Der Big Bang fand in der Nordsee statt!

Auf Quora fragt einer: „Was wollten die Briten im Zweiten Weltkrieg durch einen massiven Luftangriff auf der Insel Helgoland erreichen? Angeblich seien hier 1947 bei der bis heute größten nichtnuklearen Sprengung der Geschichte 285 Menschen ums Leben gekommen.

Die Geschichte kenne ich anders. Laut einem Bericht des NDR vom 18.04.2017 sind die 2.500 Bewohner Helgolands bereits 1945 alle evakuiert worden. Gerüchte über die Pläne der Briten, die Insel zu zerstören, seien nach dem Krieg in Umlauf gekommen und führten u.a. dazu, dass einige Helgoländer einen Brief an den Papst geschrieben haben, in dem sie ihn baten, sich für den Erhalt der Insel einzusetzen.

Die Briten schafften insgesamt 6.700 Tonnen Granaten, Raketen und Sprengstoff auf die Insel, wo sie in unterirdischen Bunkern und Tunneln lagerten. Deutsche Kriegsgefangene mussten helfen, Munition und Sprengstoff zu entladen, den die Briten zuvor vom Festland herbeigeschafft hatten. Das Ziel der gigantischen Sprengung, dem „Big Bang“ von Helgoland, sei es gewesen, wichtige Munition und Militäranlagen auf Helgoland vernichten.

Das Gerücht, die Briten hätten die Insel gänzlich vernichten wollen, stimmt laut NDR nicht. Einen solchen Befehl habe es nie gegeben. In einem Schreiben der Briten an deutsche Regierungsstellen vom Dezember 1946 soll es heißen: „Eine Sprengung der Insel Helgoland ist nicht beabsichtigt, es ist jedoch unbedingt notwendig, die Insel zu entmilitarisieren, und da hierbei einige 22 Kilometer Tunnel und Galerien zerstört oder durch Sprengmaterial blockiert werden dürften, wird unweigerlich ein großer Teil der Inseloberfläche vernichtet werden.“

Allerdings sind an der Südspitze der Insel etwa 70.000 Quadratmeter im Meer versunken. Dort hatten sich Hitlers gigantischer U-Boot-Bunker befunden. Die berühmte Felsnadel Lange Anna hingegen steht noch, auch die Hafenanlagen und Küstenschutzmauern sind noch intakt.

Auch nach dem „Big Bang“ durften die Helgoländer nicht zurück auf ihre Insel, die statt dessen als Bombenabwurfplatz von den Briten benützt wurde. Im Dezember 1949 fordert der Deutsche Bundestag die Bundesregierung einstimmig dazu auf, bei den Alliierten eine Rückkehr der Helgoländer auf ihre Insel zu erwirken. Doch die Bemühungen bleiben erfolglos.

Am 20. Dezember 1950 besetzten zwei Heidelberger Studenten, Georg von Hatzfeld und Rene Leudesdorff, symbolisch und hissten die Europaflagge, um gegen Krieg und Wiederbewaffnung zu protestieren. Das Bild führte zu einem internationalen Presserummel, und der „Spiegel“ schrieb: Helgoland müsse den Deutschen zurückgegeben werden.

Der Witz ist nur: Helgoland war im Laufe ihrer Geschichte zwar jahrhundertelang Seefestung, Seeräubernest, bedeutender Stützpunkt der Seelotsen und zu Beginn des 18. Jahrhunderts sogar größtes Warenumschlagszentrum Europas, aber nur selten deutsches Hoheitsgebiet.

Ab 800 nach Christus taucht in Schriften erstmals der Name „Heiligland“ auf, unter dem die Insel zunächst bekannt wird. Im Mittelalter war Helgoland etwa viermal so groß wie heute. Schriften ab dem 13. Jahrhundert weisen auf den Einfluss von Dänen und Piraten hin. Mitte des 14. Jahrhunderts beschwert sich eine Hamburger Urkunde über einen dänischen Ritter, der Helgoland zu einem Seeräubernest gemacht habe. 1401 kommt es nahe der Insel Helgoland zur einer großen Seeschlacht, in der die Hamburger auch den berüchtigten Piraten Klaus Störtebeker fassten. ^7^4 wurde Helgoland offiziell dänisch, aber Sturmfluten trugen immer mehr Teile der Insel ab, 1720 beispielsweise die Landzunge zwischen dem Buntsandsteinfelsen der Hauptinsel und der Düne.

