Treppenwitz: Geht ein Start-up zur Bank

02. September 2015
Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Wenn ein junger Deutscher eine Idee hat, werden ihm bei der Realisierung regelmäßig Knüppel zwischen die Beine geworfen. „Geht ein Start-up-Gründer zur Bank“, lautete in den letzten Jahren der kürzeste Witz in der Finanzbranche. Nur zehn Prozent aller Gründer von Hightech-Unternehmen, die im Rahmen des Startup Monitors 2014 des Bundesverbands Deutscher Startups (DSM) und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin befragt wurden, nannten Bankkredite als eine ihrer Finanzierungsquellen. Unter denjenigen Hi-Tech Start-ups, die seit weniger als zwölf Monaten bestanden, waren es sogar nur fünf Prozent. Zum Vergleich: Im herkömmlichen Gründungsmarkt greift mehr als ein Viertel aller Gründer auf ein Bankdarlehen zurück.

Deutsche Gründer bezeichnen neben dem schwierigen Zugang zu Kapital vor allem die in Deutschland verbreitete geringe Toleranz gegenüber dem Scheitern als kritisches Hemmnis für die Gründung von Unternehmen. Berlin gilt nicht nur wegen des ewigen Dauerbrenners Flughafen als Hauptstadt des Scheiterns: Hier gehen auch die mit Abstand meisten Start-ups wieder baden. Das liegt aber auch daran, dass es in der Hauptstadt einfach die meisten Gründer gibt. Das Thema „Scheitern“ sei deshalb in Berlin nicht so stark tabuisiert, wie in anderen deutschen Städten, meint Anna Theil, Geschäftsführerin der Crowdfunding-Plattform Startnext. Weiterlesen »

Datenschutz zum Selbermachen

01. September 2015
Wie uncool!

Wie uncool!

Kids gehen völlig sorglos mit ihren Daten um – richtig? Falsch! In Wahrheit sind sie sogar sehr empfindlich. Und strafen diejenigen ab, die wie Facebook oder Twitter mehr oder weniger nach Gutsherrenart mit den persönlichen Informationen ihrer Mitglieder umgehen.

Dass Facebook uncool ist, pfeifen die Spatzen ja schon seit einiger Zeit von den Dächern. Doch nun liegen auch belastbare Zahlen vor. Die Social Media-Studie der Firma Magid, die auf der Befragung von 1934 User im Alter von 16 bis 64 Jahren beruht, hat einen deutlichen Abfall der „klassichen“ Anbieter gezeigt. Dafür sind solche Newcomer wie Snapchat und Instagram die großen Gewinner. Weiterlesen »

Die neuen Räuberbarone

31. August 2015

Raeuberbarone

Der österreichischer Nationalökonom Joseph Schumpeter (1883-1950) lag richtig mit seiner Idee der „schöpferischen Zerstörung“: Kapitalismus war für ihn und seine Anhänger ja Unordnung, die fortwährend durch innovative Unternehmer entsteht, die neue Ideen in den Markt tragen. Diese Unordnung war für ihn die Ursache von Fortschritt und Wachstum.

Die Technologiebranche liefert laufend Beispiele für eine derartige kreative Unordnung. IBM und Apple in den 1980ern, Microsoft und Netscape in den 1990ern Jahren, die Big 4 (Apple, Google, Facebook und Amazon) im 21. Jahrhundert: Stets geht es darum, sich einen Vorteil auf Kosten der anderen zu verschaffen. Anfangs blieb jeder noch brav bei seinen Leisten: Google machte Suche, Apple baute Computer, Amazon verkaufte Bücher und Facebook machte die Leute zu Freunden. Heute sieht die Welt der Big 4 aus wie eine Landkarte aus dem Mittelalter, wo jeder gegen jeden kämpft oder sich mit dem einen gegen den anderen verbündet, um sich strategische Vorteile zu verschaffen.

Es gibt eine deutliche Parallele zur Ära der sogenannten „Robber Barons“, der Räuberkapitalisten, die das goldene Zeitalter in Amerika um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geprägt haben. Der Wilde Weste war gezähmt, und große Männer wie John D. Rockefeller, Cornelius Vanderbilt, Andrew Carnegie und J. Pierport Morgan haben in der Folge Imperien geschaffen und sie skrupellos ausgebeutet. Weiterlesen »

Von Sinn und Unsinn Digitaler Einsiedelei

23. August 2015
Yoda lässt grüßen!

Yoda lässt grüßen!

