen. Da sind wir als Gesellschaft gefordert. Aber aufhalten lassen wird sich diese Entwicklung nicht. Ohne Automatisierung werden wir den selbstverschuldeten Fachkräftemangel nicht ausgleichen können. Dazu hätte unsere Generation einfach mehr Kinder machen müssen und sie besser ausbilden. Ja, Zuwanderung wäre eine Alternative, aber wenn sich Länder wie Deutschland und Österreich beharrlich weigern, Flüchtlinge an der Grenze zu begrüßen und sie in unsere Ausbildungswerkstätten zu bitten, bleibt uns diese Quelle von „Frischfleisch“ (wie es der ehemalige VW-Personalchef einmal nannte), verwehrt.

Also muss der Kollege Roboter ran. Es werden natürlich andere Roboter sein als heute. Riesige, behäbige Industrieroboter, die in Käfigen leben müssen, weil sie sonst einen zufällig vorbeikommenden Menschen zu verletzen drohen, werden am Fließband weiterhin fleißig ihre Arbeit tun. Aber die nächste Generation von Robotern werden klein, flink und wendig sein und den menschlichen Kollegen Dinge abnehmen wie das schwere Heben oder das überkopfarbeiten – Dinge, die der Mensch nicht so gerne und nicht so gut machen kann.

So gesehen sind Roboter nicht wirklich darauf aus, unsere Jobs wegzunehmen. Aber was ist, wenn sie es doch tun? Dann braucht der Mensch, der gerade seine Stelle verloren hat, eine andere, oder er braucht eine Zusatzausbildung, die ihn in die Lage versetzt, eines der vielen, vielen Jobs zu machen, die nur der Mensch gut kann. Weiterlesen

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Ein Häschen im Schloss

Ich bin beim Computeraufräumen wieder über diese entzückende kleine Geschichte gestolpert, die ich 2016 hier im Cole-Blog veröffetnlicht habe und die es verdient, wiederholt zu werden, damit auch neue Leser sich an ihr erfreuen können. Wir brauchen so viele herzrührende Geschichten, die wir kriegen können in diesen kalten Tagen von Donald Trump, Recep Tayyip Erdoğan und Jair Bolsonaro.

***

Diese Geschichte ist so schön, dass ich sie unbedingt weitererzählen muss. Außerdem ist sie ein perfektes Beispiel dafür, wie man als Unternehmen Social Media richtig einsetzen sollte. Niemand will auf Facebook irgendwelche abgestandenen Pressetexte lesen, und auch die x-te Version Ihres Mission Statement interessiert keine Sau.

Das Adare Manor Hotel ist eines der nobelsten Herbergen Irlands. Es liegt in einem Dorf westlich von Limrick und wurde im frühen 19ten Jahrhundert als Herrschaftssitz des Earl of Dunraven erreichtet inmitten eines 3,4 Quadratkilometer großen Parks. 1897 gab sich Königin Victoria hier die Ehre, und das im Tudorstil errichtete Granitgebäude strahlt eine Erhabenheit aus, die auf Normalsterbliche ein bisschen einschüchternd wirkt.

Daran hat sich auch nicht geändert, als der verarmte letzte Earl von Dunraven das Ungetüm 1982 an eine Investorengruppe verkaufte, der daraus eine Nobelherberge machte, komplett mit einem der schönsten Golfplätze der an Golfplätzen weiß Gott nicht armen Insel, wo 2008 und 2009 der Irish Open ausgetragen wurde. Mehrfach als das beste Hotel von Irland ausgezeichnet, mit Zimmerpreisen ab 480 Euro die Nacht, ist das Adare Manor (das zur Zeit übrigens wegen Renovierungsarbeiten bis 2017 geschlossen ist) nichts für Otto-Normalurlauber.

Meine Frau und ich fuhren mal dran vorbei, aber wir haben uns nicht reingetraut. So dick ist unser Geldbeutel nicht gepolstert. Aber seitdem ärgere ich mich schon ein bisschen, dass wir damals nicht angehalten haben.

