Das Geheimnis des “Lorem ipsum” ist enthüllt!

26. Juli 2014
Das Original

Das Original

Mein Freund Michael hat auf unserem gemeinsamen “Meta-Blog” www.czyslansky.net leider etwas vorschnell das Zeitalter der totalen Blog-Verschlüsselung ausgerufen und ist gleich mit gutem Beispiel vorangeschritten, als er einen kompletten Czyslansky-Beitrag durch einen Verschlüsselungsalgorithmus jagte und das Ergebnis unter der Überschrift “Lorem Ipsum? Lorem ipsum!” online stellte. Jetzt muss er sehen, wie er aus der resultierenden Zwickmühle herauskommt, dass nämlich keiner mehr versteht, was er schreibt, und deshalb irgendwann auch keiner mehr lesen will, was er schreibt. Ich fühle mich verdammt an das Bild des “Armen Poeten” von Carl Spitzweg erinnert, jener genial-verkannte Dichter, der in seiner zugigen Dachstube hockt und die tollsten Verse zu Papier bringt – aber vergebens, denn keiner kriegt es mit.

Wie gesagt: Das ist jetzt sein Problem. Meines ist, dass ich mich (wie wahrscheinlich so ziemlich jeder Leser) gefragt habe, wo dieses blöde “Lorem ipsum” überhaupt herstammt und was es bedeutet. Es ist mir in meiner Laufbahn hundertfach begegnet in Layouts und Dummies von Artikeln und Zeitschriften, und ich ging immer davon aus, dass es für jemanden, der im Lateinunterricht besser aufgepasst hat als ich, durchaus einen Sinn ergibt. Was macht der Mensch im Digitalzeitalter also: Er fragt Google. Und dort gibt es höchst unterschiedliche Deutungen und Deutungsversuche. Weiterlesen »

Foursquare und der angekündigte Tod

24. Juli 2014
Bald ausgesummt?

Bald ausgesummt?

Das Social Web ist voll von Tausenden von mehr oder weniger sinnvollen Diensten, aber mein erklärter Liebling war seit Jahren Foursquare, eine App fürs Smartphones, mit dem man „einchecken“ und damit seinen Freunden und Followern signalisieren konnte, wo es sich lohnt zu essen, zu wohnen oder sich umzusehen. Man bekam für jedes Checkin Punkte und Abzeichen, so genannte „Badges“, und wurde, wenn man nur oft genug eine Lokalität empfohlen hatte, irgendwann einmal „Mayor“, was einem ein gewissen Status gerade bei Restaurantbesitzern verlieh.

Tja, sic transit gloria mundi, kann ich nur sagen. Foursquare hat sich von seinem alten Geschäftsmodell verabschiedet und will in Zukunft nur noch ein geolokaler Empfehlungsportal sein. Da mein Smartphone immer weiß, wo ich gerade bin (egal ob es gerade ausgeschaltet ist oder nicht), können smarte Werber diese Information nutzen, um mich mit Angeboten aus der nächsten Umgebung zu ködern.

„Zumüllen“ wäre vielleicht ein passenderes Wort. Weiterlesen »

Facebook und die Gedankenfreiheit

04. Juli 2014
So, glaubt Ihr wirklich?

…aber Facebook kann sie erraten!

Also doch: Orwell hatte Recht! Sein Albtraum von der „Gedankenkontrolle“ ist Wirklichkeit geworden, die bösen Macher von Facebook sind dabei, unsere Gehirne umzuprogrammieren. Google kontrolliert, was wir denken dürfen. O tempora, o mores!

Der Skandal um manipulierte News-Feeds im Rahmen eines sozialpsychologischen Experiments auf Facebook (die so genannte “Emotional Contagion Study“) haben den Kulturpessimisten reichlich neue Nahrung gegeben. Schade, dass Frank Schirrmacher das nicht mehr erleben durfte!

Aber worum geht es hier eigentlich? Wie jetzt herausgekommen ist haben sich die Wissenschaftler  Jeffrey Hancock and Jamie Guillory von der angesehenen   Cornell University zusammengetan um zu prüfen, ob das Lesen von negative Meldungen Einfluss auf das seelische Befinden von Menschen hat, also ob wir traurig werden, weil wir traurige Nachrichten vorgesetzt bekommen und umgekehrt, ob sich unsere Laune durch die Lektüre guter Nachrichten heben lässt. Dazu wurden die dargestellten Meldungen in den Timelines von rund 700.000 der 1,3 Milliarden Facebook-Nutzern manipuliert, und zwar ohne deren Wissen. Danach analysierten die Forscher die Posts der Betroffenen mit Hilfe von Software, die in der Lage sein soll, aus deren Wortwahl beim Schreiben Rückschlüsse auf ihre Stimmungslage zu ziehen.