Unser Wiener Käsblättle (a.k.a Die Presse am Sonntag) setzt ihre Serie von hinterhältigen kulturpessimistischen Technophobie-Attacken heute mit der Überschrift „Auszeit im sozialen Exil“ fort. Es handelt sich um eine Reportage über eine Dame, die beschlossen hat, ein halbes Jahr lang die digitalen Brücken hinter sich abzubrennen und ins soziale Exil zu gehen.

Ianina Ilitcheva heißt sie und gibt als Berufsbezeichnung „Künstlerin“ an. Sie hat sogar ein Buch darüber geschrieben, das sie „183 Tage“ nannte und in dem sie auf sage und schreibe 288 Seiten von – ja wovon denn: eigentlich von nichts, also dem Fehlen von etwas, nämlich der sozialen Kommunikation – erzählt. Angeblich wollte sie herausfinden, aus welchen Quellen sie ihre Inspiration schöpfen würde, wenn sie den Kontakt zur Außenwelt abstellt. „Für mich war die wichtigste Frage: Brauche ich für meine Arbeit Einflüsse von außen, oder hab ich so viel in mir angesammelt, dass ich daraus schon etwas machen kann?“

Frau Ilitcheva hatte dazu nur 32 Jahre Zeit, denn sie ist 1983 in Usbekistan geboren. Sie studierte bis vor kurzem an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und legt gerade ein Zweitstudium über Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst nach. Sie beschreibt, wie sie ein Abschiedsfest feierte und sich dann in ihre Wohnung zurückzog. Manchmal sei sie nachts alleine durch die Wiener Straßen gegangen. Einmal im Monat meldete sie sich mit einem Blogeintrag bei Freunden und Kollegen, damit sie wüssten, dass sie noch lebt. Dann starb auch noch ihr alter Hund, und sie spürte angeblich da erst, „dass man wirklich allein in einem leeren Raum ist.“

So ganz konsequent war sie wohl nicht. „Im Sinne des wissenschaftlichen Experiments“ eröffnete sie einen anonymen Twitter-Account und postete dort Selbsterfahrungen. Und einmal nahm sie eine Auszeit von der Auszeit, um in Spanien ein Kongress zu besuchen, wo es ihr „richtig seltsam und ungewohnt“ vorkam, „wieder mit Menschen zu kommunizieren.“ Weiterlesen »

Roboter sind die besseren Chefs

22. August 2015

robotchef KopieBei Robotern denken die meisten Menschen wahlweise an riesige Maschinen mit Greifarmen, die in Autofabriken in Reih und Glied stehen und dort Schwerstarbeit verrichten, oder an kleine Haushaltsroboter wie elektronische Staubsauger oder Sonys niedlicher Aibo, der wie ein Hündchen aussah und auf Knopfdruck Pfötchen gab oder sich auf den Rücken legen konnte. Das Wort „Robota“ ist slawisch und bedeutet so viel wie „Frondienst“ oder „Zwangsarbeit“. In der Literatur werden sie gerne als „Maschinenmenschen“ thematisiert, die meist entweder als Helfer oder als Bedrohung dargestellt werden.

In der Fertigung stecken Roboter meistens im Gefängnis, also in abgeschlossenen Gitterräumen, zu denen der Mensch keinen oder nur begrenzten Zutritt hat. Das liegt an der Gefahr, die tatsächlich von ihnen ausgeht: Wer nicht aufpasst, könnte dem Roboterarm in die Quere kommen und sich schwer verletzen oder sogar sterben, bevor irgendjemand auf den Stoppknopf drücken kann. Aber die Tage des Roboters in der Zelle sind bald vorbei. Im Zeitalter autonomer Maschinen wird es möglich sein, den Roboter bald endgültig von der Leine zu lassen. Weiterlesen »

Ulysses liest sich am besten analog und digital – gleichzeitig!

17. August 2015
Seite an Seite, Seite um Seite...

Seite an Seite, Seite um Seite…

Seit Jahren wird darüber gestritten, ob elektronische Bücher je ihre Vorgänger, die aus toten Bäumen gemacht werden, verdrängen können oder nicht. Puristen halten am gebundenen Buch fest, Digerati wie ich schwören auf ihren Kindle und würden am liebsten die Bücherverbrennung wieder einführen (wegen des Heizwerts!). Aber ich denke, die Wahrheit liegt wieder mal, wie so oft, irgendwo in der Mitte.

