Ein Schwimmring für die Datenflut

In loser Folge wiederhole ich hier einige der beliebtesten Posts seit Beginn des Cole-Blog im Januar 1995. Dieser Beitrag erschien erstmals am 22. Juni 2014.

Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Kulturpessimist über die Datenflut schwadroniert, in der die Menschen einzeln oder kollektiv zu ertrinken drohen. Big Data ist unser Verderben! Der Kopf, so der jüngst verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, kommt nicht mehr mit. Unsere Hirne bilden sich zurück, bis wir, so der Boulevard-Neurologe Manfred Spitzer, den Zustand der „Digitalen Demenz“ erreicht haben.

In Wahrheit scheint die Menschheit in einer Flut von Bedenkenträgern zu versinken. Jeder und sein Bruder ist bemüht, sich in die Reihe der Buchautoren einzureihen, in denen der baldige Untergang derselben der Kultur aufgrund digitaler Überlastung aller Beteiligten vorausgesagt wird. Da tut es richtig gut, zur Abwechslung ein Buch zu lesen, bei dem der Schreiber – in diesem Fall der amerikanische Statistiker Nathan Yau – verstanden hat, dass es einen Unterschied gibt zwischen Daten und Information, und dass es vor allem darum geht, die angeborene Fähigkeit des Menschen, komplexe Strukturen in einfache Bestandteile zu zerlegen und darin Muster zu erkennen , durch die intelligente Aufbereitung der immer größer werdenden Datenmengen zu unterstützen.

Es geht um Datenvisualisierung, eine ebenso wichtige wie anspruchsvolle Tätigkeit, die laut Yau viel mehr ist als nur die hübsche Aufbereitung von Zahlen. Richtig verstanden, meint er, gehe es darum, eine Abstraktion der realen Welt zu schaffen und damit Daten in Geschichten umzuwandeln. Ein Datensatz ist für ihn eine Momentaufnahme, die etwas einfängt, das sich bewegt und verändert. Eine gute Visualisierung wandelt Daten in Übersichten um und setzt somit den Prozess in Gang, mit dem der Mensch auf einzigartige Weise imstande ist, Daten in Wissen zu verwandeln. Weiterlesen

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Wozu sind Verlage gut?

Irgendwann ist Schluss!

Deutsche Verleger haben sich in Sachen Internet nicht gerade mit Ruhm bekleckert: zu spät, zu zaghaft, zu altmodisch – im Grunde haben sie eine Riesenchance verschlafen. Die Folge: Junge Menschen lesen keine Zeitung, der Tag des Großen Zeitungssterbens ist abzusehen. Der Medienwissenschaftler Prof. Wolfgang Henseler von der Universität Passau hat die seit Jahren ständig sinkenden Auflagenzahlen und Anzeigenumsätze der Verlage untersucht und kam zu der niederschmetternden Prognose, dass spätestens im Jahr 2034 die letzte Tageszeitung in Deutschland auf Papier gedruckt werden wird.

Nach einem schwachen Start hat bei deutschen Verlagen aber mittlerweile ein Umdenken angesetzt. Markus Wiegand, seines Zeichens Chefredakteur von „kresspro“, schreibt in seinem neuesten Dossier: „Viele Medienunternehmen prahlen mit ihren digitalen Erlösen.“ Er liefert auch gleich Zahlen: Bei Springer sei der Anteil des digitalen Umsatzes im 1. Quartal 2017 auf sagenhafte 71,6 Prozent gestiegen Zum Ebita-Ergebnis habe das Digitalgeschäft sogar satte 80 Prozent beigetragen. Burda machte 2015 schon 53,5 Prozent seines Umsatzes online, bei ProSiebenSat.1 waren es 31,8 Prozent (2016), bei Grunder + Jahr waren es im gleichen Jahr 23 Prozent. Schlusslicht in seiner Aufstellung bildet Burda mit gerade eben 5,3 Prozent (2015).

