Wohin steuert die Logistikbranche?

Im Jahr 2030 werden voraussichtlich etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Dies stellt die Logistikbranche vor massive Herausforderungen. Wenn sich Bevölkerung vom Land in die Stadt zieht, wird der Konsum in den Städten zunehmen – ebenso wie die Logistikströme in die Städte und aus den Städten heraus.

Gleichzeitig werden die Versorger zunehmend Mühe haben, sich in einer energiebeschränkten, kohlenstoffarmen Welt zu behaupten. Zum einen werden die Kosten der Emissionen von denjenigen getragen werden müssen, die die Vorteile nutzen, und zwar nicht getrieben durch Regulierung, sondern auch durch Veränderungen im Verbraucherverhalten. Die Lieferketten werden von technologischen Verbesserungen profitieren, die eine signifikante Kontrolle in Echtzeit ermöglichen, was zu einer größeren Flexibilität führen wird.

Die Logistik wird durch die Entwicklung einer kontinuierlichen Echtzeit-Kontrolle des Warenflusses effizienter werden. Echtzeit-Kontrollsysteme ermöglichen es Logistikdienstleistern und ihren Kunden, viele Geschäftsprozesse über Internet-Schnittstellen zu überwachen und zu steuern. Weiterlesen

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Der Witzbold von der traurigen Gestalt

Mach’s gut, alter Witzbold! (Foto: Future Image)

Norbert Blüm war leider in der falschen Partei. Er wäre ein toller Sozialdemokrat gewesen, aber er war leider ein Pfälzer Sozialkatholik, und da kam für ihn nur die CDU infrage. Als ich ihm das gesagt habe hat er gelacht.

Er hat überhaupt sehr gerne gelacht. Wir sind auf den Marienberger Tagen in Südtirol mal gemeinsam aufgetreten. Abends sind wir mit unseren Ehefrauen im Wirtshaus zusammengesessen, und Norbert hat Witze erzählt. Er war der beste Witzeerzähler, den ich je kennengelernt habe, und unser Wirt war genauso einer. Die beiden haben sich drei Stunden lang gegenseitig aufgeschaukelt: Ein Witz ergab den nächsten, und uns allen hat der Bauch anschließend wehgetan vor lauter Lachen.

Dazwischen hat er uns ein bisschen von seinem Leben erzählt, und das war alles andere als witzig. Seine Tochter hat einen Mann geheiratet, der für eine große Firma nach Russland ging und sich dort in eine russische Oligarchentochter verknallt hat. Vorher haben sich die beiden ein Haus gekauft, und weil das Geld nicht gereicht hat, ist Norbert mit einer Bürgschaft eingesprungen. Der junge Mann hat sich aus Moskau gemeldet und mitgeteilt, dass er erstens nicht zurückkommen und er zweitens keinen Cent mehr abbezahlen werde.

Norbert hat zehn Jahre lang alles Geld, was er aus seiner Pension als Minister und Abgeordneter bekam, an die Bank abführen müssen. Die Tochter saß inzwischen allein mit den Enkelkids daheim. Dass er sich später noch eine Blutvergiftung zugezogen hat, an der er letztlich auch gestorben ist, war nur noch eines obendrauf. Jeder andere wäre verbittert gestorben – aber wenn ich an Norbert Blüm denke, höre ich ihn nur laut lachen. So möchte ich ihn auch in Erinnerung behalten. Mach’s gut, du alter Witzbold!

 

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Covid statt Senizid: Schluss mit der lästigen Handarbeit!

Allen, die mich für ein zynisches, empathieloses Arschloch halten (und ich weiß, dass es unter meinen Facebook-„Freunden“ einige davon gibt) sei die Lektüre der Kolumne „Quergeschrieben“ von Karl-Peter Schwarz in der heutigen Ausgabe der Wiener Presse empfohlen. Ich nehme an, der Herr ist ohnehin der Erfinder des „Schwarzhumors“, aber gegen den bin ich ja ein lammfrommer Philanthrop!

Sein Thema ist „Ahnlvertilgung“, ein Begriff, den einst Helmut Qualtinger prägte und der wissenschaftlich als Senizid bekannt ist. Es handelt sich um die über weiten Teile der Menschheitsgeschichte geübten Praxis, diejenigen zu beseitigen, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters keinen ausreichenden Nutzen mehr für Gesellschaft und Familie zu erbringen imstande waren.

