Social Media und der Hausverstand

Dem einen sein Hasspost ist dem anderen eine simple Meinungsäußerung. Diese Diskussion entzweit die Menschheit, seit unsere ersten Urahnen von den Bäumen herabstiegen und den aufrechten Gang geübt haben. In den Zeiten von Kaisern und Königen wurde sowas meistens rasch entschieden: „L’état c’est moi!“ hat Louis XIV zwar nie wirklich gesagt, aber wenn er ein Machtwort sprach, hatten alle anderen die Schnauze zu halten.

Mit den bürgerlichen Revolutionen des 19ten Jahrhunderts und dem Aufkommen liberaler Demokratien wurde die Macht des Staates, den Menschen vorzuschreiben, was sie denken („Sire, gebt uns Gedankenfreiheit!“, lässt Schiller 1787 seinen Don Carlos ausrufen. Und zwei Jahre später wurde Meinungsfreiheit als „un des droits les plus précieux de l’Homme“ (deutsch: „eines der kostbarsten Rechte des Menschen“) in die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte aufgenommen. Voltaire wird der starke Satz zugesprochen: „Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“ Pech nur, dass der Spruch in Wahrheit von Evelyn Beatrice Hall stammt, die es dem großen Vordenker der Aufklärung 1906 in den Mund legte.

Das Recht, seine Meinung frei zu äußern, wird in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt. In den USA wird sie traditionell sehr weit ausgelegt und schützt teilweise auch Äußerungen, die anderswo als Anstiftung zu Straftaten oder als Volksverhetzung eingestuft würden. Nach gängiger Rechtsauffassung schützt der 1. Verfassungzusatz das Recht, unwahre Tatsachenbehauptungen aufzustellen. Dem Gesetzgeber wird darin ausdrücklich verboten, der Rede- und Pressefreiheit einzuschränken. Das deutsche Grundgesetz dagegen legt ausdrücklich fest, dass die Meinungsfreiheit durch die „allgemeinen Gesetze“ eingeschränkt ist. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Im Zeitalter von Social Media spitzt sich dieser Streit immer mehr zu. Weiterlesen

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Eine kleine Kulturgeschichte des Privaten

Rückzugsort

Die Vorstellung von Privatheit ist, geschichtlich gesehen, relativ neu. Im Prinzip ist sie  erst mit der aufkommenden bürgerlichen Gesellschaft des 18ten und 19ten Jahrhunderts entstanden. Der vielzitierte „Rückzug ins Private“ wurde erst seit dieser Zeit, für breite Bevölkerungsschichten ideell wie materiell überhaupt möglich. Abgesehen vom Adel war das Bürgertum die erste gesellschaftliche Schicht, die über ausreichend große Häuser und Wohnungen verfügte, die es einzelnen erlaubten, sich zurück zu ziehen. Zum anderen war ein prägendes Merkmal des Bürgertums im Bidermeier seine Fähigkeit, sich gegen Einflüsse von außen auch geistig abzuschotten: Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist!.

Mit der Ausnahme dieses relativ kurzen Zeitabschnitts hat der Mensch stets in dörflichen oder Stammesgemeinschaften gelebt, also in relativ kleinen, überschaubaren und starren Systemen. Im Dorf gibt es kein Privatleben. Im Dorf weiß jeder alles über jeden –aber man tut so, als wüsste man es nicht. Giovanni ist auf dem Feld, und alles wissen das. Seine Frau Angelina ist mit dem strammen jungen Giacomo gerade auf dem Heuboden, und auch das wissen alle. Aber niemand käme auf die Idee, Giovanni etwas davon zu sagen, denn jeder weiß, der je die Oper „Cavalieria Rustianca“ gesehen hat, was dann passiert: Es gibt Mord und Todschlag, womöglich auch jahrzehntelange Blutrache, auf jeden Fall kommt Unruhe ins Dorf, und das möchte jeder vermeiden. Es gibt also auch im Dorf eine gewisse Schamschwelle, eine nicht verabredete Diskretion, die aber nur zur Aufrechterhaltung der Ordnung und des friedlichen Zusammenlebens dient. Sie hat nichts mit einer wie auch immer gearteten „Sphäre des Privaten“, auf dessen Schutz und Unversehrtheit der Einzelne gar einen gesellschaftlichen Anspruch anmelden könnte.