Das klingt doch schon ganz ermutigend. Aber Wiegand wäre nicht Wiegand, wenn er als guter Journalist nicht ein Haar in der Suppe finden würde. „Was sie dabei nicht laut sagen: mit dem Inhaltegeschäft hat das alles kaum noch etwas zu tun“, schreibt er. Weiterlesen

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Die neuen Räuber-Barone

In loser Folge wiederhole ich hier einige der beliebtesten Posts seit Beginn des Cole-Blog im Januar 1995. Dieser Beitrag erschien erstmals am 31. August 2015.

Raeuberbarone

Der österreichischer Nationalökonom Joseph Schumpeter (1883-1950) lag richtig mit seiner Idee der „schöpferischen Zerstörung“: Kapitalismus war für ihn und seine Anhänger ja Unordnung, die fortwährend durch innovative Unternehmer entsteht, die neue Ideen in den Markt tragen. Diese Unordnung war für ihn die Ursache von Fortschritt und Wachstum.

Die Technologiebranche liefert laufend Beispiele für eine derartige kreative Unordnung. IBM und Apple in den 1980ern, Microsoft und Netscape in den 1990ern Jahren, die Big 4 (Apple, Google, Facebook und Amazon) im 21. Jahrhundert: Stets geht es darum, sich einen Vorteil auf Kosten der anderen zu verschaffen. Anfangs blieb jeder noch brav bei seinen Leisten: Google machte Suche, Apple baute Computer, Amazon verkaufte Bücher und Facebook machte die Leute zu Freunden. Heute sieht die Welt der Big 4 aus wie eine Landkarte aus dem Mittelalter, wo jeder gegen jeden kämpft oder sich mit dem einen gegen den anderen verbündet, um sich strategische Vorteile zu verschaffen.

Es gibt eine deutliche Parallele zur Ära der sogenannten „Robber Barons“, der Räuberkapitalisten, die das goldene Zeitalter in Amerika um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geprägt haben. Der Wilde Weste war gezähmt, und große Männer wie John D. Rockefeller, Cornelius Vanderbilt, Andrew Carnegie und J. Pierport Morgan haben in der Folge Imperien geschaffen und sie skrupellos ausgebeutet. Weiterlesen

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In loser Folge wiederhole ich hier einige der beliebtesten Posts seit Beginn des Cole-Blog im Januar 1995. Dieser Beitrag erschien erstmals am 31. Augist 2015.

Raeuberbarone

Der österreichischer Nationalökonom Joseph Schumpeter (1883-1950) lag richtig mit seiner Idee der „schöpferischen Zerstörung“: Kapitalismus war für ihn und seine Anhänger ja Unordnung, die fortwährend durch innovative Unternehmer entsteht, die neue Ideen in den Markt tragen. Diese Unordnung war für ihn die Ursache von Fortschritt und Wachstum.

Die Technologiebranche liefert laufend Beispiele für eine derartige kreative Unordnung. IBM und Apple in den 1980ern, Microsoft und Netscape in den 1990ern Jahren, die Big 4 (Apple, Google, Facebook und Amazon) im 21. Jahrhundert: Stets geht es darum, sich einen Vorteil auf Kosten der anderen zu verschaffen. Anfangs blieb jeder noch brav bei seinen Leisten: Google machte Suche, Apple baute Computer, Amazon verkaufte Bücher und Facebook machte die Leute zu Freunden. Heute sieht die Welt der Big 4 aus wie eine Landkarte aus dem Mittelalter, wo jeder gegen jeden kämpft oder sich mit dem einen gegen den anderen verbündet, um sich strategische Vorteile zu verschaffen.

