Der Blick in die Zukunft des Marketing

Wer die Vorteile von Marketing Automation kennt, wird von Predictive Marketing erst recht begeistert sein. (Bild: W4 Marketing AG)

Robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) wird die Gateway-Technologie sein für die intelligente Prozessautomatisierung auch im Marketing und Vertrieb in Zukunft, etwa bei  Bonitätsprüfungen, bei der Aktualisierung von Kundendaten, der Zuordnung von Sachbearbeitern und dem Personalisieren von Inhalten. Jede Markeninteraktion, die ein Verbraucher hat, sei es über eine E-Commerce-Website, soziale Medien oder im Geschäft, wird in Zukunft von einer Marketingplattform verfolgt und gespeichert werden. So genannte „prädiktive“, also vorausschauende Lösungen greifen dann tief in diese Erkenntnisse ein, um die logischen nächsten Schritte zu bestimmen und Aktionen vorherzusagen, die Kunden mit bestimmten Verbraucherprofilen ergreifen werden. Das Ergebnis dieser Analysen kann automatisch Handlungen des Unternehmens über verschiedene Kanäle auslösen, zum Beispiel über E-Mail, Mobilgeräte und Web.

Es gibt inzwischen leistungsfähige Prognose-Werkzeuge wie Einstein von Salesforce.com oder Atomic Reach, das dabei helfen kann, zu verstehen, welche Inhalte bei einer Zielgruppe gut ankommen.  Concured, das sich als „listening tool“ versteht, nutzt künstliche Intelligenz, um das Verbraucherverhalten in Bezug auf Inhalte zu analysieren und zukünftiges Content Marketing zu gestalten. Solche Werkzeuge sind bei der Erstellung und Ausführung personalisierter Marketingstrategien von entscheidender Bedeutung. Um wirklich personalisierte Kauferlebnisse für Verbraucher zu schaffen, benötigen Marketingfachleute aktuelle Einblicke in die einzelnen Zielgruppenmitglieder und müssen dann in der Lage sein, die einzigartigen Inhalte entsprechend zu generieren und zu liefern. Wenn die Verbraucher diese maßgeschneiderten Inhalte nahezu in Echtzeit erhalten, steigert dies die Effizienz der Arbeit von Marketing-Teams erheblich. Weiterlesen

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Digitaler Nationalismus

Wenn es überhaupt einen ernsthaften Grund gibt, sich wegen Künstlicher Intelligenz Sorgen zu machen, dann schon eher im Bereich der Politik. Der rasche Fortschritt der KI macht sie zu einem mächtigen Instrument in wirtschaftlicher, politischer und militärischer Hinsicht. Eingebettet in die digitale Revolution wird die KI dazu beitragen, die internationale Ordnung für die kommenden Jahrzehnte zu bestimmen, indem sie die Dynamik eines alten Zyklus, in dem sich Technologie und Macht gegenseitig verstärken, akzentuiert und beschleunigt. Sie wird bestimmte Axiome der Geopolitik durch neue Beziehungen zwischen Territorien, Raum-Zeit-Dimensionen und Immaterialität verändern.

Der britische Unternehmer und Autor Ian Hogarth malte 2018 auf einer Tagung der Ditchley Foundation in Oxfordshire das Schreckgespenst eines neuen „KI-Nationalismus“ an die Wand. Daten seien von großer strategischer Bedeutung, so Hogarth. In Zukunft werden Nationalstaaten nicht nur ihre Datenbestände verteidigen, sondern sie für andere zu sperren, was auf den Versuch hinauslaufe, eine eigene nationale Datenwirtschaft zu etablieren. Weiterlesen

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Wenn einer eine Reise tut, geht er erst ins Internet