Privatheit ist nicht nur eine relativ neue Erfindung, es ist auch eine ausgesprochen westliche Idee. In allen asiatischen Gesellschaften spielt sie so gut wie keine Rolle, weil man sie gar nicht kennt. Sie wäre in der Regel auch gar nicht praktisch durchsetzbar. Selbst in der bürgerlichen Mittelschicht Indiens leben mehrere Menschen auf allerengsten Raum, in Japan sind Zimmer in vielen Wohnhäusern nur durch verschiebbare Wände aus Papier voneinander getrennt. Jeder Versuch, sich hier „ins Private“ zurückzuziehen, wäre von vorne herein zu Scheitern verurteilt. Jeder weiß, dass er jederzeit und schlagartig Mittelpunkt einer kleinen Versammlung von Familienmitgliedern, Nachbarn, Freunden oder Wildfremden werden kann.

Die vernetzte Gesellschaft ist also in weiten Teilen der Welt bereits gelebte Realität. Wer Teil einer solchen Gesellschaft ist, lebt nach einem ganz bestimmten moralischen Kodex, nämlich: Rechne immer damit, dass  alles, was du tust, entweder bereits öffentlich ist oder es ganz schnell werden kann. Darauf muss der Einzelne sein eigenes Verhalten ausrichten. Weiterlesen

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Kann Digitale Ethik das Internet vor sich selbst retten?

Dringend gesucht!

In meinem Buch „Wild Wild Web – Was uns die Geschichte des Wilden Westens über die Zukunft der Digitalen Gesellschaft sagt“, beschreibe ich die vier wichtigsten Mittel, die uns zur Verfügung stehen, um das Web zu reparieren und eine Digitale Gesellschaft zu schaffen, in der es sich zu leben lohnt. Für eine Keynote im Rahmen der Pfingst-Dialoge „Geist & Gegenwart“ auf Schloss Seggau in der Südsteiermark habe ich eine Kurzfassung geschrieben.

Da ist zunächst und zuallererst die Regulierung: Im Wilden Westen hätte man dazu „Law & Order“ gesagt. Wir müssen den bestehenden Rechtsrahmen an die Gegebenheiten des Digitalzeitalters anpassen oder neue Gesetze erlassen, die der neuen Realität angemessen sind. Und wir müssen diese Gesetze und Richtlinien konsequent anwenden – und zwar möglichst weltweit.

Viele hielten mich dafür für einen Phantasten, aber die gute Nachricht lautet: Ähnlich aussichtslos sah die Lage im 19. Jahrhundert auch aus, als Anti-Monopolgesetze, Arbeitsschutzverordnungen, Gesetze gegen Kinderarbeit und Antidiskriminierungsbestimmungen erst erlassen und dann mühsam durchgesetzt werden mussten. Es dauerte bis 1906, ehe das bereits 1890 verabschiedete Sherman-Gesetz zum ersten Mal gegen Standard Oil angewendet wurde, was zur Zerschlagung des Konzerns führte.

Als ich mein Buch im Oktober 2018 vorstellte, war alles ruhig an der Internet-Front. Ja, es gab vereinzelte Demos in 20 Ländern, darunter in Deutschland, Österreich gegen die geplante europäische Urheberrechtsnovelle, die aber trotzdem kam. Vielleicht hätten wir bei den Demos lauter schreien müssen, und eine politische Fehlentscheidung lässt sich ja auch wieder rückgängig machen.

Inzwischen ist ja noch etwas sehr Seltsames passiert. Das deutsche Bundeskartellamt schickte eine Pressemitteilung raus, in der es um Datenschutz ging.

Halt, war Datenschutz nicht etwas für die Datenschutzbehörden? Wieso mischen sich plötzlich Deutschlands oberste Wettbewerbshüter ein?