Schwarz zitiert aus dem Buch Senizid und Altentötung des Essener Pädagogen Raimund Pousset, dessen Untertitel lautet: „Ein überfälliger Diskurs“. Meist, so Pousset, sei diese Tötung aus ökonomischen Gründen religiös verbrämt worden, oft eingeleitet durch ein rituelles Trinkgelage, and dem die Betroffenen teilenehmen durften oder auch nicht, nach dem Motto: Besoffen stirbt sich’s leichter. Weiterlesen

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Die Macht der Virologen, oder: Was kostet ein Menschenrecht?

Wir erleben in Europa nicht nur eine schreckliche Pandemie, sondern auch den größten Angriff auf die Menschenrechte seit 1945. Covid-19 muss als Entschuldigung herhalten für das Aussetzen der Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG), der Freizügigkeit (Art. 11), der Berufsfreiheit (Art. 12) und der freien Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2). In Österreich wird sogar – mit breiter Zustimmung aus der Bevölkerung – über die zwangsweise Einführung einer App nachgedacht, um die Bewegungen jedes Bürgers aufzeichnen um notfalls nachweisen zu können, wer sich mit wem getroffen und dabei womöglich den Virus weitergegeben haben könnte – ein Angriff auf das Fernmeldegeheimnis (Artikel 10).

Ich diskutiere mit meinen Facebook-Freunden gerade sehr engagiert über dieses Thema, wobei es ungefähr 2 zu 1 zwischen denen steht, die mich für ein zynisches, empathieloses Arschloch halten (was einige sogar dazu bewogen hat, mich zu „entfreunden“) und denen, die mir mehr oder weniger kritisch zustimmen.

Ich habe mir erlaubt, darauf hinzuweisen, dass jedes Jahr weltweit vermutlich zwischen 290.000 und 645.000 Menschen an Atemwegserkrankungen infolge einer Influenza-Infektion sterben, so die neueste Schätzung eines internationalen Forschernetzwerks unter Federführung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC. (Quelle: Pharmazeutische Zeitung). Aber keiner käme auf die Idee, deswegen Grundrechte auszusetzen.

Äpfel und Birnen

Natürlich weiß ich, dass ich in gewissem Sinne Äpfel und Birnen vergleiche, denn Coronaviren können grundverschieden sein, und von Covid-19 wissen wir viel zu wenig. Es könnte ähnlich sein wie sein enger Verwandter, das SARS-CoV, das gleich zweimal zuschlug, nämlich 2002 und 2004, das aber beinah ebenso schnell wieder verschwand, wie es gekommen ist dank schneller Isolierung der Befallenen und rigorosem Testen von Reisenden aus den befallenen Gebieten. Insgesamt gab es 8.098 gemeldete Fälle von SARS und 774 Todesfälle.

MERS-CoV (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus) trat 2012 zunächst in Saudi-Arabien auf und wurde anfangs auch als eine Riesenbedrohung der Menschheit dargestellt. Tatsächlich gab es aber nur 2.494 Fälle und 858 Tote.

Ein Jahr später tauchte das als „Vogelgrippe“ bekanntgewordene Influenzavirus A H7N9 auf und verursachte 1.568 Erkrankungen und führte zu 616 Todesopfern. Jede dieser Viren war anders, sowohl in der Ausbreitungsgeschwindigkeit als in der Mortalität.

Vor allem der Vergleich mit der „gewöhnlichen“ Grippe führt nicht weiter, zumal wir dafür Impfstoffe haben und gegen Covid-19 (noch) nicht. Grippeviren verändern sich regelmäßig, was stets die Entwicklung neuer, oder wenigstens die Anpassung des alten Impfstoffs vom Vorjahr erforderlich macht.

Wir wissen, dass wir nichts wissen

Von Covid-19 wissen wir (noch) nicht, ob und wie schnell es mutiert. Wir wissen nicht, wie viele Menschen sich tatsächlich angesteckt haben, wie tödlich das Virus ist, wo er wirklich herkommt und welche Rolle Kinder bei der Verbreitung spielen, ob es wie die Grippe bei warmem Wetter von alleine verschwinden wird und wie lange ein Genesener danach immun gegen eine Wiederansteckung ist. Das sind eine Menge Unbekannter in der Gleichung, und das macht vielen Menschen verständlicherweise Angst.

