Warum das Web weiß ist

Suchmaschinenbetreibern wird seit Jahren vorgeworfen, rassistische Algorithmen zu verwenden. Versuchen Sie es selbst: Wer bei Google oder Bing als Suchbegriff „Hände“ eingibt, bekommt fast ausschließlich weiße Hände präsentiert. Ähnliches passiert, wenn man „babies“ eingibt: Es lachen einem nur weiße Säuglinge entgegen! Die Grafikdesignerin Johanna Burai geründete deshalb 2015 sogar ein Projekt, das Sie World White Web nannte, wo sie Handfotos von Menschen dunkler Hautfarbe sammelte und die Besucher aufforderte, diese möglich weitläufig zu teilen, um damit das so genannte Ranking der Suchmaschinen zu beeinflussen. Über Zeit, so argumentierte sie, würden die Algorithmen anfangen dunkle Hände als „normal“ einzustufen und entsprechend weiter oben in den Ergebnissen zu platzieren.

Google wehrt sich und verweist darauf, dass die Suchergebnisse lediglich die Häufigkeit reflektieren, mit der bestimmte Bildtypen im Web zu finden sind und wie sie beschrieben werden. Es habe nicht mit „Werten“ zu tun. Im Klartext: Weiße Hände und weiße Babies werden meist in einem positiven Kontext beschrieben (süß, goldig), Farbige viel häufiger in einem negativen (Flüchtlingsnot, Naturkatastrophen). Weiterlesen

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Wie eine Maschine das größte Spiel gewann

Der Match zwischen Schachweltmeister Garry Kasparov und IBMs Superrechner Deep Blue gilt als ein Wendepunkt in der Computergeschichte. Dabei war ein anderes Spiel viel wichtiger. Es fand am 13. April 2019 statt zwischen einer Künstlichen Intelligenz (KI) statt namens OpenAI Five, die unter anderem von Tesla-Gründer Elon Musk finanziert wird, und einem menschlichen Team namens Dota-2-Team OG. Und die Folgen dauern bis heute an.

Wenn Sie, geneigter Leser, nicht in der Welt der Online-Spiele zu Hause sind, dann sagt Ihnen vermutlich auch der Begriff Moba nichts. Laut Wikipedia sind das so genannte Multiplayer Online Battle Arena, auch bekannt als Action Real-Time Strategy (ARTS), ein Computerspiel-Genre aus der Unterkategorie der Echtzeit-Strategiespiele. Ein bekannter Vertreter dieses Genres ist das Spiel World of Warcraft, das allerdings aus dem Jahr 2004 stammt und deshalb schon als ziemlich betagt gilt. Dota 2 gehört hingegen zur aktuellen Generation von Action-Echtzeit-Strategiespielen, bei dem zwei Teams von jeweils fünf Spielern gegeneinander antreten, um strategisch Gegner umzubringen, Zielobjekte zu erobern und schließlich die Basis des Gegners zu belagern und zu zerstören.

Beim „OpenAI Five Arena“ im April 2019 in San Francisco saßen die fünf menschlichen Spieler, OG die sich ein halbes Jahr vorher den Weltmeistertitel erkämpft und dabei mehr als 11 Millionen US-Dollar Preisgeld gewonnen hatten,  einem Team aus fünf so genannten rekurrente neuronale Netzen gegenüber, die sich vorher gegenseitig trainiert hatten. In Fachkreisen nennt man sowas Reinforcement Learning, oder verstärkendes Lernen: Im Gegensatz zum traditionellen überwachten Lernen (Supervised Learning) werden dabei in einer Simulationsumgebung in vielen Durchläufen nach der Versuch-und-Irrtum-Methode („Trial-and-Error“) Daten generiert, die am Ende die erfolgversprechendste Strategie ergeben.

Im Vorfeld des Turniers haben die fünf KIs von OpenAI zehn Monate lang ununterbrochen gegeneinander gespielt, was umgerechnet einer Spielzeit von etwa 45.000 Jahren entspricht. Am Ende war das Ergebnis eindeutig: 2:0 musste sich das Weltmeister-Team gegen die KIs geschlagen geben. Weiterlesen

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Was feiern wir heute?