Nun, um Daten von Maschinen bearbeiten lassen zu können, müssen sie codiert und gespeichert – sprich: aufbewahrt werden. Damit sind Daten aber unselbständig, also eine Sache. Und Sachen sind sozusagen die Sache des Kartellamts

Leider existiert aber bis heute in unserem Zivilrecht keine so klare Definition. Das ist es auch, was der ehemalige EU-Digitalkommissar Günter Oettinger, den ich mal auf der CeBIT interviewen durfte, als den „rechtsfreien Raum“ bezeichnet hat, der dringend durch ein „europäisches BGB“, oder wie er es nannte, ein „European Civil Code“ gestopft werden müsse.

Nun ist Oettinger längst weitergezogen, kümmerte sich um den EU-Haushalt, und sein Nachfolger, Andrus Ansip aus Estland, hat offenbar nichts von der verbindlichen Regelung von Datenströmen gehalten. Nun, im November tritt eine neue Kommission ihren Dienst an, und da werden wir ja sehen, ob neue Besen besser kehren als die alten.

Vor diesen Hintergrund beginnt allerdings die Entscheidung des Kartellamts, sich in Datendinge einzumischen, geradezu historische Dimensionen einzunehmen. Die Wettbewerbshüter haben das legalistische Loch gestopft zwischen Personendaten und Daten als Ware, und das ist gut so!

Wenn Facebook zum Beispiel Daten von fremden Websites über dort eingebaute „Like“ Buttons sammelt oder Daten aus verschiedenen konzerneigenen Apps wie Instagram oder WhatsApp sowie von Drittanbietern zusammenführt, tut sie das in der vollen Absicht, die eigene Wettbewerbsposition zu stärken und die der Konkurrenten zu schwächen. Das hat mit Datenschutz gar nichts und mit Kartellrechtsverstoß alles zu tun. Das ist vielleicht der Haken, an dem wir Facebook und die anderen GAFA-Mitglieder fangen können und ihre scheinbar unaufhaltsame Übermacht stoppen.

Aber Regulierung ist nur ein Weg, um GAFA ihre Grenzen aufzuzeigen, Als Gesellschaft stehen uns noch andere Machtmittel zur Verfügung, um unsere digitale Zukunft abzusichern.

Da wäre zum Beispiel die gleiche Technologie, die GAFA selbst zur Macht verholfen hat.

„Technologie ist moralisch neutral – bis wir sie anwenden“, schreibt mein Freund Gerd Leonhard in seinem Buch Technologyvs. Humanity. Es kommt immer  darauf an, wie und für was wir sie verwenden.

Wenn uns GAFA mit ihrer Technologie Dinge wie Fake News, Hasspostings, Datendiebstahl, digitale Fremdbestimmung, Filter Bubbles, Informationsüberlastung und totale Transparenz eingebrockt haben, dann sollen sie uns gefälligst auch helfen, die Probleme mit Hilfe ihrer Innovationskraft zu lösen. Die Tech-Konzerne müssen sich ihrer Verantwortung bewusst gemacht werden und ihre riesigen Ressourcen nicht nur zur Gewinnmaximierung, sondern auch zum Beheben der schlimmsten Fehlentwicklungen des Wild Wild Web bereitstellen.

Als drittens Mittel stehen und Netizens unsere Marktmacht zur Verfügung. Niemals in der Geschichte hatte der Kunde so viel Macht wie heute. Dank des Internet haben wir alle gemeinsam eine noch nie dagewesene Auswahl; uns stehen mehr Information als je zuvor über Produkte, Dienstleistungen und Preise zur Verfügung; wir haben einen weltumspannenden Kommunikationskanal, den wir dazu benutzen können, uns mit anderen auszutauschen und Dinge, die wir als unfair empfinden, zu brandmarken und abzustellen.

„Wir sind das Volk“, lautete die Parole während der Montagsdemos im Herbst 1989 rund um die Leipziger Nikolaikirche – und das ließ die Bonzen erzittern und die Mauer fallen. „Wir sind das Online-Volk“ könnte die neue Parole lauten, die die Räuberbarone des Digitalzeitalters in die Knie zwingen wird.

