Das Ende einer Erfolgsstory, oder warum ich meinen Tee jetzt bei Amazon bestelle

So fing alles damals an

So fing alles damals an

Die Wiege des Onlinehandels in Deutschland stand in Oldenburg in Holstein. Studenten der Fachhochschule Flensburg waren auf der Suche nach einem typischen Einzelhändler, den sie als Fallstudie ins neugeschaffene World Wide Web stellen und damit beweisen konnten, dass dieses Webs-Dingsda auch als Verkaufsplattform taugt und nicht nur als akademische Spielwiese. Der alte Frank Franken, der in Oldenburg seit vielen Jahren ein Teegeschäft betrieb, schien ihnen ein geeignetes Opfer zu sein, und sie bauten mit seiner Zustimmmung einen noch recht primitiven Webshop, der aber funktionierte. Das Problem war nur: Der alte Herr Franken hatte keinen Computer. Macht nichts, sagten sich die Kids, und programmierten ihm eine Fax-Weiche, so dass die Online-Bestellungen bei ihm halt ganz altmodisch aus dem Faxgerät herausgerattert kamen.

Der Web-Laden war ein großer Erfolg, und auch ich habe dort von Anfang an meinen Tee gekauft, zumal Herr Franken einen wunderbaren, allerdings auch sehr teuren Oolong namens „Butterfly of Taiwan“ anbot, der mir bis heute sehr gut schmeckt. 20 Jahre lang habe ich dort brav meinen Tee bestellt, auch später, als Herr Franken längst tot war und seine Nachfolger das alte Ladengeschäft geschlossen hatten und den Tee nur noch per Internet vertrieben. Ich benützte das Beispiel auch in meinen Vorträgen als eine der typischen kleinen Erfolgsstories des E-Commerce in Deutschland. Weiterlesen

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Mein Telefon gehorcht aufs Wort!

Mein Computer versteht mich nicht!

Mein Computer versteht mich nicht!

Drücken Sie die Haustürklingel mit dem Zeigefinger? Dann sind Sie über 30. Junge Menschen verwenden dafür mehrheitlich den Daumen. Das behauptet jedenfalls die Designerin Alice Rawsthorn. Ihr zufolge wachsen junge Menschen mit Gameboys und Smartphones auf, die alle eine Art Mäuseklavier-Tastatur besitzen, die man am besten mit dem Daumen bedient. Und zeigt wiederum: Der Mensch passt sich immer mehr der Technik an, notgedrungen.

Wie es anders geht, zeigen die so genannten „Chatbots“ wie Apple’s Siri oder Amazo,Bill Gates,Traslaten’s Alexa or Google Now. Im Frühjahr stellten Microsoft-CEO Satya Nadella und Mark Zuckerberg von Facebook fast zeitgleich und nur rein paar Blocks voneinander entfernt in San Francisco jeweils ihre neusten intelligenten Assistenten der stauenden Weltöffentlichkeit vor. Chatbots verstehen angeblich, was wir sagen und sind in der Lage, auch komplizierte Befehle auszuführen, wie beispielsweise: „Mail Michael. Subject: Heute Abend. Message: Let’s meet for dinner“. Leider verstehen viele solcher Apps bislang nur englischsprachige Befehle, aber immerhin: Es klappt, und das sogar auf Anhieb.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich warte schon lange darauf, dass ich mit meinen digitalen Hilfsgeräten reden kann.  Weiterlesen

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#1: Technik verkaufen, Teil 23: Die 5 Phasen des Verkaufsgesprächs

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 1, erstmals am 21. Oktober 2013 veröffentlicht und seitdem mehr als 10.000x abgerufen.

 

Jedes Verkaufsgespräch läuft meistens in fünf Phasen ab: Begrüßung, Bedarfsklärung, Angebot, Abschluss und Nachfassen. Jede dieser Phasen läuft nach anderen Regeln ab. Während Sie beispielsweise anfangs selbst die meiste Zeit über reden werden, sollten Sie in der zweiten Phase besser schweigen und zuhören, beziehungsweise Ihren Gegenüber durch zustimmende Gesten und Laute zum Weiterreden ermuntern. Die Abschlussphase ist dagegen mehr ein Geben und Nehmen, hier ist Dialogfähigkeit gefragt.

