Aufwerten statt anheuern

28. Mai 2015

Die besten Leute sind schon da! In den Zeiten des demoskopischen Wandels und der versiegenden Talentquellen sollten Unternehmen überlegen, ob des nicht besser wäre, statt neue Leute zu suchen lieber die bestehenden Leute durch Qualifizierung und Weiterbildung aufzuwerten.

Der „War for talent“, der Krieg um die immer knapper werdenden Talente, ist schließlich längst in vollem Gange. Und er wird nur nochs chlimmer werden.  Laut einer Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) vom Frühjahr 2015 werden in Deutschland bis 2029 zwischen 84.000 und 390.000 Ingenieure fehlen. Bereits im Jahr 2009 warnte das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) davor, dass in den nächsten Jahren 220.000 Stellen in den so genannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) unbesetzt bleiben könnten.

„Nur starke Arme zu haben, reicht nicht mehr für die Vermittlung eines Lagerarbeiters – er muss auch mit der Lagersoftware umgehen können,“ sagt Dr. Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich. Hilfsarbeitertätigkeiten verlagern sich, so seine Beobachtung, immer mehr vom produzierenden Gewerbe auf den Dienstleistungssektor, wo erhöhte Anforderungen an die sprachliche und soziale Kompetenz gestellt werden. Von Reinigungskräften in einem Hotel werden heute – anders als früher – gute deutsche Sprachkenntnisse erwartet. Deshalb, so Kopf, bräuchten Geringqualifizierte besonders dringend Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten.

Mitarbeiterqualifikation wird deshalb in den kommenden Jahren immer mehr in den Fokus deutscher Unternehmen rücken – rücken müssen! Hier kann Digitaltechnik helfen. Leistungsfähige mobile Endgeräte und die zur Verfügung stehenden Bandbreiten bei der Datenübertragung haben in den letzten Jahren das Thema E-Learning auch im Unternehmen zunehmend interessant gemacht. Weiterlesen »

Die neue Macht der Bewerber

24. Mai 2015
Vorsicht, "Schwimmring-Effekt"!

Achtung, “Schwimmring-Effekt”!

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem tiefen Abgrund, und er kommt jeden Tag einen Schritt näher. Die Ursachen liegen etwas mehr als ein halbes Jahrhundert zurück, als die Deutschen nämlich kollektiv beschlossen haben, kaum noch Kinder in die Welt zu setzen.

Um sich ein Bild des Abgrunds vor Augen zu führen genügt ein Blick auf die so genannte Alterspyramide, die inzwischen längst kein spitz zulaufendes Dreieck mehr ist, sondern eher wie ein dickleibiger Fettkloß mit Schwimmring um die Hüfte aussieht. Das ist die Generation der so genannten „Babyboomer“: die Kinder des Wirtschaftswunders, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden und die sich jetzt geschlossen in den mehr oder weniger wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Und nach ihnen kommt der Abgrund.

„Seit Jahrzehnten konstant niedrige Geburtenraten und eine immer weiter steigende Lebenserwartung haben die Altersstruktur der Bevölkerung nachhaltig verändert. Der Anteil der älteren gegenüber den jüngeren Menschen wächst beständig, gleichzeitig schrumpft Deutschland, weil es immer weniger Nachgeborene gibt.“ Das schrieb Hans Dietrich von Loeffelholz schon 2011 in einer Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“.

Es ist also nicht so, als ob wir es nicht gewusst hätten. Und dennoch gab es erstaunte Gesichter, als im Frühjahr 2015 der VW-Personalvorstand Horst Neumann auf einer Tagung des Bundesarbeitsministeriums in Berlin bekannt gab, dass sein Unternehmen in den nächsten zehn Jahren massiv in neue Robotertechnik investieren will – also genau in jene „Jobkiller“, gegen die Gewerkschaftler seit Jahren vergeblich warnen. Zur Begründung machte Neumann eine Rechnung auf: Durch den demografischen Wandel würden in den nächsten 15 Jahren rund 32.000 Beschäftigte mehr das Wolfsburger Unternehmen verlassen als im langjährigen Durchschnitt. Und Neumann sieht keine Chance, sie zu ersetzen. Weiterlesen »

Denkmal für ein schönes Silvesterfest

22. Mai 2015

Voelkerschlacht kleinDas letzte Mal, das ich am Völkerschlachtdenkmal stand, war Silvester 1989. Damals war ich Chef von “Reisemobil international”, und wir waren ausgeschwärmt, um die fuer uns Wessis absolut unbekannte DDR in Reportagen als neues Reiseland vorzustellen.