Und viertens schließlich brauchen wir dringend eine neue, eine Digitale Ethik. Als das Internet laufen lernte, also in den frühen 90ern, liefen die meisten Dialoge auf Foren und im sogenannten Usenet ab, und dort herrschte oft ein mehr als ruppiger Ton. „Flame Wars“ waren an der Tagesordnung: bitterböse Wutpostings, in denen man sich in übelsten Schmähungen und persönliche Beleidigungen an den virtuellen Kopf warf. In dieser Zeit entstand die Idee einer Netiquette – Benimmregeln, die zwar keine Rechtskraft besaßen, die aber weit verbreitet waren und zumindest ein wenig dazu beitrugen, dass der Ton hier und da gemäßigter wurde.

Dazu braucht es aber zuerst eine Übereinkunft darüber, was im Digitalzeitalter überhaupt ethisch ist und was nicht. Der US-Journalist John Markoff von den New York Times schreibt in seinem Buch Machines of Loving Grace: „Entscheidungen über den Einsatz von Technologie werden heute auf der Grundlage von Gewinn und Effizienz gefällt. Was wir aber brauchen ist ein neuer moralischer Kompass.“ Sonst könnte es passieren, dass wir das Schiff, in dem wir alle sitzen, gegen die Klippen steuern

Die Unternehmensberaterin Charlotte de Broglie von For The Future beklagt das Vorherrschen einer kurzsichtigen, rein auf Nutzwert orientierten Denkweise, die keine Rücksicht nimmt auf die übergeordneten sozialen, ökonomischen und kulturellen Bedürfnisse der Menschen. Daran müsse sich etwas ändern – und es müsse schon in der Schule beginnen, in der Berufsausbildung und im Studium. Die digitalen Vordenker, die Erschaffer digitaler Lösungen und Produkte, die Mathematiker, Ingenieure und Computerwissenschaftler von morgen müssten sich frühzeitig und intensiv mit der ethischen Dimension ihres Tuns auseinandersetzen und eine globale, interdisziplinäre Sicht auf die Folgen von Technologie auf die Gesellschaft bekommen. „Die digitalen Akteure, oder besser noch alle Bürger, müssen in die Lage versetzt werden, eine autonome Sichtweise auf das zu entwickeln, was mit ihnen geschieht – sonst werden wir über kurz oder lang in die digitale Bevormundung abgleiten – eine digitale Autokratie“, schreibt sie in einer Publikation der OECD.

„Wenn wir die Hoffnung auf eine unabhängige Vision von Technologie aufgeben, wird ihre Anwendung am Ende von allmächtigen multinationalen Konzernen diktiert werden, womit ihr Würgegriff auf die Gesellschaft gestärkt wird. Das globale Gleichgewicht würde gestört, vor allem was die Aufsicht und die Kontrolle über das Internet angeht.“

Digitaltechnik muss als Teil eines großen Ganzen gesehen werden, und an seiner Entwicklung sollten neben Ingenieuren und Wissenschaftlern auch Vertreter der Zivilgesellschaft beteiligt sein, um einen motivierenden ethischen Dialog und Diskurs sicherzustellen. Die Interaktion zwischen Mensch und Computer kann und muss eine systematische ethische Begegnung sein, ohne dass dadurch das Innovationstempo gebremst wird.

Diese „digitale Ethik“ müssen wir aktiv und aggressiv kommunizieren – in unseren Schulen und Hochschulen, in den Ausbildungsstätten und vor allem in unseren Unternehmen, wo es in jedem größeren Betrieb in Zukunft meiner Meinung nach einen „Ethik-Beauftragten“ geben sollte, so wie heute der Datenschutzbeauftragte selbstverständlich ist.

Die Frage nach einer Maschinenethik ist am allerwenigsten eine technische und vielmehr eine gesamtgesellschaftliche. Juristen mögen streiten, ob die Straßenverkehrsordnung jetzt ans Digitalzeitalter anzupassen ist, aber am Ende des Tages sind wir, das Online-Volk, in der Pflicht sein zu entscheiden, was wir wollen und was nicht.