Die 5 Phasen eines Verkaufsgesprächs

Die 5 Phasen eines Verkaufsgesprächs

Schauen wir uns die einzelnen Gesprächsabschnitte etwas genauer an und versuchen herauszufinden, wie sie sich von einander unterscheiden und was jeweils dabei wichtig ist. Weiterlesen

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#2: English Enlightenment

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 10, erstmals am 12. Dezember 2011 veröffentlicht und seitdem mehr als 5000x abgerufen. Morgen: „Technik verkaufen, Teil 23: Die 5 Phasen des Verkaufsgesprächs“.

BoD DEN

During the phase we now call „The Enlightenment“ societies in Europe managed to throw off oppressive regimes, free cities from the bondage of the medieval estate-based society, and define a set of basic human rights that helped define their sense of self. The subsequent upswing not only transformed economies, but continues to influence throught processes and societal discussions all across the Western world.

Today, we as citizens of an increasingly digitized and networked world face similar circumstances as the fathers for the (bourgeois) Enlightenment of the 18th century. We need the audacity to rethink rules, values and categories that define societies and our own roles within them. In the words of Immanuel Kant, the “father” of the first Enlightenment, we need to “dare to think for ourselves” (”Sapere aude!”).

Invoking pink images of a perfect past won’t help us, nor will holding on to obsolete legal and cultural frameworks which continue to defy digital reality. Trusted old concepts such as “privacy” or “copyright” have no place in a world of digital transparency, and the sooner we wake up to this and start adapting as individuals and as a society the better. However, we need to establish alternatives to replace these old categories, and for this we need informed discussion. That is what this book hopes to stimulate. All we know for sure is that neither old-style critical reasoning nor traditional political economy, much less fuzzy notions of psychoanalysis or media theory will suffice to point us towards the digital future. We need to reexamine reality, looking through the lens of digital transformation – and at times through the lens of a pair of Google Glasses – in order so see where we are going and how to influence the outcome. We must, in short, survey the digital world anew.

My friend Ossi Urchs and I wrote this book in the summer of 2013, and it was published in German under the title „Digitale Aufklärung“ in fall of that year. This summer, I spent three months translating and updating the text, and this week it came out in English as Digital Enlightenment Now! at BoD. It is also available in the Kindle format at Amazon.

I am very proud of this book, and my only sorrow is that Ossi didn’t live to see it published in English – a language that he loved and spoke almost as well as I do myself. But of course I’m a native American, and he hailed from Cologne, so his achievement is all the greater.


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#3: In Praise of Plagiarism

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 2, erstmals am 8. Januar 2016 veröffentlicht und seitdem mehr als 5000x abgerufen. Morgen: „English Enlightenment.“

copyright

Is intellectual property theft?

Listening to the high-pitched arguments about digital piracy one could almost assume that copyright or commercial legal protection of intellectual property are a law of nature; something we always enjoyed and that’s been around forever.

Not so: The term first appeared in English law in 1557 with the so-called “Statues of Anne”, a century after the invention of the printing press by Johannes Guttenberg. Its authors were not worried about intellectual property; rather they were aiming to protect the rights of printers, and specifically the members of the English “Stationers’ Company”, a guild, to publish works to which they could prove or at least somehow convincingly claim exclusive reproduction rights of some kind. The statute doesn’t even mention authors, who at the time were paid (if at all) only for providing manuscripts.

Copyrights, it turns out, aren’t there to protect artists at all: they protect publishers! Weiterlesen

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#4: Trüffel aus dem Meer

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 4, erstmals am 9. März 2012 veröffentlicht und seitdem mehr als 5000x abgerufen. Morgen: „In Praise of Plagiarism“.

