Sie dürfen gerne meine Stimme haben, Herrn Lorenzo

Wer zweimal wählt, dem glaubt man nicht.

Wer zweimal wählt, dem glaubt man nicht.

Der Chefredakteur der ZEIT, Giovanni di Lorenzo, hat vor laufender Kamera zugegeben, dass er gleich zweimal einen Stimmzettel bei der Europawahl gegeben hat, und deswegen sind ihm jetzt plötzlich alle böse. Das ist jetzt sogar ein Fall für den Staatsanwalt, denn laut Paragraf 6, Absatz 4 des Europa-Wahlgesetzes heißt es ganz klar: „Das Wahlrecht darf jedoch nur einmal und nur persönlich ausgeübt werden.“

Ich habe hingegen überhaupt nicht gewählt, denn ich bin Amerikaner, und das Wahlrecht in Europa sieht uns überhaupt nicht vor – obwohl ich seit über 50 Jahren in Europa wohne und in dieser Zeit brav Steuern bezahlt und zumindest ein bisschen zum Wachstum des Bruttosozialprodukts beigetragen habe. Ich bin mit einer Europäerin (einer Österreicherin) verheiratet und habe Grundbesitz in zwei EU-Ländern (Deutschland und Österreich). Alle Entscheidungen, die in Straßburg und Brüssel fallen, betreffen mich auch in hohem Maße – aber mitwählen darf ich deswegen noch lange nicht. Weiterlesen

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An Algorithm that Forgets

googledrops

(c) bigbackground.com

The verdict of the highest European Court of Justice against Google in the dispute over the “right to be forgotten” is a scandal, no doubt about it! The Chief Justices obviously failed to really see the size and scope of the apple cart they have upset here. At least in theory anyone in Europe can now order Google to delete online information that mentions them, on the grounds that they feel disturbed. It doesn’t matter whether the claim is justified, or if indeed any legal rights have been violated or any ethical boundaries have been crossed. It suffices to say, „I want out!“

Again in theory Google will have to carefully consider in each individual case. To do this, Google will need to hire an army of rather intelligent and therefore rather high-paid employees to research each background and reach millions of complicated decisions on whether or not a delete request is justified by the provisions or the spirit of existing laws, by the vague rules of “netiquette” or just by pure common sense. And what if they decline a request? The applicant will presumable be able to take recourse to the courts in his or her country and try and force Google to comply.

So what is Google going to do? At the end of the day, they are a for-profit company, and the costs they are facing here are potentially huge. So of course Google will take the path of least resistance and just simply delete anything anybody asks them to delete. Presumably, this will be an automated process, so essentially this means we can all just delete anything we want at any time. And where, pray tell, does that leave the simple, unvarnished truth? Can we simply rewrite history as we see fit?

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Ein Algorithus für das Vergessen

Das war doch noch was...

Das war doch noch was…

Das Urteil des höchsten europäischen Gerichts, des EuGH, gegen Google im Streit um das Recht aus Vergessen ist ein Skandal, kein Zweifel. Die Oberrichter haben ganz offensichtlich nicht zu Ende gedacht, was sie da angezettelt haben, denn jetzt kann ja – nicht nur – theoretisch jedermann bei Google den Antrag stellen, Fundstellen zu löschen, die irgendwie mit ihm zu tun haben. Dabei ist es ganz egal, ob dieser Antrag in irgendeiner Form berechtigt ist, also ob tatsächlich irgendein Persönlichkeitsrecht verletzt wird. Es genügt zu sagen: „Ich will das nicht“.

Wieder theoretisch wird Google in jedem einzelnen Fall prüfen, ob dieser Wunsch nach Löschen einer Information gerechtfertigt ist oder nicht. Google müsste dazu eine Heerschar von Prüfern anheuern, die jeden Tag nichts anderes tun, als Millionen von Anträgen anzuschauen, die Hintergründe (mit Hilfe der eigenen Suchmaschine) zu recherchieren und anschließend zu entscheiden: Löschen oder Nichtlöschen. Und wenn nicht? Dann kann der Löschungswütige ja – ebenfalls theoretisch – die Gerichte anrufen und versuchen, Google zu zwingen, es doch zu tun.

