Vor 21 Jahren im Cole-Blog: Der Mann in der Mitte

21 JahreMein Kollege Christian Spanik vom ZDF ist vor kurzem von Düsseldorf nach Österreich in die Gegend von Salzburg umgezogen. Nun ist er der erste Mensch, den ich kenne, der es schafft, unter zwei Mobiltelefon-Nummern gleichzeitig nicht erreichbar zu sein. Er hat nömlich neben seinem digitalen deutschen D-Netz-Anschluß auch einen Handy fürs alpenländische Analog-Netz. Beide sind auf Mailbox geschaltet und bitten den lieben Anrufer höflichst, die jeweils andere Nummer anzurufen. Spanik sitzt, wie ich ihn kenne, irgendwo in der Mitte, telefoniert überhaupt nicht und grinst sich eins…

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Unentschieden im Morgengrauen

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Ich habe mir heute zum zweiten Mal in diesem Jahr kurz nach Mitternacht den Wecker gestellt, um ein amerikanisches Großereignis im Fernsehen anzuschauen, Das erst Mal war Super Bowl 50 im Februar, jetzt war es die Debatte zwischen Hillary und The Donald. Beide Sendungen haben angeblich mehr als 100 Millionen Zuschauer gehabt, aber der Sieg der Denver Broncos war deutlich spannender.

Frau Clinton mit ihrem festgeklebten Lächeln und Trump mit seinem halbkohärenten Gepoltere haben gewohntes Spielniveau gezeigt: Sie die geduldige, unermüdliche Mittelfeldspielerin, die auf den Punkt vorbereitet ist und jeden Spielzug sorgfältig eingeübt hat, er der zornige, aber inzwischen in die Jahre gekommene Bullenstürmer, der gewohnt ist, seine Angriffe stets aus dem Stehgreif zu improvisieren  und sich inzwischen selbst zu wundern scheint, dass die Kraft nicht mehr für zweimal 45 Minuten reicht.

Für mich war es ein klares Unentschieden. Clinton hat ihren Stammwählern bewiesen, dass sie das Spiel kontrollieren kann, aber ab und zu mit einem genialen Einfall das Spiel eine neue Wende geben kann. Trump-Anhänger bekamen ihr gewohntes Bild eines Rowdys, der alles niederwälzt und niederbrüllt , was sich ihm in den Weg stellt. Es war wie Ribery gegen Balotelli, um ein Bild aus der europäischen Variante des Fußballs zu borgen. Weiterlesen

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Why video game nuts are really quite peaceful

Getting it out of your system

Getting it out of their systems

A popular scare topic for digital pessimists as well as for the classical news media is the supposed brutalization of the young generation. We are falling back into barbarism, they say, and its all the fault of shoot-em-up games, violent videos and of course the Internet. No wonder kids steal their dad’s guns and go on a rampage, like James Eagan Holmes who shot 12 kids at a school in Aurora, Colorado, in 2014, or Anders Behring Breivik who murdered 69 teenagers aged 14-19 at the Norwegian island of Utoya in 2011.

Not that this form of mass paranoia is new. In our childhoods commics were seen by our parents as the root of all evil, especially the really gory ones. Young people, our elders believed, were certain to evolve into mindless monsters. But unfortunately for the preachers of doom there are no facts to back it up. Instead, juvenile violence in the 50ies and 60ies was in steep decline, as official statistics prove.

Today newspapers and TV channels are full of stories about mass killers and of youth gangs beating up innocent bystanders in subway stations while dozens of commuters stand by and watch. Clearly, at least Joe Public thinks so, the propensity for violence among young people is on the rise today, especially those with migration backgrounds.

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Mein Telefon gehorcht aufs Wort!

Mein Computer versteht mich nicht!

Mein Computer versteht mich nicht!

Drücken Sie die Haustürklingel mit dem Zeigefinger? Dann sind Sie über 30. Junge Menschen verwenden dafür mehrheitlich den Daumen. Das behauptet jedenfalls die Designerin Alice Rawsthorn. Ihr zufolge wachsen junge Menschen mit Gameboys und Smartphones auf, die alle eine Art Mäuseklavier-Tastatur besitzen, die man am besten mit dem Daumen bedient. Und zeigt wiederum: Der Mensch passt sich immer mehr der Technik an, notgedrungen.