Gabi und ich suchten vergeblich nach einem Restaurant, das erstens offen und zweitens bereit war, uns an Silvester noch einen Tisch zu geben. Irgendwann landeten wir entmutigt am Denkmal auf dem Parkplatz und bereiteten uns darauf vor, einen tristen Abend mit mitgebrachtem Champagner zu feiern.

Auf eimal klopfte es. Draussen standen zwei hübsche junge Damen. Nee, Mädels, dachte ich mir, hier macht Ihr kein Geschäft. Sie wollten aber nur fragen, ob wir Lust hätten, mit ihnen und ihren Familien Silvester zu feiern. Hier draussen sei es doch so einsam…

Sie fuhren in ihrem Trabbi vor uns her in ein kleines Wohngebiet mit lauter Einfamilienhäusern, wo wir die Ehemänner kennenlernten. Einer war Arzt, der andere Professor, die beiden Damen waren Lehrerinnen. Sie hatten noch nie leibhaftige Wessis gesehen und waren genauso neugierig wie wir. Wir haben die ganzen Reisevorraete aus dem Wohnmobil reingeschleppt und eine wunderbare Silvesterparty gefeiert.

Heute schien die Sonne, als ich zum Denkmal rausjoggte. Aber der kalte Silvesterabend vor 25 Jahren ist mir trotzdem unvergesslich.

Gedruckte Museumsstücke

11. Mai 2015

2050  ist es aus!

2050 ist es aus!

Mein Freund Christian Spanik​ suchte eine Grafik, die die Auflagenentwicklung deutscher Printmedien zeigt, und fragte deshalb seine FB-Freunde. Ich habe daraufhin beim Statistischen Bundesamt nachgeguckt und fand die Zahlen für den Zeitraum 2003-2016. Dann habe ich Photoshop geöffnet, die Grafik reinkopiert, die Linien und die Timeline verlängert, und schon sieht man ganz genau, wann die letzte Tageszeitung in Deutschland stirbt, nämlich in 35 Jahren!

2050 ist es also aus, liebe Kollegen. Schade, denn die Zeitung hat ja einen tollen Lauf hingelegt. Weiterlesen »

Baltimore ist überall

29. April 2015
Foto: Patrick Semansky/Associated Press

Foto: Patrick Semansky/Associated Press

Baltimore brennt. Tausende von jungen Schwarzen lassen ihre Wut freien Lauf und reißen alles nieder, was ihnen in die Quere kommt, weil sie es satt haben, von weißen Cops schikaniert, verprügelt, gefoltert und getötet zu werden.

Das sind keine Gräuelmärchen, sondern ein lange bekanntes Phänomen nicht nur in Baltimore, wo die Lokalzeitung Baltimore Sun mehr als 100 Fälle dokumentiert hat, in denen Bürger Baltimores erfolgreich gegen Polizisten auf Schadensersatz geklagt haben, drunter eine 26jährige Schwangere, ein 15jähriger Fahrradfahrer, und eine 87jährige Großmutter, die ihrem Enkelsohn zu Hilfe kommen wollte.

Was ist, wenn die Polizei nicht mehr dein Helfer, sondern dein Feind ist? Wie geht man als Gesellschaft damit um? Und, was für uns hier in Deutschland viel wichtiger ist: Kann das auch bei uns passieren?

Vergessen wir nicht: Es sind nur 70 Jahr her, dass in diesem Land (ich lebe zwar in Österreich, aber das war ja damals ein Teil von Großdeutschland) der Staats sich gegen seine Bürger wandte. Mein Großvater wurde abgeholt, weil meine Mutter als vorlautes junges Gör in der Schule einen Hitlerwitz wiederholte, den sie von ihrem Vater aufgeschnappt hatte. Als ihn die Gestapo wieder laufen ließ, war er kahlgeschoren und um 20 Jahre gealtert, wie meine Großmutter immer erzählte. Weiterlesen »

Googlegedon: Der Tanz wird schneller

28. April 2015
He, alte Schlafhaube!

He, alte Schlafhaube!

Den Webdesignern verbindet eine tiefe Hassliebe mit Google. Jeder möchte ja mit seiner Webseite möglichst an erster Stelle unter den Suchergebnissen stehen, und um das zu erreichen wird viel Zeit, Geld und Grips investiert für das so genannte „Search Engine Optimization“, auch „SEO“ genannt. Viele kluge und fleißige Menschen verdienen jeden Tag ihr Geld damit, Google quasi auszutricksen, um ihren„Page Rank“ zu verbessern. Schließlich hängt davon ja auch der wirtschaftliche Erfolg ab: Kunden sind in der Regel nicht bereit, nach unten zu scrollen. Wer also nicht einer der Ersten ist, bei dem brechen die Konversionsraten schnell zusammen, also das Verhältnis zwischen Seitenaufrufen und tatsächlichen Kaufabschlüssen. Und das ist ja am Ende des Tages das, worum es im E-Commerce geht.