 

Ich muss zugeben: Meine erste spontane Reaktion, als ich das las, war: Wow: eine Software, die lesen kann! Nicht nur lesen, sondern verstehen, wie mir beim Schreiben zumute war. Wie geil ist das? Aber mit der Reaktion war ich wohl ziemlich alleine auf weiter Flur, zumindest diesseits des Atlantiks. Weiterlesen »

Ask a stupid question and you get a stupid answer!

01. Juli 2014
Wat wollen Sie eigentlich?

Wat woll’n Sie eigentlich?

Per Mertesacker hat die Fußballwelt entzweit mit seinem Interview, dass er dem ZDF-Reporter Boris Büchler Sekunden nach dem Anpfiff des Arbeitssieges gegen Algerien am Montag gegeben hat, und in dem er, sichtlich genervt, den Fragesteller ziemlich barsch abblitzen ließ (“Wat woll’n Sie jetzt von mir?”).

Also ich fand die Fragen von Kollege Büchler in dieser Situation (Mertesacker hat selbst irgendwie kaum verstanden, wie sie das Ding gegen die saustarken Algerier noch gedreht haben) reichlich dämlich, und ich fand Mertesackers Reaktion klasse! Aber vielleicht bin ich auch nicht ganz unparteiisch.

Um das zu verstehen, muss ich die Geschichte erzählen von mir und Zlatko (“Cik”) Čajkovski. Weiterlesen »

Don’t Forget to Take Your Pulse!

26. Juni 2014
Fingerspitzengefühl gefragt! (© Robert Kneschke - Fotolia.com)

The right touch! (© Robert Kneschke – Fotolia.com)

The New York Times writes today that many so-called ischemic strokes whose causes are unknown are in fact due to a condition known as atrial fibrillation (AF), or “heart flutter”, probably the most common form of abnormal heart rhythm in humans, and one which often goes undiagnosed for years. Dr. David Gladstone, an associate professor in the department of medicine at the University of Toronto and the lead author of one of two recent studies on strokes of unknown origin, says “If more patients with atrial fibrillation can be detected, then more patients can receive appropriate stroke prevention therapy, and the hope is that more strokes, deaths, disability and dementia can be avoided.”

He is, if anything, overly optimistic. My own cardiologist, Prof Thorsten Lewalter of the Isar Heart Center in Munich, estimates that anywhere up to 50 percent of ischemic strokes for which the causes are unknown stem from atrial fibrillation, which calls the “least-known widespread disease” in the world.

I discovered that I had AF because my heart rate monitor which I wear during running suddenly went crazy, showing heart rates of  200+ (which is absurd in a 64 year-old). He gave me the choice of taking drugs for the rest of my life which would have effectively ended my career as a marathon runner, or to submit to a procedure calls “ablation” in which a laser or an electrode are moved to the auricle of the heart and used to burn out the nerve ends that produce the tachycardia.

Unfortunately, we waited too long, and I did in fact suffer a mild ischemic stroke, so I know what I’m talking about. However, I happened to be in the clinic for some routine checkups at the time, and I was surrounded by cardiologists, something which I strongly recommend to anybody who plans to have a stroke. I actually received my first shot of blood thinners about one minute after the stroke occured, and I was able to make a full recovery.

And yes, I still run marathons, thank you very much. Lewalter advises anyone who suffers from a “stumbling” heart to watch this very closely and to go to a specialist if it persists since he or she is potentially under enormous risk of becoming a stroke victim. So take your pulse regularly at least once a day, and don’t hesitate to go to the doctor if your heartbeat keeps acting up!

Ein Schwimmring für die Datenflut

22. Juni 2014
Das ist wahre Größe!

Das ist wahre Größe!

Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Kulturpessimist über die Datenflut schwadroniert, in der die Menschen einzeln oder kollektiv zu ertrinken drohen. Big Data ist unser Verderben! Der Kopf, so der jüngst verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, kommt nicht mehr mit. Unsere Hirne bilden sich zurück, bis wir, so der Boulevard-Neurologe Manfred Spitzer, den Zustand der „Digitalen Demenz“ erreicht haben.

In Wahrheit scheint die Menschheit in einer Flut von Bedenkenträgern zu versinken. Jeder und sein Bruder ist offenbar bemüht, noch’n Buch zu schreiben, in dem der baldige Untergang der christlich-abendländischen Kultur aufgrund digitaler Überlastung aller Beteiligten vorausgesagt wird. Da tut es richtig gut, zur Abwechslung ein Buch zu lesen, bei dem der Schreiber – in diesem Fall der amerikanische Statistiker Nathan Yau – verstanden hat, dass es einen Unterschied gibt zwischen Daten und Information, und dass es vor allem darum geht, die angeborene Fähigkeit des Menschen, komplexe Strukturen in einfache Bestandteile zu zerlegen und darin Muster zu erkennen, durch die intelligente Aufbereitung der immer größer werdenden Datenmengen zu unterstützen.

Es geht bei ihm um Datenvisualisierung, eine ebenso wichtige wie anspruchsvolle wissenschaftlich-publizistische Disziplin, die laut Yau viel mehr ist als nur die hübsche Aufbereitung von Zahlen. Richtig verstanden, meint er, gehe es darum, eine Abstraktion der realen Welt zu schaffen und damit Daten in Geschichten umzuwandeln. Ein Datensatz ist für ihn eine Momentaufnahme, die etwas einfängt, das sich bewegt und verändert. Eine gute Visualisierung wandelt Daten in Übersichten um und setzt somit den Prozess in Gang, mit dem der Mensch auf einzigartige Weise imstande ist, Daten in Wissen zu verwandeln. Weiterlesen »

Die Zukunft des Handels: Point & Click & Buy

19. Juni 2014
Gekauft wie gesehen! (Foto: The Verge)

Darf’s vielleicht ein bisschen mehr sein? (Foto: The Verge)

Man muss es dem alten Fuchs Jeff Bezos lassen: Er und seine Firma Amazon verstehen es immer wieder, dem etablierten Einzelhandel den Nachtschlaf zu rauben. Nicht nur den Buchhändlern: Die haben seit Jahren kein Auge mehr zu gemacht, wenn sie in an Amazon denken in der Nacht. Aber Jeff und seine Leute haben ja kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie nicht damit zufrieden sein würden, den größten Buchladen der Welt zu erbauen: Sie wollen der größte Händler der Welt sein – Punkt! Und diesem Ziel sind sie jetzt einen großen Schritt näher gekommen mit dem „Fire Phone“, das neue Mobiltelefon von Amazon, von dem Jeff selbst zugibt, dass Telefonieren so ziemlich das langweiligste ist, was man damit tun kann.

Der Fire Phone besitzt nämlich ein Feature namens „Firefly“, das jeden Einzelhändler vor Neid erblassen lassen muss: Mache mit der eingebauten Kamera ein Bild eines Produkts – sagen wir mal eine Dose Nutella, eine Packung Kinderwindeln, eine DVD oder die neueste Spiegelreflexkamera von Sony – und drücke dann auf einen Knopf. Das Telefon sagt dir sofort, was es kann, was es kostet und fragt dich, ob du es gleich bestellen willst. Der Smartphone wird auf diese Weise zum verlängerten Ladentresen von Amazon, so nach dem Motto: „Point & click & buy“.

Ich finde das einfach genial. Vor allem gibt es dem Begriff „Kundenbindung“ eine völlig neue Dimension: Amazon fesselt seine Kunden sozusagen digital und drahtlos an sich, denn natürlich sieht man auf seinem Fire Phone nur Sachen, die Amazon im Angebot hat. Weiterlesen »

Fritz Bräuninger zum 60er: Straßen und Plätze

08. Juni 2014
Das ist Ruhm!

Das ist Ruhm!

Wenn mein Freund Fritz besonders gut drauf ist (und das ist er oft), dann lehnt er sich gerne genüsslich in seinem Stuhl zurück und sagt mit einem breiten Grinsen in seinem ebenso breiten Schwäbisch: “Conners, sie werden noch Straßen und Plätze nach uns benennen.”

