Von Hotels ohne Wasser und WLAN

20. März 2015

Die Bundeszentrale für Politische Bildung, die mich zu einer Podiumsdiskussion auf ihrem diesjährigen Bundeskongress in Duisburg eingeladen hatte, hat für mich ein Zimmer gebucht im Hotel „Plaza“, einem Viersternehaus in zentraler Lage. Leider war das Hotel bei meiner Ankunft offenbar immer noch im Bau: Die Decke im Erdgeschoss war aufgerissen, und eine Menge Blaumänner waren dabei, mit Schlagbohrern und Hammer darum zu wetteifern, wer mehr Lärm und Dreck produzieren kann.

In dem Zimmer, das ich zuerst zugewiesen bekam, konnte ich weder mit dem Laptop noch mit dem iPad das versprochene Hotel-WLAN sehen, also rief ich an der Rezeption an. Die freundliche junge Dame meinte, ich solle doch den „Verstärker“ verwenden. Was denn ein Verstärker sei und wie er aussehe, fragte ich, denn in dem relativ schmucklosen Zimmer war nichts zu sehen außer Bett, Schrank und einem zwar großen, aber absolut leeren Schreibtisch.

Schließlich gelang es mir, sie davon zu überzeugen, dass es in diesem Zimmer jedenfalls keinen „Verstärker“ gab, was sie aber erst wirklich glauben wollte, als sie nach oben gekommen und sich per Augenschein davon überzeugt hatte. Ich weiß übrigens immer noch nicht, was das gewesen sein soll. Sie beschrieb es als einen „pyramidenförmigen Kasten“. Sicher ein kleines Wunderwerk der Technik, nur leider fehlte es. „Hat wohl einer mitgenommen“, sagte sie achselzuckend. Weiterlesen »

Vor 20 Jahren: Musik in den Ohren der Kunden

19. März 2015

20 years of blogging

Wenn die Telefonistin der Kreissparkasse Göppingen in die Warteschleife schicken muss, beschwert sich heute keiner mehr. Im Gegenteil: Die meisten können gar nicht lange genug warten. Denn statt der üblichen Synthesizer-Musik erklingt neuerdings heiße Klaviermusik aus der Muschel, gespielt vom Chef selbst: Vorstandsvorsitzender Jürgen Hilse und sein Sohn haben die fetzigen Töne selbst komponiert und eingespielt.

„Bei mir haben sich Kunden beschwert, weil sie so langsam die ‚Kleine Nachtmusik‘ vom Synthesizer nicht mehr hören konnten“, erklärt der Banker, der in seiner Freizeit Dixieland-Jazz spielt. „Da habe ich mich mit meinem Sohn ans Klavier gesetzt und etwas Neues eingespielt. Das Band haben wir an Siemens geschickt mit der Bitte, uns für die digitale Vermittlungsanlage eine Diskette davon zu machen.“ Seitdem erklingen die selbstgemachten Töne auf allen Telefon-Kanälen der 87 Sparkassenfilialen – zum Vergnügen von Mitarbeitern und Kunden.

Der Fall des schwäbischen Bankhauses ist leider noch eine Ausnahme in der deutschen Telefonlandschaft. In aller Regel kommt zum Frust durch lange Warterei noch der Ärger über nervenaufreibendes Computergedudel. Dabei macht Telefon-Musik durchaus Sinn, soll sie doch unvermeidliche Pausen füllen und dem Kunden das sichere Gefühl geben, weder aus der Leitung gefallen noch vom Gegenüber beim Verbinden schlicht vergessen worden zu sein.