Lieber selber buchen

Es hat etwas länger gedauert, als ich gedacht habe: In meinem Buch „Erfolgsfaktor Internet“ aus dem Jahr 1999 habe ich vorausgesagt, dass Reisebüros ein Auslaufmodell sind, weil alle ihre Geschäfts- und Urlaubsreisen selbst online planen und buchen werden. Jetzt hat der Branchenverband BITKOM in einer neuen Studie bestätigt, dass Online-Buchungen den Gang ins Reisebüro abgelöst haben: „Fast jeder Zweite (45 Prozent) bucht im Internet, nur noch 39 Prozent gehen für die Reisebuchung in ein Reisebüro. Damit haben die Buchungen im Netz die Buchungen im Reisebüro überholt: 2018 gaben noch 48 Prozent an, ihren Urlaub in der Regel im Reisebüro zu buchen – und 41 Prozent online“, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. „Das ist ein Gezeitenwechsel“, sagte BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder in einer Online-Pressekonferenz.

Zu den Vorteilen der Online-Buchung zählt für die Befragten vor allem, unabhängig von Öffnungszeiten zu sein (95 Prozent). 83 Prozent schätzen eine bessere Vergleichbarkeit der Angebote, jeder Dritte (34 Prozent) meint außerdem, dass das Angebot im Internet günstiger sei. Für das Reisebüro spricht aus Sicht der Kunden, dass man alle Leistungen und Unterlagen aus einer Hand erhält (64 Prozent) und zudem individuell und persönlich beraten wird (52 Prozent). Zugleich gibt es Vorbehalte gegen eine Buchung im Internet: 4 von 10 Bundesbürgern (40 Prozent) geben an, einer Online-Buchung nicht zu vertrauen. Jeder Dritte (34 Prozent) ist unsicher, wer dabei auf seine Daten zugreifen kann.
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Europa muss das Internet retten!

Europa zeigt den anderen, wo’S langgeht!

Das Internet muss repariert werden, daran gibt es keinen Zweifel, aber wessen Aufgabe ist es? Vieles kann der IT-Industrie selbst überlassen werden, die sich in der Vergangenheit als recht kompetent erwiesen hat, sich selbst zu regulieren, zu standardisieren und sich an hohe moralische Standards zu halten.

Leider reicht das aber nicht aus. Die unsichtbare Hand des Marktes braucht Hilfe von nationalen und internationalen Gesetzgebern. Im alten Wilden Westen hätte man es Law ’n‘ Order genannt. Das logische Gremium zur Regulierung eines transnationalen Netzwerks wie des Internets, könnte man meinen, sind die Vereinten Nationen, aber angesichts der Vielfalt der wirtschaftlichen und politischen Systeme mit ihren konkurrierenden und, was noch häufiger der Fall ist, widersprüchlichen Zielen und Ethiken erscheint das kaum wahrscheinlich. Also, wer sonst?

Das Internet wurde in den Vereinigten Staaten geboren, und jahrzehntelang übten die US-Behörden eine Autorität von eigenen Gnade im Cyberspace aus. Dann wurde Regulierung in den USA auf einmal zum Schimpfwort, zumindest der Konservativen. Die derzeitige Regierung wird Dinge wie die Kartellgesetzgebung eher lockern als verschärfen, geschweige denn Big Tech für Dinge wie Hassreden, Kinderpornographie oder unlautere Geschäftspraktiken an die Leine legen. Der andere große Akteur, China, ist mehr daran interessiert, das Internet unter die Kontrolle von Parteiapparatschiks zu stellen, was für westliche liberale Demokratien inakzeptabel ist.

Es bleibt nur noch einer übrig: Europa. Der drittgrößte Wirtschaftsblock der Welt ist mächtig genug, um Regeln und Vorschriften auf seinem eigenen Gebiet durchzusetzen, und einflussreich genug, um andere Länder dazu zu bewegen, ihrem Beispiel zu folgen. Weiterlesen

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COVID-19: Was uns die Zahlen sagen

In der heutigen Ausgabe der New York Times hat John Allen Paulos, Mathematikprofessor an der  Temple University, einen Beitrag geschrieben, der es verdient möglichst breit gestreut zu werden. Die Überschrift lautete „We’re Reading the Coronavirus Numbers Wrong”, und darin versucht er, die öffentliche Wahrnehmung der COVID-19 Pandemie – denn das ist sie inzwischen – zu relativieren. Kurz gesagt: Die Lage ist ernst, aber nicht so ernst, wie viele meinen – und wie die Medien berichten.