Was wird Google, das ja am Ende des Tages ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, stattdessen tun? Klar: Sie werden einfach jedem Löschungsantrag entsprechen, und zwar ungeprüft! Alles andere wäre wirtschaftlicher Wahnsinn. Und wo, bitteschön, bleibt da die Wahrheit? Darf einfach jeder nach Gutdünken die Geschichte umschreiben? Weiterlesen

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Digitalisierte Welt – ein Fluch oder Fortschritt?

Am 13. Mai habe ich in Berlin aus dem Buch „Digitale Aufklärung“ gelesen, dass Ossi Urchs und ich letztes Jahr geschrieben haben. Am Rande der Veranstaltung entstand dieses Interview, das gerade auf der Microsoft-Website „Im Dialog mit Politik und Gesellschaft“ erschienen ist.

 

156x156_Tim_ColeIst die zunehmende Digitalisierung ein Fluch oder ein Fortschritt für die Gesellschaft? Eine Frage, die die Geister spaltet und immer wieder zu kontroversen Diskussionen führt. Während die einen behaupten, der Umgang mit neuen Medien führe zu Überforderung und Vereinsamung, vertritt Internet-Experte Tim Cole in seinem Buch „Digitale Aufklärung. Warum uns das Internet klüger macht“ eine ganz andere Position. Am 13. Mai war der Autor bei Microsoft Berlin zu Gast und stellte dort in einer Lesung seine positive Sicht auf die Auswirkungen und Entwicklungen des Internets vor. Warum er das Buch gemeinsam mit Autor und TV-Regisseur Ossi Urchs geschrieben hat, und aus welchen Gründen die Menschheit durch die Digitalisierung nur gewinnen kann, erklärte Tim Cole in einem Interview.

Es gibt zahlreiche Bücher, die ein düsteres Bild der Digitalisierung aufzeigen. Sie sehen den Umgang mit modernen Medien ganz anders. Warum?

Es ging uns auf die Nerven, dass das Internet daran schuld sein soll, dass die Menschen angeblich verdummen und dass sie überfordert sind. Wir wollten deshalb ein positives Buch schreiben und zeigen, wie sich die Menschheit unter dem Einfluss der digitalen Vernetzung zum Positiven verändert. Kulturpessimisten, die außenstehen und Kritik üben, weil sie nicht verstehen, was wirklich abgeht, wird es immer geben. Schon Sokrates war gegen die Einführung der Schrift, weil er glaubte, dass die Menschen dann nicht mehr auswendig lernen können.

Wie beurteilen Sie die fortschreitende Digitalisierung? weiter
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Das Internet vergißt nichts, lieber EuGH

Da stehtes schwarz auf weiß!

Da steht es schwarz auf weiß!

Die Aufregung um das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum „Recht auf Vergessen“ hat natürlich hohe Wellen geschlagen. Während die einen das Urteil als „Sieg für den Datenschutz“ feiern, geißeln andere ihn als die „Zensur durch Datenschutzrecht“. Haben die Oberrichter die Meinungsfreiheit abgeschafft? Werden Google & Co. bald aus Angst vor der Staatsanwaltschaft jede negative Meldung vorsorglich vom Netz nehmen? Ist das Internet in ein paar Jahren nur noch roasrot und himmelblau?