Was wir aber mit ziemlicher Sicherheit wissen ist, dass die Maßnahmen gegen Covid-19 ohne Rücksicht auf die Menschenrechte der Bürger in Europa und Amerika beschlossen worden sind. Die einzigen, die heute das Ohr der Politiker haben, sind Virologen und Pandemieexperten. Hat denn in jüngster Zeit jemand meinen Freund Dieter Kempf, seines Zeichens Präsident des BDI und damit Deutschlands oberster Industrieller, nach seiner Meinung gefragt? Die Politik wohl nicht – auch nicht Frau Merkel.

Wir wissen aber, dass es gerade diese Maßnahmen sind, die drohen, die größte Weltwirtschaftskrise seit 1929 auslösen.

Wir hier in Europa auf unserer Insel der Seligen, ausgestattet mit einem üppigen sozialen Auffangnetz, mit Kranken- und Arbeitslosenversicherung, mit Härtefall-Fonds und Kurzarbeitsgeld, haben keine Ahnung, was das für den Rest der Welt gerade bedeutet. Aber wir sind trotzdem bereit, unsere Grundrechte herzugeben – für die unsere Ahnen gekämpft, geblutet und gestorben sind, und um die uns der Rest der Welt beneidet!

Viren töten – Wirtschaftskrisen auch!

Bevor alle jetzt zu Facebook wechseln und mich aus ihren Freundeslisten streichen, lasst mich bitte klarstellen: Ich bin für Quarantäne bei Infektionsverdacht. Ich bin dafür, Ärzte und Pflegepersonal besser auszurüsten und zu schützen. Ich übe selbst seit mehr als zwei Wochen soziale Distanzierung, trage Handschuhe und Maske beim (seltenen) Gang zum Supermarkt, und ich wasche mit täglich mehrmals die Hände.

Aber ich bin absolut gegen dieses panikartige Herunterfahren der gesamten Volkswirtschaft, das ungeahnte, aber mindestens ebenso katastrophalen Folgen haben wird – auch tödliche!

Das betrifft zum einen alle Menschen ohne ausreichende Krankenversicherung – in Amerika sind das immerhin fast 28 Millionen. Rund 12 Millionen davon sind so genannte „nichtdokumentierte Fremde“. Und es sind mehr als 500.000 Obdachlose darunter, die sich beim besten Willen nicht zu Hause einsperren können – sie haben ja keines – und denen es auch schwerfällt, sich regelmäßig die Hände zu waschen.

Es betrifft auch Millionen armer Menschen nicht nur in der Dritten Welt, denen die Lebensgrundlage entzogen wird und denen schlimmstenfalls der Hungertod droht. Und es betrifft Millionen auch bei uns, die aus Angst vor Arbeitslosigkeit und der Vernichtung ihrer Existenzgrundlage den Freitod suchen werden, wie die Spekulanten an der Wall Street, die 1928 lieber aus dem Hochhausfenster gesprungen sind als in den wirtschaftlichen Ruin zu starren.

„Wir haben gar keine Wahl“, sagte Donald Trump letzte Woche, nachdem er eine Verlängerung der Richtlinien zur sozialen Distanzierung in den USA bekanntgegeben und sich selbst gleich zweimal hatte testen lassen – ohne Ergebnis. Wie so vieles, was The Donald von sich gibt, war das leider auch gelogen: Eine Wahl gibt’s immer. Fragt sich nur, welche.

Es blieb – wieder einmal – der besten Wirtschaftszeitung der Welt, dem Economist, vorbehalten, die verbotene Frage zu stellen, nämlich: „Um welchen Preis?“

Die Instinktreaktion der meisten Menschen, vor allem derjenigen, die für uns die politischen Entscheidungen über die Reaktion auf Covid-19 treffen müssen, scheint zu lauten: „Um keinen!“ Die Vorstellung, dem Leben eines Menschen einen monetären Wert beizumessen und die Messlatte des Utilitarismus mit seiner rein zweckorientierten Ethik („der größte Nutzen für die meisten Menschen „) in einer Pandemie anzuwenden, ist ihnen ein Gräuel.