1807 eroberen die Engländer Helgoland. Sie wollten von hier aus die Kontinentalsperre unterlaufen, mit der Napoleon den Handel mit England unterbinden wollte. Helgoland wurde in der Folge zum Schmugglerparadies – Insulaner, englische Besatzer und Schmuggler erleben goldene Zeiten. Doch schon 1814, nach der Niederlage Napoleons, folgt der wirtschaftliche Abstieg.

1826 wird auf Helgoland ein Seebad gegründet, und schon bald preisen Künstler und Touristen die Schönheit der Insel. Heinrich Hoffmann von Fallersleben lässt sich hier zeitweilen nieder und schreibt hier das Deutschlandlied. Der Dichter Heinrich Heine, der Helgoland sehr liebte, schrieb hier den oftzitierten Satz „das Meer riecht wie Kuchen“.

Am 10. August 1890 nahm Kaiser Wilhelm II. Helgoland für das Deutsche Reich in Besitz. Vor dem Hintergrund des sogenannten „Helgoland-Sansibar-Vertrages“ wurde die bis dahin britische Insel dem preußischen Staat einverleibt. Dafür verzichtete das Deutsche Reich auf seine Ansprüche auf das Sultanat Sansibar vor der Küste Tansanias.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges mussten die Helgoländer die Insel komplett räumen, und der Felsen wurde zu einer Seefestung ausgebaut. Als die Insulaner nach Kriegsende wieder zurückkehren durften, lag die Felseninsel in Schutt und Asche.

1937 entwickelt das Oberkommando der Kriegsmarine ein umfassendes Hafenkonzept, die sogenannte „Hummerschere“. Weiträumige Bunkeranlagen entstehen. Der Hafen wird für den Verkehr großer Kriegsschiffe und U-Boote umgebaut.

Am 18. April 1945 versuchte eine Gruppe von deutschen Widerständlern, die Insel kampflos an die Briten zu übergeben – vergeblich: Am gleichen Tag flogen 1000 allliierte Bomber den vernichtenden Angriff auf die Insel, bei der tatsächlich 285 Insulander ihr Leben verloren. Zwei Jahre später verlief der Big Bang allerdings unblutig.

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Ab in die Gosse!

Jahrzehntelang haben populäre Geschichtenerzähler und Filmmacher das Märchen verbreitet, die Mehrheit der Amerikaner habe die Prohibition nie unterstützt. Das Experiment der Abschaffung von Alkohol im ganzen Land sei von einer „radikalen Minderheit“ bibeltreuer Landeier ausgedacht wurde, die demit versuchten, ihre puritanische Moral vor allem den Großstädtern aufzuzwingen.

Aber diese Darstellung der Prohibition als eine reaktionäre, kulturell-religiöse Bewegung läßt sich im Licht der Faktenlage nicht halten. Wie hätte eine solche „ultrakonservative“ Prohibitionsbewegung ihren größten Sieg mitten in der Progressiven Ära Americas erringen können? Wie konnten Organisationen wie die Woman’s Christian Temperance Union sich neben der reaktionären Prohibition für progressive Themen wie die Ausweitung des Wahlrechts und der Bürger- und Arbeitsrechte eintreten?

Wenn es beim Sieg der Prohibition nur um eine Art christlicher Taliban ging, warum gab es dann keine gegenläufige evangelikale Erweckung zu dieser Zeit? Wenn die Prohibition nie die Unterstützung der Bevölkerungsmehrheit zum Ziel hatte, wie konnte dann der 18. Zusatzartikel, der die Ära der Prohibition einläutete, 1917 mit einer Mehrheit von 68 Prozent Repräsentantenhaus und mit 76 Prozent im Senat verabschiedet und dann von 46 der 48 Staaten ratifiziert werden, und das alles in Rekordzeit? Nichts davon ergibt Sinn.

