So sieht die Zukunft im Verlagswesen aus!

So sieht Fortschritt aus!

So sieht Fortschritt aus!

Sie haben es uns angedroht. Sie haben es durchs Parlament gepeitscht. Und jetzt machen sie Ernst damit: Das so genannte Leistungsschutzrecht in Deutschland hat bei mir zum ersten Mal zugeschlagen. Als ich in einem Blogpost einen Link auf einen Artikel in der FAZ am Sonntag setzen wollte und es vorsichtshalber ausprobiert habe, erschien das obige Bild.

Es ist also wahr geworden, wovor unser Mit-Czyslansky Sebastian von Bomhard in einer ganzen Serie von Beiträgen gewarnt hat, nämlich der Wahnsinn, der das Zeitungssterben stoppen sollte und es in Wirklichkeit nur beschleunigen wird. Und ausgerechnet diejenigen, die für sich am lautesten das Recht auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit reklamieren, machen hier den Vorreiter. Pest und Cholera sollen sie holen, diese verlogenen „Qualitätsjournalisten“ und ihre ebenso ahnungslosen wie unfähigen Verlagsfutzis.

Den Gipfel des Zynismus haben sie aber mit dem Namen des Absenders erreicht: „Zentrum für digitalen Fortschritt“. Schöner hätte es George Orwell auch nicht formulieren können. Wenn das Fortschritt ist, möchte ich bitte zurück ins Mittelalter. Oder in die Steinzeit…

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Was ist ein Menschenleben wert?

Die Frage ist banal und profund zugleich. Was ist ein Menschenleben wert? Natürlich ist ein Menschenleben das Wertvollste, was es gibt, erst recht für diejenigen, die diesem Menschen nahe stehen: Eltern, Ehepartner, Geschwister, Kinder und dergleichen. Andererseits ist ein Menschenleben eigentlich gar nichts wert, weil es vergänglich ist und unweigerlich mit dem Tode endet.

Religiöse Menschen würden sagen, dass ein Menschenleben ohnehin Gott gehört, und dass nur Er imstande ist, den Wert dafür zu bestimmen. Andererseits müssen sterbliche Menschen – Richter, in der Regel – immer wieder den Wert eines Menschenlebens festlegen, wenn dieser beispielsweise durch Fremdverschulden zu Tode gekommen ist und die Frage der Entschädigung von Hinterbliebenen ansteht. Weiterlesen

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Der Krebs in uns

Von wegen Affe!

Von wegen Affe!

Die Menschheitsgeschichte muss wahrscheinlich neu geschrieben werden: In seinem neuen Buch weist Richard Dawkins nach, dass der Mensch von den Krustazeen abstammt.

Die Folgen sind unabsehbar. Es wird eine neue Literaturgattung entstehen, Sachbücher mit Titeln wie „Der Krebs in dir“,  „Mein Vetter, der Hummer!“ und “Meeresfrüchte sind auch nur Menschen!“ Die Krebsforschung wird auch eine neue Richtung nehmen müssen.

Aber eigentlich ahnten wir das ja schon längst. Schließlich ist der Krebs laut Wikipedia eines der „wichtigsten Menschheitssymbole“. Dort erfahren wir auch, dass die Bewegungen der vielen Krebsglieder im Althochdeutschen zum Synonym „Krabbe“ geführt haben. Wahrscheinlich seien Krebs und Krabbe auch mit dem Tätigkeitswort „krabbeln“ wurzelverwandt, wie das nordische Wort „krafla“ (mit den Füßen scharren) und „krafsa“ (mit den Händen kratzen).

Durch Burkhard von Worms (965-1025) ist überliefert, dass die Menschen im Mittelalter bei Regenarmut eine Jungfrau unter Wasser tauchten und sie anschließend im Krebsgang (!) nach Hause führten. So hoffte man, den Regenzauber, der dem Krebs angeblich innewohnt, auszulösen.

In der Astrologie steht der Krebs übrigens für Mütterlichkeit, Horttrieb und das Gefühlsleben allgemein. Die Chinesen glauben ja heute noch, dass getrocknete Krabben die männliche Potenz stimulieren. Das heißt: Eigentlich gibt es nach chinesischem Volksglauben fast nichts, was nicht diese Wirkung hat. Und weil der Krebs seinen Panzer wechselt, wurde er von Christen zum Symbol der Auferstehung erwählt.