Es gibt eine deutliche Parallele zur Ära der sogenannten „Robber Barons“, der Räuberkapitalisten, die das goldene Zeitalter in Amerika um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geprägt haben. Der Wilde Weste war gezähmt, und große Männer wie John D. Rockefeller, Cornelius Vanderbilt, Andrew Carnegie und J. Pierport Morgan haben in der Folge Imperien geschaffen und sie skrupellos ausgebeutet. Weiterlesen

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Fake news is old news

A lesson from history about fake news

The unholy alliance between Donald Trump, the king of „alternate facts“, and the right-wing press managed to derail the election that was Hillary’s to lose. That at least seems to be the story line most liberals in America have adopted to explain the (for them) unexplainable. The alt.right rumor mongers, they say, have succeeded in turning the social web into a weapon of misconception, a tool powerful enough to sway masses of voters into making decisions based on untruth. This, they believe, is a totally new phenomenon, a dastardly and highly efficient way of corrupting the Internet and poisoning the wells of online information.

In fact, fake news is as old as politics itself, and feeding falsehood to the press has been around for ages.

One of the best examples of the unwitting collusion between the fourth estate and the powers that wish to be has been largely forgotten, but deserves to be revisited as a cautionary tale for all of us consumers of media, be it printed or distributed digitally. Weiterlesen

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Aus der amerikanische Traum

In loser Folge wiederhole ich hier einige der beliebtesten Posts seit Beginn des Cole-Blog im Januar 1995. Dieser Beitrag erschien erstmals am

Kein Land für Träumer

Fragen Sie den Durchschnittsdeutschen nach Amerika, und es fällt unweigerlich der stereotypische Satz: „Land der unbegrenztem Möglichkeiten“. In diese Mantra eingeschlossen ist der so genannte „amerikanische Traum“ der verfassungsmäßig garantierten Chancengleichheit sowie dem etwas schwammig formulierten Recht, „nach Glück zu streben“, die zusammen zu einer ungehemmten Aufwärtsmobilität führt. Die Alte Welt, so die konventionelle Weisheit, ist mit ihren betonartig abgebundenen Kasten und Klassen festgefahren, wer seinen Traum von Erfolg und Wohlstand schnell verwirklichen will, muss nur das Schiff (oder heute das Flugzeug) in die Neue besteigen, dann wird alles gut.

Wie die meisten Traumgespinste erweist sich auch das amerikanische nun als Trugschluss. Amerikaner sind nicht aufwärtsmobiler als Europäer – im Gegenteil! Eine zum Jahresende veröffentlichte Studie vom Wirtschaftstatistiker Markus Jantti von der finnischen Abo Akademi University kommt zu dem Ergebnis, dass in Armut geborene Amerikaner erheblich weniger Chancen als vergleichbare Europäer haben, nach oben zu kommen. Laut Jantti bleiben 42% der amerikanischen Männer, die ins untere Einkommensfünftel hinein geboren werden, dort ihr Leben lang stecken. Zum Vergleich: In Dänemark sind es nur 25%, im angeblich so klassenbewussten Großbritannien nur 30%.

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Maulkörbe im Cyberspace

Einmal zu oft geliked

In loser Folge wiederhole ich hier einige der beliebtesten Posts seit Beginn des Cole-Blog im Januar 1965. Dieser Beitrag erschien erstmals am

Im Internet kann jeder seine Meinung sagen, richtig? Falsch: In China kommste

dafür in den Bau, in Russland ins Arbeitslager. Aber wenigstens in den demokratisch regierten Ländern, da stimmt es doch, richtig? Nochmal falsch: Da kann es sogar sein, dass man für Dinge, die man online sagt, bestraft wird, über die sich im richtigen Leben kein Mensch aufregen würde.

 

Nehmen wir doch mal Indien, das sich stolz als die „größte Demokratie der Welt“ bezeichnet. In Mumbai sind, wie die New York Times berichtet, zwei junge Frauen wegen eines Facebook-Eintrags von der Polizei abgeholt und eingelocht worden. Nein, sie haben nicht zum Sturz der Regierung aufgerufen oder Anleitungen zum Bombenbasteln veröffentlicht. Sie haben sich nur darüber echauffiert, dass in ihrer Heimatstadt Mumbai das ganze Geschäftsleben zum Erliegen gekommen ist, weil ein greiser Politiker namens Bal Thackeray verstorben war.