In Wirklichkeit war die Abstinenz-Bewegung alles andere als die rosarote Vision der Viktorianer, um in der Gesellschaft den Alkoholkonsum zu verbieten. Die Abstinenzbewegung war die am längsten andauernde und am meisten unterstützte soziale Bewegung in der amerikanischen Geschichte, wenn nicht der Weltgeschichte. Ihr Feind war nicht das Getränk in der Flasche oder der torkelnde Trunkenbold, der seine Frau und Kinder schlug, sondern der Alkoholhandel: mächtige Geschäftsinteressen die geschützt waren durch eine Regierung, die auf Alkoholsteuern angewiesen war und die deshalb Männer (manchmal auch Frauen) süchtig machten nach Alkohol und die dann großzügig profitierten, indem sie sie und ihre Familien ausbluten ließen.

Im 19. Jahrhundert wurden Saloonbesitzer in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt als Schmarotzer angesehen. Das war nicht Ted Danson, der freundliche Barkeeper in „Cheers!“ Es gab keine Möglichkeit, einen Kunden nach Hause zu schicken, weil er zu viel getrunken hatte; das wäre entgangener Gewinn gewesen. Und da der Saloonbesitzer oft auch der Pfandleiher der Stadt war, nahm er einem Kunden, der seinen letzten Penny versoffen hatte, vielleicht auch noch Hemd, Hut und Uhr ab – wenn seine angeheuerten Taschendiebe sie nicht vorher geklaut hatten.

Das Abzocken der Kunden war meistens illegal, und die Gewinne des Saloonbesitzers flossen deshalb oft als Schmiergelder an Polizei, Richter und Bürgermeister. Popgeschichten beschreiben den Saloon als ein „Symbol“ – für Männlichkeit, für Trunkenheit, für soziale Missstände. Aber der Saloon war nicht das Symbol; er war das Problem selbst.

Deshalb hieß die mächtige Prohibitionsorganisation „Anti-Saloon League“ und nicht „Anti-Drinking Society“. Deshalb haben weder der 18. Verfassungszusatz noch die Prohibitionen auf staatlicher Ebene jemals das Trinken von Alkohol verboten, sondern sich stattdessen auf seinen Verkauf konzentriert. Es war nicht der gelegentliche Alkoholgenuss, der die Reformer auf die Palme brachte, sondern die Vorstellung, dass die Reichen reicher werden, indem sie die Armen durch die Sucht ärmer machen.

Ein Gesetzgeber forderte die Prohibition „zur Sicherheit und Erlösung des Volkes von dem sozialen, politischen und moralischen Fluch des Saloons.“ Dieser Eiferer war niemand anderer als Abraham Lincoln, der sich 1855 für die Prohibition in Illinois einsetzte. Ähnliche Gedanken wurden von Frederick Douglass, Theodore Roosevelt, Susan B. Anthony, William Jennings Bryan, William Lloyd Garrison, Elizabeth Cady Stanton und vielen anderen fortschrittlichen Persönlichkeiten geäußert.

Unsere Unfähigkeit, die Vergangenheit zu begreifen, rührt daher, dass wir sie durch die Brille unserer heutigen Weltanschauung sehen. Und die Tatsache, dass die Prohibition auf nationaler Ebene weitgehend gescheitert ist und später wieder aufgehoben wurde, bedeutet nicht, dass ihre Befürworter Spinner oder Radikale waren.

Um Mäßigung und Prohibition besser zu verstehen, vergessen Sie das bibelfeste „Du sollst nicht“-Denken und stellen Sie sich stattdessen eine riesige Industrie vor, die krakenartige eine ganze Gesellschaft festhielt und schamlos Profite macht, indem sie Menschen süchtig nach einer Substanz machte, die sie töten könnte.

Diese Industrie verwendete einen Teil dieser Gewinne, um sich korrupte politische Deckung zu erkaufen, indem sie sich die Gunst der Regierung und der Aufsichtsbehörden sicherte. Wenn wi r für „Alkohol“ einfach „Opioide“ einsetzen und die Industrie „Big Pharma“ nennen, dann wird die Parallele zu heute noch deutlicher.