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Moonlight Delight

Sláinte!

On Quora, somebody asked me an interesting question, namely „What is the origin of the word ‚moonshine‘?“ so naturally, having had a bit of experience drinking the stuff on both sides of the Atlantic, I sat down and did some research.

According to the Oxford English Dictionary, moonshine is defined as “whisky or other strong alcoholic drinks made and sold illegally.” It was first used to refer to liquor in the 18th century in England, where smugglers brought in illicit liquor mainly through Kent and Sussex.

In the U.S., the term first crops up in 1839 in Pennsylvania and other grain-producing states. Farms with grain mills would distill their excess product so that it wouldn’t spoil. In 1791, the federal government imposed a tax on liquor made in the country, the so-called “whiskey tax.” Attempts to enforce this law led to widespread rioting. When 500 enraged Pennsylvanians attacked the tax inspector general’s home, the leader of the protest was killed and more than 6,000 joined what historians have labeled the „Whiskey Rebellion“, leading to the repeal of the tax in 1801.

Moonshine eventually acquired a bad name because shoddy manufacturing methods often produced batches that could led to blindness or even death. Over time, other names for the stuff came into use, including shine, rotgut, white lightning, firewater, skullpop, and mountain dew.

The terms „moonshiner“ and bootlegger“ are often used synonymously, which is wrong: moonshiners made the liquor, bootleggers distributed it illegally, often by hiding it in the top of their riding boots. When automobiles came around, mechanics found ways to soup up the engines of bootlegger’s cars to help them avoid being caught by the police. When they weren’t working, these drivers liked to race each other to see whose mechanic had done the best job. One of them purportedly gave Bill France, the founder of NASCAR racing, seed money to jump-start his brand of motor sports.

Today, you can buy „moonshine“ legally in liquor stores in America. In Ireland, when a distiller tried to introduce „Irish Moonshine“, known locally as „Poteen“ or „Poitin“, into the market, the authorities initially stopped him. Today, it is available as „Extra-Gold Strength 90%“, which in America would be a whopping 180 proof – almost pure alcohol, and guaranteed to produce a splitting headache the next morning.

 

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Intelligent Business: Keine Angst vor Künstlicher Intelligenz?

Das war gestern!

Im Jahr 1958 schrieb Hans Peter Luhn, ein 1896 geborener Pionier der Informatik und Erfinder des Luhn-Algorithmus, der seit 1947 für IBM arbeitete, einen Beitrag im IBM-Journal mit der Überschrift A Business Intelligence System. Er beschrieb darin Methoden zur Gewinnung und Verbreitung von Erkenntnissen für und über betriebliche Abläufe durch Informationstechnologie.

Zur Erinnerung: Der damals größte Computer, UNIVAC I, bestand aus 5.200 Röhren und wog 14 Tonnen!

Luhns Aufsatz erregte große Aufmerksamkeit, denn er eröffnete eine neue Dimension in der Computerwelt. Statt nur, zugegeben sehr komplexe, Rechenaufgaben zu lösen, sollten Computer fortan Menschen und vor allem Managern helfen, intelligentere Entscheidungen zu treffen, indem sie relevante Informationen am Ort der Handlung zur Verfügung stellten und so genannte „Action Points“ definierten. Diese konnten einzelne Personen, Gruppen oder eine ganze Organisation sein.

1989 machte Howard Dresner, ein Analyst der Gartner-Gruppe, Business Intelligence – kurz: BI – zu einem Schlüsselbegriff in der Unternehmensführung. Wie andere Schlagwörter, die um diese Zeit entstanden, wie Data Warehousing, Knowledge Management und Enterprise Content Management, wird BI an Unis gelehrt und in Chefetagen wie ein Heiliger Gral verehrt. Sie ist die Grundlage für fast alle Prozesse, für Resourceneinsatz, für operative Entscheidungen und fürs Monitoring.