Die beste Muschel der Welt ist gar keine, sondern eine Schneckenart. Trotzdem ist die Abalone gerade dabei, der Auster den Rang als edelste Meeresspeise abzulaufen. Schuld daran ist ein starrköpfiger Franzose und seine Vision.

Der Wind über der „Emerald Coast“, der rauen Smaragdküste westlich von Vancouver, weht kalt und ohne Unterlass. Die Nootkas, die Ureinwohner dieser Gegend, lebten von den Muscheln, vor allem die köstliche „Seeohren“, die sie „Abalone“ nannten  und die sie bei Ebbe in großen Mengen sammelten. Doch wenn der Sturm tobte, konnten sie nicht ins Meer hinaus waten, und so musste ihr Volk oft wochenlang  hungern.

Der Legende  nach beschlossen sie schließlich, den bösen Wind zu töten. Aber der Westwind lenkte ein und versprach ihnen, wenn sie ihn am Leben ließen, nur noch sanft zu wehen und ihnen so den Zutritt zu den Abalonebänken zu gestatten. Dafür dankten sie ihm, indem sie die Schalen säuberten und daraus Masken fertigten, die sie ihm zu Ehren bei ihren Festen trugen. Und so kommt es, dass die Haliotis tuberculata, wie diese Gattung der Gastropoden („Bauchfüßler“) bei den Naturwissenschaftlern heißt, zum Wappentier der Nootkas. Weiterlesen

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#5: Information wants to be free (but not necessarily on the house)

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 5, erstmals am 18. Dezember 2014 veröffentlicht und seitdem mehr als 7000x abgerufen. Morgen: „Trüffel aus dem Meer.“

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Thanks, Eric Tachibana!

It was the mantra, the rallying cry of an entire generation of early Internet users: “Information wants to be free”. First formulated back in 1984 by Steven Levy in his book Hackers: Heroes of the Computer Revolution, the sentence was always open to different interpretations. For some, it meant “free” as in “liberty”, a freedom to say and do whatever you want (at least as long as your freedom doesn’t infringe on someone else’s). But for others, “free” had another meaning completely, namely “free of charge”.

In the early days of the World Wide Web, especially, “paid content” was a dirty word, and Internet activists argued for ages about whether “commercialism” should even be allowed online.

Artists, writers and musicians, these starry-eyed enthusiasts claimed, could and should present their collective efforts online for free. To make a living, they would use the Web as a place to advertise: musicians would give away songs for free in order to get people to attend their live concerts; writers would collect a huge following of people who would rush to bookstores (or to Amazon, which was still struggling to get started) and buy their deathless prose. And the best thing was: They wouldn’t need a publisher because they could self-publish cheaply and easily and thus cut out the middlemen who were skimming off all the profits anyway. Whoever heard of a rich author (unless your last name happened to be Grisham, King or Rowling.

Yes, those were heady days, but by now, 15 or 20 years later, we have all sort of calmed down and realized that money makes the online world go round, too. Weiterlesen

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#6: Die nette Frau Friedrich und der Pranger

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 10, erstmals am 23. April 2012 veröffentlicht und seitdem mehr als 7000x abgerufen. Morgen: „Information wants to be free (but not necessarily on the house)“

Frau Richterin im Höhenflug (Foto: A. Friedrich/T. Cole )

Ariane Friedrich ist eine hübsche junge Frau. Sie hat blondes, modisch kurzgeschnittenes Haar und eine reizvolle schlanke Figur. Die braucht man als Hochspringerin, was Ariane Friedrich recht erfolgreich tut. Schließlich gewann sie unter anderem auch mal die Bronzemedaille bei der WM 2009 in Berlin.

Im Hauptberuf ist Ariane Friedrich Polizeikommissarin mit abgeschlossenem Studium an der Verwaltungsfachhochschule Hessen. Sie ist also offenbar ebenso klug wie schön. Für den einen oder anderen jungen Mann mag sie sogar die Traumfrau sein. Jedenfalls bekommt sie viel Fanpost auf ihre Facebookseite. Und in einer dieser Nachrichten stand neulich dieser Satz:

„Willst du mal einen schönen Schwanz sehen, gerade geduscht und frisch rasiert?“

Das ist offenbar nicht das erste Mal, dass die schöne Ariane solchen Schweinkram bekommt, aber dieses Mal ist ihr der Geduldsfaden gerissen. Sie setzte sich hin und tippte eine Nachricht auf Facebook, die neben dem anzüglichen Satz auch Namen und Wohnort des Absenders enthielt.