Wenn ein solches Hotel also ein Imageproblem hat, dann höchstens das der Unnahbarkeit. Hinter der hochragenden Steinfassde, so stellt man sich vor, herrscht vornehme Stille, allenfalls unterbrochen vom leisen Klingeln der Teekanne am Tassenrand, und die Bediensteten eines solchen Etablismenets stellt man sich als eine Mischung aus Jeeves und einem Gymnasialdirektor vor. Um sich in einer solchen Umgebung zu Hause zu fühlen muss man mindestens Milliardäre, besser aber Mitglied des europäischen Hochadels sein, oder?

Das Adare Manor hat eine Facebookseite, was an sich schon verwundert, denn die Queen wäre vermutlich darüber not amused. Aber umso überraschter war ich, als ich dort diese wunderbare Geschichte vom Stoffhäschen las.

Sie fängt mit einem einfachen Foto an. Das Häschen sitzt etwas traurig und vergessen in einem Plüschsessel. Jemand hat ihn, so lesen wir, beim Frühstück liegen gelassen.

Diese Geschichte wiederholt sich jeden Tag in Tausenden von Hotels auf der Welt. Was dann geschieht, ist auch meist schon Routine: Die Verlustsache kommt an die Rezeption oder ins Lager. Wenn sich der Besitzer meldet, muss jemand ein Päckchen packen und zur Post bringen. Das deutet zusätzliche Arbeit und Ärger, aber was soll man machen als ordentlich geführtes Hotel? Danach geht man wieder zur Tagesordnung über.

Ich weiß nicht, ob im Adare Manor ein besonders gewiefter Mitarbeiter an der Rezeption saß oder ob irgendjemand in der PR-Abteilung sitzt, der viel auf Facebook unterwegs ist. Was jedenfalls dann geschah sollte in einem Lehrbuch für Social Media Marketing stehen, denn das kleine Häschen begann sich selbständig zu machen und wurde zum Thema einer fast perfekten viralen Kampagne.

Das Häschen wurde zum Held einer rührenden kleinen Geschichte. Das nächste Foto zeigt ihn im Gästebett, die TV-Fernbedienung in der Hand, neben sich eine Praline als kleines Betthupferl. Darunter der Text: „Ich muss heute Abend im Adare Manor übernachten. Hoffentlich werde ich morgen abgeholt.“

Am nächsten Morgen sitzt das Häschen im Spa auf dicken Handtüchern mit Gurkenscheiben auf den die Augen, offensichtlich sehr entspannt. Da möchte man doch jetzt auch sein, oder? Weiterlesen

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Medienpädagoge des Digitalzeitalters?

Mein Freund Michael Kausch von vibrio hat eine sehr tiefsinnieg und treffsichere Rezension meines neuen Buchs, Wild Wild Web, geschrieben, inder er mich sehr schmeichelhaft al den „Medienpädagogen des Digitalzeitalters.“ bezeichnet. Danke dafür!

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I thought I’d seen everything…

In more than 20 years as a public speaker I have seen lots of things – but never anything like this: The Moscow State University of Management has booked me for a 20-minute speech, and to publcize it they plan to put up billboards! Since I do not speak or read Russian I can only hope they got everything right…

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The World of Data – and welcome to it!

I have produced a new podcast about the World of Data and why not all data are created equal. It is an excerpt from my new book, Wild Wild Web: What the history of the Wild West teaches us about the future of the Digital Society. Enjoy!

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Computers don’t need to seek power – we will hand it over to them

This is what happens when you turn on the sat-nav and turn off your brain

The biggest danger exponential technology poses is that we will become overburdened. Mankind has a long history of passing on its more arduous tasks to machines, starting with the plow and leading, in our time, to robotic lawnmowers and vacuum cleaners. We tend to delegate important decisions to our mechanical helpmates just because they’re there and we can.