Ich denke, in der Aufregung des Augenblicks vergessen die meisten, wie das Internet funktioniert. Erinnern wir uns: Den Auftrag zum Bau des „ARPAnet“ (das „Advanced Research Projects Agency Network“), kam 1962 vom US-Militär, die sich darüber sorgten, dass die Russen es schaffen könnten heimlich eine Atombombe über dem Hauptquartier der Luftwaffe zu zünden, wobei der so genannte „EMP-Effekt“, also der bei der Zündung verursachte elektromagnetische puls, die empfindlichen Kommunikationssysteme außer Gefecht setzen könnten. Der Albtraum der Generäle war, sie könnten in ihren Betonbunkern festsitzen und immer wieder vergeblich auf den roten Knopf drücken, um den atomaren Gegenschlag auszulösen, und nichts passiert. Sie wollen also ein Kommunikationssystem haben, das auch dann noch funktioniert, wenn Teile davon unbrauchbar geworden sind. Das ARPAnet verwandte deshalb das TCP/IP-Protokoll, das gerade von Vinton Cerf und Bob Kahm erfunden worden war und das die zu übertragenen Daten in winzige elektronische Pakete aufteilt, die einzeln auf die Reise geschickt und nacheinander am Zielort wieder zusammengesetzt werden. Trifft ein Datenpaket unterwegs auf eine Störung, dann leitet es sich selbst einfach drum herum. Die „Störung“ kann ein rauchender Bombenkrater sein. Sie kann aber auch ein Zensurversuch sein. Technisch macht das für TCP/IP keinen Unterschied. Weiterlesen

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Dinosaurier sterben nie aus

Visitenkarte Tobias Schwarz

Also, Sie finden das ja vielleicht inzwischen völlig normal. Aber Sie sind ja auch ein Digitaler Eingeborerner oder so. Ich als Digitaler Dinosaurier (wie mein Freund, der DATEV- und BITKOM-Chef Dieter Kempf sich und alle anderen in seiner Altersgruppe bezeichnete) habe erst einmal gestutzt.

Diese Visitenkarte drückte mir Tobias Schwarz von den „Netzpiloten“ am Montag in Berlin in die Hand, als wir uns bei meiner „Dichterlesung“ in der Microsoft-Repräsentanz in der Straße Unter den Linden trafen. Tobias wollte mit mir ein 15-Sekunden-Interview auf Instagram machen, wie er sagte. Bei Instagram geht es ja eigentlich um Bilder, aber es gibt tatsächlich eine Video-Funktion, die aber nur eine Aufnahmedauer von maximal 15 Sekunden zulässt. Das ist sozusagen das Bewegbild-Gegenstück zu den 140 Zeichen, auf die man sich bei Twitter beschränken muss.

Ja, und dann drückte er mir diese besagte Visitenkarte in die Hand. Eigentlich total old-fashioned, dachte ich mir. Aber manche Dinge ändern sich nie. Weiterlesen

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Die schwäbische Hausfrau würde sich schämen

Do spannt der Ranzen aber ned!

Do spannt der Ranzen aber ned!

Wer jahrelang in Schwaben gewohnt hat, der weiß, wie lecker Maultaschen schmecken können, und so zieht ein Lokal mit einem solchen Namen den Hauptstadtbesucher natürlich magisch an, zumal wenn man abends durch die windigen Strassen von Berlin-Mitte streift und richtig Hunger hat.

Nun, den kann man hier zwar loswerden, aber anders, als man es sich vielleicht vorgestellt hat. Der rechte Schwabe ißt ja gerne gut und viel. „Lieber zviel gessa als zwenig getrunka“, lautet ja nicht umsonst das Landesmotto. Doch leider haben die schwäbischen Wirtsleut‘ an der Spree offenbar den zu DDR-Zeiten eingeführten Begriff der „Sättigungsbeilage“ übernommen und zum Geschäftsprinzip erhoben.

Die Portion gebratene Maultaschen mit Ei bestand jedenfalls aus einer einzigen, in dünne Scheiben geschnittenen Maultasche, in eine vertrocknete Rüheikruste eingebacken, die irgendwie schräg an einen Berg von Kartoffel-, Kraut- und Ackersalat gelehnt war. Hätte man die ganze Beilage gegessen, wäre man in der Tat satt geworden, aber von dem bissle Maultäschle hätt‘ ma hächsten no meh‘ Hunger griegt.

Jeder rechte schwäbische Hausfrau würde sich schämen, ihren Gästen sowas vorzusetzen. Bei ihr muss der Ranzen bekanntlich hinterher spannen. Der Berlin-Besucher muss leider weiterziehen und woanders eine Currywurst einlegen, damit er satt wird.

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Wird Putin der Geburtshelfer des Neuen Europa?

Ein völlig neues Europa!

Ein völlig neues Europa!