Es ist die gleiche Art von Raubtierkapitalismus, den die Abstinenz- und Prohibitionsbewegung vor 100 Jahren bekämpfte. Sollten große Unternehmen in der Lage sein, die Sucht zu nutzen, um durch Ausbeutung der Armen enorme Gewinne zu machen? Wenn Ihre Antwort nein lautet und Sie vor 100 Jahren dabei gewesen wären, hätten Sie sich wahrscheinlich der großen Mehrheit der Amerikaner angeschlossen, die ein Verbot des Alkoholhandels forderten.

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Gimme little water!

As a devoted student of naval history in the Age of Sail, I just had to answer this question on Qu0ra! about drinking water and distillation.

Attempts to create so-called evaporators for sailing vessels have been documented since at least the 16th century. Obtaining fresh water from seawater is, in theory, simple,but in practice it presents a number of difficulties. While there are numerous effective methods today, early desalination efforts had low yields and often could not produce potable water.

Blasco de Garay (1500–1552) was a Spanish navy captain in the reign of the Holy Roman Emperor, Charles V and a noted inventor. He is claimed to have found a way to sweeten brackish water, although not much is known about it and it was never widely used. Garay also built and tested the first steam-powered boat in the harbor of Barcelona,which was witnessed by hundreds of people.

Unfortunately, Spanish authorities later questioned that claim, so it wasn’t until 1807 that Robert Fulton was credited with inventing the steamboat – three hundred years after de Garay! Weiterlesen

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Der alte Mann und das Taxi

Bist du schon einmal im Fernsehen oder in einem Film aufgetreten, hat mich neulich einer auf Quora gefragt. Nun, im Fernsehen war ich ja oft, und zwar als Moderator der Sendung eTalk bei n-tv mit meinem Freund Ossi Urchs zwischen 2000 und 2003 und immer wieder als Gast in diversen Talksshows, wenn es um digitale Themen ging. Zum Film habe ich es nicht geschafft – aber immerhin habe ich einen bekannten Regisseur zu seinem berühmtesten Film inspiriert!

 

 

 

 

 

 

Ich war nach meinen Stationen bei Tageszeitungen wie die Stuttgarter Nachtrichten und BILD 1978 zu auto motor und sport gewechselt – nicht, weil ich etwas von Autos verstand, sondern weil der Chefredaktuer Ferdinand Simoneit (den wir alle nur „Simmi“ nannten) mich haben wollte, um der langweiligen Automobilisten-Fachzeitung mehr journalistischen Pepp zu geben.

Ich bekam freie Hand, mit die Stücke auszusuchen, die ich schreiben wollte, Von der Dame aus Texas, zum Beispiel, die sich in ihrem selbergrauen Cadillac DeVille beerdigen ließ und darauf bestand, dass der Wagen vollgetankt sein sollte, damit sie im Jenseits gleich weiterfahren konnte. Oder die alte Schloßherrin in Irland, die sich seit 60 Jahren immer im gleichen Fahrzeug, einer Rolls Royce Silver Ghost zum Fünfuhrtee in den örtlichen Tea Shop fahren ließ – sie selbst hatte gar keinen Führerscheon. Ich habe Geschichten geschrieben über den Fuhrpark des Papstes und der Queen und habe einen Londoner Taxifahrer damit zu einem sehr glücklichen Mann gemacht.

Als ich einstieg, habe ich ihm gesagt. „Zum Buckingham Palace“, bitte. Er hielt mich für einen typischen Touristen und wollte mich vorne am Haupttor absetzen, wo die Tourguides alle warteten.“

„Nein,“ sagte ich, bitte da drüben hin“ und deutete auf das kleine Tor rechts vom Haupteingang, wo ein Gardesoldat im Rotrock mit Bärenfellmütze stand. Mein Fahrer war sehr skeptisch, tat aber, was ich ihm sagte. Als er das Fenster runterkrubelte, beugte sich der Gardist herunter und sage: „Mr. Cole? Sie werden erwartet. Fahren Sie bittte da drüben hin.“ Mein Fahrer rollte im Schleichgang über den knirschenden Kies zur Eingangstür, hinter der sich das königliche Pressebüro befand, und als ich ihm sein Fahrgeld geben wollte, winkte er traumverloren ab. „Es ist okay, Mate – davon werde ich noch meinen Enkelkindern erzählen können…“