Heute ist in Österreich Nationalfeiertag – aber was feiern die denn? Schließlich wurde Österreich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder „befreit“. Und wen ich auch frage, ich bekomme immer eine andere Antwort. Deshalb dieser kleine Quiz.

A. Die Befreiung durch Albrecht III. im Jahr 1365

Albrecht mit dem Zopf (1349-1395), Begründer der Albertinischen Linie des Hauses Habsburg (1457 erloschen)

Übergabe der Stadtschlüssel Wiens im Schloßpark von Schönbrunn 1805

B. Die Befreiung durch Napoleon 1809

 

 

 

 

 

C. Die Befreiung durch Deutschland 1938

 

 

 

D. Die Befreiung durch die Alliierten 1945

Soviet tanks passing the Parliament Building in Vienna, Austria, April 17, 1945. (AP Photo)

 

 

 

 

 

 

 

E. Die Befreiung vom Krieg dirch die Ausrufung der „immerwährenden Neutralität Österreichs“ 1955

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Wer hat Angst vor der Wolke?

Es hat lange – viel zu lange – gedauert, aber so langsam scheinen die Deutschen ihre atavistische Angst vor Cloud Computing abzulegen. Es sind gar nicht so viele Jahre her, das wurde Martin Jetter, der damalige Deutschlandchef von IBM, von einem typischen schwäbischen Mittelständler gefragt: „Kennet Sie mir sage, wo meine Daten send, wenn ich sie in diese Cloud steck?“ Jetter verstand die Frage offenbar nicht, antwortete dann -typisch Techie – das sei doch egal, Hauptsache er, der Kunde könne jederzeit darauf zugreifen, und die Daten wären sicher.“ Mit ihm nicht, meinte der Schwabe: „I will immer ganz genau wisse, wo meine Daten send. Des mit der Cloud ischt nix für mi!“

Dabei ist Cloud Computing ja längst nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Die Ursprünge des „Distributed Computing“ reichen allerdings zurück in die Computer-Steinzeit. Bereits Ende der 60er Jahre machte das ARPANET der US-Militärs vor, wie man mit Hilfe von dezentraler Netzstruktur und Paketvermittlung ein weltumspannendes Kommunikationssystem bauen konnte, das auch noch sicher war! In den 70er war es möglich, per Ethernet-Verbindungen Computer über weite Distanzen zusammenzustecken. Das erste Symposium über die Prinzipien des Distribuierten Computings fand 1982 in Ottowa statt, und in den 90er Jahren tauchte dafür erstmals der Begriff des „Cloud Computing“ auf. John Burdette Gage, der berühmte Chefwissenschaftler von Sun Microsystems, prägte um diese Zeit den unsterblichen Satz: „Das Netzwerk ist der Computer!“

Es folgte, zumindest hierzulande, ein tiefes Jammertal. Statt mutig auf den Zug in die verteilte Computerzukunft aufzuspringen, zogen sich deutsche Unternehmer und Privatnutzer lieber zurück ins stille Kämmerlein. Hauptsache sicher, das war ihnen viel wichtiger.

Doch inzwischen scheint ein Umdenken einzusetzen „Beim Speichern privater Daten in der Cloud ist Deutschland gespalten in zwei etwa gleich große Lager von Befürwortern und Skeptikern. Doch es ist ein Pro-Cloud-Trend zu beobachten: Das zeigt eine exklusive Umfrage, die das Marktforschungsunternehmen forsa im Auftrag von STRATO durchgeführt hat,“ schreiben die Autoren einer aktuellen Studie, die vom Internet-Provider Strato in Auftrag gegeben wurde und der nun vorliegt. 1.003 deutsche Internetnutzer im Alter von 18 bis 75 Jahren wurden befragt, und die Ergebnisse geben wenigsten zu Hoffnung Anlass. Weiterlesen

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Virtually Unrolling Ancient Scrolls

Too delicate to handle

When Mount Vesuvius erupted in 79 A.D., covering the towns of Pompeii and Herculaneum in ash and lava, everything, including an invaluable library of scrolls, was lost to the inferno. Or at least they were lost until Brent Seales came along. As head of the computer science department at the University of Kentucky, Seales was fascinated by the hundreds of carbonized papyrus scrolls that were unearthed in 1752 in a villa in Herculaneum that allegedly once belonged to Julius Ceasar’s father-in-law. Today, the scrolls are kept at the National Archaeological Museum in Naples and are believed to be the only intact library from antiquity to survive. Except, of course, that nobody could actually read what was written on them.