“Connors” ist übrigens eine Abwandlung meines tatsächlichen ersten Vornamens, “Connor”, den mir meine Eltern verpasst haben, obwohl ihnen eigentlich hätte klar sein sollen, was sie da für eine Verwirrung stiften würden, denn mein Vater hieß mit vollem Namen “Connor Garton Cole”. Als “Connor Timothy” hatte ich natürlich schlechte Karten. Hätte meine Mutter nach “Connor” gerufen, wären gleich zwei Exemplare dieser Gattung auf der Matte erschienen, also bildete sich gleich die eigentlich ungewöhnliche Namenskonvention heraus, mich bei meinem zweiten Vornamen zu rufen, der sich im Laufe der Zeit auf “Tim” verkürzte – was seitdem zu allerlei Verwicklungen und Irrungen im Umgang mit Behörden führt, denn einen “Tim Cole” gibt es de jure gar nicht. Trotzdem steht dieser Name auf meinem Briefkopf, in Mietverträgen und sogar auf meiner Kreditkarte. Wenn ich meinen Pass vorzeige, steht da die Langfassung, und bei Transatlantikflügen darf ich bei der Buchung auf keinen Fall vergessen, den vollen Namen zu verwenden, sonst komme ich nicht an Bord der Maschine.

Nur Fritz hat mich je bei meinem richtigen Vornamen genannt, allerdings in einer leichten Abwandlung, weil er hartnäckig daran zu glauben scheint, dass meine Vorfahren Schotten oder Iren waren, obwohl ich ihm immer wieder gesagt habe, dass sie aus Cornwall oder Devon stammten. Jedenfalls ist “Connors” über die vielen Jahre, die ich Fritz kenne, zu einer Art von Kosenamen geworden. Weiterlesen »

Meine Stimme für Martin

05. Juni 2014
Babylon lässt grüßen!

Babylon lässt grüßen!

Mein Freund und Verleger Martin Janik von Hanser-Verlag hat ein ungewöhnliches Hobby; Er lernt Sprachen, und zwar nur zum Vergnügen. Seit ein paar Jahren bloggt er auch darüber in sehr lesenswerter Form, und zwar auf www.sprachlerntipps.de.

Jetzt hat er sich beim internationalen Wettbewerb “Top 100 Language Lovers 2014“ beworben, und zwar in der Kategorie „Language Learnung Blogs“.
Ich habe gleich für ihn und sein Blog gestimmt, und das solltest du/sollten Sie unbedingt auch tun.

Einfach auf diesen Link klicken

http://en.bab.la/news/top-100-language-learning-blogs-2014-voting

und in der alphabetisch geordneten Liste nach unten zu Sprachlerntipps.de scrollen. Dort auf den Button “Vote” klicken – fertig!
Vielleicht kennst Du/kennen Sie auch noch ein paar Freunde, die sich für Sprachen interessieren? Dann leitet ihnen doch diese Mail weiter!

Sie dürfen gerne meine Stimme haben, Herrn Lorenzo

26. Mai 2014
Wer zweimal wählt, dem glaubt man nicht.

Wer zweimal wählt, dem glaubt man nicht.

Der Chefredakteur der ZEIT, Giovanni di Lorenzo, hat vor laufender Kamera zugegeben, dass er gleich zweimal einen Stimmzettel bei der Europawahl gegeben hat, und deswegen sind ihm jetzt plötzlich alle böse. Das ist jetzt sogar ein Fall für den Staatsanwalt, denn laut Paragraf 6, Absatz 4 des Europa-Wahlgesetzes heißt es ganz klar: “Das Wahlrecht darf jedoch nur einmal und nur persönlich ausgeübt werden.”

Ich habe hingegen überhaupt nicht gewählt, denn ich bin Amerikaner, und das Wahlrecht in Europa sieht uns überhaupt nicht vor – obwohl ich seit über 50 Jahren in Europa wohne und in dieser Zeit brav Steuern bezahlt und zumindest ein bisschen zum Wachstum des Bruttosozialprodukts beigetragen habe. Ich bin mit einer Europäerin (einer Österreicherin) verheiratet und habe Grundbesitz in zwei EU-Ländern (Deutschland und Österreich). Alle Entscheidungen, die in Straßburg und Brüssel fallen, betreffen mich auch in hohem Maße – aber mitwählen darf ich deswegen noch lange nicht. Weiterlesen »