Apropos religiöse Symbole: Der Mann, der in Österreich ein Kreuzzug gegen das Aufstellen von Kreuzen und Ähnlichem in Schulen führt, heißt Heinz Oberhummer. Zufall?

 

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Wenn der Postmann nie mehr klingelt

Das waren noch Zeiten!

Das waren noch Zeiten!

Die kanadische Post will keine Briefe mehr zustellen. Das Austragen von Briefen und Päckchen lohne sich schlicht nicht mehr, sagte ein Postsprecher am Donnerstag. Innerhalb der vergangenen vier Jahre sei der Briefvolumen um 23,6 Prozent gesunken. Statt dessen werde man große „Kommunal-Briefkästen“ in den Wohngebieten installieren, wo Empfänger ihre Briefe demnächst selber abholen können. Das sei sogar „gut für vielbeschäftigte Kanadier“, argumentierte die Post in einem geradezu Orwell’schen Anfall von Doppelsprech.

Schuld ist natürlich wieder einmal das Internet, und diesmal kann ich der Logik sogar folgen.  Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen handgeschriebenen Brief erhalten habe.  In einem anderen Blogpost („Porto ergo sum“ vom 26. September 2012) habe ich von einer Bekannten erzählt, die aus einer Laune heraus ihrer Freundin in Wien einen Brief mit der Hand schrieb, die daraufhin anrief, um sich für die nette Überraschung zu bedanken. Und es ist ja auch etwas dran: Wer will sich schon der Mühe unterziehen, zum Kugelschreiber oder Füller zu greifen und womöglich einen Krampf des Musculus adductor pollicis riskieren.

Soweit ich weiß haben weder die Postverwaltungen von Deutschland noch von Österreich bislang in Erwägung gezogen, den Zustelldienst einzustellen, aber ich denke, die Lektüre dieser Zeitungsmeldung wird auch dort Begehrlichkeiten wecken. Weiterlesen

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Markets are good for privacy

It sure ain’t easy to find a silver lining in the NSA snooping scandal, but maybe this was just what was needed to make the big Internet players like Google, Yahoo and Facebook think twice about data security. As Nicole Perlroth and Vindu Goel write in den New York Times, some of the biggest names in Silicon Valley are finally waking up to the fact that it isn’t enough to focus on the newest app or a cooler messaging system. If the giants of the industry want to keep meeting their ambitious business targets (and keep their stock prices up), they need to make their systems safe – because that’s what customers are demanding!

Insiders are already calling this the “Snowdon effect”: Security has suddenly become top priority! Internet companies are entering an arms race with the NSA to see who can make their platforms  more snoop-proof. Bradford L. Smith, Microsoft’s general counsel, is quoted as saying an interview “We want to ensure that governments use legal process rather than technological brute force to obtain customer data — it’s as simple as that.” Word has it that both Google and Facebook have finally started to encrypt all their internal data streams. And when Marissa Mayer of Yahoo recently announced at a press conference that her users were going to be offered industry standard Transport Layer Security as an option staring next January, the echo among experts was devastating: “too little, too late!” Weiterlesen

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Marktwirtschaft ist der beste Datenschutz

Zu wenig, zu spät! (Foto: techzulu.com)

Zu wenig, zu spät!
(Foto: techzulu.com)

Es ist nicht leicht, der Schnüffelaffäre um NSA und andere Geheimdienste eine positive Seite abzugewinnen, aber vielleicht war das endlich der Anstoß zu einem Umdenken in Sachen Datensicherheit bei den großen Internet-Anbietern wie Google, Yahoo und Facebook. Wie  Nicole Perlroth and Vindu Goel in den New York Times schreiben, haben einige der führenden Figuren des Silicon Valley eingesehen, dass es nicht mehr ausreicht, sich Gedanken um ein schickes neues App oder einen coolen Messaging-Dienst zu machen. Wenn die Branchenriesen auch in Zukunft ihre Wachstumsziele erreichen wollen, müssen sie ihre Systeme erst mal sicher machen – weil wir Kunden das so wollen!