Nun muss ich meine Journalistenkollegen natürlich in Schutz nehmen: Sie sind keine Mediziner, und die Äußerungen der Behörden nicht nur in China laden geradezu ein zur Sensationsmache. Tatsache ist aber, dass die absolute Zahl der Erkrankungen sowie die Sterberate wesentlich niedriger sind als bei anderen Fällen von Coronavirus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Erkrankte an COVID-19 sterben, ist zwar 20mal höher als bei einer gewöhnlichen Grippe, aber viermal niedriger als bei SARS, 15mal niedriger als bei MERS und bis zu 36mal niedriger als bei Ebola – alles Erkrankungen, die ebenfalls durch Coronaviren verursacht werden.

Die eigentliche Gefahr von COVID-19 ist, dass wir so wenig über sie wissen, beispielsweise wie lange die Inkubationszeit ist. Und wir wissen auch nicht, wie hoch die Erkrankungszahlen wirklich sind, besonders in China, wo die Behörden offenbar ihre Statistiken mehr oder weniger je nach Situation anpassen und verändern.

Was wir wissen, ist dass die Altergruppe 80+ bei weitem die höchste Sterblichkeit aufgrund von COVID-19 aufweist. Und die Experten sind sich ziemlich sicher, dass es frühestens in ein paar Monaten einen wirkungsvollen Impfschutz gegen das Virus geben wird. Das einzige, das wir tun können, ist große Menschenansammlungen meiden und häufiger die Hände waschen. Was Ersteres angeht: Morgen ist ja Aschermittwoch, aber es ist bestimmt nicht mit uns vorbei….

Aber lesen Sie selbst, was der gute Professor zu sagen hat. Weiterlesen

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Griechisches Essen ist ein unvergessliches Erlebnis. Die Küche, nicht so sehr.

Kretischer Salat – einfach, aber köstlich!

Jemand auf Quora fragte kürzlich, warum griechische Restaurants ein so schlechtes Bild der griechischen Küche (Suvlaki, Musakas und Gyros) vermitteln. „Ist die griechische Küche wirklich so schlecht?“, fragte er.

Nun, es stimmt: Die griechische ist nicht die beste mediterrane Küche. Die Griechen waren jahrhundertelang arm und unterdrückt, so dass sie weder die Zeit noch den Luxus hatten, eine Esskultur zu entwickeln, wie beispielsweise in Frankreich oder Italien. Ihre ist eine Mischung aus zusammengeworfenen regionalen Stilen und lokalen Produkten, die normalerweise von Menschen zubereitet werden, die nie als Köche ausgebildet wurden. Auf diese Weise ähnelt es der chinesischen Küche im Westen, die normalerweise nichts mit der chinesischen Haute Cuisine zu tun hat.

Ich habe mal tagelang in Athen nach authentischen lokalen Speisen von hohem Niveau gesucht – aber kein Glück! Dafür verbrachten wir früher unsere Ferien in der Region Sfakia auf Kreta, dem „Wilden Süden“, wo der Fisch frisch gefangen wurde, die Lämmer am Berghang leben, wo sie wilde Kräuter essen, und unsere wunderbare Gastgeberin pflegte ihren eigenen Joghurt herzustellen, den wir jeden Morgen mit einheimischem Thymianhonig genossen. Es war alles sehr gut, aber es war nicht wirklich toll.