Wie es anders geht, zeigen die so genannten „Chatbots“ wie Apple’s Siri oder Amazo,Bill Gates,Traslaten’s Alexa or Google Now. Im Frühjahr stellten Microsoft-CEO Satya Nadella und Mark Zuckerberg von Facebook fast zeitgleich und nur rein paar Blocks voneinander entfernt in San Francisco jeweils ihre neusten intelligenten Assistenten der stauenden Weltöffentlichkeit vor. Chatbots verstehen angeblich, was wir sagen und sind in der Lage, auch komplizierte Befehle auszuführen, wie beispielsweise: „Mail Michael. Subject: Heute Abend. Message: Let’s meet for dinner“. Leider verstehen viele solcher Apps bislang nur englischsprachige Befehle, aber immerhin: Es klappt, und das sogar auf Anhieb.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich warte schon lange darauf, dass ich mit meinen digitalen Hilfsgeräten reden kann.  Weiterlesen

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Mother’s little helper

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Ich bin kein Freund von Tablett-PCs. Freunden gegenüber schimpfe ich immer über den Fortschritt, der uns zurückgebracht hat zu einem Formfaktor, der vor 4000 Jahren modern war, als die alten Kulturvölker am Euphrat und Tigris auf Tontafeln geschrieben haben. Nur weil  Steve Jobs sie wie weiland Moses seine Gesetzestafeln in die Höhe hielt, dachte ich mir, muss ich noch lange nicht dabei sein.

Aber dann war ich in Amerika und im Apple Store in New York wurde fast nur Deutsch gesprochen. Jeder, aber auch jeder, wollte so ein flunderförmiges Gerät als Reisemitbringsel haben, und so habe ich auch ich mich dazu erweichen lassen, eins zu kaufen und daheim stolz meiner Frau zu zeigen. Die zeigte mir einen Vogel, jammerte über das schöne Geld und ignorierte das Ding geflissentlich.

Anfangs rechtfertige ich den Kauf vor mir selber mit dem Argument, ich könnte damit unterwegs arbeiten. Nach ein paar Tagen aber hatte ich die virtuelle Tastatur satt, das Hin- und Herschieben von Texten und Tabellen war mühsam, und immer wenn ich es brauchte, war die Batterie leer. Und so blieb der iPad mit der Zeit immer öfter im Home Office liegen und wanderte schließlich ins Wohnzimmer, wo es seinen inzwischen angestammten Platz auf dem Couchtisch fand. Weiterlesen

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Zum Frühstück Ekelfleisch

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Aufgepasst, liebe Deutsche: So sieht Bacon aus (links), und nicht so (rechts)!

Also Ihr mögt ja ein Volk von Dichtern und Denkern sein, liebe Deutsche, aber Ihr versteht absolut nichts von Bacon! Bacon, das sind in zivilisierten Ländern, wie beispielsweise meine Heimat Amerika, knusprig gebratene Speckstreifen, die man zum Rührei oder zu Pfannkuchen mit Ahornsyrup – übrigens die einzige zivilisierte Art, Pfannkuchen zu essen – zu sich nimmt.

Und Ihr? Zumindest in Euren Hotels gibt es einen schmierigen Haufen kurz aufgetauter weisslicher Speckklumpen, die der Küchenlehrling kurz in die Mikrowelle geschoben hat. Dieses halbgare Labberzeugs ladet Ihr auf Eure Teller und esst es. Bei uns wäre ganz schnell die Lebensmittelaufsicht zur Stelle, denn für den menschlichen Verzehr ist sowas völlig ungeeignet. Weiterlesen

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Was macht mein Computer, wenn ich weg bin?

Auch eine Lösung: Lassen Sie die Katze auf den Computer aufpassen, wenn SIe weg sind!

Auch eine Lösung: Lassen Sie die Katze auf den Computer aufpassen, wenn SIe weg sind!

Nur weil ich Paranoid bin, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter mir her sind. Dieser alte Witz fiel mir ein, als ich mit David Ting zusammen saß, dem Gründer einer kleinen Software-Firma, die sich auf IT-Sicherheit spezialisiert hat und der eine Lücke entdeckt hat, an die ich, ehrlich gesagt, noch nie gekommen bin, obwohl ich seit Jahren in dieser Branche unterwegs bin. Er nennt es das „Walkaway Problem“.