Die sogenannte „music on hold“ (MOH) gehört zur Grundausstattung der Telefonanlagen aller führenden Hersteller privater Kommunikationssysteme in Deutschland. Die Anzahl der angebotenen Musiktitel variiert erheblich: während die Deutsche Telekom einen Katalog von 30 Melodien von „La Cucaracha“ bis Bach im Repertoir hat, bietet Siemens nur drei Varianten an: die kleine Nachtmusik, den Schefflertanz und eine eigens für die Highcom-Generation entwickelte Melodie. Alcatel und DeteWe haben 50 Standard-Titel im Angebot und in der Regel gibt sich der Kunde mit irgendeiner Melodie zufrieden. Weiterlesen »

Der Immobilfunk

18. März 2015

20 years of blogging

Meine aus der Not geborene Idee, vor dem Fenster meiner Wohnung in München eine Autoantenne fürs Handy zu montieren, ist doch nicht so originell wie ich dachte. Zwei Kollegen bei connect., denen ich davon erzählte, hatten es auch schon ausprobiert. Einen neuen Begriff für einen, der ein Mobilfunk-Gerät zu Hause fest installiert, haben wir dann gleich zusammen geprägt: „Immobilfunk“.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 18. März 1995 im Cole-Blog

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Traffic von einem Toten

17. März 2015
Tim Cole Familie

Tim Coles Familie (Foto: Robert W. Rodriguez/Star-Telegram)

Vor drei Tagen schossen plötzlich die Zugriffszahlen auf meinen Blog, www.cole.de, sprunghaft in die Höhe. Und ich hatte keine Ahnung, warum. Ich hatte an diesem Tag nämlich nicht einmal etwas geschrieben.

Eine Auswertung des Besucherlogs gab die Antwort: In Google News hatte die Meldung gestanden, dass mein Namensvetter Tim Cole für die Ehrennadel des amerikanischen Präsidenten vorgeschlagen worden war. Tim Cole war ein junger Student schwarzer Hautfarbe, der 1985 aufgrund einer fadenscheinigen Zeugenaussageb wegen Vergewaltigung einer weißen Frau zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war und 1995 im Gefängnis starb. Nach seinem Tod ergaben DNA-Untersuchungen , dass er eindeutig unschuldig war. Inzwischen hat der Bundesstaat Texas eine Kommission nach ihm benannt, deren Aufgabe es ist, Fehlurteile im Justizsystem aufzuspüren. Weiterlesen »

Kein stiller Ort

17. März 2015

20 years of blogging

Wundern Sie sich beim Zugfahren auch immer, daß die Toiletten ständig besetzt sind? So lange kann doch kein Mensch müssen, denke ich mir immer. Auf der Fahrt im Intercity von Köln nach Stuttgart bin ich dem Geheimnis, glaube ich, auf die Spur gekommen: Ein graumelierter Herr im Zweireiher kam nach ungefähr einer halben Stunde endlich aus der Kabine – mit einem Handy in der Hand. Sein Akku sei leider leer gewesen, entschuldigte er sich. Und da die einzige Steckdose im ganzen Zug auf der Toilette sei, habe er seine dringenden Telefon-Geschäfte eben dort erledigen müssen.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 17. März 1995 im Cole-Blog

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CeBIT 1995: Handy-Attrappen heiß begehrt!

15. März 2015

20 years of bloggingOb ein neues Produkt ankommt oder nicht, merkt manauf Messen daran, ob es hŠufig geklaut wird. So gesehen war der Mini-Handy von Nokia auf der diesjährigen CebIT in Hannover der absolute Messeschlager. Bei Nokia war man offenbar darauf gefaßt und hat im Publikumsbereich nur Attrappen ausgestellt, von denen bis Messeschluß denn auch zehn Stück fehlten. Was zu folgender wunderschönen Geschichte führte, die mir Helmut Rudolph vom Telekom-Servicepartner PC-Plus erzählte.

Eine Mitarbeiterin am Telekom-Stand in der Halle 16 führte einem Messegast ihren Nokia vor. Der war ganz begeistert, steckte das Ding in die Jackentasche, nahme es wieder raus, gab es zurück und ging weiter. Danach tat es nicht mehr, was die Dame auf einen leeren Akku zurückführte. Als es allerdings auch nach längerem aufladen immer noch nicht funktionieren wollte, wurde sie mißtrauisch, öffnete die Rückseite – und merkte, daß sie einem Trickbetrüger aufgesessen war. Der Kerl hatte ihren Original-Handy in beim Griff in seine Jackentasche gegen ein Dummy ausgetauscht, das er offenbar zuvor auf dem Nokia-Stand gestohlen hatte.