Das Blöde ist nur: Der Mann war Chef einer als politische Partei getarnten Schieberbande, die sich „Shiv Sena“ („Krieger Shivas“) nennen und die wie eine Art Mafia über Mumbai herrscht.  Weiterlesen

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Dumme Katholiken, kluge Protestanten

Der „funktionale Analphabetismus“ ist eine Volksseuche, die gerade in Deutschland und Österreich besonders weit verbreitet ist. Die aktuelle PISA-Studie hat ergeben, dass jeder Sechste hierzulande beim Lesen auf dem Niveau eines Zehnjährigen verharrt. Und schuld daran ist wer? Die Schulen? Die Politik? Nein: Es ist die katholische Kirche!

In einem Interview unseres lokalen Käsblättchens, den „Salzburger Nachrichten“, kommt heute der Göttinger Bildungswissenschaftler Prof. Stefan Hopmann zu Wort, der im Interview zwar richtig erkennt, dass unser Schulsystem noch aus dem Feudalismus stammt, also im Grund ein „Staatsschulwesen“ ist, das von oben zentralistisch dirigiert wird. De facto fürht das dazu, dass „die Stammtische den Daumen auf den Schulen haben“. Dagegen könnte man ja etwas tun, beispielsweise den Schulen mehr Autonomie und finanzielle Unterstützung geben, was ihnen erlauben würde, sich viel mehr auf einzelne Schüler einzustellen und deren individuelles Lerntempo mitzugehen.

Es sei aber schon auffällig, so der gute Professor, das gerade Länder mit starkem protestantischen Hintergrund wie Finnland (Platz 2), Holland (Platz 4) oder Schweden (Platz 5) in Sachen Lesekultur längst die katholisch geprägten Länder Österreich (Platz 10) und Deutschland (Platz 12) abgehängt haben, von den Papisten-Hochburgen Italien und Spanien mal ganz angesehen, die in der Studie die beiden Schlusslichter bilden.

Eine verlockende Schlußfolgerung, finden Sie nicht? Die katholischen Dumpfbacken, die zeitlebens gelernt haben, dem einschläfernden Singsang des Pfaffen über sich ergehen zu lassen, der sozusagen die Schleuse bildete zwischen Gott und Mensch und dessen durch die Kirchengewölbe hallenden Bibelsprüche ins eine Ohr rein und durchs andere wieder raus geflogen sind. Ihm gegenüber der evangelische Arbeitsethiker, der sich mühsam Buchstabe für Buchstabe durchs Buch der Bücher quält, getreu dem Motto Luthers, der dem Gläubigen auftrug, die „schöne Wahrheit des Evangeliums“ bitteschön selbst zu lesen. Weiterlesen

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Helmut Kohl – (k)ein Nachruf

Quelle: Titanic

Dass Helmut Kohl wissentlich und willentlich gegen das von ihm höchstpersönlich abgezeichnete Parteiengesetz verstoßen hat, weil ihm sein „Ehrenwort“ wichtiger war als die Gesetze der Bundesrepublik, die er in seinem Amtseid zu wahren und zu verteidigen versprach, mag heutige ja fast trivial wirken angesichts dessen, was sich ein Donald Trump gerade leistet. Und dass Kohl wahrscheinlich im Zuge der „Bundeslöschtage“ wichtige Akten in der CDU-Parteispendenaffäre verschwinden ließ, dass er sich von den Russen und der DDR-Führung bei der Wiedervereinigung über den Tisch hat ziehen lassen, und dass er seine Frau jahrzehntelang so mies behandelte, dass sie sich schließlich das Leben nahm (von wegen „Lichtallergie“!), das alles habe ich inzwischen irgendwie hinter mich gelassen, auch wenn sich meine Faust immer noch in der Tasche ballt, wenn ich den Namen höre.

Aber was ich Helmut Kohl niemals verzeihen werde, ist wie er meine Mutter öffentlich gedemütigt hat.

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