 

Als der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld seinerzeit zwischen „Old Europe“ und „New Europe“ unterschied, hat er womöglich ein gerütteltes Maß an Vorahnung gezeigt. Tatsächlich ist das Gesicht Europas gerade dabei, sich unter dem Druck der Ereignisse in der Ukraine womöglich viel massiver zu verändern, als wir uns das alle denken – und als uns vielleicht lieb sein wird.

Putins Russland scheint fest entschlossen den Ostteil des Landes abzuspalten und entweder sich einzuverleiben oder daraus einen überschaubar großen Vasallenstaat zu machen, so nach dem Muster von Armenien, Georgien oder Azerbaijan. Da dort überwiegend Menschen leben, die sich zumindest als Russen fühlen, sei er völkerrechtlich legitimiert, sie bei der Suche nach einer neuen Wahl-Heimat zu unterstützen. Und sollte eine Mehrheit für den Anschluss an Mütterchen Russland entscheiden, hey, dann ist es doch ihr gutes Recht, oder? Weiterlesen

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Ihr dürft mich gerne „Herr Doktor“ nennen

Doktordiplom klein

Es gibt unter meinen Freunden viele kluge Köpfe, darunter einen, der sich das sozusagen hat bescheinigen lassen, nämlich mein Freund Michael Kausch. Verzeihung: Doktor Michael Kausch, so viel Zeit muss sein.

Michael ist in Frankfurt zur Schule gegangen oder so ähnlich. Sie wissen ja: Horkheimer, Adorno, “Kritische Theorie” und all so’n Gedöns. Dass er sich bis heute beharrlich weigert, diesen Titel auch im Alltag zu führen, ist für mich ein bleibendes Rätsel. Immerhin hat er dafür ordentlich schuften müssen, denn so einen Doktortitel kriegst du ja nicht nachgeschmissen.

Oder vielleicht doch? Jedenfalls ist die Welt jetzt um einen weiteren Doktoranten reicher. Mich nämlich: Der Briefträger brachte mir meinen druckfrischen Ehrendokordiplom ins Haus, und ich schaue schon nach einer passenden Wand, um ihn aufzuhängen.

Im Gegensatz zu Michael hat sich meine Doktor-Arbeit in Grenzen gehalten. Genau gesagt habe ich nur ein Online-Formular ausgefüllt und eine Banküberweisung in Höhe von 49 Euro getätigt, die als Spende an die RV Church & Institute Inc. in Miami, Florida, ging. Aus Dankbarkeit für diese großzügige Geste hat mir der Senat der Kirche die Ehrendoktorwürde “Dr. h.c. of Ministry” verliehen, die im Gegensatz zum einem “gekauften” Titel in Deutschland sogar geführt werden darf. Das jedenfalls versichert mir der Vermittler, die Firma Ehrentitel.24.com, in einer Hochglanzbroschüre, die sie freundlicherweise dem Diplom beigelegt haben und wo auf einem Foto zwei junge Doktorantinnen in sehr, sehr kurzen Hosen in einen Laptop schauen und dabei vor ekstatischer Verzückung kaum an sich halten können. So ein Doktortitel, das soll das Foto wohl suggerieren, hat eine geradezu aphrodisische Wirkung auf junge Frauen. (mik: stimmt das?) Weiterlesen

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How to Teach a Jew Business

Talking about jokes, how about this one – a real gem of Jewish humor!

Two beggars are sitting side by side on a street in Rome.

One has a cross in front of him; the other one the Star of David. Many people go by and look at both beggars, but only put money into the hat of the beggar sitting behind the cross.

A priest comes by, stops and watches throngs of people giving money to the beggar behind the cross, but none give to the beggar behind the Star of David.

Finally, the priest goes over to the beggar behind the Star of David and says, »My poor fellow, don’t you understand? This is a Catholic country; this city is the seat of Catholicism. People aren’t going to give you money if you sit there with a Star of David in front of you, especially when you’re sitting beside a beggar who has a cross. In fact, they would probably give to him just out of spite.«

The beggar behind the Star of David listened to the priest, turned to the other beggar with the cross and said: »Moishe, look who’s trying to teach the Goldstein brothers about marketing.«

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