Was 1998 stimmte, stimmt (erstaunlicherweise) bis heute

16. September 2014

Es lohnt sich, seinen Computer ab und zu aufzuräumen. Bei der Gelegenheit stieß ich jetzt auf das Konzept eines Buchs, das ich vor vielen, vielen Jahren schreiben wollte, und das “Unternehmen Zukunft” heißen sollte. Das Projekt verlief sich irgendwie wieder, und zehn Jahre später schrieb ich tatsächlich eines, das “Unternehmen 2020” hieß und ein ziemlicher Erfolg wurde.

Aber in der Materialsammlung für das nie geschriebene Buch fand ich diese Liste von “10 Erfolgsfaktoren für Unternehmen im Internet”, die ich im Jahre des Heils 1998, also vor 16 Jahren (und lange vor dem Platzen der Dotcom-Blase!) zusammengestellt hatte. Und die, wie ich finde, auch heute noch ganz gut als Leitfaden für Manager dienen könnte, die nicht ganz genau wissen, was sie mit diesem ganzen Internet-Gedöns sollen. Und davon gibt es leider auch im Jahre des Heils 2014 noch eine ganze Menge…

Stimmt immer noch!

Stimmt immer noch!

Enterprise 2020

09. September 2014

enterprise_2020_logo1How digitalization and connectivity are changing the way companies do business

The enterprise of tomorrow, that much seems clear, will be very different from today. Digitalization and connectivity will force companies to fundamentally change the way they conduct their business. This is a Darwinian moment in history, as enterprises are being forced to adapt to a radically different environment by changing their business and communication processes and to rethink and retool their relationship with customers.

What are the factors that are forcing this change? And what will a typical enterprise look like in 10-15 years’ time?

Technology will play a pivotal role here. But the changes brought about by digitalization and connectivity will reach far beyond the merely technical. Weiterlesen »

25 Jahre Internet: Feste soll man feiern, wie sie fallen

23. August 2014
Dieser Hirsch ist ein Reh!

Dieser Hirsch ist ein Reh!

Wie alt ist eigentlich das Internet? Gute Frage, auf die es leider keine einfache Antwort gibt. DARPA, die „Defense Advanced Research Projects Agency“ wurde nach dem Sputnik-Schock 1958 ins Leben gerufen und gilt unter Fachleuten als die Keimzelle des Internet. Paketvermittlung, das die technische Grundlage des Internet bildet, wurde in den frühen 60ern entwickelt, und Vint Cerf erfand zusammen mit Bob Kahn 1973 das TCP/IP-Protokoll. Ein Jahr früher wurde an der Stanford-Universität das Network Information Center (NIC) gegründet, das später „InterNIC“ hieß und die Domainnamen des Internet weltweit verwaltete. Damals sprachen die Eierköpfe schon von einem Prinzip, das sie „internetworking“ nannten und das sie verwendeten, um verschiedene Computer über unterschiedliche Netzwerke – Standleitungen, Telefonnetz, etc. – miteinander zu verbinden. Irgendwann in den 80ern fing man dann an, von einem „Internet“ zu reden, und im März 1989, also vor genau 25 Jahren, reichte Tim Berners-Lee seinen legendären Vorschlag für ein „World Wide Web“ bei der Instutiutsleitung des Kernforschungszentrums CERN in Genf ein.

Aber halt: Wieso ruft dann eco, der Verband der deutschen Internetwirtschaft, 2015 zum großen Jubiläumsfeier „25 Jahre Internet“ auf? Können die nicht rechnen? Oder gehen in Deutschland die Uhren anders? Weiterlesen »

Informationelle Selbstbestimmung, aber bitte richtig!