Am Anfang war BI eine rückwärtsgerichtete Tätigkeit: Es ging darum, Vergangenheitsdaten zu verwenden, um den Zustand des Unternehmens zu beschreiben (deskriptive Analyse). Erst später mit dem Aufkommen des so genannten Data Mining konnte BI dazu verwendet, in die Zukunft zu blicken. So genannte prädikative Analysen erlauben den Vergleich von aktuellen und Vergangenheitsdaten, um Chancen und Risiken fürs Unternehmen zu erkennen. Erst in relativ jüngster Zeit wird versucht, Entscheidungsprozesse zu Automatisieren, indem man die Ergebnisse der vorausschauenden, prädikativen Analyse mit Modellen und Regeln verknüpft, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Unter dem Schlagwort Decision Engineering wird versucht, die in Business Intelligence-Systemen gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen und organisationsweit konsistente Entscheidungen herbeizuführen.

Heute stehen wird wieder am Anfang einer neuen Ära – die der künstlich Intelligenten und selbstlernenden Systeme. Und hier greift das Schlagwort Business Intelligence zu kurz. Weiterlesen

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Digitales Proletentum

Begegnung mit der Vergangenheit

Im Lungau, wo ich meinen Lebensabend verbringe, ist die Zeit ein bisschen stehengeblieben. Wenn man sich auf der Straße begegnet, grüßt man sich, auch wenn man den anderen gar nicht kennt. Das machen jedenfalls die Alten so; bei den Kids ist der Brauch leider wohl am absterben. Wenn ich einer Gruppe von Buden oder Madis auf dem Nachhauseweg von der Schule begegne, sage ich besonders laut und vernehmlich: „Grüß Euch!“ oder „Servus!“, und manchmal sind sie ganz erschrocken und rufen mir eilig ein „Grias di!“ hinterher. Wir leben über 1000 Meter, und ab dieser Höhe ist es in den Alpen üblich, dass sich alle duzen, was auch so ein alter Brauch, der langsam in Vergessenheit zu geraten droht.

Gestern war Sonntag, und als alter Freidenker lege ich normalerweise meine Spaziergänge auf die Zeit nach dem Kirchgang, aber aus irgendwelchen Grünen war ich diesmal genau zu der Zeit unterwegs, wo die Lungauer vom Gottesdienst zurückkommen. Und mir kam eine kleine Prozession entgegen, die aus einer einzigen Großfamilie bestand. Es sind erfolgreiche Geschäftsleute, ein Sägewerksbesitzer ist darunter, ein Gastronom und ein Unternehmer, der digitale Endgeräte für Gastronomen herstellt und vertreibt – ein Lungauer, also, bei dem die Zeit gar nicht stehengeblieben ist. Weiterlesen

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Wer zuletzt lacht

Was hat sie nur an Spott und Häme auszuhalten gehabt, die europäische Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, die am 25. Mai 2018 in Kraft getreten ist.

„Die europäische „Großtat“ ist zur europäischen Lachnummer geworden“, schrieb Stefan Weber kürzlich auf Telepolis. „Ein Murks namens DSGVO“, schrieb die Austrian Business Travel Association (abta), „DSGVO sorgt für Chaos“, vermeldete das Magazin Focus.

Es fehlte also nicht an lautstarken Kritikern; was bislang fehlte waren besonnenere Einschätzungen. Die hat nun der Economist in seiner aktuellen Titelstory unter der Headline „The power of privacy“ geliefert. „Die starke Position europäischer Regulatoren in Sachen Wettbewerb und Privatheit sind dabei, sich gegenseitig zu verstärken“, schreibt das Blatt, und resümiert: „Das sollte amerikanische Tech-Giganten Sorgen machen.“ Weiterlesen

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Facebooks Götterdämmerung

Es zucken die Blitze mit Donnerhall, verkünden der Menschheit baldigen Fall.

 

Dass Facebook in tiefen Schwierigkeiten steckt, ist bekannt. Mich hat nur überrascht, wie schnell es gegangen ist. Was sich aber jetzt zusammenbraut, stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten – und läutet womöglich das Ende ein von Facebook, wie wir es kennen.