Historians have been searching for centuries for lost works from classical antiquity such as Sappho’s poems or Mark Antony’s treatise on drunkenness – works which are known only through references to them by other writers.

Until now, reading the scrolls from the aptly named Villa of the Papyri has been impossible. Any attempt to unroll them would lead to their destruction – they simply crumble into dust. Searls believes he has found a way to “virtually unroll” them using artificial intelligence, machine learning and high-energy x-rays, the Washington Post reports. Weiterlesen

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“What is the best flavored wine?”

There are two ways to answer this question which I found on Quora. Presumably, the writer didn’t really mean “which wine tastes best”. That would simply be a matter of taste.

I prefer to read the question as “What is the best wine to which other flavors have been added”, which makes more sense.

Personally, I love Retsina, a dry white wine from Greece to which tree resin is added, sometimes more, sometimes less. This has been done since ancient times as a means of preservation. Yes, it’s an acquired taste, but nothing beats a well-cooked moussaka or a rabbit stifada with a glass of ice-cold, home-made Retsina that always reminds me of the pine woods above Chora Sfakion on Crete.

Other ways of aromatizing wine were used in ancient times, for instance in Mesopotamia, Greece, and in ancient Rome, with honey, herbs and spices leading the list. This was done mostly for medicinal reasons, but people obviously got used to the taste after a while, and some preferred these wines, as we know from contemporary sources.

Today, there are lots of examples of wines that have been altered to make them taste better or at least differently. Probably the best-known is Vermouth, which was invented in 1786 by Antonio Carpano, a wine producer in Piemonte. Weiterlesen

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Trump bashes Germany with false facts about crime

On his way to the G7 meeting in Biaritz, our Delusionist in Chief let off another one of his flatulent falsehoods, claiming that crime in Germany is „way up“ and that people in Germany are therefore „turning against their leadership“. Weiterlesen

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The Pursuadables: die schwankende Mehrheit und das drohende Ende der Demokratie

Tu’s nicht!

Ich habe mir gestern auf Netflix The Great Hack reingezogen, in dem es um Facebook und Cambridge Analytica geht. Wenn du vorher nicht paranoid gewesen bist, nach diesem Film wirst du es ganz bestimmt sein. Wahnsinn, was die Jungs aus scheinbar harmlosen Daten rauskitzeln können! Wie wär’s mit einem detaillierten Persönlichkeitsprofil jedes amerikanischen Wählers, inklusive private Vorlieben und Abartigkeiten? Aber vor allem geht es um eines: deine Beeinflussbarkeit!

Ich habe auch ein neues Wort gelernt. Es geht um die demografische Gruppe der „Pursuadables“. Es macht aus Sicht der Manipulatoren gar keinen Sinn, einen überzeugten Wähler mit Fake News zu überschwemmen in dem Versuch, ihn umzustimmen. Das heißt: Vielleicht würde es Sinn machen, wäre aber viel zu teuer. Man konzentriert sich deshalb auf diejenigen, die entweder auf der Kippe stehen oder gar keine richtige Meinung haben. In unseren polarisierten Gesellschaften genügt es in der Regel, eine Handvoll Wähler zu überzeugen, sagen wir 4 oder 5 Prozent.

Der Film erzählt haargenau, wie CA nacheinander den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf und die Brexit-Abstimmung entschieden haben. Das habe ich gewusst, aber was ich nicht wusste ist, dass die Jungs vorher schon jahrelang in demokratische Prozesse auf der ganzen Welt reingepfuscht haben. Das waren für sie, wie ein CA-Mitarbeiter in der Doku freimütig zugeben, nur Fingerübungen, durch die sie Erfahrungen sammeln konnten, um 2016 die beiden ganz großen Dinge abzuziehen!

Ausführlich wird zum Beispiel die Geschichte erzählt von der Wahl  in dem karibischen Inselstaat Trinidad & Tobago  im Jahr 2010. Weiterlesen

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Apples and Pears

Britain and America may be, as George Bernhard Shaw famously said, two countries separated by a common language, but speakers of Cockney live on an entirely different planet. At least that’s my impresssion after hoisting a couple of pints at The Golden Fleece, a pub in Queen Street.