In München wohnten wir neben dem besten griechischen Restaurant der Stadt, das Paros in der Kirchenstraße, wo das Essen fantastisch ist! Aber es ist nicht alles authentisch griechisch. Ich kenne den Chefkoch, und er hat mir erzählt, dass er regelmäßig französische und italienische Restaurants besucht, um die Rezepte aufzumotzen, die er von seiner Mutter gelernt hat, die von Larissa ist. Für einen Italiener ist die Fähigkeit, wie seine Mutter zu kochen, das kulinarische Äquivalent zum Marathonsieg, aber für die Griechen ist das feine Essen einfach nicht so wichtig; wenn es gut und sättigend ist, ist das gut genug. Finesse ist einfach nicht ihre Stärke.

Und bevor Sie alle anfangen, mich wegen der köstlichen Moussaka niederbrüllem, die Sie letztes Jahr auf Santorin gegessen haben: Ich weiß! Die griechische Küche ist in ihrer höchsten Vollendung eine Freude. Aber es geht dabei halt nicht so sehr um das Essen selbst, sondern um die Erfahrung des Essens. Weiterlesen

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No such thing as a „strongest Cognac“

What is the strongest Cognac, someone asked me on Quora the other day. Cognac happens to be a subject I know lots about: As a young reporter for auto motor und sport I was tasked with writing a major piece for our travel section about Cognac, and I spent almost a week being touted around the region by the authorities and visiting a dozen or so producers large and small. SInce then I have spent 40 years sampling some of the finest Cognacs I could lay hands on, so I guess I know what I’m talking about.

For instance, I know that the French take their Cognac very seriously indeed, so almost every aspect of it’s production is strictly governed by law. Only Cognacs from the Cognacais and the surrounding Charente and Charente-Maritime regions are allowed to bear the name. In this area, the Ugni Blanc grape, also known as Trebbiano, predominates, but produces a thin, acidic wine that is literally undrinkable. The alcohol content of the vin viné (fortified wine) used to make Cognac is roughly 8 percent by volume, or 16 proof.

During the winter months, the wine is twice distilled in traditional pot stills known as alambic charentais, which may not contain more than 30 hectoliters, or about 800 gallons. During the second distilling process, only the bonne chauffe, or „heart“ is kept; the rest is turned over to be made into industrial alcohol. The resulting fine distillate usually contains 60 to 72 percent alcohol (144 proof). That, in fact, is the big difference between Cognac and most other brandies, which in Europe can legally contain up to 50 percent much stronger raw wine spirit. Weiterlesen

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Der König ist tot – es lebe Crémant!

Bild: Wiener Staatsoper

Da der Champagner zu einem massenhaft produzierten und maaslos überteuerten Statussymbol geworden ist, sollten wir uns wahrscheinlich am besten nach Alternativen umsehen, auch wenn der Handelskrieg von Trump verpufft. Der will ja Strafzölle darauf erheben, was den Preis des „Königs aller Weine“ ja nur weiter in die Höhe schrauben  kann.

Die großen Chais haben die Produktionskosten gesenkt und produzieren viel mittelmäßiges Zeug, das sich zu unverschämten Preisen verkauft. Stattdessen stecken sie ihr Geld in die Vermarktung. Um einen wirklich anständigen Champagner zu bekommen, muss man sich heutzutage an die kleineren Häuser wie Bollinger oder Pol-Roger wenden, die immer noch von ihren Gründerfamilien geführt werden. Oder noch besser, machen Sie eine gemächliche Fahrt durch die Hügel zwischen Reims und Châlons-en-Champagne und probieren Sie die wunderbaren Dinge, die die kleinen lokalen Produzenten herstellen. Bestehen Sie auf der „ersten Pressung“, die diese Leute ohnehin verwenden; sie gehen mit ihrer zweiten und dritten Pressung an die großen Markenhäuser, die sie zum zwei- oder dreifachen Preis verkaufen, den man einem kleinen Kerl für seinen besten Wein zahlt.