Was passiert, so fragte mich Ting, wenn du dich zwar ordentlich auf deinem Computer eingeloggt hast, aber plötzlich sich die Natur sich zu Wort meldet? Du stehst auf uns gehst aufs Klo! Meldest du dich deswegen vom Server ab? Natürlich nicht. Das heißt: Dein Computer ist in der Zwischenzeit völlig unbewacht, und jeder, der zufällig in dein Büro kommt, kann sich hinsetzen und hat vollen Zugang zu deinen Daten und Anwendungen. Er kann lesen, was du gerade in eine Mail geschrieben, aber noch nicht abgeschickt hast. Er kann schnell mal ein paar Daten auf ein USB-Stick ziehen oder, wenn er ein besonders gerissener Hacker ist und nur auf diese Gelegenheit gewartet hat, dir schnell mal eben ein Virusprogramm auf den Rechner spielen, der ihm später von zu Hause uneingeschränkten Zugang zum System verschafft. Weiterlesen

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Sind deutsche Unternehmer Facebook-Nieten?

Wer will uns noch aufhalten?

Wer will uns noch aufhalten?

Wenn es so weitergeht, hat bis spätestens 2020 jeder Mensch auf der Erde – Mann, Frau, Kind und Greis – einen Facebook-Account. Gut, es wird nicht so weitergehen: Irgendwann schwächt sich auch die exponenziellste Wachstumskurve einmal ab. Aber mehr als eine 1,5 Milliarden sind es schon – ein Siebtel der Weltbevölkerung.

In Deutschland bietet sich an der Facebook-Front allerdings ein geteiltes Bild. Ja, es stimmt, dass Facebook inzwischen Google als des Deutschen liebste Anlaufstelle im Internet abgelöst hat. Das sagen jedenfalls Studienschreiber von PricewaterhouseCoopers (PwC): Zwei Drittel aller User starten angeblich mittlerweile bei Facebook zu der weiten Reise durch den Cyberraum. Und die Analysten von comscore behaupten, dass wir inzwischen fast 20 Prozent unseres Online-Zeitbudgets dort ausgeben.

Wenn das so ist, dann erstaunt es mich etwas, dass ich laufend über Mittelständler stolpere, die noch Facebook-Nieten sind. Und nicht nur Mittelständler: Neulich war ich bei einer der größten Bankhäuser Europas eingeladen, um einen Vortrag über Social Media zu halten. Beim Vorgespräch beeilte man sich aber, mir zu sagen, dass ihre Bank natürlich nicht dort vertreten wäre, und dass es ihren Mitarbeitern auch verboten sei, Facebook zu benützen, jedenfalls nicht während der Arbeitszeit.

Ich habe daraufhin spaßeshalber nachgeschaut, und siehe da: Es gab natürlich längst einen Facebook-Auftritt unter dem Namen der Bank, eine sehr aktive sogar. Mehr als 40.000 User hatten sich dort schon als Fans der Seite geoutet, indem sie auf den „Like“-Knopf geklickt haben.

Leider war die Seite aber voll von bitterbösen bis spöttischen Bemerkungen von Bankkunden, die sich über schlechten Service, miese Anlagetipps oder kaputte Bankomaten beschwerten. Ab und zu tauchte auch mal ein einsamer Mitarbeiter der Bank auf und versuchte, die Online-Wogen zu glätten, meistens allerdings ohne großen Erfolg und vor allem ohne Unterstützung, zum Beispiel von den Kollegen in der Unternehmenskommunikation der Bank.

Als ich diese Seite dem staunenden Vorstand präsentierte, fielen sie aus allen Wolken. „Kann nicht sein“, war ihre erste Reaktion. Die zweite: „Muss sofort abgestellt werden!“

Nun, viel Glück damit. Facebook lässt sich nun mal nicht auf Kommando des Chefs abstellen. Ignorieren auch nicht, denn es sind ja die Kunden, die hier die Initiative ergreifen. Wie sagte mein viel zu früh verstorbene Freund, der Internet-Guru Ossi Urchs: „Social Media ist nicht wie Schnupfen – es geht nicht wieder weg.“

Übrigens: Laut PwC-Studie geben ein Viertel der Onliner an, sich auf Facebook für ein Unternehmen zu entscheiden, weil sie die Marke sympathisch finden, 20 Prozent wollen über Neuigkeiten informiert werden. Eigentlich ein starker Anlass, dort präsent zu sein. Zumal es vorwiegend ja junge Menschen sind, die sich im Internet am häufigsten herumtreiben. Das sind unsere Kunden von Morgen – und unsere Mitarbeiter von Morgen. Was werden die von uns denken, wenn wir so ziemlich die allerletzten sind, die nicht auf Facebook sind?