Geld oder Leben

Dabei ist die Bewertung von Menschenleben längst ein akzeptiertes statistisches Werkzeug in einer ganzen Reihe anerkannter Disziplinen wie Wirtschaft, Gesundheitswesen, Adoption, politische Ökonomie, Versicherung, Arbeitssicherheit, Umweltverträglichkeit und Globalisierung. Ja, unsere Rechtssysteme zumindest in zivilisierten Ländern bauen auf dem Grundsatz auf, dass ein Menschenleben unbezahlbar ist, seine Würde unantastbar. Deshalb sind wir uns ja auch alle einig, dass Sklaverei unmenschlich ist.  Aber in der Tagespraxis, nämlich überall dort, wo wir mit einem begrenzten Angebot an Ressourcen oder infrastrukturellem Kapital (z.B. Krankenwagen) oder Fertigkeiten konfrontiert sind, ist es oft einfach unmöglich, jedes Leben zu retten. In einem solchen Fall müssen wir gewisse Kompromisse eingehen.

Das Wissen um den Wert des Lebens ist hilfreich bei der Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse, insbesondere im Hinblick auf die öffentliche Ordnung. Um zu entscheiden, ob sich eine Politik lohnt oder nicht, ist es wichtig, Kosten und Nutzen genau zu messen. Öffentliche Programme, die sich mit Dingen wie Sicherheit (z.B. Autobahnen, Krankheitskontrolle, Wohnen) befassen, erfordern genaue Bewertungen, um die Ausgaben zu budgetieren.

Wo Ressourcen begrenzt sind, sind Kompromisse unvermeidlich, selbst bei möglichen Entscheidungen über Leben oder Tod. Die Zuweisung eines Wertes für das individuelle Leben ist ein möglicher Ansatz, um zu versuchen, rationale Entscheidungen über diese Kompromisse zu treffen. Unterschiedliche Länder weisen einem Menschenleben durchaus unterschiedliche Werte zu. In den USA legt man bei der Behandlung von Nierenerkrankungen einen so genannten „Dialyse-Standard“ an, der zwischen $50.000 und 60.000 liegt. Stanford-Professor Stefanos Zenios, dessen Team die Kosteneffizienz der Nierendialyse berechnete, fand heraus, dass der Wert eines Lebens („Value of Statistical Life„, oder VSL), der die damalige Dialysepraxis impliziert, im Durchschnitt etwa $129.000 USD pro qualitätsbereinigtem Lebensjahr (Quality Adjusted Life Year, oder QALY) beträgt. Er fasste das so zusammen: „Wenn Medicare für die Behandlung von Patienten durchschnittlich $129.000 zusätzlich zahlen würde, erhielten sie im Durchschnitt ein weiteres qualitätsbereinigtes Lebensjahr“.

Der tägliche Kuhhandel um Menschenleben

Genau in diese Wunde bohrt der Economist, wenn er in seiner aktuellen Titelstory auf die Notwendigkeit des Abwägens hinweist. Solche Kuhhandel, so die Autoren, müssen Ärzte in den Zeiten von Covid-19 jeden Tag vornehmen, oft unter furchtbarem moralischem Druck:

Eine allgemeine Lösung, die sowohl von Moralphilosophen als auch von Ärzten angeboten wird, besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Ressourcen – in diesem Fall Personal, Material und Ausrüstung – auf die Patienten ausgerichtet werden, die die größten Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung und die die größte Lebenserwartung haben. Aber hinter einer so einfach erscheinenden utilitaristischen Lösung liegen einige brutale Entscheidungen.

Nehmen Sie den Mangel an Beatmungsgeräten. Viele Patienten, die mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, werden irgendwann eines brauchen. Wenn man es zu früh zur Verfügung stellt, verzichtet ein anderer auf ein Beatmungsgerät. Wenn es aber wirklich gebraucht wird, wird es schnell gebraucht werden. In einem Artikel des ‚New England Journal of Medicine‘ heißt es, wenn Beatmungsgeräte von Patienten, die von ihnen abhängig sind, zurückgezogen werden, werden diese ‚innerhalb von Minuten sterben‘.

Die Entscheidung über die Beatmung wird dann zu einer Entscheidung über Leben oder Tod. Kommt ein junger Patient an, der ein Beatmungsgerät benötigt, und es steht keins zur Verfügung, könnte man ja ein solches Gerät von einem anderen Patienten entfernen, der als weniger überlebenswahrscheinlich gilt. In Extremsituationen kann es sogar jemandem abgenommen werden, der zwar überleben könnte, der aber eine kürzere Lebenserwartung hat. Solche Rahmenbedingungen begünstigen weder ältere Patienten noch solche mit Gesundheitsproblemen.