Wenn nicht, wird ein guter Crémant sehr gut passen. So werden alle anderen Schaumweine in Europa außer Champagner genannt, wenn sie nach der Champagner-Methode hergestellt werden – nur dürfen sie ihn nicht so nennen, so sagt man Méthode Traditionelle. In Frankreich gibt es acht Regionen, in denen Crémant hergestellt werden darf: Elsass, Bordeaux, Bourgogne, Die, Limoux, Jura, Loire und Savoyen. Mir persönlich gefallen die Crémants de Alsace am besten, die ich direkt beim Winzer kaufe. Und haben Sie schon einmal einen guten Winzersekt probiert, was das Gleiche ist, nur in deutscher Sprache. Weiterlesen

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Leben und Sterben in Trumpland

Immer mehr Amerikaner sterben immer früher!

Dank Fortschritte in der modernen Medizin, verbesserte Autosicherheit, gesündere Ernährung und höhere Lebensstandards werden die Menschen immer älter, nicht wahr?

Falsch – jedenfalls in den USA. Dort steigt die Sterblichkeitsrate seit Jahren, in den letzten drei Jahren alleine von 8,580 Todesfälle pro Tausend Einwohner auf 8.800, also um mehr als ein Prozent im Jahr. Besonders erschreckend ist die Zunahme in der Altersgruppe der 25- bis 34jährigen. Dort ist die Sterberate zwischen 2010 und 2017 um sage und schreibe 29 Prozent gestiegen!

Damit sind die Vereinigten Staaten das einzige Industrieland, bei dem die Lebenserwartung von Menschen zwischen 25 und 64, also diejenigen, die sozusagen mitten im Leben stehen sollten, spürbar abnimmt. Insgesamt liegt die durchschnittliche Lebenserwartung eines Amerikaners bei 78,69 Jahren, wie die Weltbank sagt. In Deutschland beträgt sie 80,64, in Frankreich sogar 82,27. Weltweit leben die Japaner am längsten, nämlich 83,98 Jahre.

Und es wird noch schlimmer kommen, sagen die Vereinigten Nationen. Die Sterberate in den USA wird nach ihren Prognosen in den kommenden Jahren steil ansteigen und bis 2053 sogar 10.591 erreichen. Weiterlesen

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Die schreckliche deutsche Right-Write Reform

Schafft zwei, drei, viele Rechtschreiberegeln!

Im Jahr 1996 beschloss der Deutsche Bundestag in seinem unerforschlichen Ratschluss, die deutsche Rechtschreibung rechtskräftig zu verändern, oder zu „reformieren“, wie sie es damals nannten. Daran erinnerte mich jetzt eine Frage auf Quora, nämlich „Was sind Regeln der deutschen Sprache, die unlogisch sind„. Ich habe damals für das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung ein Essay geschrieben, das viel Beachtung fand und mir unter anderem eine Einladung zu einer Diskussion im Bayerischen Rundfunk mit Deutschlands oberster Deutschlehrerin, der Chefin des Philologenverbands, einbrachte. Ich denke, es ist auch heute noch wert, gelesen zu werden.

Als in Deutschland lebender Amerikaner frage ich mich ja schon ob es nötig ist, dass alle recht schreiben? Der amerikanische Autor Mark Twain beschrieb seinen Lesern einmal die deutsche Sprache als ein linguistisches Schreckgespenst, nämlich als „the awful German language“. Würde er heute noch im Zeitalter der Rechtschreibreform leben, dann würde er sicher ebenso lustvoll über „the awful German right-write rform“ lästern.

Aus Sicht eines Mitglieds der angelsächsischen Sprachfamilie kann man ja auch nur den Kopf schütteln über das, was sich die Deutschen heute an Diskussion über ein Thema leisten, das im Grunde gar keines ist. Rechtschreibung ist keine staatliche Hoheitsaufgabe, sondern ein evolutorischen Prozess. Er lässt sich nicht vorschreiben, und der Versuch es dennoch zu tun entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik. Weiterlesen

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