07. August 2014

Wem gehören eigentlich meine Daten? Ganz sicher nicht dem NSA. Aber wie ist es mit den vielen Firmen, die sich anschicken, im Zeitalter von „Big Data“ möglichst viele Informationen über mich und meine Kaufgewohnheiten zu sammeln, um sie meistbietend an die werbetreibende Wirtschaft zu verhökern? Viele in Deutschland sind beunruhigt von der grassierenden Sammelwut der Datenindustrie. Dabei sagt uns aber doch der Hausverstand: Firmen wollen nur unser Bestes – und davon so viel wie möglich. Firmen machen mit uns Geschäfte, und wenn sie unsere Daten gegen uns missbrauchen würden, dann wären wir als Kunden ganz schnell weg. Das Ergebnis ist ein autonomes, also ein selbstregulierendes Datenschutzsystem, das dafür sorgt, dass unsere Informationen zumindest von Wirtschaftsunternehmen wahrscheinlich nur in unserem Sinne eingesetzt werden. Marktwirtschaft wäre demnach also eigentlich der beste Garant für Datenschutz!

Ganz anders verhält es sich natürlich mit dem NSA und anderen so genannten Staatsschutzorganen. Bei denen weiß niemand, was mit seinen Daten passiert, aber wir ahnen, dass es nichts Gutes sein wird. Kann sein, dass wir eines Tages nicht mehr ins Flugzeug steigen dürfen, weil wir auf irgendeiner Liste stehen, ohne dass wir wissen, wie wir da draufgekommen sind oder wir wir uns wieder aus der Liste löschen lassen können. Schlimmstenfalls könnte eines Tages das mobile Einsatzkommando vor unserer Tür stehen und in Putativnotwehr losballern. „Oh, tut uns leid, Sie waren wohl der Falsche…“ Weiterlesen »

Watching out for Light Bulbs

04. August 2014

A-Speakers

I recently sat down and did a short interview with Christine Gjelstrup of A-Speakers, a Danish agency with which I have recently begun cooperating. This is the result:

  • What made you interested in the field of technology?

I’ve always been a techie, but I am also very interested in business and economics, so I guess my role in life is to act as a moderator or even a translator between those two worlds, since generally speaking businesspeople don’t understand techies and vice versa. I feel that technology is becoming increasingly crucial to the business success of enterprises; in fact, pull the plug on all those servers and gadgets and your average business today will simply collapse. On the other hand, engineers and software developers need to better understand what the business side really needs and to create solutions that are easy to understand and use and that really create value for the company. Naturally, the internet and digitalization are the key factors here, and in fact they have changed and will continue to change the way companies do business. Managers need to realize this and try to anticipate how digital transformation will impact their own business models, as well as using technology to reach out to digitally empowered customers (Who are very different from your old “analog” customer).

  • How do you work with clients to prepare your keynotes?

I try to understand what the client needs. Since some customers aren’t really sure themselves, this can involve a rather intense discovery process. I hate “canned” speeches, so I prefer to interact with clients in order to create a unique keynote; one that will give the audience the right takeaway. Weiterlesen »

Amazon und das Ende der Warteschleife

03. August 2014
Kindle Kundendienst

Eine Nummer unter diesem Anschluss!

Ärgern Sie sich auch über die telefonischen Warteschlangen und die Zeit, die Sie damit vergeuden, Dosenmusik zu laschen und immer wieder von einer mechanischen Stimme gesagt zu bekommen, dass der nächste freie Mitarbeiter ganz bestimmt für Sie da sein wird? Irgendwann. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht legt der Kollege Telefoncomputer auch einfach nach einer Weile auf, und Sie sitzen da und fluchen, während aus dem Hörer das Besetztzeichen tutet.

Deutschland, deine Hotlines! Es ist ein Trauerspiel, das da Tag für Tag aufgeführt wird. Da „verhungern“ Kunden in der Warteschleife, warnen Verbände wie die Verbraucherzentrale NRW vor „Hotline-Abzocke“ bei kostenpflichten Servicenummern. Der Deutsche Bundestag musste sich mehrfach mit diesem Thema herumschlagen, zuletzt im Herbst 2011, als man dort das neue Telekommunikationsgesetz (TKG) beschloss, dass wenigstens ersten 120 Sekunden in der Eingangswarteschleife grundsätzlich kostenlos sein müssen. Weiterlesen »

Cloud-Urteil könnte Microsoft-Chef ins Kittchen bringen

01. August 2014
Ich bin der Boss - holt mich hier raus!

Ich bin der Boss – holt mich hier raus!