Google hüllt sich meist in Schweigen wenn es um den „Google Algorithm“ geht, also um die Meßlatte, die Google anlegt, wenn es seine „Crawler“ genannten Softwareroboter ausschwärmen lässt, um die Websites der Welt zu schätzen. Klar ist nur, dass es immer wieder Veränderungen und Anpassungen gibt, und zwar meistens ohne Vorwarnung. Die Such-Optimierer merken es nur, wenn plötzlich der Auftraggeber anruft und schimpft, weil der Verkehr auf seiner Homepage plötzlich nachgelassen hat und sein Umsatz sinkt.

In der Branche hat sich der Begriff des „Google Dance“ eingebürgert, der zwar eigentlich den Update-Prozess selbst beschreibt, aber auch sehr gut zu der hektischen Betriebsamkeit passt, die Google in den SEO-Agenturen auslöst, wenn wieder mal am Algorithmus gedreht worden ist: Da tanzt tatsächlich oft der Bär! Weiterlesen »

Social Shipping: Selbst ist der Paketmann

20. April 2015
Ist das vielleicht Ihr Paket?

Ist das vielleicht Ihr Paket?

Die Logistikbranche hat in den letzten Monaten viel von sich reden gemacht mit teilweise sehr innovativen, oft aber auch unrealistischen Ideen, die aber für Schlagzeilen in der Publikumspresse gesorgt haben. Amazons Vision von einer Flotte unbemannter Drohnen, die Pakete minutenschnell an ihr Ziel bringen sollen, dürfte dauerhaft an den Bestimmungen der Flugsicherung scheitern, zumindest in den Ballungsgebieten und in der Nähe von Flughäfen. Allerdings wäre es falsch, das Ganze als Schappsidee ad acta zu legen, bevor nicht weiter daran geforscht worden ist. So sehen manche Experten durchaus ein Potenzial für „drone delivery“ in dünn besiedelten Gegenden, etwa entlegene Alpentäler, wo beispielsweise das Ausliefern von dringend benötigten Arzneimitteln auf diesem Weg eine durchaus interessante und kostengünstige Alternative darstellen könnte. Und in Entwicklungsländern mit besonders schlecht ausgebauten Straßensystemen und fehlender Logistikinfrastruktur könnten die fliegenden Kisten eine echte Bereicherung darstellen.

Auch die Idee, führerlose Autos auf die Straße zu schicken, dürfte sich im Personenverkehr wohl nicht so schnell realisieren lassen, wie Google, Daimler und andere Firmen, die an solchen Konzepten arbeiten, es sich zur Zeit erhoffen. Zu groß sind die praktischen Probleme, von den versicherungstechnischen Fragen und der Angst der Menschen davor, das Steuer aus der Hand zu lassen, einmal ganz abgesehen. Im Logistikbereich sieht die Sache aber anders aus: Die Vorstellung vom selbstfahrenden Lkw ist für Transportunternehmen und Paketdienste ausgesprochen reizvoll: Fahrer kosten Geld und müssen in regelmäßigen Abständen Pause machen. Ein autonomer Lastwagen könne theoretisch rund um die Uhr in Bewegung sein. Bis es allerdings so weit ist, werden sicher noch Jahre vergehen.

Ganz aktuell hingegen ist die Idee, Kunden zu Paketboten zu machen: „Crowd Shipping“ heißt das inzwischen in der Internet-Sprache, und in den USA sind schon Startups wie Rideship, CrowdToGo oder Zipments bieten heute schon an, Sendungen von Privatleuten austragen zu lassen, die zufällig auf Geschäftsreise sind oder einfach Zeit und Lust haben, sich ein paar Euro dazu zuverdienen. Jeden Tag fliegen Millionen von Menschen um die Welt, fahren per Bahn oder Auto von einer Stadt zur anderen und müssten vielleicht ja nur einen kleinen Umweg machen, um ein Paket schneller als jeder professionelle Paketdienst zum Empfänger zu bringen. Es muss nur einer das Ganze organisieren, oder? Weiterlesen »

Tod eines iPhones

18. April 2015
Bye bye, baby, bye bye!

Bye bye, baby, bye bye!