Zum Film bin ich aber ganz anders gekommen. Weiterlesen

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Benimmregeln für das Kommunikationszeitalter

Beim Störbern in meinem Bücherregal bin ich über ein kleines „Büchlein“ (eigentlich mehr ein Pamphlet), das ich geschrieben habe, als ich von 1992 bis 1994 Chef der Redaktionsgruppe Multimedia der Motor Presse Stuttgart war und damit auch verantwortlich für unser jüngstes Entwicklungsprojekt, die Zeitschrift „connect“. Wir hatten die Idee, ein Magazin für Menschen zu machen, die ein Mobiltelefon besaßen. Die Markteinführung war exakt mit dem Start der beiden D-Netze in Deutschland abgestimmt, nämlich D-1 der Deutschen Telekom und D-2 von Vodafone. Damals hatte nur eine Handvoll Menschen Erfahrung mit einem Mobiltelefon, oder „Handy“, wie wir sie nannten (ein englisch klingendes Wort, das es im Englischen aber nicht gibt). Telefonieren war bis dato etwas, das man daheim oder im Büro tat, also weitgehend im Verborgenen, oder in einer abgeschlossenen Telefonzelle, wo es niemanden störte. Keiner wußte was passieren würde, wenn Millionen von Menschen in aller Öffentlichkeit, also auf der Straße, in der Straßenbahn oder vielleicht im Kino oder Theater, auf einmal  ungehemmt drauf los telefonieren würden. Viele befürchteten ein Chaos, den Zusammenbruch sozialer Verhaltensnormen, Mord und Todschlag!

Ich habe deshalb einen „Benimmführer für mobiles Telefonieren“ geschrieben, den „D-Netz-Knigge“. Wir haben ein paar Hunderttausend Exemplare gedruckt und verteilen lassen, aber ich selbst habe nur noch ein einziges Exemplar. Das möchte ich gerne an dieser Stelle mit den Lesern meines Blogs teilen – den es übrigens noch gar nicht gab, als dieses schmals Bändchen erschien.

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Bücher aus meinen früheren Leben

Nachbar Franz erinnert mich gerade daran, dass ich ja viel mehr als ein Dutzend Bücher in meinem Leben geschrieben habe. In einem früheren Leben war ich Food-Journalist und Restaurantkritiker, und eines Tages trat der renommierte Kochbuchverlag Gräfe und Unzer (GU) an mich heran: Als Amerikaner müsste ich doch Experte fürs Cocktailmixen sein. Ich sagte nicht nein, und so entstand „Sommerdrinks“, mit insgesamt 13 Auflagen das erfolgreichste Cocktailbuch Deutschlands. Das machte Appetit, und so bat mich GU, auch andere Bücher über das Cocktails. kalte und warme, zu schreiben. Einige sind auch in andere Sprachen übersetzt worden. Weiterlesen

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Ich schreibe, also bin ich

„Schreib das auf, Kisch!“ ist ein Satz, den ich nie vergessen werde. Er galt dem berühmten österreichischen Schriftsteller, Journalist und Reporter Egon Erwin Kisch (1885-1948), aber er passt perfekt zu mir. Für mich ist ein Tag, an dem ich nichts schreibe, ein verlorener Tag – egal was: ein Aufsatz, ein Artikel, ein Buch oder eben auch eine Antwort auf Quora!

Das Ergebnis über die letzten 25 Jahre sind ein rundes Dutzend Bücher zu Themen, die alle mehr oder weniger mit der Welt des Digitalen zu tun haben. Schuld daran ist eigentlich mein Freund Manfred Hasenbeck, wie ich ein altgedienter Pressefuzzi, der einst von der WirtschaftsWoche kam und gemeinsam mit Fritz Bräuninger das Technologiemagazin High Tech leitete, das ursprünglich von einem anderen alten Freund, nämlich Günter Ogger („Nieten in Nadelstreifen“) gegründet worden war.

Ich hatte gerade die Chefredaktion des Wirtschaftsmagazins Net-Investor übernommen und bezeichnete mich selbst als „Deutschland ersten Internet-Journalisten“. Na ja, stimmte ja eigentlich auch: Es hat vor mir Kollegen gegeben, die über Internet-Themen schrieben, aber keinen, auf dessen Visitenkarte das Wort „Internet Journalist“ stand und der seinen Lebensunterhalt mehr oder weniger vollständig damit verdiente.