*

Die connect.-Redakteure stehen bei Vorstand und Pressestelle der Telekom im Ruf, immer nur zu kritisieren. Deshalb an dieser Stelle mal ein ausdrückliches Lob: Die D-Netz-Versorgung auf der CeBIT war spitze! Wilhelm Stückemann, Chef der Netztechnik bei DeTeMobil, war auch ganz stolz auf sein Jungs. Die haben die D1-Infrastruktur im Vermittlungsbereich Hannover, wo derzeit an einem normalen Wochentag rund 19.000 D1-Kunden eingeloggt sind, mit modernen Lichtwellenleitern und neuer Sytemsoftware so aufgerüstet, daß am CeBIT-Donnerstag (wo besonders viele Geschäftsleute zur Messe kommen) mehr als 28.000 Teilnehmer mobil telefonieren konnten, ohne daß das Netz in die Knie ging.

“Die Technik hat es verkraftet”, freute sich Stückemann, wobei ein bißchen Erleichterung in seiner Stimme mitschwang. Insider erinnern sich nämlich mit Schrecken daran, wie beide D-Netze auf derletztjährigen Funkausstellung unter dem Ansturm der angereisten Handybesitzer zusammengebrochen waren.

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Rein Couperus von Philips Communication Systems erzählte mir vom CeBIT-Restaurantbesuch mit einer Gruppe von leicht chaotischen Entwicklungsingenieuren, die alle direkt aus Eindhoven gekommen waren und die ihre Koffer deshalb in den Autos gelassen hatten. Abends wollte man im Konvoi zu dem Lokal fahren, verlor sich aber im Feierabendstau aus den Augen. Plötzlich klingelte es. Couperus hielt an und machte den Kofferraum auf. Das Klingelgeräusch kam aus der Reisetasche. Er machte sie auf, fand dort ein Handy, hob ab – und hatte den Besizer an der Strippe, der im anderen Auto saß und aufgeregt nach dem Namen der Kneipe fragte. Die hatte er ebenso vergessen wie sein Gepäck …


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 15. März 1995 im Cole-Blog

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Vor 20 Jahren: Handy-Rüpel in der Loge

12. März 2015

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Die Werbeagentur der Deutschen Bundespost Telekom hat zwar manchmal witzige Ideen, aber leider keine Ahnung, wie man sich im Mobilfunk-Alltag benimmt. In einer Anzeige für Cityruf sitzt ein elegantes Paar beim Opernabend in der Loge. Sie hält einen offenbar piepsenden Pager in der Hand, schaut besorgt auf die Anzeige und meint zum Gatten: „Unser Sohn meint, du sollst kommen, er hat Gespenster unterm Bett“.

Wo doch jeder hoffentlich inzwischen weiß, dass dies ein krasser Verstoß gegen die D-Netikette ist: Wer ein eingeschaltetes Mobilfunkgerät in der Oper, im Kino, in der Bücherei oder sonst wo mitnimmt, wo sich andere konzentrieren wollen, ist das kommunikative Gegenstück zu jenen Zeitgenossen, die im Sommer mit heruntergelassenen Autofenstern und dröhnendem Autoradio an der Ampel stehen. Früher sagte man da ganz einfach „Rüpel“ dazu.