Technically, Cockney is neither an accent nor a language, but a slang which arose in East London and is first mentioned in 1362, when it meant a ‘cock’s egg’—that is, a defective one. While many, especially foreigners, asume anyone from London is a Cockney, you really have to be born within hearing distance of the Church of St. Mary-le-Bow in Cheapside to qualify.

Cockney is a rhyming slang which used to be unique to the areas but since has spread around other parts of the city and England in general. Nobody knows for sure how it started and why, but one theory has it that it began as a kind of secret language among thieves and pickpockets. Another has it that it originated among costermongers and street sellers as a kind of “patter”.

Cockney rhyming slang switches a word or phrase for another that rhymes with it. Surely the most famous are probably “apples and pears” for “stairs” (“let’s get you up those apples and pears!”) and “plates of meat” for “feet” (pick up your plates of meat and get a move-on, for Chrissakes!”), but “sausage and mash” instead of “cash” (as in: “Well, seems I forgot my sausage and mash, so you’ll have to stand me this drink”), “loaf of bread” for “head”, or “pigs ear” for “beer” (“buy you a pigs ear?”) are almost as well-known. But the further you delve in the weirder it can get. “Has a fight with the trouble and strife” (“wife”, “get the dog and bone, will you?” (“phone”) or “have a dicky bird with you?” (word”) are literally unintelligible to the uninitiated, and as for a “Lady Godiva” (a five-pound note”) or “Micky Bliss” for urinating, or “skin and blister” (an endearing way to describe your sister) could be Klingonian for all a non-Cockney can tell.

Just don’t try to pass yourself off as Cockney to someone who really speaks it just because you think you are cool. To do so would be to commit the sin of “mockney” and would put you in the company of such “mockney wankers” as Jamie Oliver, Kate Nash or Guy Richie.

 

PS: On Quora, Michael Millard just told me about a rhyming slang word that is used by both Brits ans Aussies to makle fun of (North)Americans, namely „seppo“. It comes from „septic tank“ = Yank. I love it!

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Social Media und der Hausverstand

Dem einen sein Hasspost ist dem anderen eine simple Meinungsäußerung. Diese Diskussion entzweit die Menschheit, seit unsere ersten Urahnen von den Bäumen herabgestiegen sind und den aufrechten Gang geübt haben. In den Zeiten von Kaisern und Königen wurde sowas meistens rasch entschieden: „L’état c’est moi!“ hat Louis XIV zwar nie wirklich gesagt, aber wenn er ein Machtwort sprach, hatten alle anderen die Schnauze zu halten.

Mit den bürgerlichen Revolutionen des 19ten Jahrhunderts und dem Aufkommen liberaler Demokratien wurde die Macht des Staates, den Menschen vorzuschreiben, was sie denken  dürfen, infrage gestellt. „Sire, gebt uns Gedankenfreiheit!“, lässt Schiller 1787 seinen Don Carlos ausrufen. Und zwei Jahre später wurde Meinungsfreiheit im Zuge der Französischen Revolution als „un des droits les plus précieux de l’Homme“ (deutsch: „eines der kostbarsten Rechte des Menschen“) in die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte aufgenommen. Voltaire wird der starke Satz zugesprochen: „Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“ Pech nur, dass der Spruch in Wahrheit von Evelyn Beatrice Hall stammt, die es dem großen Vordenker der Aufklärung 1906 in den Mund gelegt hat.

Das Recht, seine Meinung frei zu äußern, wird in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt. In den USA wird sie traditionell sehr weit ausgelegt und schützt teilweise auch Äußerungen, die anderswo als Anstiftung zu Straftaten oder als Volksverhetzung eingestuft würden. Nach gängiger Rechtsauffassung schützt der 1. Verfassungzusatz das Recht, unwahre Tatsachenbehauptungen aufzustellen. Dem Gesetzgeber wird darin ausdrücklich verboten, die Rede- und Pressefreiheit einzuschränken. Das deutsche Grundgesetz dagegen legt ausdrücklich fest, dass die Meinungsfreiheit durch die „allgemeinen Gesetze“ eingeschränkt ist. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Im Zeitalter von Social Media spitzt sich dieser Streit immer mehr zu. Weiterlesen

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