Wer dachte, er sei in Europa sicher vor den Datenschnüfflern aus USA, für den gab es ein böses Erwachen, als die Snowdon-Papiere und damit das Ausmaß der digitalen Bespitzelung der Welt durch den amerikanischen Geheimdienst NSA heraus kamen. Eine Branche bekam das vor allem zu spüren, nämlich die Anbieter von Cloud-Computing. Da es sich hierbei fast ausnahmslos um US-Firmen wie Amazon, Google und Microsoft handelt, munkelten die Auguren schon von einem drohenden Umsatzeinbruch, weil die Kunden diesseits des Atlantik zunehmend ungern ihre Datenschätze Unternehmen in einem Land an vertrauen würden, in dem sozusagen Polen offen sei. Keine Angst, erwiderten die Cloud-Konzerne, zumindest in Europa sind Eure Daten sicher, denn in der EU gilt ein anderes, strengeres Datenschutzrecht, und das verbiete es jedem Betreiber, personenbezogene Informationen ohne Zustimmung des Betroffenen außer Landes zu schaffen. Sobald solche Daten das physikalische Territorium der Europäischen Union verlassen, macht sich der Provider strafbar. Und da es bekanntlich so etwas wie Vorstands- oder Geschäftsführerhaftung gibt, steht in einem solchen Fall theoretisch der Chef des Konzerns mit einem Bein in einem (europäischen) Kittchen.

Wenn ich also Satya Nadella wäre, der Steve Balmer gerade als Microsoft-Chef abgelöst hat, wäre ich ziemlich unruhig. Muss der weltgrößte Softwarekonzern womöglich demnächst auf seinen Boss verzichten, weil der auf seiner nächsten Europareise am Frankfurter Flughafen festgenommen wird? Könnte durchaus sein, und wenn, dann hat ihn ein amerikanischer Bundesrichter dorthin gebracht.

Gestern entschied der Federal Magistrate Court in New York laut New York Times nämlich, dass Microsoft Informationen über einen seiner Kunden, die im Rechenzentrum der Firma in Dublin gespeichert sind, den US-Ermittlern aushändigen müssen, die in einem Kriminalfall (es geht angeblich um Drogen, aber niemand weiß etwas Genaueres) ermitteln.

Microsoft wehrt sich – noch – heftig gegen das Ansinnen, weil es doch nicht sein kann, dass amerikanisches Datenrecht in Europa gültig sei. Aber was, wenn der amerikanische Richter Ernst macht und Microsoft mit hohen Strafen belegt – oder den guten Satya vielleicht in ein New Yorker Gefängnis steckt? Man weiß ja, dass man in den USA noch ganz anders mit Vorständen umgeht, die sich was zuschulden haben kommen lassen: Die wandern tatsächlich in den Bau, im Gegensetz zu Europa, wo man es meistens mit einem Schlag auf den Handrücken und einer kleinen Geldstrafe bewenden lässt. Wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie nur Klaus Zumwinkel. Der mußte nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs zwar seinen Bundesverdienstkreuz zurückgeben, aber das war so ziemlich alles. Weiterlesen »

Das Geheimnis des “Lorem ipsum” ist enthüllt!

26. Juli 2014
Das Original

Das Original

Mein Freund Michael hat auf unserem gemeinsamen “Meta-Blog” www.czyslansky.net leider etwas vorschnell das Zeitalter der totalen Blog-Verschlüsselung ausgerufen und ist gleich mit gutem Beispiel vorangeschritten, als er einen kompletten Czyslansky-Beitrag durch einen Verschlüsselungsalgorithmus jagte und das Ergebnis unter der Überschrift “Lorem Ipsum? Lorem ipsum!” online stellte. Jetzt muss er sehen, wie er aus der resultierenden Zwickmühle herauskommt, dass nämlich keiner mehr versteht, was er schreibt, und deshalb irgendwann auch keiner mehr lesen will, was er schreibt. Ich fühle mich verdammt an das Bild des “Armen Poeten” von Carl Spitzweg erinnert, jener genial-verkannte Dichter, der in seiner zugigen Dachstube hockt und die tollsten Verse zu Papier bringt – aber vergebens, denn keiner kriegt es mit.