Ich weiß, was meine Tochter sagen würde: „Was iss denn das für ein Opa-Laden?“

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Porto ergo sum!

Bild: Oliver Ottitsch

Bild: Oliver Ottitsch

Von Max Rabe sind viele Werke mit schönen Titeln überliefert, zum Beispiel „Klonen kann sich lohnen“, vor allem aber mein Lieblingssong von ihm: „Kein Schwein ruft mich an“. Ich musste neulich an ihn denken, als mir eine Bekannte von ihrer Chefin erzählte, die eine kleine Agentur betreibt. Eines Tages war es besonders still in der Firma, kein Telefonklingeln, kein Kundenbesuch. Und auf einmal steckt die Chefin den Kopf durch die Tür uns sagt: „Du, würdest du mir bitte schnell eine E-Mail schreiben. Ich glaube, das Internet funktioniert nicht mehr, ich habe heute Morgen noch keine einzige Mail bekommen…“

Ja, E-Mail hat manchmal etwas Zwanghaftes an sich: Ich erwische mich selbst auch dabei, wie ich alle zehn Minuten den Smartphone rausziehe und meine Mailbox checke. Apropos: Ich habe ein Mauspad auf meinem Schreibtisch, auf dem mehrere Mäuse zu sehen sind, die gerade in einer Bäckerei arbeiten. Einer zieht einen Zettel aus einer Schublade, auf der „Mehl“ draufsteht, und sagt zu den anderen: „Hey, da ist ja Post in unserer Mehlbox!“

Manchmal glaube ich, wenn ich über die neue Kommunikationsvielfalt nachdenke, dass ich kurz vor einer großen philosophischen Erkenntnis stehe, so wie einst Descartes mit seinem „cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“). Wie wär’s zum Beispiel mit „porto, ergo sum“. „Portare heißt auf Latein schließlich nicht nur „bringen“, sondern auch „übertragen“. Und spätestens, seitdem die Deutsche Post den „E-Post Brief“ eingeführt hat, muss man für E-Mails auch Porto zahlen: 55 Cents, dafür weiß ich aber auch, dass die Mehl – äh, die Mail – beim Empfänger wirklich angekommen ist. Das ist so was wie ein digitaler Einschreibebrief.  Und wenn der Empfänger keine E-Post-Adresse hat, dann druckt die Post meine Mail sogar aus und stellt sie auf konventionellem Weg zu: als Brief. Weiterlesen

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Der Rumpelstilzchen-Effekt, oder warum ich einen Anonymizer verwende

Ach wie gut, dass niemand weiß…

Ach wie gut, dass niemand weiß…

Ich habe die Märchenfigur des Rumpelstilzchen immer sehr sympathisch gefunden. Für mich war er ein zwar etwas kauziger, aber schlaues Kerlchen, der wusste, wie man andere an der Nase herumführt, und ich fand es immer schade, dass am Ende der Geschichte die Königin seinen Namen rausfand und er vor lauter Ärger selber in tausend Stücke platzte.

Vielleicht bin ich auch deshalb ein so großer Freund vom anonymen Surfen. Ich bin einer von denen, die Fragebögen von Herstellern, die ich ausfüllen muss, bevor ich zu irgendwelchen Angeboten oder Informationen durchgereicht werde, grundsätzlich fälschen. Ich behaupte dreist, mein Name sei „Julius Caesar“ oder „Anne von Kleve“, dass ich am 30sten Februar 1866 geboren sei und rote Haare habe. Manchmal geht das schief, wenn der Programmierer nämlich eine vernünftige Plausibilitätsprüfung in sein System eingebaut hat, damit es erkennt, dass ich unmöglich 144 Jahr alt sein kann. Nur wenn  ich will, dass eine bestellte Ware bei mir ankommt oder eine Kreditkartenzahlung online durchgeht, gebe ich meinen richtigen Namen an – versuche aber auch da, mich auf das Allernötigste zu beschränken, also nur die Felder auszufüllen, die mit einem Sternchen als „unbedingt erforderlich“ gekennzeichnet sind. „Informationelle Selbstbestimmung“ nennt sich das. Weiterlesen

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