Covid-19, so der Economist, verlangt viele solcher „trade-offs“ in allen Bereichen. Jede Maßnahme hat Folgen, viele von ihnen unerwartet. Deshalb sei es wichtig, wenn Entscheidungen auf einer möglichst breiten Datenbasis und transparent getroffen werden. Der Bürger muss wissen, warum von ihm Opfer und Verzicht bis hin zur Aufgabe seiner Grundrechte verlangt wird. „Wir hatten keine andere Wahl“ genügt nicht zur Begründung.

Kompromisse, so weit das Auge reicht

Idealerweise sollten weltweit die gleichen Entscheidungsvoraussetzungen gelten. Das ist jedoch offensichtlich nicht der Fall. Wohin man auch schaut, Covid-19 wirft ein Miasma solcher Kompromisse auf. Wenn Florida und New York unterschiedliche Ansätze verfolgen, begünstigt das zwar die Innovationen und führt zu Programmen, die auf die lokalen Bedingungen und Präferenzen der Bevölkerung abgestimmt sind, birgt aber auch die Gefahr, dass die Fehler eines Staates auf andere Staaten übergreifen. Wenn China seine Grenzen für Ausländer fast vollständig schließt, stoppt es importierte Infektionen, aber es behindert auch ausländische Unternehmen. Eine gewaltige Anstrengung zur Herstellung und Verteilung von Covid-19-Impfstoffen wird Leben retten, aber sie könnte Programme beeinträchtigen, die Kinder vor Masern und Polio schützen.

Der Economist fordert vor diesem Hintergrund Regierungen auf, sich an drei Prinzipien zu halten. Die erste sei Systematik. Die nach dem Dialyse-Standard errechneten $60.000 sind ist kein echtes Geld, sondern eine buchhalterische Hilfsgröße, die es erlaubt, sehr unterschiedliche Dinge wie Leben, Arbeitsplätze und den Kampf um moralische und soziale Werte in einer komplexen Gesellschaft zu vergleichen. Je größer die Krise, desto wichtiger sind solche Messungen. Wenn ein Kind in einem Brunnen festsitzt, wird der Wunsch nach grenzenloser Hilfe vorherrschen – und das sollte auch so sein. Aber in einem Krieg oder einer Pandemie können die Verantwortlichen nicht der Tatsache entgehen, dass jede Maßnahme enorme soziale und wirtschaftliche Kosten verursacht. Um verantwortungsbewusst zu sein, muss man sich gegeneinander abwägen.

Deshalb müsse das zweite Prinzip sein, vernünftige Kompromisse einzugehen, um denjenigen zu helfen, die auf der Verliererseite stehen. Arbeitnehmer, die bei Zwangsschließungen entlassen wurden, verdienen zusätzliche Hilfe; Kinder, die in den Schulen keine Mahlzeiten mehr bekommen, müssen mit Lebensmitteln versorgt werden. Ebenso muss die Gesellschaft den Jungen helfen, wenn die Pandemie abgeklungen ist. Obwohl die Krankheit sie weniger stark bedroht, wird der größte Teil der Last auf sie fallen, heute und in Zukunft, wenn die Länder ihre zusätzlich aufgenommenen Kredite und damit die Zeche fürs Überleben zurückzahlen müssen.

Als dritten Grundsatz fordert der Economist die Länder auf, sich anzupassen. Das Verhältnis von Kosten und Nutzen werde sich im Laufe der Pandemie verändern. Ausgangssperren kaufen wertvolle Zeit. Wenn sie aufgehoben werden, wird sich Covid-19 wieder unter den noch anfälligen Menschen ausbreiten. Aber die Gesellschaften müssten sich inzwischen auf die nächste Welle vorbereiten – was sie leider vor der Ersten nie getan haben. Sie müssten ihre Gesundheitssysteme massiv aufrüsten, mit mehr Notfallbetten, mehr Beatmungsgeräten und zusätzliches und besser ausgebildetes – und bezahltes – Personal. Sie können neue Wege zur Behandlung der Krankheit untersuchen und eine Armee von Test- und Suchteams rekrutieren, um neue Cluster auszulöschen. All das würde die Kosten für die Öffnung der Wirtschaft senken.