Wie gesagt: Das ist jetzt sein Problem. Meines ist, dass ich mich (wie wahrscheinlich so ziemlich jeder Leser) gefragt habe, wo dieses blöde “Lorem ipsum” überhaupt herstammt und was es bedeutet. Es ist mir in meiner Laufbahn hundertfach begegnet in Layouts und Dummies von Artikeln und Zeitschriften, und ich ging immer davon aus, dass es für jemanden, der im Lateinunterricht besser aufgepasst hat als ich, durchaus einen Sinn ergibt. Was macht der Mensch im Digitalzeitalter also: Er fragt Google. Und dort gibt es höchst unterschiedliche Deutungen und Deutungsversuche. Weiterlesen »

Foursquare und der angekündigte Tod

24. Juli 2014
Bald ausgesummt?

Bald ausgesummt?

Das Social Web ist voll von Tausenden von mehr oder weniger sinnvollen Diensten, aber mein erklärter Liebling war seit Jahren Foursquare, eine App fürs Smartphones, mit dem man „einchecken“ und damit seinen Freunden und Followern signalisieren konnte, wo es sich lohnt zu essen, zu wohnen oder sich umzusehen. Man bekam für jedes Checkin Punkte und Abzeichen, so genannte „Badges“, und wurde, wenn man nur oft genug eine Lokalität empfohlen hatte, irgendwann einmal „Mayor“, was einem ein gewissen Status gerade bei Restaurantbesitzern verlieh.

Tja, sic transit gloria mundi, kann ich nur sagen. Foursquare hat sich von seinem alten Geschäftsmodell verabschiedet und will in Zukunft nur noch ein geolokaler Empfehlungsportal sein. Da mein Smartphone immer weiß, wo ich gerade bin (egal ob es gerade ausgeschaltet ist oder nicht), können smarte Werber diese Information nutzen, um mich mit Angeboten aus der nächsten Umgebung zu ködern.

„Zumüllen“ wäre vielleicht ein passenderes Wort. Weiterlesen »

Facebook und die Gedankenfreiheit

04. Juli 2014
So, glaubt Ihr wirklich?

…aber Facebook kann sie erraten!

Also doch: Orwell hatte Recht! Sein Albtraum von der „Gedankenkontrolle“ ist Wirklichkeit geworden, die bösen Macher von Facebook sind dabei, unsere Gehirne umzuprogrammieren. Google kontrolliert, was wir denken dürfen. O tempora, o mores!

Der Skandal um manipulierte News-Feeds im Rahmen eines sozialpsychologischen Experiments auf Facebook (die so genannte “Emotional Contagion Study“) haben den Kulturpessimisten reichlich neue Nahrung gegeben. Schade, dass Frank Schirrmacher das nicht mehr erleben durfte!

Aber worum geht es hier eigentlich? Wie jetzt herausgekommen ist haben sich die Wissenschaftler  Jeffrey Hancock and Jamie Guillory von der angesehenen   Cornell University zusammengetan um zu prüfen, ob das Lesen von negative Meldungen Einfluss auf das seelische Befinden von Menschen hat, also ob wir traurig werden, weil wir traurige Nachrichten vorgesetzt bekommen und umgekehrt, ob sich unsere Laune durch die Lektüre guter Nachrichten heben lässt. Dazu wurden die dargestellten Meldungen in den Timelines von rund 700.000 der 1,3 Milliarden Facebook-Nutzern manipuliert, und zwar ohne deren Wissen. Danach analysierten die Forscher die Posts der Betroffenen mit Hilfe von Software, die in der Lage sein soll, aus deren Wortwahl beim Schreiben Rückschlüsse auf ihre Stimmungslage zu ziehen.

 

Ich muss zugeben: Meine erste spontane Reaktion, als ich das las, war: Wow: eine Software, die lesen kann! Nicht nur lesen, sondern verstehen, wie mir beim Schreiben zumute war. Wie geil ist das? Aber mit der Reaktion war ich wohl ziemlich alleine auf weiter Flur, zumindest diesseits des Atlantiks. Weiterlesen »