Ich stand im Münchner Flughafen, als mir Manfred über den Weg lief. Er begrüßte mich überschwänglich, wie es seine Art ist, und wir unterhielten uns über das, was wir gerade so beruflich taten. Und plötzlich platze er raus: „Cole, du musst ein Buch schreiben!“

Ein Buch? So ein richtiges auf Papier? Aber ich bin doch Internet-Journalist, sagte ich. Die schreiben nicht auf toten Bäumen sondern im Cyberspace – digital, eben!

„Aber du lebst in Deutschland“, polterte er, „und in Deutschland bist du erst was, wenn du ein Buch geschrieben hast – sonst glaubt dir keiner, dass du Ahnung hast! Weiterlesen

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Ein Sommer mit Silvaine und Ratten

So luxeriöse war unser Losmen aber nicht!

Sie hieß Silvaine und war das schönste Mädchen, das ich jemals gesehen habe. Wir lernten uns in dem Losmen kennen, in der wir beide 1980 an der Nordküste von Bali abgestiegen waren. Ein Losmen ist eine simple Herberge für Reisende, die nicht viel Geld haben. Unserer hatte kleine Zimmer mit einem schmalen Bett und ein paar Nägeln an der Wand für die Klamotten, einer winzigen strohgedeckten Terrasse mit einem Tisch und einem Stuhl, und einem kniehohen Wasserbassin neben einem Loch im Boden, das der Boy jeden Morgen von außen befüllte und das für die persönliche Hygiene nach der Notdurft diente. So etwas wie Toilettenpapier gab es damals auf Bali nur in den großen Touristenhotels der Hauptstadt Denpasar im Süden. Wir Rucksacktouristen verwendeten die linke Hand und wuschen sie im Becken ab, so wie es die Menschen in armen Ländern bis heute machen. Deshalb heißt die Linke ja auch die „unreine“ Hand und verschwindet beim Essen unter den Tisch.

Silvaine und ich wohnten in benachbarten Zimmern und teilten uns eine Terrasse. Und so war es ganz normal, dass wir miteinander in Gespräch kamen. Sie stammte aus Paris und war mit einer Freundin von Jakarta bis Bali per Anhalter gefahren, also von einem Ende der Insel Java zur anderen, rund 1.100 Kilometer. Ich war etwas bequemer angereist, nämlich mit dem Zug: „Third Class Sleeper“ – drei harte Holzliegen, die sich wie Stockbetten runterklappen ließen und wo man seinen Schlafsack ausbreitete und versuchte, trotz es Geklappers und Geschüttels ein bisschen zu schlafen auf der Reise, die immerhin drei Tage gedauert hat.

Sie sei mit einer Freundin unterwegs gewesen, erzählte mir Silvaine, aber die hätte sie vor ein paar Tagen verlassen. „Mit ´nem Kerl“, wie sie sagte. Vielleicht hätte mir ihr Tonfall etwas über die Natur ihrer Beziehung sagen müssen, aber ich hatte nur Augen für dieses gertenschlanke Mädchen mit den langen, schwarzen Haaren und den süßen Sommersprossen um ihre kecke kleine Stupsnase.

Wir haben eine Woche lang miteinander Ausflüge gemacht, haben in den kleinen Dörfern Satyspieße und Papayas gegessen, der lauten, kakophonen Gamelanmusik gelauscht, die Teil der Tempelfeste der Hindi sind (Bali ist die einzige Region außerhalb Indiens, Nepals und Mauritius mit einer hinduistischen Bevölkerungsmehrheit), sind mal nach Denpasar in die laute Großstadt gefahren, aber gleich wieder umgedreht und haben uns in unser Losmen geflüchtet, wo es außer ein paar Backpackern wie wir nur charmante Einheimische gab, die immer ein Lächeln auf den Lippen trugen. Wir sind mit einem Tuk-tuk, dem allgegenwärtigen Motor-Rikscha, zum nächsten Wasserfall gefahren, wo wir geduscht und uns erfrischt haben. Ich werde niemals das Bild von Silvain vergessen, ihr schlanker nackter Körper halb von der Gischt der herabstürzenden Fluten verhüllt, die sich mit den natürlichsten Bewegungen der Welt abseifte, die Haare wusch und anschließend zu unserem Lager kam, um sich an den ausgeborgten Handtüchern aus dem Losmen abzutrocknen und sich anschließend in den Schatten zu legen und einzuschlafen.