Aber niemand kann garantieren, dass neue Behandlungsmethoden gefunden werden, und die neuen Tests könnten scheitern. Egal wie es ausgeht, unsere Volkswirtschaften werden bis zum Sommer zweistellig schrumpfen. Die Menschen werden monatelang in geschlossenen Räumen gelebt haben, was sowohl dem sozialen Zusammenhalt als auch ihrer psychischen Gesundheit schadet. Eine jahrelange Abriegelung würde Amerika und die Eurozone etwa ein Drittel des Bruttoinlandprodukts kosten. Die Märkte würden zusammenbrechen und Investitionen versickern. Die Kapazität der Wirtschaft, sich selbst am eigenen Zopf aus dem Schlammassel zu ziehen, würde verkümmern. Die Innovation geriete ins Stocken, wichtige berufliche Fähigkeiten verkümmern. Selbst wenn viele Menschen sterben, könnten die Kosten der Distanzierung am Ende des Tages größer sein als die Vorteile. Das ist eine Seite der Kompromisse, die noch niemand zuzugeben bereit ist.

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Can you drink wine that has turned to vinegar?

Ein Juwel unter den Essigen

I really love Quora because sometimes answering the questions people ask there means you have to dig down deep to fill out the information already stored in your head. This happened to me again when someone asked if it’s okay to drink wine that has turned to vinegar.

I have tasted drinking vingear numerous times, and a few years ago there was a real craze going on, with gourmet restaurants offering patrons separate „vinegar cards“ with dozens of different crus.

Of course, vinegar has been a popular aperitif and digestif for centuries, and not simply for reasons of taste, but because of its proven beneficial properties. It is known to stimulate the metabolism and support protein digestion. The famous medieval mystic Hildegard von Bingen (1098-1179) was all for it, and Hippocrates recommends vinegar as a cure for respiratory diseases and digestive disorders. Roman legionaries carried canteens filled with a mixture of vinegar and water, called „Posca“, which was probably a good idea given the quality of the water in ancient times. Weiterlesen

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Von einem der auszog, in Österreich ein Härtefall zu werden

Es klang ja hoffnungsvoll: Österreich wird den Freien und Selbständigen, denen dank Corona das Geschäft über Nacht weggebrochen ist, finanziell unter die Arme greifen, kurzfrisitig und unbürokratisch. Im Wege des so genannten Härtefall-Fonds sollen Mitglieder Freier Berufe (z.B. im Gesundheitsbereich), Ein-Personen- und Kleinstunternehmer mit weniger als 10 Beschäftigen, so genannte „Neue Selbständige“ wie Journalisten, Vortragende, Künstler  und Psychotherapeuten sowie Freie Dienstnehmer wie EDV-Spezialisten oder Nachhilfelehre einen Zuschuss bekommen, der von der Wirtschaftskammer (WKÖ) ausbezahlt werden soll – auch wenn sie keine Kammermitglieder sind.

Nun muss man dazu wissen, dass gerade solche Freiberufler in Österreich mit am härtesten betroffen sind, weil es bei ihnen kein Arbeitslosengeld wie bei Angestellten gibt. Von heute auf morgen brechen die Einnahmen weg, weil Aufträge storniert und Veranstaltungen abgesagt werden, die für sie den Löwenanteil ihrer Einkommen ausmachen.

Über Nacht entstand also auf der WKÖ-Homepage ein Portal, wo man nur auf einen Online-Knopf zu drücken braucht, ein paar einfache Fragen beantworten, und schon sollte es in bester Verona Feldbusch-Manier heißen: „Hier werden Sie geholfen!“

Doch wie so oft im Leben steckt der Teufel auch beim WKÖ im Detail. Genauer: In der Programmierung ihrer Website. Denn da wurde offenbar unter Zeitdruck gearbeitet und mit der heißen Nadel gestrickt. Ergebnis: Es geht nichts! Weiterlesen

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Sterben Italiener schneller?

Wenn wir hier schon beim großen Corona-Rätselraten sind, eine wirklich ernstgemeinte Frage, zur Abwechslung: Wie ist es erklärlich, dass es in Deutschland Stand heute 08:10 Uhr laut John Hopkins Universität 22.364 Infizierte gab, aber nur 84 Tote, während es in Italien nur etwas mehr als doppelt so viele Fälle, nämlich 53.578 waren, aber fast 600 Prozent (!) mehr Todesfälle, nämlich 4.825. Das ist eine so auffällige Diskrepanz, dass die Welt gestern titelte: „Deutsche Todesrate versetzt Ausland ins Staunen

Mir als Laien fallen eigentlich nur zwei mögliche Erklärungen ein.