Vorausgeschickt sei das Geständnis, dass es mir bislang noch nie gelungen ist, Ulysses, das Schlüsselwerk von James Joyce, dem Aushängeschild der literarischen Avantegarde des 20sten Jahrhunderts, zu Ende zu lesen. Ja, ich habe es schon oft probiert, sicher ein Dutzendmal in den letzten 40 Jahren. Und ich schäme mich deshalb auch, weil ich ja einmal an meiner amerikanischen Uni moderne Literatur studiert habe und mir die „Lost Generation“ um Hemingway, Fitzgerald, Steinbeck, Los Passos, Faulkner oder Gertrude Stein innig vertraut sind. Nur an dem, von dem viele sagen, er sei der Größte gewesen, bin ich immer gescheitert.

Ich bin schon auf dem Martello-Turm in Sandycove bei Dublin gestanden, wo Buck Mulligan mit dem Rasierbecken die Heilige Messe verballhornt, habe Stephen Deadalus zur Schule und zum Strand begleitet und habe immer wieder gemeint, den Duft der verbrannten Lammniere zu riechen, die Leopold Bloom zum Frühstück brät. Aber irgendwie war spätestens in dieser vierten von 18 Episoden, aus denen sich Ulysees zusammensetzt, für mich Endstation. Ich legte das dicke Trumm zur Seite, um mich mit leichter Kost abzulenken, und dort lag es dann wochenlang, bis ich es endlich wieder ins Bücherregal räumte.

Ich bin übrigens keineswegs allein: Ich kenne viele Leute, die es nur bis zur Niere geschafft und dann aufgegeben haben, Irgendwie ist das so eine Schlüsselstelle, an der sich die literarische Spreu vom Weizen trennt. Dabei würde ich ja so gerne den berühmten Monolog der Molly Bloom lesen um die ganze Aufregung zu verstehen, die dazu geführt hat, dass Ulysses jahrelang beidseits des Atlantik verboten war (nur nicht in Irland, wie der Spiegel noch 1961 fälschlicherweise behauptet hat). Aber so weit bin ich eben noch nie gekommen, und mein Schamgefühl verbot es mir immer, einfach nach hinten zu blättern und zu „spicken“. Weiterlesen »

Warum sich selbst ein Flüchtling heute ein Smartphone leisten kann – allerdings nicht von Apple!

12. August 2015
iPhone für Arme

iPhone für Arme

„Smartphone am Ohr vor der Flüchtlingsunterkunft. Dieses Bild verstört viele Menschen, wenn es um Asylbewerber geht, denn in Deutschland gelten die Geräte als Luxusartikel.“ Das schreibt die Süddeutsche Zeitung heute in einem Artikel im Politikteil.

Mein Czyslanksy-Freund Lutz Prauser hat das heute auf Facebook gepostet. Erste Antwort aus dem Cyberspace: „Die telefonieren uns die Freiminuten weg!“ Bei uns in Österreich hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache den Beitrag einer Dame, die offenbar aus dem rechten Fremndenhassersumpf stammt, weitergepostet, die sich über das „auffällig große“ Smartphone in der Hand eines dunkelhäutigen Flüchtlings beschwerte. Gut, er hat den Beitrag später wieder gelöscht, aber nur, weil seine Seite von Protestlern zugemüllt wurde.

Ich denke, das Thema verdient es aber, genauer untersucht zu werden. Warum sind Smartphones bei uns Luxusgüter? Das liegt natürlich an den Wucherpreisen, die hierzulande verlangt und bezahlt werden. Mit uns kann man’s ja machen, denn wir Wohlstandsbürger bezahlen klaglos 700 bis 750 Euro und mehr für ein Gerät, das in der Herstellung gerade mal $150 kostet. Oder was glauben Sie, wieso Apple im vergangenen Quartal den höchsten Firmengewinn der Wirtschaftsgeschichte eingefahren hat? Oder anders gefragt: Wer kann sich außer Apple eine Gewinnaufschlag von 500 Prozent leisten?

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Ich hab’s ja gleich gesagt: Griechenlands Rettung ist der Drachmo!

10. August 2015

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 1. November 2011 im Cole-Blog. Er ist noch so aktuell wie damals: Einfach den Namen „Giorgos Andrea Papandreou“ mit „Alexis Tsipras“ ersetzen und ein paar Nullen an die Summe dranhängen – fertig ist der Rettungsplan!

 

Fast kein Unterschied, oder?

Die Entscheidung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Andrea Papandreou, eine Volksabstimmung über die Annahme des Rettungspakets der EU entscheiden zu lassen, hat alle entsetzt: Politiker, Banker, Börsianer. Was ist, wenn die Griechen nein sagen? Und was machen wir am nächsten Montag mit den bereits beschlossenen acht Milliarden Kredithilfen? Wenn die nicht fließen, ist Griechenland am Dienstag pleite.