 


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 12. März 1995 im Cole-Blog

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Vor 20 Jahren im Cole-Blog: Erstbesteigung per Handy

10. März 2015

20 years of bloggingPeter Waldleitner, dem geneigten Leser als Chefredakteur von connect. bekannt, nahm kürzlich in der Redaktionskonferenz eine Erstbesteigung für sich in Anspruch. Er sei am Wochenende in den bayerischen Alpen durch die Benediktinerwand gegangen und habe von dort aus zu Hause angerufen um zu sehen, ob mittlerweile auch in Deutschland Telefonieren vom Gipfel aus möglich sei. „Mit Handy ist bestimmt noch keiner vor mir da hoch“, glaubt Waldleitner. Sein Pech: Der Freund seiner Schwester, der daheim in Stuttgart das Telefon abhob, glaubte ihm kein Wort davon: die Sprachqualität sei doch viel zu gut. In Wirklichkeit säße er doch sicher wieder mal am Wochenende im Büro…

 


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 10. März 1995 im Cole-Blog

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Die Cloud-Begeisterung hält sich nach wie vor in Grenzen

06. März 2015
Je größer, desto Cloud!

Je größer, desto Cloud!

Sind die deutschen Cloud-Muffel? Der Ruf eilt ihnen ja voraus. Aber stimmt das denn auch? Dieser Frage wollte der IT-Branchenverband BITKOM am Vorabend der CeBIT auf den Grund gehen und gab gemeinsam mit den Analysten von KPMG eine Umfrage in Auftrag, zu der über 400 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern befragt wurden. Und es sieht, so viel vorab, nach einer Trendwende aus.

Überwog in den drei Vorjahren, wo es eine ähnliche Befragung gab, noch die Skepsis, sind heuer erstmals mehr Befürworter als Ablehner zu verzeichnen. 40 Prozent geben an, dem Thema „generell positiv“ gegenüber zu stehen. Skeptisch bleibt nur noch ein Drittel. Vor zwei Jahren war es umgekehrt. Allerdings nutzen nur 44 Prozent tatsächlich schon Cloud-Dienste – 58 Prozent lehnen das Thema weiterhin ab oder befinden sich noch in der Planungsphase. Wobei es vor allem die kleineren Unternehmen sind, die die Statistik nach unten drücken: 70 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind schon in der Cloud unterwegs; bei Firmen bis 100 Mitarbeitern sind es nur 41 Prozent.

Cloud ist aber nicht gleich Cloud. Fachleute unterscheiden bekanntlich mindestens drei Arten von Wolken-IT: Private, Public und Hybrid, also eine Mischung von beiden. Deutsche Unternehmen trauen sich noch nicht hinaus in die offene Cloud-Welt: 39 Prozent ziehen es vor, hinter der häuslichen Firewall zu bleiben und behaupten, Cloud-Anwendungen nur im firmeninternen Netzwerk zu nutzen. Weiterlesen »

20 Jahre Cole-Blog: Das grüne Netz

06. März 2015

nokia 2110Seit über zwei Jahren schreibe ich an dieser Stelle über meine kleinen und großen Erlebnisse als Besitzer eines Mobiltelefons. Die Überschrift “Mein Alltag im D-Netz” war damals sinnig – weil es nur die beiden D-Netze gab. Doch inzwischen ist ja ein weiteres Mobilfunknetz nach dem GSM-Standard hinzugekommen. Vor ein paar Wochen habe ich deshalb mit Manuela Grottke von der E-plus-Pressestelle in Düsseldorf telefoniert, die mir ein kleines, knallgrünes Telefon samt Karte schickte und mich bat, es mal bei der “Konkurrenz” zu probieren.

Aller Anfang soll schwer sein. Stimmt nicht: Spätestens als ich in dem grünen Winzling meinen altvertrauten Nokia 2110 wiedererkannte war alles klar. Der Einschaltknopf ist zwar auf die linke Seite gewandert, die Knöpfe wirken irgendwie eckiger und flacher, aber sonst ist es genau das selbe Gerät – klein, handlich, praktisch, mit sehr guter Sprachqualität und einem Akku, der mich ein Tag lang ohne Aufladen begleitet – wenn ich nicht allzu oft telefoniere. Ja, ich konnte sogar die Reserveakkus meines D-Netz-Nokias weiterbenützen. Weiterlesen »