Natürlich war das Ganze auch ungeheuer erotisch, und ich habe es nicht immer geschafft, die Zeichen meiner wachsenden Zuneigung zu unterdrücken, und Silvaine bemerkte das natürlich auch. Sie hatte mir inzwischen verraten, dass sie schwul war, und dass die junge Dame, mit der sie nach Bali gereist war und die sie verlassen hatte, ihre Geliebte gewesen sei. Und dass sie sich aus Männern nichts machte, war auch ziemlich klar. Aber Silvaine war nicht nur ein wunderschönes, sondern auch ein kluges und vernünftiges Mädchen. Eines Abends bei Bier vorm Zubettgehen auf der Terrasse sagte sie zu mir: „Du Tim, ich weiß ja, wie ich aussehe, und dass du gerne mit mir schlafen würdest. Ich hätte auch gar nichts dagegen. Du musst nur nicht böse sein, wenn ich dabei ein Buch lese…“ Weiterlesen

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Der nette Herr Karajan und seine Töchter

Akio Morita und Herbert von Karajan bei der Weltvorstellung der Audio-CD (Siegfried Lauterwasser, Karajan®-Fotoarchiv)

Das ist mal wieder so eine der Art von Quora-Fragen, die ich liebe! „War Herbert von Karajan wirklich so gut wie alle sagen?“

Nun, über ihn als Dirigenten kann ich nicht viel sagen, außer dass er vergleichsweise schnell, um nicht zu sagen hastig dirigierte. Ich habe mal für die Zeitschrift Audio einen Vergleich zwischen vier verschiedenen Neuerscheinungen der 1812-Ouvertüre geschrieben und dabei festgestellt, dass er längst fertig war, wenn bei den anderen erst das Kanonendonner einsetzte – aber ich bin nicht wirklich qualifiziert zu beurteilen, ob das gut war oder nicht.

Was ich aber genau weiß, ist das Karajans Ruf als bärbeißiger Alter völlig falsch und aufgesetzt war, denn ich habe ihn als netten älteren Salzburger kennengelernt, der ausgesprochen höflich und liebeswürdig war.

Unsere Begegnung fand am Rande der Salzburger Osterfestspiele im April 1981 statt. Ich hatte bis ein Jahr zuvor noch als Chef der Hifi-Zeitschrift stereoplay gearbeitet und schlug mich inzwischen als freier Journalist durch. In diesem Jahr war die Musik-CD marktreif geworden, von der alle wussten, dass sie die Langspielplatte bald ablösen würde.

Die Entwicklung hatte sich etwas länger hingezogen, als wir alle dachten. Schon 1969 hatte der holländische Physiker Klaas Compaan von Philips die Verwendung optischer Aufzeichnung für Bild und Ton vorgeschlagen. Aber die Philips-Techniker bekamen Schwierigkeiten mit der Digitalisierung, die für sie damals noch Neuland war. Sony war da schon sehr viel weiter, hatten schon 1977 mit dem Sony PCM-1 den ersten Digitalrekorder vorgestellt, der in der Lage war, linear 16-Bit Analog-zu-Digital und Digital-zu-Analog zu wandeln. Obwohl Philips und Sony im Markt erbitterte Feinde waren, haben sie sich irgendwann zusammengetan und die Musik-CD gemeinsam zu Ende entwickelt.