Take the sat-nav, for instance. The minute we turn one of those gadgets on, we simultaneously switch off our brains and blindly follow the directions given to us – no matter where we end up. Too often, this means getting stuck in a wrong-way street or even in some swamp or bog. In a search for sat-nav blunders Google turned up thousands of results, including an item in the Daily Telegraph stating that “Sat-nav blunders have caused up to 300,000 accidents” in Britain alone. Town councils in England and Wales started setting up road signs as early as 2007 warning truck drivers of narrow thoroughfares where they might get stuck if they trust their digital advisors. Traffic engineers say over-reliance on technology has become a major hazard.

The futurist Gerd Leonhard fears that humanity will eventually lose control of technology, not because robots are reaching for power but because we are giving it up. He calls this “self-abdication”. Weiterlesen

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Die Digitale Allmende

Ein alter Hut?

„Technologie ist nicht das Problem, sondern ein Mittel zum Zweck“, schreibt Kevin Keith, der Direktor von GovHack, eine australische Bürgerrechtsorganisation, die jährliche „Hackathons“ organisiert, um das Konzept von Open Data zu propagieren – eine Welt, in der alle Daten für jeden frei verfügbar sind und es als Verbrechen gilt, etwas geheimzuhalten. Da das Prinzip für jeden gilt – Privatpersonen, Firmen und Regierungsstellen –, hat es ja einen gewissen Charme: In einer Welt ohne Geheimnisse kann niemand Daten dazu benützen, andere zu schädigen oder auszubeuten. Das ist eine Lieblingsidee von Libertären, die aber wohl kaum Chancen auf Verwirklichung hat – da werden die Damen und Herren der Geheimdienste noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Schade, also müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen müssen. Aber wenn Technologie uns die ganzen in diesem Buch beschriebenen Probleme überhaupt erst eingebrockt hat, warum kann sie uns nicht helfen, sie zu lösen? Darum soll es in diesem Kapitel gehen.

Das Internet wurde auf Idealismus aufgebaut. John Perry Barlow, der im Februar 2018 verstorbene Internet-Pionier und Songtexter der Heavy Metal-Rockband Grateful Dead, beschrieb es in seiner Unabhängigserklärung des Cyberraums als ein „commons“, eine Art digitaler Allmende. So nannte man früher Weiden und Äcker, die alle Bauern gemeinsam nutzen durften. Heute beschreibt der Begriff Wissensallmende gemeinsam genutzte, immaterielle Ressourcen wie freie Software (zum Beispiel das Computer-Betriebssystem Linux)  oder freies Wissen (wie die bei Wikipedia zusammengefasste kollektive Intelligenz der Netz-Nutzer). Weiterlesen

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A new moral compass for the Digital Age

©Lanny Lin

“Technology has no ethics – but human society depend upon ethics,” says my friend, the Futurist  Gerd Leonhard. As technology progresses exponentially, our rules and regulations which were arrived at long ago in a linear society no longer fit and need to be updated. “Instead of asking ‘why’?” we keep asking ‘how’?” he says.

Instead of asking how we can draw the most profit out of technological advances, we should be asking why we need them in the first place and what things like AI and self-learning algorithms, self-driving cars and self-automating systems will mean for humanity in the long run. And we need to start soon, before our machines become smarter than us and begin to take over decision-making in areas far beyond our human understanding – and control!

Exponential technologies tend to pass through three stages, Leonhard maintains: first magic, then manic, and finally toxic. Since all of this is happening at digital speed, finding the right balance and deciding where to call a stop gets more difficult every day. He therefore calls for a Global Digital Ethics Council which he would like to see established under the aegis of the UN and consisting of people from all walks of life; normal citizens, academics, governments, business and technology companies, as well as “free-thinkers”, as he calls them: writers, artists, and intellectuals from various fields and schools of thought. Their job would be to serve as an early warning system endowed with the authority to monitor and, when necessary, inform the public about potentially harmful, illegal or immoral developments in technology.

But first, of course, we need to agree what constitutes morality in the Digital Age. Weiterlesen

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