In Deutschland gibt es über 100 Millionen Handys. Das ist erstaunlich wenn man bedenkt, dass es nur 80 Millionen Deutsche gibt, und dass ungefähr vier Millionen davon jünger sind als 5 Jahre und deshalb vermutlich nicht allzu oft telefonieren (das heißt: Ich kenne da ein paar Fünfjährige…).

Das sind übrigens nur die aktiven Handys. Kein Mensch weiß, wie viele ollen Kamellen mit toter Batterie in den Schreibtischschubladen der Nation schlummern, denn merke: Niemand schmeißt ein Handy weg!

Deshalb war es heute für mich auch ein ganz besonderes, uund ein besonders befreiendes Erlebnis, als ich mein iPad wutentbrannt in den Papierkorb schmiss. Um zu erklären, warum ich das getan habe, muss ich ein bisschen ausholen. Weiterlesen »

So weit – und doch so nah

16. April 2015

death of distanceManche Voraussagen aus den Frühtagen des Internet wirken heute seltsam blauäugig. Eine davon ist diese: „Durch das Internet spielt Distanz keine Rolle mehr.“

Es ist auch nicht das erste Mal gewesen, dass sowas behauptet wird. Ende des 19ten Jahrhunderts waren es die Eisenbahnen, die angeblich die räumliche Entfernung zusammenschrumpfen lassen sollten: Menschen und Waren ließen sich ja fortan in kürzester Zeit überall hin transportieren, also spiele sie für künftige Geschäftsmodelle keine besondere Rolle mehr.

Mehr als hundert Jahre später wetterte 1997 die britische Journalistin Frances Cairncross vom Wirtschaftsmagazin The Economist gegen die „Tyrannei der Geografie“ . In ihrem Buch „The Death of Distance“ prophezeite sie, dass elektronische Kommunikationsmedien wie das Internet Staatsgrenzen verschwinden lassen würden. Die Menschen würden sich bald nur noch dort niederlassen, wo ihnen das Wetter am besten gefällt. Der freie Fluss von Waren und Dienstleistungen rund um den Globus würde zu weltweitem Wohlstand und einer gerechten Resourcenverteilung führen.

Nun, es sind seitdem fast 20 Jahre vergangen, und wir stecken immer noch fest im Griff der Geografie. Entfernung spielt nach wie vor eine Schlüsselrolle im Wirtschaftsleben. Ja, es stimmt, dass digitale Produkte dank allgegenwärtigem Internet und immer smarteren werdenden Mobilgeräten theoretisch verzögerungsfrei ausgeliefert und verwendet werden können. Aber bis eine Dose Bier oder eine Rolle Klopapier zum Kunden findet ist immer noch eine ausgeklügeltes, hochkompliziertes und kostenintensives System nötig, das wir als die moderne Logistik bezeichnen, nämlich die Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle von Material.- und Informationsflüsse. Weiterlesen »

Geld gegen Gesundheitsdaten – ein gutes Geschäft?

08. April 2015
Fitbit

Diese Daten sind bares Geld wert

Wer regelmäßig Sport treibt und auf seine Ernährung achtet, bezahlt weniger Versicherungsprämien. Klingt wie ein gutes Geschäft? Ist es auch. Jedenfalls glaubt das die John Hanock Lebensversicherungsgesellschaft in den USA. Sie bieten ihren Versicherungskunden ein Geschäftsmodell an, das im Wesentlichen auf ein Tauschgeschäft hinausläuft: Gib uns deine Gesundheitsdaten und wir geben dir dafür Geld.

Die Versicherung, eine Tochter des kanadischen Manulife Financial, stattet ihre Kunden auf Wunsch mit einem so genannten Fitbit Monitor, ein Armbandgerät mit GPS und WLAN-Funktion, das Aktivitäten, Training, Ernährung, Gewicht und Schlaf aufzeichnet und in einer Logdatei speichert. Solche Geräte werden seit Jahren von Fitnessfans verwendet, die damit Training, Ernährung und andere vitale Funktionen überwachen.

Die Hancock-Versicherung erhält bei dem Deal Zugriff auf die Logdateien ihrer Kunden und kann beispielsweise sehen, wann und wie lange der Kunde im Fitnessstudio war, wo er gejoggt ist und wie er geschlafen hat. Es misst laufend die Herzfrequenz und das Blutvolumen sowie die Zahl der Schritte, die der Träger tagsüber aus eigener Kraft zurückgelegt und wie viele Kalorien er verbrannt hat. Weiterlesen »