Als es aber dran ging, das neue System der staunenden Weltöffentlichkeit zu präsentieren, gab es bald erbitterte Grabenkämpfe, in die sich auch die Firma Phonogram einmischte, die aus der 1968 von Philips gegründeten Schallplattenfirma Phonogram Tongesellschaft mbH hervorging und zur PolyGram-Holding gehörte, zu den auch der Lable Deutsche Grammophon zählte. Es ging um die Frage, wo diese Weltpremiere denn sattfinden und wer sie organisieren sollte. „Selbstverständlich in Eindhoven“, sagten die Philips-Leute, „und unsere Presseabteilung macht das schon. „Moment mal, sagte Sony, „wir sind für Tokio, und selbstverständlich werden unsere PR-Leute das erledigen.

Das Einzige, auf das man sich schließlich einigen konnte, war sich an Herbert von Karajan zu wenden und ihn zu bitten, die drei Firmen einzuladen, ihre Weltneuheit am Rande seiner Osterfestspiele in Salzburg zu präsentieren.

Das Hickhack um die Organisation ging aber monatelang hin und her, bis eines Tages bei mir in Stuttgart das Telefon klingelte. Peter Hoenisch, der legendäre Pressechef von Sony Deutschland, war dran. „Tim, du musst das übernehmen“, sagte er, „denn wir brauchen jemanden, der völlig neutral ist.“

„Klar, kann ich machen“, antwortete ich, noch nicht ahnend, dass es der größte und wichtigste Auftrag meiner noch jungen Karriere als freischaffender Journalist werden würde. Weiterlesen

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Der Nerd und ich

 

Microsoft CEO Bill Gates (Photo by © Doug Wilson/CORBIS/Corbis via Getty Images)

 

Neulich wollte einer auf Quora wissen: Wie ist Bill Gates als Person? Zufällig kann ich diese Frage ziemlich gut beantworten.

Als ich Bill Gates kennenlernte, war ich gerade 35 Jahre alt, und er war noch fünf Jahre jünger. Er sah aus wie der sprichwörtliche Computer-Nerd: ein bisschen wortscheu und unsicher. Schließlich war er das erste Mal in München, und dann auch gleich noch im vornehmen Hotel Bayerischer Hof, wo ich ihn einquartiert hatte. Und das kam so:

1982 hatten sich eine Gruppe von hauptsächlich japanischen und südkoreanischen Firmen (Ausnahme war nur Philips in Eindhoven) zusammengetan, um Spielecomputer zu bauen, die dem zwei Jahre zuvor eingeführten IBM Personal Computer Paroli bieten sollten. Der Original-PC war ein reiner Bürocomputer; ihm fehlte zum Beispiel eine ordentliche Grafikkarte, und der Sound war auch nicht besonders.

Die MSX-Anbieter wollten sich auch eine gemeinsame Marketingplattform geben, und so gründeten sie die MSX Arbeitsgemeinschaft Deutschland“, zu deren Gründungsmitgliedern so hochmögende Hersteller wie Sony, Panasonic, Toshiba, Canon, Sanyo, Yashica und Goldstar aus Korea zählten. Was ihnen noch fehlte war jemand, der die Arbeit macht.

Ich hatte die letzten Jahre als HiFi-Journalist verbracht, seit 1978 in der Gründungsmannschaft des Magazins Audio, wo ich als Textchef tätig war, und danach als Chef der deutschen Lizenzausgabe von stereoplay, die aus dem römischen Verlag edizione suono stammte.

1980 überwarf ich mit meinem Chef und kündigte. So wurde ich auf einmal freier Journalist, obwohl ich das nie vorgehabt habe. Ich hatte aber viele Freunde und ehemaligen Kollegen in der Branche, die mich mit Aufträgen versorgten, zum Beispiel für den „Playboy“, den „Stern“, das „Diners Club Magazin“ und viele andere. Außerdem kannte ich in der HiFi-Branche beinah jeden.

Und so kam es, dass mich 1984 Peter Hoenisch, der legendäre Pressechef von Sony Deutschland, anrief und fragte, ob ich nicht den Geschäftsführer dieser neuen MSX-Arbeitsgemeinschaft machen wolle. Ich verstand zwar wenig von Computern, aber Spielkonsolen waren meine private Leidenschaft. Ich hatte sie alle besessen, den Mattel Intellivision, den allerersten Pong, den Sinclair ZX, den Atari 2600, den Sega 1000. Die Chance, eine ganz neue Generation von elektronischem Spielzeug in die Finger zu kriegen, konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Weiterlesen

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