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#7: Evolution in Echtzeit

Die beliebtesten Posts aus 22 Jahren Cole-Blog, hier nochmal zum Nachlesen. Heute: Nummer 8, erstmals am 12. Januar 2015 veröffentlicht und seitdem mehr als 6500x abgerufen.

...so what's next?

…und was kommt als Nächstes?

Dieser Text entstammt meinem Buch „Digitale Aufklärung„, das ich gemeinsam mit meinem Freund Ossi Urchs geschrieben habe.

Der Mensch lebte schon immer in Symbiose mit seinen Werkzeugen. Indem er immer intelligentere Werkzeuge ersann und einsetzte, veränderte er sich. Das ist ein natürlicher Vorgang, und er ist nicht zu bewerten. Der Fehler, den die Propheten der digitalen Apokalypse begehen, besteht darin, über diesen Vorgang zu urteilen. Ein typisches Beispiel ist die Vorstellung von “Fortschritt” (als ob der Mensch seit Anbeginn seiner Geschichte auf dem Weg zu einem klar definierten Endziel voran schreitet, was Unsinn ist). Ein anderes ist die durch Technik induzierte Degeneration, Frank Schirrmachers eigenes „vermanschtes Gehirn“, von dem er in einem Interview der BILD Zeitung[1] sprach.

Der Amerikaner Ray Kurzweil gehört zu den Vordenkern der digitalen Zukunft. Er ist erfolgreicher Serien-Firmengründer und hat deshalb genug Geld, um es sich leisten zu können, hauptberuflich darüber nachzudenken, wohin die Reise geht. Kurzweil gehört zu den Begründern der so genannten Singularity-Bewegung. Die will nicht mehr und nicht weniger als den uralten Menschheitstraum vom Jungbrunnen Wirklichkeit werden lassen. Singularity beschreibt eine Welt, in der die Verschmelzung des Menschen mit digitaler Technologie eine überlegene Form von Intelligenz schafft, die unser Leben dominieren wird.

Kurzweil spielt seit etwa 1980 mit dem Gedanken an Singularität, seitdem er erstmals mit dem Moore‘schen Gesetz konfrontiert wurde. Moore geht bekanntlich von einer Verdopplung der Leistungsfähigkeit digitaler Schaltkreise alle 16 bis 18 Monate aus. Verdopplung, wie jeder Roulettespieler weiß, führt aber unweigerlich zu einer ungeheuren Beschleunigung. Diese nennt man auch „exponentielles Wachstum.“ Weiterlesen

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Wer baut das Auto von Morgen?

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Deutschland steht und fällt mit seinen Autobauern. Aber was ist, wenn sie die Ausfahrt Richtung Zukunft verpassen und gegen die Wand fahren? Wo bleibt dann Deutschland?

Wer sich Sorgen um den Wirtschaftsstandort macht, dem müssen heute Morgen die Haare zu Berge gestanden sein, als er die Nachricht las, dass Tesla gerade Ford und General Motors in der Börsenbewertung abgehängt hat. Die Aktie des Branchenneulings von Quereinsteiger Elon Musk überstieg kurzzeitig die Marke von $312, was eine Kapitalisierung von $50,9 Mrd. bedeutete. Ford lag zur gleichen Zeit nur bei $45,6 Mrd., GM bei knapp $50 Mrd.

Noch haben die deutschen Autobauer einen komfortablen Vorsprung. Daimler liegt bei ca.€71 Mrd., VW trotz der Verluste aus Dieselgate noch bei €68 Mrd. Aber wie lange noch? Denn die deutsche Autowirtschaft ist gerade dabei, die Zukunft zu verschlafen. Weiterlesen

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