Insider nennen das schon den „Snowdon-Effekt“: Sicherheit hat plötzlich Hochkonjunktur! Internet-Firmen sind in ein wahres Wettrüsten eingestiegen gegen die NSA mit dem Ziel, ihre Systeme abhörsicher zu machen. Bradford L. Smith, der Chefjustiziar von Microsoft, wurde in einem Interview mit den Worten zitiert: „Wir wollen sicherstellen, dass Regierungen den Rechtsweg benützen und nicht mit technologischer Brachialgewalt versuchen, an die Daten unserer Kunden zu gelangen.“ Von Google und Facebook ist jetzt durchgesickert, dass sie endlich angefangen haben, ihren internen Datenfluss zu verschlüsseln. Und als Marissa Mayer von Yahoo dieser Tage in einer Pressekonferenz bekannt gab, ihren User ab Januar den Industriestandard Transport Layer Security anbieten zu wollen, war das Echo der Experten niederschmetternd: zu wenig, zu spät! Weiterlesen

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R2-D2s böser Bruder

„R2 ist ein guter Droide“ (Anakin Solo über R2-D2)

„R2 ist ein guter Droide“
(Anakin Solo über R2-D2)

R2-D2 (sprich: err-zwo deh-zwo), oft auch nur R2 genannt, war ein Astromechdroide der R2-Serie. Wie uns die Autoren von Jedipedia freundlicherweise erinnern war er gemeinsam mit seinem Partner C-3PO einer der Stars von Star Wars und als solcher in zahlreiche bedeutende Ereignisse der galaktischen Geschichte von den letzten Tagen der Alten Republik bis zur Zeit der Galaktischen Allianz involviert.

R2-D2 war, wie der Jedi-Ritter Anakin Solo, der Enkel von Anakin Skywalker, einmal sagte, ein „guter Droide“. Ich weiß nicht, ob man dereinst das gleiche sagen wird über K5, das neue Geisteskind von Santana Li und Stacy Dean Stephens, die Gründer von Knightscope, einem Silicon-Valley-Startup, wo man heute Nachmittag einen „autonomen Datensammler“ vorstellen will, der die Nachtwächter dieser Welt überflüssig machen könnte.

K5 sieht seinem Vetter R2 verdammt ähnlich, aber das ist eigentlich nur Zufall. Wahrscheinlich waren die Designer von Star Wars einfach ihrer Zeit voraus, denn tatsächlich ist ein kleiner, runder Roboter, der aussieht wie ein Papierkorb auf Rädern, ideal geeignet, um Wachdienst zu schieben, beispielsweise in einer Fabrikanlage. Und dafür ist er auch gedacht: Er soll unermüdlich Tag und Nacht durch die Räume wandern, und zwar selbstgesteuert, so ähnlich wie der Staubsauger-Roboter RBC 003, das fleißige elektronische Lieschen von Hoover, den meine Frau so gerne zu Weihnachten hätte. Weiterlesen

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Hört mit dem Parteienquatsch auf!

Zwei ziemlich gute Freunde (Foto: ZDF)

Zwei ziemlich gute Freunde (Foto: ZDF)

Der Aufruhr über den im „heute Journal“ fernsehöffentlich aufgeführten verbalen Schlagabtausch zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und ZDF-Moderatorin Marietta Slomka (von einigen Kommentatoren auch als „Bitchfight“ bezeichnet) berührt ein zentrales Thema des Buchs von Ossi Urchs und mir, „Digitale Aufklärung“, in der wir uns Gedanken über die Zukunft der Stellvertreter-Demokratie im Zeitalter der digitalen Vernetzung machen. Slomka warf bekanntlich die Frage auf, ob es überhaupt verfassungsrechtlich erlaubt sei, bei der SPD-Parteibasis die Zustimmung dafür einzuholen, mit der CDU/CSU in eine Große Koalition einzusteigen, oder ob damit nicht gegen das geltende Verbot des imperativen Mandats verstoßen werde, da der einzelne Abgeordnete in seiner Gewissensentscheidung frei bleiben müsse. Gabriel nannte das „Blödsinn“, und er hat damit auch vollkommen Recht.