1. Die Italiener sterben schneller. Italien hat schließlich im Durchschnitt die älteste Bevölkerung Europas. Außerdem wohnen viele von ihnen noch daheim in Großfamilien, was ja eigentlich sehr schön ist, aber in einer solchen Situation eben tödlich. Wie wir wissen stecken sich Kinder und Jugendliche genauso häufig an wie die Alten, zeigen aber oft überhaupt keine Symptome.

2. Die Italiener zählen anders. Was ist überhaupt ein Corona-Toter? Und wer prüft in der Hektik nach, was wirkliche die Todesursache war? Ist Opa am Herzkasperl gestorben oder am Virus? Ist die krebskranke Oma ein Cornonaopfer, oder hat das nur ein bisschen nachgeholfen? Und wird in anderen Ländern vielleicht überhaupt ganz anders gezählt als bei uns? Ich weiß es nicht, halte es aber bei dem verwaltungstechnischen und gesundheitspolitischen Kuddelmuddel in Europa durchaus für wahrscheinlich.

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Corona und die Grundrechenarten

In Österreich sind letztes Jahr 82.303 Menschen gestorben – woran auch immer. Das sind JEDEN TAG 225,5.

An Covid-19 sind laut Sozialministerium bisher (Stand: 21.3.2020, 15.00 Uhr) 8 von 2.814 registrierten Patienten verstorben. 9 sind wieder genesen.

Ich denke, man muss das alles auch mal perspektivisch betrachten.

Als ich diese Zahlen auf Facebook gepostet habe, kam eine Welle der Empörung zurück. Markus Breuer schrieb: „Ich halte es für irreführend, eine statische Betrachtung nur die aktuelle Situation in einem Land anzustellen. Österreich ist am Beginn der Entwicklung. In Italien sterben am Tag um die 700 Menschen, in Spanien knapp 300. In beiden Fällen mit leider immer noch wachsender Tendenz. Das sind auch (Perspektive) zum normalen Verlauf der Sterbefälle beeindruckende Zahlen.“ Irgendein Volldepp aus Wien entfreudete mich mit dem Worten: „Wieder ein empathieloser Mensch weniger unter meinen FB-Freunden.“ Und Rose Jacobs führte ihre kürzlich verstorbene Mutter ins Feld, die offenbar an einer Lungenentzündung regelrecht ertrank, wie sie schrieb. Genau so würden Coronapatienten aus dem Leben scheiden. Irgendwie, so las man zwischen den Zeilen, sei mir das alles egal. Weiterlesen

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Von der Kunst, einen richtig guten Verriss zu schreiben

Wonderwoman mit der Klistierspritze

Eine böse Kritik zu schreiben ist gar nicht so einfach. Bislang habe ich jedenfalls immer den Komponisten Max Reger für den Großmeister dieser Gattung gehalten, der einem bösen Feuilletonschreiberling mal die Zeilen widmete: „Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses. Ihre Kritik habe ich vor mir. Bald werde ich sie hinter mir haben…“. Aber jetzt habe ich etwas gelesen, dass alles Bisherige in den Schatten stellt.

Es stammt von Jon Caramanica, einem Popmusikkritiker der New York Times, und der hat sich die israelisch-amerikanischen Schauspielerin Gal Gadot vorgenommen. Die sitzt gerade wegen Corona in ihrem New Yorker Appartement eine Selbstquarantäne ab, und es ist ihr deshalb wohl ziemlich fad. Sie hatte jedenfalls die Idee, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen dazu zu bringen, gemeinsam eine neue Cover-Version von John Lennons unsterblichem Friedens-Klassiker „Imagine“ einzu-, na ja, „singen“ sollte das wohl heißen.

Jeder bekam also eine Zeile zugewiesen, das Ergebnis sind zwei offenbar endlos lange Minuten auf Instagram. Die Tradition des Mulitpromi-Songs ist ja lang und nicht immer sehr erfolgreich. Aber die gute Gal, die 2017 als Wonderwoman zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte, muss wohl eine Art negativem Hammerhit gelandet haben. Und der gute Jon hat die passenden Worte gefunden, um ihn zu beschreiben.