David N. Cicilline ist einer der mächtigsten Männer in Washington. Der Abgeordnete der Demokraten aus dem winzigen Bundesstaat Rhode Island wirft einen langen Schatten im Congress, wo er als Vorsitzender des Unterausschusses für Wettbewerbsrecht darüber zu wachen hat, dass in der Wirtschaft Amerikas sauber gespielt wird. Und das tut Facebook seiner Meinung nach schon lange nicht, hat es vielleicht auch nie getan. Und jetzt holt der Mittfünfziger den Hammer raus.

In einem Meinungsbeitrag für die New York Times fordert Cicilline die oberste Wettbewerbsaufsicht, die Federal Trade Commission (FCC) auf, eine offizielle Untersuchung von Facebook wegen eklatanter Verstöße gegen die Kartellgesetze einzuleiten.

Unternehmen, denen es schon mal so ähnlich gegangen ist, gibt es heute nicht mehr: Standard Oil wurde 1911 in 34 Einzelunternehmen zerschlagen. Im gleichen Jahr erwischte es die American Tobacco Company, im Volksmund „Big Tobacco“ genannt: Sie wurde in vier selbständige Unternehmen aufgeteilt. 1984 wurde AT&T, auch „Ma Bell“ nach ihrem Gründer Alexander Graham Bell genannt, in sieben regionale Telefongesellschaften aufgesplittet; die deutlich geschrumpfte Konzernmutter behielt nur ihr Fernvermittlungsgeschäft.

Wie viele ist Cicilline vor allem wegen des Cambridge Analytica-Skandals auf Facebook sauer. Wie hinreichend berichtet wurde hatte die inzwischen in Konkurs gegangenene Beraterfirma eine Umfrage-App entwickelt, die Persönlichkeitsprofile von mehr als 87 Millionen Nutzern weitergereicht, unter anderem an das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump. Es gab einen weltweiten Aufschrei, und die britische Datenschutzbehörde verhängte gegen Facebook die „Höchststrafe“, nämlich 500.000 Pfund (rund 565.000 Euro).

Das kann Facebook natürlich aus der Portokasse bezahlen, aber jetzt geht es wohl ans Eingemachte. Was Cicilline in seiner Philippika auflistet, geht nämlich weit über Datenklau und Wahlmanipulation hinaus. Und das könnte richtig, richtig teuer werden. Weiterlesen

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Jede Stimme sollte zählen – auch die der Nichtwähler!

Die Salzburger haben gewählt – oder auch nicht! Wären Sie eine Partei, hätte die Gruppe der Nichtwähler die absolute Mehrheit errungen. Es hat immer wieder Anläufe gegeben, das zu ändern. In Österreich gab es zwischen 1929 und 1982 eine Wahlpflicht bei der Bundespräsidentenwahl. Die gibt es heute noch in über einem Dutzend Ländern, von Ägypten bis Uruguay. Wer in Luxemburg die Wahl schwänzt, bekommt eine Geldbuße zwischen 100–250 € (ausgenommen sind Bürger über 75 Jahre).

Ich hätte eine andere Idee. Wie wäre es, wenn wir die nichtabgegebenen Stimmen, die ansonsten ja verloren sind, einfach Kandidaten zuweisen? Wir könnten zum Beispiel eine Landesliste für Nichtwähler einrichten. Kandidaten können sich dafür unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit oder sogar als Parteilose bewerben. Die Plätze auf den Landeslisten würden per Los entschieden.

Noch interessanter wäre ein Zufallsgenerator, der die Aufgabe übernehmen könnte, jede einzelne nicht abgegebene Stimme einem der angetretenen Kandidaten zuweist. Dem Nichtwähler wäre es ja explizit egal, wer seine Stimme bekommt, denn er hat ja andere Dinge für wichtiger erachtet als Wählen zu gehen.