Die Diskussion zeigt aber auch, wie tief die Angst des Establishments (zu dem auch eine öffentlich-rechtliche Moderatorin wie Frau Slomoka gehört, deren Aufsichtsorgan bekanntlich nach Parteiproporz besetzt ist) vor der direkten Demokratie sitzt. Das ist übrigens eine Denktradition, die in meiner eigenen Heimat, den USA, wo die Idee der repräsentativen Demokratie zum ersten Mal in großen Stil praktiziert wurde, von Anfang an eine große Rolle spielte. Schon der Ausdruck „Demokratie“ bedeutete für die Gründerväter um George Washington und Thomas Jefferson  „Herrschaft des Mobs“, und man war keineswegs bereit, die Zügel der Politik direkt in die Hände von Krethi und Plethi zu geben. Deshalb wird der US-Präsident auch nicht vom Volk, sondern von einem Gremium aus vermutlich verantwortungsvollen „Wahlmännern“ gegeben, die auch nur ihrem Gewissen verpflichtet sein sollen. Dass sich im Laufe der Jahrhunderte die Gewohnheit herausbildete, dass alle Wahlmänner für den Kandidaten stimmen, der in ihrem jeweiligen Bundesstaat die Mehrheit der (Wähler)Stimmen bekommen hat, ist übrigens in den USA nirgendwo verfassungsrechtlich legitimiert. Wenn sich Frau Slomka über Verfassungsbruch erregen will, hätte sie da ein viel besseres Ziel.

In Deutschland hat es zwar in den Endtagen der DDR kurzzeitig Stimmen gegeben, die in Sprechchören („Wir sind das Volk!“) eine direkte Beteiligung der Bevölkerung an demokratischen Entscheidungsprozessen gefordert haben, aber sie sind in der allgemeinen Euphorie von Mauerfall und Eins-zu-eins-Währungsumtausch schnell wieder untergangen. Die DDRler bekamen mit dem gesamten westlichen Politsystem auch die Allmacht der Parteien aufgedrückt, aber das kannten sie ja schließlich auch schon. Nur dass es damals eine einzige Partei war, die stellvertretend für sie dachte und waltete.

In „Digitale Aufklärung“ stellen Ossi und ich die bewusst provozierende Frage: Wie weit kann direkte Demokratie gehen? Die radikalste Antwort auf diese Frage lautet: Sie kann politische Parteien als Organisationsform ersetzen – und zwar durch unmittelbare Beteiligung der Bürger. Weiterlesen

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Gedanken zum Tag des Mannes: Wie toll es ist, eine Frau zu sein. Oder ein Hund…

On the Internet, nobody knows you're a dog

Ich finde es toll, ein Mann zu sein. Und eine Frau. Oder ein Hund. Oder eine Horde tobender Achtklässler. Zum Glück gibt mir das Internet die Möglichkeit dazu, denn ich kann mich dort digital verkleiden und meine geheimsten Fantasien ausleben. Ich kann mich aber auch vor den widerlichen Spähnasen von der NSA verstecken oder auch nur Schabernack mit meinen Freunden oder mit Leuten spielen, die mir weniger sympathisch sind und vor denen ich mich deshalb nicht komplett outen will.

In einer Welt der totalen Transparenz und Offenheit kann die Anonymität ein Rückzugsraum sein, ein digitaler Schleier, den man sich vors Gesicht ziehen kann, wenn man gerade keine Lust hat, den Einblick in sein Intimleben freizuschalten. Arabische Frauen, die durch Tradition oder Gesetz gezwungen sind, verschleiert zu gehen, sind manchmal zwiegespalten: Ja, der Schleierzwang ist eine Form der männlichen Unterdrückung, gleichzeitig ist  er aber auch ein Schutz gegen die Außenwelt. Manche Burkaträgerin empfindet die Ganzkörperverhüllung als „regelrecht befreiend, weil sie vor gierigen Blicken schützt“, wie im Juli 2010 in der „Zeit“ zu lesen war. Weiterlesen

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Industriealisierung 4.0 trifft Manufaktur 2.0

Ist das die Fabrik von morgen?

Ist das die Fabrik von morgen?

Das Internet hat die Welt der Wissensarbeit radikal durcheinander gewirbelt. Aber welche Folgen haben Digitalisierung und Vernetzung eigentlich in der Fertigungsindustrie gehabt? Ich muss demnächst auf einer Tagung zum Thema „Industrialisierung 4.0“ reden, und da macht man sich so seine Gedanken…

„Die Rolle der Fertigungsindustrie verändert sich“, schrieben die Analysten von McKinsey im Herbst 2012 in einem Report zum Thema industrielle Globalisierung. Früher bestand der volkswirtschaftliche Beitrag der Produktion vor allem in Wachstumsimpulsen und Beschäftigungszuwachs. Diese Rolle wird sich ändern. In Zukunft wird sie vor allem in Innovation, Produktivitätsverbesserung und Warenaustausch bestehen. Hersteller werden immer mehr Dienstleistungen in Anspruch nehmen und Teilprozesse outsourcen. Dabei werden sie immer abhängiger von globalen Netzwerkeffekten. Weiterlesen

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