„Als sie die Eröffnungszeile singt – ‚Imagine there’s no heaven‘ – grinst sie in die Kamera, als wollte sie dir gleich die Tasche ausrauben. Oder wie eine freudvoll masochistische Krankenschwester, die dabei ist, dir ein besonders schreckliche Klistierspritze zu setzen.“ Puff – das sitzt!

Kristen Wiig, die ebenfalls bei der Wunderdame mitspielt, sieht in ihrem breitkrempigen Hut angeblich aus, als sei sie sauer, weil sie gerade beim Spazierengehen angepöbelt worden ist, meint Jon. Auch nicht sehr schmeichelhaft.

Wer aber sein Fett ganz besonders böse weg kriegt ist Jamie Dornan, der 1982 geborene Belfaster, der unter anderem in Fifty Shades of GreyGefährliche Liebe und in dem unbesternten Remake von Robin Hood aus dem Jahr 2018 mitwirkte. Der sei, so Jon, selber gar nicht auf Instagram und weiß der „deshalb vermutlich nicht, dass er dort aussieht, als würde er widerwillig eine Geiselvideo drehen und sich nicht entscheiden können, ob er überhaupt befreit werden will.“ Dornan ist übrigens mit der Zeile dran ‚No Hell below us‘, die er nach Ansicht von Jon nicht so sehr singt wie ausspuckt.

Von allen Mitmachern hier, so Jon, scheint nur Chris O’Dowd – noch so’n irischer Schauspieler-Ersatz, der aber wenigstens ganz gute Bücher schreibt – verstanden zu haben, „welcher Horror sich dort am Horizont auftut.“ Seine Sorgenfalten seien tief, seine Augenbrauen offenbar vom Wunsch beseelt, aus seinem Gesicht herauszuhüpfen, und seine linke Gesichtshälfte verdrehe sich gegen Ende seiner Zeile (‚I wonder of you can‘) so, als ob es um Vergebung flehen wolle.

Tja, lieber Max Reger: In Jon Caramanica haben Sie, zumindest verrissmäßig, Ihren Meister gefunden!

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Deutsche und Holländer: Auch die Cloud hat Grenzen

Jedes Volk hat so seine festen Vorstellungen über das jeweils andere. Faule Italiener, französische Feinschmecker, spleenige Briten und trinkfreudige Skandinavier, zum Beispiel. Auch im Verhältnis mit unseren nächsten Nachbarn, den Niederländern, sind Stereotypen an der Tagesordnung.  Eine Holländerin, die ich kenne, sagte mir, die Deutschen seien so weinerlich. „Denen kannst du gar nichts recht machen“, meinte sie, die immerhin 36 Jahre in Düren gelebt hat, also gerade einen Katzensprung über die Grenze. Ihr Mann, der Deutscher ist, sagt dagegen, die Holländer seien viel flapsiger als die Deutschen. Spontaner. „Die Holländer sagen, was sie denken,“ sagt seine Frau – und ecken damit manchmal an.

Wenn es um Cloud Computing geht, zeigen sich die unterschiedlichen Volkscharakter besonders deutlich. Das behaupten jedenfalls die Meinungsforscher des Forsa-Instituts, die im Auftrag des Internet-Providers Strato insgesamt 1.003 Internetnutzer in beiden Ländern befragt haben nach ihrer Einstellung zu Cloudlösungen wie Dropbox, Microsoft One Drive, Google Drive oder iCloud. Und tatsächlich: Unterschiedlicher hätte das Ergebnis nicht ausfallen können.

Das deutsche Wort „Angst“ hat ja längst Eingang gefunden in andere Sprachen, zum Beispiel meine Muttersprache Englisch, wo wir eine dezidierte „German Angst“ kennen: eine tiefe, aber unbestimmte Furcht vor allem Neuen. „Ändern lässt sich gar nix denn sonst hätten wir’s längst gemacht“, sang der Kabarettist Georg Kreisler, der zwar ein Österreicher war, aber jeder weiß, dass die Österreicher die besseren Deutschen sind. Es ist also völlig klar, dass der Deutsche mehr Angst vor der Cloud hat als der Niederländer. Sind meine Daten dort tatsächlich sicher? Oder können sich Mitarbeiter bei einer Tasse Kaffee gemütlich meine Daten ansehen und damit Unsinn anstellen? Genau davor fürchten sich 85 Prozent der Befragten, die keine Cloud nutzen. 44 Prozent beschleicht überhaupt ein Gefühl der Unsicherheit, wenn sie online gehen. Weiterlesen

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