Eine Wählerstimme stellt ja einen gewissen Wert dar. Eine Wahl abzuhalten kostet eine Menge Geld. Teil man diese Summe durch die Anzahl der Wahlberechtigten, kann man diesen Wert sogar auf Heller und Pfennig bestimmen. Durch Nichtwählen entsteht also der Gesellschaft ein herber finanzieller Verlust.

Aber wenn wir wirklich Geld sparen wollen, warum lassen wir überhaupt alle wählen. In dern USA gibt es einen kleinen Weiler namens Dixville Notch in New Hampshire, wo traditionell alle registrierten Wähler – 2016 waren es genau acht – sich um Mitternacht am einzigen Wahllokal (der Ballsaal des uralten Balsams Grand Hotel) versammeln. Die Stimmzettel, die sie vorher schon ausgefüllt haben, werfen sie innerhalb von einer Minute in den Kasten, drei Minuten später sind sie ausgezählt, und das amtliche Endergebnis wird per Telefon an die Wahlleitung in der Hauptstadt Concord durchgegeben.

Die Bürger von Dixville Notch liegen erstaunlich oft richtig. So haben sie die Wahlen von Richard Nixon (1972), Ronald Reagan (1980 und 1984) George H.W. Bush (1988), George W Bush (2000 und 2004) und Barack Obama (2008 und 2012) exakt vorhergesagt. Bei der letzten Wahl lagen die guten Leute von Dixville Notch allerdings kräftig daneben: Sie gaben Hillary Clinton 4 und Donald Trump nur 2 STimmen (die beiden anderen gingen an Gary Jpohnson, einem Unabhängigen, und Mitt Romney).

In Österreich fällt es auch nicht schwer, den passenden Ort für eine solche repräsentative Wahl zu finden. Ich denke an Thomatal, eine Gemeinde im Bezirk Tamsweg mit 333 Einwohnern, die auch die Gewohnheit haben, alle um Mitternacht aufzustehen und gemeinsam wählen zu gehen. Allerdings steht in Thomatal nur eine einzige Partei zur Wahl, die „Gemeinschaft für Thomatal“, der sich alle Parteien zusammengeschlossen haben und die seit Jahren immer genau 100% der Stimmen bekommen. Allerdings gibt es inzwischen auch in Thomatal ein paar Wahlschwänzer: Die Wahlbeteiligung lag heuer nur bei 80,5%. Außerdem ist die Zahl der ungültigen Stimmen angesteigen, von 6,3 auf 15,4% Und so kam es, dass der einzige Bürgermeisterkandidat, Klaus Drießler, nur auf, zumindest für Thomatal, enttäuschende 91,6% Zustimmung kam.

Bevor wir also das Thomataler System bundesweit ausrollen, werden wir wohl noch ein bisschen daran feilen müssen.

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Socialize Medicine, Please!

On Quora, I was recently asked if surgery is safer in the United States compared to a country with socialized medicine? While I vaguely knew the answer, I decided to sit down and do the research. Spoiler alert: It’s much worse than I – and probably you, too – thought.

The United States has the highest rate of deaths amenable to health care among all comparable countries, a report coauthored by the Peterson Center on Healthcare and the Kaiser Family Foundation found in May 2017. This measures deaths from certain causes before age 75 that are potentially preventable with timely and effective health care.

While overall mortality rates have been falling for years both in the U.S. and in comparable countries, they are still significantly higher the U.S. The so-called disease burden (disability adjusted life year rate per 100,000 population, or DALY) which measures the number of years lost due to ill-health, disability or early death in the U.S. is far above any comparable country. In 2015, it lay at 23,104. In Belgium, the second on the list, it was 19.747.

And as everyone knows, Americans pay much, much more for their second-rate healthcare system than any other developed country. According to an article published in the Annals of Internal Medicine in 2009, concludes that “United States spends more than any other country on medical care”. This is due to higher prices for services themselves, higher costs to administer the system, more utilization of these services, or to a combination of these elements. In any case: Patients in American get less bang for their bucks than anyone else. And that includes many third-world countries, too!

BTW: 45,000 annual deaths per year are associated with a lack of patient health insurance, according to a study done at Harvard Medical School.

Me, I’ll take socialized medicine any day!

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