Was dann passiert weiß keiner, aber zwei Dinge sind klar:

  1.  Griechenland darf nicht aus der Eurozone ausgeschlossen werden oder austreten, weil uns sonst die ganze Konstruktion der EU um die Ohren fliegt.
  2. Griechenland muss unbedingt aus der Eurozone rausgeschmissen werden oder freiwillig austreten, weil uns sonst die ganze Konstruktion der EU um die Ohren fliegt.

Auf den Griechen Epimenides, ein Kreter, geht das klassische Paradoxon zurück: „Ein Kreter sagt, alle Kreter lügen.“ Durch Kreisargumentation und jede Menge Semantik lässt sich mit diesem Satz beweisen, dass Kreter sowohl lügen als auch die Wahrheit sagen.  Was wir brauchen, ist genau sowas, auf den Euro übertragen.

Ich habe auch schon die Antwort, und ich bin zuversichtlich, dass mir dafür im Eilverfahren der Wirtschaftsnobelpreis verliehen wird. Mindestens.

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Why we need Digital Transformation

07. August 2015
And how fast are you?

And how fast are you?

There can be no doubt: The future of business will be digital. The Internet has wrought fundamental change over the past twenty-odd years, but that is nothing compared with the upheaval yet to come in the next twenty plus. Networks and intelligent systems will cause huge growth, but unfortunately only those who choose to play an active role can hope to profit.

But are we ready for the Digital Transformation of business? Will the world see a kind of economic miracle similar to the one Germany experienced in the wake of World War II, a kind of “Wirtschaftswunder 2.0”? Or will companies and managers in the “Old Europe” freeze before the looming specter of total transformation of their business models, business processes and even their relationship with clients and customers?

Sadly, it looks that way. No, this doesn’t mean all companies are doomed to fail. And yes, there are many entrepreneurs around with vision and courage. Unfortunately, they are a minority. The majority of German companies, namely 70 percent, still require physical presence from their employees, meaning they will not allow them to work from home or from some other location (the nearest Starbucks?). This “ninetofive” mentality is a major stumbling block and one of the reasons why companies fail to make best use of the many opportunities the Internet Age offers them to increase personal productivity and give employees a change to accept responsibility for their own working environments and timetables.

Speed is essential in the new world of Digital Transformation: Data flow around the world in nanoseconds, and they can be received and processed anytime, anywhere. The only requirement is a fast Internet connection, and today that means fibreoptic cables and powerful computer systems that are capable of transporting and analyzing gigantic amounts of information – the crude oil of the Digital Age, as my friend Gerd Leonhard has called it – in record time. Weiterlesen »

Valium um drei Uhr früh

07. August 2015
Schlimmer Finger

Schlimmer Finger

Also, ich habe es mir tatsächlich angetan und den Wecker für 3 Uhr früh gestellt, um auf der Website von Fox-TV die Debatte zwischen den zehn republikanischen Präsidentschaftskandidaten als Video-Stream anzuschauen,. Ich hätte auch genauso gut weiterschlafen können, denn die zehn Kerle – natürlich waren es lauter Kerle, wir sind ja  bei den Republikanern – haben es schließlich auch getan. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass  sie zwischendrin alle im Stehen weggenickt sind. Sogar Donald („The Donald“) Trump war artig und hielt sich fast immer an die 30 Sekunden Redezeit, die ihm von der Fox-Regie zugestanden wurde, wie den anderen auch.

Es war also keine Debatte im eigentlichen Sinn, sondern eine Abfolge von „sound bites“ – kurze, einstudierte Wahlreden, in denen viel die Rede war davon, wie groß Amerika einmal war und wieder sein wird, wenn man nur sie wählen würde, wie böse Obama und Hilary seien und wie sie den Staat zugunde richten. Und ja, Gott kam mehrmals zu Wort, auch wenn der Texaner Ted Cruz, wie ich fand, sehr geschickt die Frage der eisblonde Moderatorin Megyn Kelly auswich, die mich übrigens an Cruela DeVil aus „101 Dalmatiner“ erinnerte, ob Gott persönlich zu ihm gesprochen und ihm Anweisungen für seine eventuelle Amtszeit als US-Präsident gegeben habe, mit der Bemerkung auswich, er lese jeden Tag in der Bibel, und das sei ja Gottes Wort… Weiterlesen »